Warum gibt es mehrere Wörter die das gleiche bezeichnen, wenn ein Wort doch schon ausreicht?

...komplette Frage anzeigen

7 Antworten

Ein klassisches Beispiel ist "Möhre" und "Karotte". 
Karotte kommt aus dem Lateinischen, während Möhre germanischen Ursprungs ist, z.B. schwedisch "morrot".

Dasselbe gilt für "Ross" und "Pferd", letzteres wieder Latein, das erste Wort versteht man auch auf Island - es ist germanischen Ursprungs (auf Island benutzt man "hestur" - verwandt mit dt. "Hengst" - oder auch "hross").

Manche germanischen Formen kennen wir kaum noch. "Mühle" kennt jeder (lat. molina), aber das altdeutsche "Kürn" (verwandt mit schwedisch "kvarn") kennt kaum noch jemand. Man findet z.B. den Namen "Kürnbach" (Mühlenbach).  

Viele dieser Doppelbezeichnungen haben wir also der lateinischen Sprache zu verdanken, es kann aber auch andere Entlehnungen (z.B. aus slawischen Sprachen) betreffen. "Gurke" ist ein slawisches Lehnwort, vielleicht kennen manche Schwaben aber noch "Gugommer"; verwandt mit engl. cucumber, und ein altes westgermanisches Wort.

"Schmand" ist slawischen Ursprungs, aber "Rahm" gibt es so ähnlich auch im Isländischen: rjómi (das Wort verwendet man heute für Sahne).

Während die englische "Butterfly" eine "Butterfliege" ist, ist unser "Schmetterling" ein "Schmand-ling" (tschechisch "smetana" für dieses Milchprodukt - übrigens auch der Nachname des Komponisten Smetana).

Der Schmetterling schmettert also nicht, sondern fliegt eben auf die smetana, den Schmand, zumindest nahm man das halt so an.

https://cs.wikipedia.org/wiki/Smetana

Der Schmetterling heißt manchmal "Sommervogel" - und diesen Namen gibt es zum Teil auch in Skandinavien (Norwegen).

2

ich denke mir, das hängt auch mit der Geschichte der Sprache zusammen.  Es gibt vornehmere Wörter und weniger vornehme. Das hat möglicherweise etwas mit der Geschichte des Volkes zu tun. Der Adel drückte sich feiner aus als der Bauer, obwohl beide dasselbe meinen. 

Verzehren klingt für mich z.B. etwas vornehmer, obwohl beide dasselbe meinen.

Mit der Verwendung von speziellen Wörtern wird allgemein die Zugehörigkeit zu einer Gruppe erklärt und getestet. Gibt es nicht nur beim Adel, sondern in so gut wie allen Subkulturen.

1

z.B. Jugendsprache, Fachbegriffe im Beruf, Beamtendeutsch, Sprache von Anwälten,...

0

Wenn du in einem Aufsatz das vierte Mal in vier Sätzen "gehen" schreibst, bekommst du einen Wiederholungsfehler angestrichen.
Und zwar mit Recht, denn wenn du es dir laut vorliest, hört es sich bescheuert an.

Da ist es dann gut, wenn die deutsche Sprache auch "schreiten", "fortbewegen" und "sich entfernen" anbietet, um das Wort nicht permanent zu wiederholen und auch noch gewisse Feinheiten abzubilden, die dem Wort gehen selbst nicht zu entlocken sind.

Eine Lesung sollte ja ein Genuss sein und keine Quälerei für die Zuhörer.

Stimme in weiten Teilen zu, nur wird die deutsche Sprache nicht nur in Aufsätzen gebraucht. Und um Genuss muss es dabei nicht gehen.

 Amtliche Dokumente, Gerichtsbeschlüsse, (wissenschaftliche und technische) Berichte und vieles mehr scheren sich rein gar nichts um gute Lesbarkeit. Da geht es um Exaktheit. Und dafür wird auch gern mal das gleiche Wort zigfach in einem Absatz gebraucht.

0

jeder Mensch hat auch einen eigenen Namen obwohl alles Menschen sind.
Du kannst deinen Partner Mann/Frau nennen oder Schatzi Liebling usw. Zweiteres ist einfach schöner

Verschiedene Wörter mögen vielleicht das selbe, nie jedoch das gleiche bezeichnen. Die deutsche Sprache ist extrem exakt und es gibt halt viele sprachliche Nuancen um auch kleinste Unterschiede differenzieren zu können. Es gibt schon Synonyme, diese jedoch bilden nie zu 100% auf die selbe Sache ab.

Beispiel: essen und verzehren, wo ist da ein Unterschied? Mit den Zähnen etwas kauen oder zermahlen, wo ist der Unterschied?

0
@mulano

zwischen kauen und zermahlen sehe ich schon einen Unterschied. Das zermahlene Essen ist für mich wesentlich feiner zerkaut.  Man kaut beim Zermahlen länger. 

2
@mulano

Naja.. Wenn man "verzehren" auf die Nahrungsaufnahme reduziert, dann ist da zu essen natürlich kaum ein Unterschied. Aber wie ist es z.B. mit einem Feuer? Etwas kann von Flammen verzehrt werden, wird aber selten von diesen gegessen.

Und wie steht es mit "zermahlen"? Eine Mühle zermahlt das Korn. Zerkaut es das Korn auch? 

1

Wenn du auf andere Dinge anwendest gibt es da schon einen Unterschied, aber wenn wir mal bei meinem Beispiel bleiben gibt es da keinen Unterschied, denke ich. Ob nun "zermahltes" Essen feiner zerkaut ist wie gekautes Essen, ist schwer zu sagen. Da müsste man sich sehr ausgiebig mit den Worten beschäftigen.

0
@mulano

mahlen = horizontale Bewegung, im Sinne von "zerreiben"

kauen = vertikale Bewegung von Kauwerkzeugen in einem stoßend/drückenden/quetschenden Sinne

Man sieht hier sehr schön, wie differenziert an diesem Punkt die deutsche Sprache sein kann.

2

Du sagst es schon richtig: Viele Wörter sagen dasgleiche aus, aber nicht dasselbe.

Jedes Synonym zu einem Wort hat nur annähernd dieselbe Bedeutung. Das bereichert die Sprache und macht es möglich, ganz besondere Nuancen bei der Beschreibung einer Sache, eines Vorgangs oder einer Person  hervorzuheben.

Beispiel:

Zum Verb "gehen" gibt es z.B: die Synonyme
laufen, rennen, wandern, schreiten, stolzieren, latschen, humpeln, schlendern, schleichen.

Er ging die Straße entlang
Er rannte die Straße entlang, er stolzierte über die Straße, er schlenderte durch die Straßen, er schlich über die Stra0e...

Daran kannst du erkennen, dass jedes Synonym zu ein- und demselben Vorgang etwas ganz Besonderes ausdrückt.

Sie bezeichnen nicht das Gleiche, nur ähnliche Dinge, oder sie haben anderen Stil.

Möhre und Karotte?

0

Was möchtest Du wissen?