Warum gibt es in Deutschland so gut wie keine Hengste für den Freizeitsport?

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11 Antworten

Ich denke, da kommt einiges Zusammen.

Wegen der artgerechten Haltung- in diesen Ländern sind die ländlichen Regionen nicht so dicht besiedelt, da stehen die Pferde entsprechend auch nicht unbedingt so dicht an dicht wie hier.

Man ist nicht so "ziemperlich".  In Portugall zum Beispiel werfen die jungen Pferde meines Wissens ziemlich rigoros aussortiert - wer sich nicht benimmt , wird nicht " gehorsemanshipt" oder kastriert, sondern kommt in die Wurst.

In diesen Ländern werden die Pferde eher noch als Arbeitspferd  oder Statutssymbol fur Männer genutzt. Hier besteht ja der größte Teil der Menschen, die sich mit Pferden befassen, aus ( mehr oder weniger 😉) kleinen Mädels.

Die Rassetypischen Eigenschaften federn  teilweise auch das ungestüme Verhalten eines Hengstes etwas ab. Ein spanisches oder arabisches Pferd ist eher menschenbezogen als viele unserer Rassen, von denen man Leistung ohne Sentimentalitäten erwartet. Ein Sportpferd wechselt im Laufe seines Lebens öfter mal den Besitzer/ Bereiter....

Auch versicherungstechnische Gründe wird es haben. Hier hat eine Reitschule riesige Probleme, wenn den Kunden was passiert. In anderen Ländern intersssiert das zum Teil niemand.

Bei einem Hengst muss man jederzeit damit rechenen, dass er die bereits geklärte Rangordnung und Erziehung erneut in Frage stellt. Die Leuter in jenen Landern haben da im Allgemeinen wohl weniger Probleme mit als der normale Mitteleuropäer.

In gewisser Weise ist es eine Quälerei, wenn der Hengst seine Bedürfnisse  ausleben darf, sondern womöglich sogar Strafe zu erwarten hat, wenn er selbige " veanspruchen möchte". In anderen Ländern macht man sich da weniger Gedanken drüber.

Urlewas 28.06.2017, 19:08

( sorry, bin mal wieder mit der Rechtschreib- Korrektur zu spät gekommen)

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Urlewas 30.06.2017, 22:51
@Urlewas

Freut mich, dass meine Antwort dir helfen konnte. Danke für den Stern 💫

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Ein libanesischer Freund von uns hat uns das mit dem Hengsten in den arabischen Ländern mal so erklärt, dass dort ein kastrierter Hengst/ also ein  Wallach gegen die Mannes-Ehre ist. Da würde sich der Pferdebesitzer vorkommen, als würde man ihn selber kastrieren.

Dazu kommt, dass die Haltung der Pferde dort eine ganz andere ist. Hierzulande hat man es als Hengstbesitzer ja schon schwer, überhaupt einen Stall zu finden, in den man als Privatmensch seinen Hengst stellen kann.

Und - das mit der Erziehung traut sich auch nicht jeder zu, bzw. beherrschen viele auch nicht. Denn es braucht schon Konsequenz und die richtige Mischung aus Strenge und das Seelchen doch im richtigen Moment "auf den Arm nehmen".

Bei uns ist es extrem schwierig einen Hengst artgerecht zu halten. Viele Ställe (wir eingeschlossen) nehmen auch gar keine Hengste mehr auf. 

Selbst wenn man eine sicher eingezäunte Koppel mit genügend Abstand zu Stuten hat möchten die wenigsten Wallach-Besitzer ihre Schätzchen zum "bösen" Hengst stellen und die Hengste müssen sich damit begnügen, dass sie nur Sichtkontakt zu den anderen Pferden haben. Auch das Reiten mit Stuten kann zum Problem werden wenn der Hengst nie gelernt hat wie er sich unter dem Reiter ordentlich zu verhalten hat. Sowas kann schnell gefährlich werden. 

In den südlichen Ländern wird auch die Aufzucht ganz anders praktiziert - da wachsen die Junghengste die ersten Jahre frei ohne Menschen im Herdenverband auf und sind dadurch ganz anders sozialisiert als hier bei uns, wo sie eben leider meist gar nicht mehr so richtig sozialisiert werden. 

Hengste artgerecht zu halten ist ziemlich aufwändig bis schwierig, wenn man ihn auch auf die Koppel mit Kumpels stellen möchte und das Tier nicht einfach in eine Box ohne Kontakt zu Artgenossen packen will.

Zudem kommt noch, dass ein Hengst wenn er nicht gekört ist normal zum Wallach gemacht wird, weil diese ruhiger sind und man kann sie in gemischte Gruppen stellen.

Warum das in islamischen und südlichen Ländern so ist, begründet sich damit, dass hier einfach mehr Platz vorhanden ist (denkt man zb. an Süditalien, wie die Salerno-Traber gehalten werden) und dass man nicht kastriert, da könnte man annehmen dass es wohl am Glauben liegt bzw. dass es denen einfach wurscht ist, wenn nicht bewusst gezüchtet wird.

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Ich hab u.a. einen Hengst, der mit seinen Freunden im Offi steht. Hengste sind im Umgang auch nicht groß anders, als Stuten oder Wallache. Einzig die Erziehung muss tadellos sein, wenn man keinen Rüpel haben will.

Punkgirl512 28.06.2017, 16:47

Und wenn ich mir die Reithengste der Freizeitreiter so angucke, so sind die meisten davon schlichtweg nicht erzogen. Eier ab und gut ist. 

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Urlewas 28.06.2017, 19:13

Zufall? Ich hatte noch nicht mit allzu vielen Hengsten zu tun. Aber die waren allesamt recht schwierig und stur, und stellen die Regeln, die bereits geklärt waren, deutlich häufiger in Frage  als wallache und Stuten.

Und spätestens wenn nebenan eine rossende Stute steht, sind sie sehr schwer zu händeln. Mit dem Hengst, den sonst ein Kind führen kann, hat dann sogar der Chef es nicht leicht, ordentlich vorbei zu kommen. Fahren mit einem Hengst und einer rossenden Stute in einem Gespann würde  ich für absoluten Leichtsinn halten.

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kaltblueterin 29.06.2017, 08:48
@Urlewas

Fahren mit einem Hengst und einer rossenden Stute...

ist schon grob fahrlässig. Da gehört schon eine gute Portion Naivität dazu..

Und genau das ist das Problem: Ja, sie stellen alles in Frage, testen aus, imponieren und wehe dem, der das nicht früh genug registriert und agiert. Darum sind viele Hengste schlicht nicht richtig erzogen, weil zu oft nicht konsequent genug gehandelt wurde oder Anzeichen übersehen wurden.

Ich liebe sie, weil sie eben nicht einfach Schema F runterleiern, ihren eigenen Schädel haben und man sie nur über den Kopf erziehen und gewinnen kann. 

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bin Freizeitreiterin, WAnderreiterin und hatte 3 Hengste - nach einander, z.T. auch vorübergehend zeitgleich - man muß sich etwas Mühe geben und natürlich wissen, was man da tut UND daß die meisten anderen weder diese Erfahrung haben, noch die nötige Akzeptanz....oder Rücksichtnahme....

artgerechte HAltung für Reithengste , egal ob mit oder ohne Deckeinsatz - ist nicht wesentlich aufwendiger als für Rehe-Pferde....

ABER

Hengste verzeihen kaum einen menschlichen Fehler....

anderereits werden sie totale 1-Mann/bzw1-Frau-Pferde, was sehr positiv aber auch reichlich negativ sein kann

Urlewas 28.06.2017, 19:18

Ich weiß nicht, ob sich in den genannten Ländern irgendjemand eines Rehe- Pferdes annehmen würde.. 

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In vielen heißen Ländern ist man nicht so kleinlich - bei der Hitze und dem Getier ist jede offene Wunde, also auch nach der Kastration, eh eine Gefahr. Bedenke ich, dass ich vor ein paar Jahren im Urlaub ein Pferd angebunden auf einem offenen, kleinen Hängerchen sah (nein, kein Pferdehänger...es gab keine Einstiegsrampe...und nein, es war kein Dach oder Plane drauf, das Pferd stand angebunden auf der Ladefläche. Fürn Weihnachtsbaum hätte ich das Ding auch genommen, aber sonst ..^^) wäre vielerorts sicher Hygiene im Punkto "Vieh" sicher eher belächelnswert. Warum gibts hier weniger Ochsen? Weil die keiner mehr braucht (Feldarbeit? ...Trecker!)...und für die Wurst nicht kastriert werden muss.

Kurz: So viele Nachteile ein Hengst für Freizeitreiter hat, so wenige Vorteile hätte in anderen Ländern ein Wallach. 

Das ganze Verhältnis zum Pferd ist doch ein anderes. Erzähl dort mal, dass du 500 € im Monat für dein Pferd zahlst. Die weisen dich sofort in die Klapse ein.

Ist das so ? 

Wenn dem so ist, dann würde ich sagen, dass in den von dir genannten Ländern der Umgang mit den Pferden auch anders ist als hier in D sein dürfte. Dann mag das wahrscheinlich nach Außen hin funktionieren - die Behandlung der Pferde dürfte aber wahrscheinlich den deutschen Wendys die Tränen in die Augen treiben .... 

Weil es für Freizeitreiter absoluter Unsinn ist, Reithengste zu halten. 

Die meisten davon erhalten keine anständige Erziehung und sind dadurch schwierig im Umgang. 

Wozu braucht man denn einen Hengst? Zur Zucht - das wars. Hengste, die nicht decken, kann man auch getrost legen lassen. 

Reithengste kann man in nur wenigen Fällen in einer Herde halten - d.h. soziale Kontakte sind meist auf allerhöchstens Nase-Nase beschränkt. Ein Leben lang. Alleine in Boxen, alleine draußen, alleine immer. Die Hengste, die sich gut vergesellschaften lassen, betragen vll. 5-10% der Reithengste der Freizeitreiter. 

Was bringt es dem Freizeitreiter nun also, Hengste zu halten, wo die Haltung als Wallache für das Pferd (!!!!) viel entspannter und angenehmer ist? Kein Testosteron, keine anderen Hormone im Weg. Es ist ein wesentlich entspannteres arbeiten. 

In südländischen Ländern - z.B. die iberische Halbinsel, Spanien/Portugal? Da ist es gang und gebe, Hengste zu halten. Da werden die Pferde aber auch immer noch 24/7 in wirklich kleine Boxen eingesperrt, ohne großen Weidegang, zusätzlich werden die Hengste da auch immer noch oft gebrochen. Klar funktioniert Boxenknast in absoluter Abgeschiedenheit auch - pferdefreundlich ist was anderes. 

Weil Hengste schwieriger zu halten sind und für viele offenbar auch schwieriger zu handeln/reiten.

Dass es in südlichen Ländern fast ausschließlich Hengste gib, halte ich für ein Gerücht. Immerhin werden Hengst aus Stuten geboren.

michi57319 28.06.2017, 13:39

Damit ist doch einfach gemeint, daß Hengste den Wallachen zahlenmäßig überlegen sind. Kein männliches Tier wird als Wallach geboren ^^

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Bitterkraut 28.06.2017, 13:41
@michi57319

ich wage es nicht, den FS zu interpretieren. Nach seiner Ansicht gibt es ja kaum Stuten - wo kommen dann all die Hengste her. Die Prämisse ist ohnehin falsch. Auch im Süden lernen die kinder das reiten nicht auf Hengsten.

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Punkgirl512 28.06.2017, 16:43
@Bitterkraut

Ich habe es auch so verstanden, dass die Zahl der Hengste die der Wallache übersteigt - von den Stuten war keine Rede. Einfach nur, dass dort die Hengste wesentlich seltener gelegt werden.

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PhilippK0110 28.06.2017, 18:50

Dass es in südlichen Ländern natürlich auch Stuten gibt liegt in der Natur der Sache. Es geht in der Frage ja auch nicht um Stuten, sondern um Hengste/Wallache. In besagten Ländern bleiben männliche Pferde eben prozentual gesehen eher Hengst und werden nicht gelegt.

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Weil eine artgerecht Haltung schwierig ist

PhilippK0110 28.06.2017, 13:08

Würde bedeuten, dass in anderen Ländern die artgerechte Haltung der Pferde keinen so hohen Stellenwert wie in Deutschland hat.

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Paulina42 28.06.2017, 13:09

Ja genau

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Wie es in islamischen Ländern ist, weiß ich nicht. Gibt es da überhaupt Freizeitsport mit, was weiß ich, jeweils 25 oder mehr Pferden auf dem Abreiteplatz?

Und dann Hengste unter Freizeitreitern?  Na, ich danke.

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