Warum gibt es kein Gesetz was Astronautenanzüge in Operationssälen vorschreibt?

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6 Antworten

Das ist eine Kostenfrage. Es wäre einfach für die Masse unbezahlbar.

Solche Schutzmaßnahmen machen bei Patienten Sinn, die ein stark erhötes Infektionsrisiko und ein stark geschwächtes Immunsystem haben.

Die deiner Meinung nach mangelnden Schutzmaßnahmen im OP sind nicht der Grund für die immer häuftiger schwerwiegenden Infektionen. Die Ursache dafür liegt in den Resistenzen der Keime.

M.E. sollten staatliche Mittel dafür eingesetzt werden, an Phagen zu forschen. Unternehmen werden es kaum tun, selbst wenn es die rechtslage erlaubt, da sie damit kein Geld verdienen können. Da wäre das Geld besser aufgehoben als in Astronautenanzügen für die Masse.

Es ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, weil es Quatsch ist. 

Mit den heutzutage üblichen hygienischen Maßnahmen ist, sofern korrekt durchgeführt, eine Übertragung von Keimen vom Operateur zum Patienten sehr unwahrscheinlich. Ein überwältigender Großteil der intraoperativ gesetzten Wundinfektionen stammt von Keimen, die auf der Haut des Patienten selbst wohnen, und gegen die nutzt nur gute Hautdesinfektion und kein Raumanzug.

Diese Anzüge sind wieder mal so eine ärgerliche Bauernfängerei, mit der Kundenfang betrieben wird. Dabei gibt es zu dem Thema nun wirklich genug Studien- und bisher konnte noch nicht einmal belegt werden, dass es einen Nachteil für den Patienten bedeutet, wenn der Anästhesist im Raum nicht mal einen Mundschutz auf hat ...

Ich bin OP-Pflegerin und würde sicher nicht in so einem Ding arbeiten wollen. Ich hab es noch nie in Aktion gesehen oder gar getragen, vermute aber, dass man in diesem Ding extrem schwitzt, was natürlich auch nicht hygienisch ist. Und bewegen kann man sich darin bestimmt auch nicht so toll.

Wenn man sich an die normalen Hygienegrundregeln im OP hält, gibt es selten Infektionen, die direkt bei der OP passieren. Es liegt oft eher an der Station, am Besuch und dem Patienten selber. Wenn beim Verbandswechsel nicht korrekt gearbeitet wird, infiziert sich die Wunde. Wenn der Patient die Finger nicht weglassen kann, infiziert sich die Wunde. Man sollte auch, wenn man erkältet ist, auf Krankenhausbesuche verzichten und als Patient nicht jedem dahergelaufenen die Wunde zeigen oder gar anfassen lassen.

Auch kommt es oft zu Spätinfektionen. Keime werden im Körper die ganze Zeit bekämpft, aber an Fremdkörpern vermehrern sie sich mehr.

Wir haben oft Patienten im OP, die vor Jahren eine oder mehr Prothesen eingesetzt bekommen haben. Dann infiziert sich plötzlich die Knieprothese. Ein paar Tage später Probleme mit der Schulterprothese. Und dann infizieren sich noch beide Hüftprothesen. Klar, das sind dann oft Patienten mit geschwächtem Immunsystem und alte Leute haben eh nicht mehr so ein Immunsystem.

Wie gesagt, es ist vllt ganz praktisch, ist immerhin auch ein tolles Visier, um sich selbst vor Blutspritzern zu schützen, und es mag auch sein, dass es hygienisch gesehen etwas bringt, aber ich wills nicht tragen müssen.

BascoSauce 01.07.2017, 20:34

Aber würdest du nicht auch lieber in eine solche Spezialklinik gehen, wenn du eine Hüftoperation machen lassen müsstest? Dann hab ich die Klinik rausgesucht, weil die vor kurze wohl im Fernsehen war. Die Klinik führt speziell für Hüftgelenke (oder auch andere Geleke, k A) Operationen durch, oder Eingriffe, bei denen Hyaldorol ins Gelenk unter dem Röntgenapparat eingespritzt wird. Ich überlege z.Zt. ob ich das versuche, weil ansonsten nur noch künstl Gelenke in Frage kommen. Wenn du OP Schwester bist, wollte ich dich fragen, ob du so einem Eingriff auch schon hattest, also im OP Saal und ob der Eingriff groß ist und wie der Patient dabei leiden muss. Die Erfolgsrate soll eigentlich ziemlich vielversprechend sein, wie in dem Bericht gesagt wurde. 

mfg

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sabbsi 02.07.2017, 00:49
@BascoSauce

Ich arbeite in einer Fachklinik für Orthopädie. Wir machen nicht nur kleine Arthrokopien, wir machen Hüft-, Knie-, Schulterprothesen, Revisionsprothesen, Tumorprothesen. Das volle Programm.

So eine “einfache“ Hüftprothese machen wir zig mal am Tag. Wir haben allein für Primärprothesen mehrere Systeme im Haus, zementiert und zementfrei. So eine Hüftprothese ist mit Schnitt-Naht-Zeit je nach Operateur sogar in unter 60 Minuten eingebaut.

Was die Erfolgsrate und Reha etc angeht, kenn ich mich nicht aus. Ich weiß noch bei meiner Oma, die sich in einem kleinen Kreiskrankenhaus eine zementfreie Hüftprothese einsetzen lassen hat, dass die nach ein paar Tagen rumgesprungen ist, als wäre nie was gewesen. War allerdings ein anderes System, wie wir in der Klinik haben. Aber bei unseren Systemen wirds kaum anders sein.

Ich würde dir allerdings empfehlen, auch andere Meinungen einzuholfen. Die preisen ihre Minimalinvasive Hüftprothese an, es schadet aber nicht, auch mal eine Klinik drauf schauen zu lassen, die auch andere Systeme führt. Die Prothese muss zum Patienten passen. Und sprich die Ärzte auch einfach mal direkt auf andere Systeme an, man darf sich da gerne drüber informieren.

Und irgendwelches Zeug spritzen wir nicht im OP ins Gelenk. Was die in der Ambulanz machen weiß ich nicht. Gibt ja so einige Sachen, die man noch machen kann, bevor es zur Prothese kommt, da kenn ich mich aber auch nicht aus, bin schließlich kein Orthopäde.

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studiogirl 01.07.2017, 21:48

Danke, sabbsi, für deine Antwort.

Ich selbst habe in meinem Leben schon etliche Op's gehabt, inklusive Knie-TAP, Oberarmkraktur einschliesslich Verschraubung und Platten......ich hatte nie eine Infektion oder sonstige Probleme währen doder nach einer OP. Ich würde in unterschiedlichen Kliniken operiert, vom KH in Kleinstädten bis zur MHH.......alles bestens gelaufen.

Man sollte nicht soviel Panik machen wegen Infektionen. Es geht nicht in jedem Fall übel aus.....auch nicht mit Amputationen, das sind Einzelfälle.

Ausserdem, BascoSauce....diese Hyoluron-Geschichte wird nicht von der KK übernommen, das ist eine Privatleistung.

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BascoSauce 02.07.2017, 09:51
@studiogirl

Das ging aus dem Bericht auf NDR nicht hervor. Dann bleibt mir leider nur noch die Prothese, Schmerzen werden leider nicht weniger. @sabbsi: du sagst, es gibt verschiedene Systeme und ich soll mich informieren. Wie meinst du das? Ich hab doch keinerlei Ahnung, welches System gut oder welches nicht gut auf mich passt, das muss doch letzten Endes der Operateur entscheiden. Der OP kann mir höchstens einige Systeme erklären, doch eine Entscheidung selber treffen, als Patient? Bleibt mir nichts anderes übrig, als auf die Erfahrung des Chirurgen zu vertrauen, das er für mich die richtige Wahl trifft, Kunststoff, Titan, minimalinvasiv, zementiert, unzementiert... kann ich ja als Patient schlecht einschätzen oder gar bestimmen.

mfG

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sabbsi 02.07.2017, 11:40
@BascoSauce

Sorry, ich meinte auch nicht, dass du dir eine Prothese aussuchen sollst, sondern einfach nur, dass du dir auch eine Zweit- oder Drittmeinung einholen sollst. Natürlich kannst du so was als Patient nicht entscheiden. Nur gibt es viele Patienten, die minimalinvasiv hören und das dann wollen. Die meisten Patienten wissen ja nicht, dass es verschiedene Systeme gibt ;)

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Zu teuer. 

Und außerdem meistens auch gar nicht notwendig. Wenn ordentlich gearbeitet wird, kann man einen OP auch ohne Astronautenanzügen ausreichend annähernd Keimfrei halten.

BascoSauce 01.07.2017, 17:23

Mit Anzug besteht zu 100% eine Garantie, das es zu keine I. kommt. Auch wenn noch so auf Sterilität geachtet wird, liegt die Wahrscheinlichkeit ohne Anzug höher, ist ja logisch. Die Patienten, die sich infizieren, sind diejenigen, die es ausbaden müssen. Würde die BR ein Gesetz dazu erlassen, hat kein KH mehrgroß eine andere Wahl, sind ja keine Hi Tech Anzüge von der NASA, die Millionen Euro kosten. Verstehen kann ich das ehrlich gesagt nicht.

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MaryLynn87 01.07.2017, 17:32
@BascoSauce

Teuer ist es trotzdem. Ich fürchte, dass durch die Mehrkosten manche Leute gar nicht mehr operiert werden können. 

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Barbdoc 01.07.2017, 18:12
@MaryLynn87

Auch mit Anzug besteht keine 100%ige Garantie, daß keine Infektion eintritt. Wichtiger als alles andere ist eine gewebeschonende Operationstechnik. Der Anzug wiederum beeinträchtigt den Operateur, was nicht unterschätzt werden darf.

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Ich kann durchaus verstehen, dass du von dieser Technik begeistert bist und es erstmal so aussieht, als ob man damit das Infektionsrisiko für den Patienten senken könnten.

Das Problem ist nur: Wir wissen es nicht. Nur weil etwas auf den ersten Blick logisch erscheint, kann das nicht dazu führen, dass es direkt in ganz Deutschland verpflichtend eingeführt wird.

Man müssten eine geeignete Studie durchführen, in der diese Anzüge zufällig verteilt mit der konventionellen Methode verglichen werden. Dann müssten man genau untersuchen, wie die Ergebnisse aussehen und ob möglicherweise auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Bis das passiert ist, wird es nicht zum Standard werden, solche Anzüge zu verwenden. Dagegen ist es sehr wichtig, die bereits bekannten und gut erforschte Erkenntnisse der Hygiene gut umzusetzen, so lässt sich ein großer Teil der Krankenhaus- Infektionen (ibs. in der Orthopäde) vermeiden.

weil diese Infektionen durch das OP Umfeld übertragen werden können und ein Teil der Krankenhaushygiene sind. Wenn du älter bist dann wirst du es vielleicht verstehen!

BascoSauce 01.07.2017, 17:24

Was hat das mit dem Alter zu tun und was bitte soll ich verstehen, wenn ich älter bin? Bin schon alt.

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