Warum gibt es Patriotismus?

11 Antworten

Natürlich habe ich eine emotionale Verbundenheit mit Deutschland. Ich bin hier geboren. Von deutschen Eltern. 

Ich habe schon in früher Kindheit die Grundrechte unseres Grundgesetzes auswendig gekonnt. Dank meiner Eltern. Und zu diesen damals schon eine emotionale Bindung aufgebaut. Die besteht bis heute. 

Als ich neulich einkaufen war, sah ich dann eine dukelhäutige junge Frau. Die habe ich also gefragt, ob sie anständig behandelt wird, ihre für uns Deutsche verbindlichen Grundrechte geachtet werden. Da sie bejaht hat war ich zufrieden. 

Neulich stellte upworthy ein Video online. Es zeigte eine Szene in einer New Yorker U-Bahn. Ein Fahrgast tickte aus. Es waren aber Polizisten aus Schweden drin,die gerade dort ihren Urlaub verbrachten. Das Video zeigte, wie diese Polizisten sich verhielten. 

Ich habe also kommentiert, dass ich als Deutsche von unseren Polizisten solches Verhalten erwarte, dafür ja schließlich meine Steuern zahle. 

Ich kenne manche anderen Zustände in diesem Staat. Ich weiß, dass dort 45 Millionen Deutschstämmige leben. Wenn ich diese auf solche Weise oder auch anders einladen kann, sich einfach mal unsere Grundrechte genau anzusehen, dann schadet es den USA sicherlich nicht. 

Ich bin schon älter. Im Rahmen vieler Diskussionen mit Menschen aus aller Welt habe ich von anderen grundsätzlichen Lebensregeln erfahren. Einige sind für mich durchaus sehr attraktiv. Ich hätte sie hier gerne als Grundregel. Das geht aber nach meiner persönlichen Wahrnehmung erst, wenn die Mehrheit der Bevölkerung erst mal unsere hier geltenden Grundregeln kennt, befürwortet, leben will und ihre Beachtung als selbstverständlich nicht nur ansieht sondern auch im passenden Rahmen einfordert. 

Ok. Rechte Politik. Berichteten schon meine Vorfahren davon, dass sich da gerne Bildungsferne tummelt. Und Ablehnung von Rechtsstaatlichkeit. Passt nicht zu mir. Fühle mich gerade deswegen als Mensch mit einem gewissen Patriotismus, denn ich im Alltag zu leben versuche. 

Ich bin ja fest davon überzeugt, wenn es mehr Menschen wie mich gibt, kann der Rechtsradikalismus hier nicht blühen. 

Na ja, es ist ja grundsätzlich erstmal nichts dagegen einzuwenden, dass man Vaterlandsliebe empfindet. Die meisten Menschen fühlen sich bestimmt in Deutschland zu Hause und würden auch nicht auswandern wollen. Außerdem mögen sie vielleicht die Sprache und die Lebensart, oder wie auch immer.

Ich lebe sehr gerne in Deutschland. Ich finde hier vieles sehr gut was auch unmittelbar mit der Mentalität der Menschen zu tun hat. Ich finde auch Goethes Faust klasse. Die Aufklärung war auch toll. Brecht und Kant kann man sich auch geben.

Die Frage ist doch, kann man solche Gefühle unter Patriotismus zusammenfassen. Am Ende ist Patriotismus doch nur ein Kampfbegriff des konservativen Spektrums, das zu ängstlich ist sich als Nationalisten zu bezeichnen. Für die Gruppe der Menschen die solche Gefühle haben, das sind sicherlich sehr viele, muss man ja eine Bezeichnung finden, damit man sie dann mobilisieren kann.

Deswegen stehe ich dem Patriotimus als Begriff und als politischer Richtung absolut kritisch gegenüber. Weil der Patriotismus im Hinblick auf politische Entscheidung sehr oft zu irrationalem Denken führen kann.

Ich bin natürlich auch froh darüber hier zu wohnen. Meine Assoziation war es bis jetzt jedoch, dass der deutsche Patriot fahneschwingend stolz darüber erzählt wie Menschen in der Geschichte für das heutige Deutschland gekämpft haben (sehr einfach ausgedrückt). Es scheint mir jedoch auch nach den Antworten hier einen fließenden Übergang zwischen Vaterlandsstolz- und liebe zu geben im Zusammenhang mit dem Begriff ''Patriotismus''?

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@Jonas7

Na ja, ob es jetzt Stolz oder Liebe ist. Im Kern ist es einfach ein oftmals eher unbegründetes, positives Gefühl gegenüber seiner eigenen Heimat. Ich meine, ich habe ja einige Punkte aufgezählt, die ich an Deutschland und an der deutschen Geschichte gut finde. Deswegen verdrücke ich kein Tränchen, wenn ich die deutsche Flagge sehe. Schon gar nicht würde ich deswegen sagen, dass Deutschland das beste Land auf der Welt ist.

Ja, aber das meinte ich ja auch mit dem zweiten Teil. Der Unterschied zwischen dir und demjenigen der die Fahne schwingt ist nicht, dass ihr beide froh darüber seid in Deutschland zu wohnen. Sondern der eine sieht und bezeichnet sich eben als Patriot. Er gibt seinem Gefühl eine Label. Während du das eben nicht tust.

Das sagte ich ja, dass der Patriotismus an sich nur die Politisierung eines Gefühls ist, das ohnehin viele Menschen haben. Derjenige der sich davon politisieren lässt, der schwingt dann eben auch die Fahne.

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Patriotismus unterscheidet sich vom Nationalismus.Da ist im wirklichen Leben sicher nicht immer einfach zu erkennen.Patriotismus hat eher mit Heimatverbundenheit -und Liebe, friedlichem Stolz zu tun.Der Nationalismus hingegen kann ins militante, fanatische  ausarten, sich gegen andere Staaten, oder gegen Ausländer im eigenen Land richten.Die meisten Menschen werden mehr oder weniger eine Heimatverbundenheit zu ihrem Ort der Kindheit ,Schul-und Jugendzeit haben, weil diese Zeit  mit vielen unauslöschlichen  Erinnerungen , Erleb-und Geschehnissen  verbunden ist.


Das ist, wie z.B. eine Religion auch, ein Massenlenkungsmittel.

Nichts dagegen, wenn jemand seine Heimat liebt. Die Gegend, in welcher er aufgewachsen oder sich irgendwann hinbegeben hat.

Das tue ich auch.

Nur genau das hat man geschickt gemacht mit einem Staat und einer Fahne verbunden und Stolz dabei hervorgehoben.

Letzteres ist ja mal absolut blöd, man kann Stolz sein auf etwas, was man selbst geschaffen hat. Aber dass man zufällig halt mal hier oder anderswo zur Welt gekommen ist, da hat ein Lottogewinner mehr Grund, Stolz auf seinen Gewinn zu sein, der hat wenigstens noch ein paar kleine Kreuzchen gemalt.

Aber auf diese Weise schweißt man einige Moskoten zusammen zu einer Einheit und kann sie lenken. Was sie denken, was sie gut finden sollen, wen sie gut finden sollen - und, viel wichtiger, wen eben nicht - und auf wen sie losgehen sollen.

Ein Massenlenkungsmittel, etabliert um sie zu lenken, die, die drauf reinfallen auf solchen Schmus.

Patriotismus kann dafür sorgen, das du, weil du überzeugt bist das dein Geburtsland besonders ist, daran arbeitest es besser zu machen. Das muss nicht unbedingt so sein, ist aber nützlich.

Und es ist ja nicht irgendein Punkt, es ist eine Sprache, eine Kultur, eine Geschichte, gewisse Werte, ein gesamtes Land mit seiner Bevölkerung, dem man sich angehörig fühlt.

Man findet ja auch andere Dinge toll, nur weil man sie auch hat oder dazu gehört, z.b. eine Stadt oder eine Gewisse Marke.

Patriotismus kann natürlich auch gefährlich werde, wenn man sich als überlegen fühlt und keine Kritik akzeptiert.

Klar, das können Auswirkungen sein aber ich verstehe es persönlich nicht wie man sich zu seinem Land in dem man wohnt mehr hingezogen fühlt oder es für besonders wertvoll erachtet als irgendein anderer Fleck auf dieser Erde.

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@Jonas7

Aus dem Grund das DU dort geboren wieder und dort lebst, weil DU die Sprache sprichst , die gleiche Kultur und die gleichen Werte hast.

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Zu dem Ende: Dann ist es kein Patriotismus mehr, sondern Chauvinismus

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