Warum gibt es Miesmuscheln nur in den R-Monaten?

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6 Antworten

Das bei uns nicht ganzjährige Angebot guter Miesmuscheln hängt mit unserem kühl-gemäßigten Klima zusammen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die auf Unterwasserfeldern (= Muschelkulturen)liegenden Muscheln manchmal nicht nur im Frühjahr sondern auch nochmals im Sommer laichen. Dann sind sie erneut mager. Nach wenigen Wochen haben sie sich durch fleißiges Abfiltrieren von Mikroalgen herangemästet. Dann sind sie reif für die Ernte und den Verkauf.

das hat auch was mit dem wetter zu tun: nach auskunft eines muschelfachmanns, haben starke winde u.u. zur folge, dass die muscheln so viel sand aufnehmen, dass der selbst durch längeres wässern nicht mehr entfernt werden kann. und wer möchte schon gern sandiges zeug essen?

Die überlieferte Empfehlung, dass Muscheln nur in Monaten mit dem Buchstaben "R" verzehrt werden sollen, hat traditionelle Hintergründe: In unseren Breiten haben Muscheln in den Monaten September bis April Saison und werden vorwiegend aus deutscher und niederländischer Ernte angeboten. Muschelvergiftungen treten nur in heißen Monaten (ohne den Buchstaben "R") auf, da in diesen Monaten Algen blühen und während der Blüte Toxine bilden. Durch Filtriervorgänge nehmen Muscheln die Algentoxine mit dem Wasser auf. Die Toxine können sich so in gefährlichen Konzentrationen in den Muscheln anreichern. Dieser Vorgang wird "shellfish poisoning" genannt und spiegelt sich in der Volksweisheit wider. Ferner herrschten früher schlechtere Lager- und Transportbedingungen, die eher zum Verderb führten. So war es nur logisch, in den heißen Monaten auf Muscheln zu verzichten. Heute ist durch eine umfassende EU-Gesetzgebung gewährleistet, dass ganzjährig sowohl die Aufzuchtgebiete an den Küsten bezüglich Algen und Bakterien, als auch alle für die Ernte von Muscheln relevanten Küstenbereiche über ein Frühwarnsystem für Algentoxine kontrolliert werden. In den Reinigungs- und Verpackungszentren werden die Muscheln erst nach Kontrolle auf Unbedenklichkeit für den Verzehr freigegeben. So wird eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Verbraucher durch Algentoxine und durch schädliche Bakterien weitgehend ausgeschlossen.

Im Rheinland sind Miesmuscheln in den Herbst- und Wintermonaten, in denen ein "r" vorkommt, eine vielgegessene Spezialität. Weil die Muscheln kühl und frisch bleiben müssen, konnte man sie früher nur in den kalten Monaten genießen. Dieser Brauch ist zur Tradition geworden, obwohl heutzutage die Muscheln gekühlt transportiert und gelagert werden Eigentlich könnte man diese köstlichen Schalentiere das ganze Jahr über essen, so wie das in vielen europäischen Ländern üblich ist. In den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Griechenland, Italien usw. kommen sie in vielen Variationen fast das ganze Jahr auf den Tisch, nur 2 Monate im Sommer haben sie eine Schonzeit um die Aufzucht zu sichern.

In den Niederlanden und in Belgien fängt die Miesmuschelsaison bereits Ende Mai an. Dann kommen die frisch geernteten Muscheln auf den Markt. Die Stadt Antwerpen feiert dies sogar mit einem Fest. Allerdings sind die Muscheln dann noch sehr klein.

Miesmuscheln können nicht in irgendwelchen Hallen gezüchtet werden, sondern nach wie vor nur im Meer und werden dort geerntet. Auf Grund ihres Lebensraums haben die Muscheln einen festen Entwicklungszyklus. Und nur in bestimmten Monaten kann man die ideale Miesmuschel ernten. Früher gab es ja Obst auch nur in bestimmten Monaten.

warum gibt es dann in Italien und Frankreich das ganze Jahr über Miesmuscheln? Ich denke es liegt eher am Frischhalteproblem, weil die Muscheln bei warmen Wetter schnell verderben

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