Warum gibt es in China noch keine Aufstände?

14 Antworten

In China herrscht eine ganz andere Sichtweise als hier. Auch das Grundverständnis der Chinesen in Bezug auf das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft ist ein ganz anderes. In der chinesischen Bevölkerung wird die Politik der Regierung im Durchschnitt sehr viel positiver bewertet als aus europäischer Sicht. Das liegt nicht daran, dass die Chinesen nicht wüssten was ihre Regierung tut oder weil sie dümmer wären als wir. Das ist beides nicht der Fall. Sie haben nur eine ganz andere Einstellung dazu.

Man muss verstehen, dass Kultur, Geschichte und Philosophie in Ostasien ganz anders sind als bei uns in Europa. Auch wenn China große Probleme mit Korruption hat, so handelt die Zentralregierung in Peking mit all ihren Maßnahmen die aus unserer europäisch geprägten Sicht als große Freiheitseinschränkungen und Verstöße gegen Menschenrechte wahrgenommen werden, nach ihrem eigenen Verständnis durchaus zum Wohle der Bevölkerung, und das wird von der Bevölkerung auch mehrheitlich so gesehen. Es geht darum den Wohlstand für alle zu fördern und das Zusammenleben zu verbessern. Um das zu erreichen sind aus Sicht der chinesischen Führung solche restriktiven Maßnahmen notwendig, und das sehen auch viele Menschen im Lande so.

China ist ein Land mir 1,4 Milliarden Menschen die miteinander gut leben und auskommen müssen, von denen vor nicht all zu langer Zeit viele nicht mal genug zu Essen hatten. Im asiatischen Selbstverständnis begreift sich der Einzelne viel mehr als Teil des Ganzen, wohingegen sich in Europa der Einzelne mehr als Individuum begreift.

Wenn man versucht das Verhalten der chinesischen Bevölkerung nur anhand westlicher Werte und Sichtweiten zu beurteilen, wird man zwangsläufig scheitern.

Weil das, was du in deiner Frage vermutlich in Anlehnung an die beständige Berieselung durch die "freiheitlich-demokratischen" Medien hier behauptest, nicht stimmt!

Ich empfehle ein jüngst erschienenes Buch dazu:

Wolfram Elsner, "Das chinesische Jahrhundert- Die neue Nummer eins ist anders", Westend, 2020, ISBN 978-3-86489-261-5

Einige Grundaussagen daraus:

Die Renditen der Unternehmen unterliegen dem Primat der Politik, ihre Gewinne werden mehrheitlich für gesellschaftlich relevante Unternehmen, z. B. in F+E, im Aufbau von Infrastrukturen, Sicherung gemeinschaftlicher Güter, Erhöhung von Löhnen und Steigerung von Sozialversicherungsleistung u. ä. eingesetzt, nicht vorrangig für Erzielung von Maximalgewinnen und Befriedigung der Shareholder.

Es ist eine kontinuierliche Umorganisierung der Verhältnisse von Staat zu Privatwirtschaft sichtbar, wobei der Staat mit einer immer größeren Rolle in wichtigen Industriesektoren und im Finanzsektor agiert.

Strategische Teile der Industrie- und Dienstleistungssektoren bleiben in Staatshand, Kreditvergabe ist staatlich kontrolliert.

Besitzformen sind flexibel und nicht auf Lebensdauer der Besitzerdynastien festgelegt.

Ebenso sind Unternehmensformen vielfältig und variabel.

Es gibt verschiedene Formen der sog. "Sharing-Ökonomie, auch in privaten P2P bzw C2C-Bereichen, ein Indikator für gewisse Sozialisierungsprozesse "von unten".

Strategie der "Rückverteilung", z. B. über erhebliche Steuererleichterungen für untere und mittlere Einkommen und stärkere Heranziehung der Superreichen.

Deutliche Änderungen in der Alltagsphilosophie und Alltagsverhalten (systematisches Denken, soziale Garmonie und Interessenausgleich, Kooperationsstreben, Akzeptanz von Diversität, Lern- und Kommunikationsfreude, Interesse an Fremdem, freundliche Entspanntheit auch im Geschlechterverhältnis, Aufgeschlossenheit und wenig Hektik, Gelassenheit aufgrund sich stetig verbessernder sozialer Sicherheit, überdurchschnittlicher Zukunftsoptimismus.

Im öffentlichen Leben gibt es keine Anzeichen von Armut, Deprivation oder sozialer Exklusion.

Überschüssiges Kapital muss nicht zwecks Renditemaximierung exportiert werden, chinesische Investitionen im Ausland spielen daher eine andere Rolle (z. B. in Entwicklungsländern) und müssen auch nicht mit militärischen Mitteln oder Sanktionen gesichert werden.

Es gibt in der chinesischen Strategiedenke keine "Erstschlags-Doktrin".

Usw., usf.

Also löse dich von den Vorurteilen und dem Schwindel in der hiesigen Mainstreampresse und mach dich sachkundig, bevor du hier "kluge" Fragen platzierst!

Vor dem Hintergrund, dass lange Zeit Not & Elend herschte, und viele Menschen umgebracht wurden, sind die Menschen tatsächlich mehr zur Ruhe gekommen. Das jetztige System ist stabil & schafft es vergleichsweise gut, die Bevölkerung zu ernähren und zu unterstützen. Das war lange Zeit undenkbar.

Die Propaganda spielt dabei sicher auch eine Rolle. Aber nicht so sehr, wie wir das immer annehmen. Die jüngere Generation wird als komplett unpolitisch beschrieben. Denen reicht es, sich selbst weiter zu entwickeln, arbeiten zu gehen & der ein oder andere empfindet tatsächlich ein Gefühl von Sicherheit, wenn er weiß, dass z.b ein Diebstahl mit einer hohen Wahrscheinlichkeit aufgedeckt wird. Das er dafür keine Privatsphäre hat, stört dabei weniger.

Tatsächlich sind solche Staaten oftmals im Vorteil. Sie müssen sich nicht mit langen Diskussionen herumschlagen. Es gibt keine Opposition. Keine Gesetze. Wenn die Machthaber kompetent sind, haben diese einen Vorteil unserem System von Rechtsstaatlichkeit & Demokratie gegenüber.

Woher ich das weiß:Recherche

🤣 In China können die Leute ins Internet! Einige Seiten sind halt gesperrt, deren Sperrung man aber mit VPN umgehen "könnte". Aber Chinesen besuchen eh lieber chinesische Internetseiten!

Die Leute in China sind mit ihrer Politik zufrieden und würden keine Demokratie haben wollen, so wir uns das vorstellen!

Die Leute in China verbinden mit Demokratie Dinge wie Demonstrationen, Proteste, die in Gewaltektasen ausarten können! Ewige Diskussionen ohne Ergebnisse usw....

Die momentane Politik in China ist für das Land ideal! Bei den vielen Kulturen und unterschiedlichen Sprachen in dem Land wäre eine Demokratie nach unseren Vorstellungen gar nicht möglich!

Warum sollte es in China Aufstände geben, wo doch die Leute dort sehr zufrieden sind und keine Gedanken mit der Politik "verschwenden" müssen???

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Studiere Sinologie und war schon paar Mal in China.

Sie haben Recht. Wir Chinesen sind meisten zufrieden mit der Diktatur. Wir haben weniger Freiheit unter der Partei, aber mehr Sicherheit und Geld. Für ein ehemalig armes Land ist doch wichtiger erst Armut zu besiegen, statt etwas sinnlose Demokratie zu plaudern. Demokratie funktioniert nur gut bei Industrieland. China hat dafür noch lange weg zu gehen.

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@schengw

Stimmt. Aber ich denke, dass eine Demokratie nicht das Beste für China ist. Würde mehr Nachteile als Vorteile bringen. 啊,你也对国际象棋感兴趣吗? 😀

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Tja, offenbar passt das Ergebnis (keine Aufstände) nicht zu den von dir vorgegebenen Umständen. Woran das liegen könnte, darüber darfst du gerne nachdenken.

Aber mal ernsthaft, in China gibt es jedes Jahr eine ganz stattliche Zahl von Aufständen, wobei das eher regional begrenzte soziale Revolten sind. Das liegt an den sozialen Gegensätzen vor allem auf dem Land und dem Wohlstandsgefälle.

Fakt ist aber auch, dass die Volksrepublik China seit ihrer Gründung - damals das ärmste Land der Welt - trotz eines massiven Bevölkerungsanstiegs den Hunger weitest gehend besiegt hat und 800 Millionen Menschen aus bitterster Armut geholt hat. 500 bis 700 Millionen Chinesen haben sogar ein mittleres Einkommen. Das macht den chinesischen Markt für westliche Konzerne auch so interessant.

Die Chinesen sind also nicht ärmer, sondern reicher geworden. Das sind Fakten, an denen man nicht vorbeikommt, so man kein antichinesisches Brett vor dem Kopf hat.

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