Warum gibt es im Jahr 2016 immernoch Menschen, die gegen Feminismus sind?

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16 Antworten

Feminismus, so wie Du ihn vermutlich in Deiner Frage siehst, ist eine Ideologie, und Ideologien sind grundsätzlich fragwürdige Konstrukte, die fast immer nur für eine gewisse Zeit unterstützende Funktionen haben, um bestimmte Misszustände zu korrigieren. 

Viel interessanter ist die Sache mit der "Gleichberechtigung". Auch hier liegt eine Art moralisches Dogma vor, dass in ungezählten Situationen gebetsmühlenartig zitiert wird, um alle möglichen und unmöglichen Argumentationen zu unterfüttern, leider, leider aber fast immer als hilfreiches Argument unbrauchbar ist.

Wenn man in die Lebenswirklichkeit hineinschaut, ist es doch nach einer ehrlichen Analyse schnell ersichtlich, dass eine Forderung nach gleicher Berechtigung auch eine gleiche Ausgangslage als Voraussetzung beinhaltet. Und eben die Ausgangslagen sind in pluralistischen menschlichen Gesellschaften extrem heterogen.

Frauen kommen aus unterschiedlichsten sozialen Gruppierungen, haben unterschiedliches Alter, unterschiedliche Ausbildungen, gehören völlig divergenten kulturellen, religiösen, ethnischen und traditionsgebundenen Systemen an und sind daher niemals als "gleichberechtigt" zu behandeln. Durch berufliche Qualifikationen (Ärztin, Anwältin, Pilotin, Lehrerin, usw.) werden Frauen zusätzlich zu ganz einmaligen Personen, als die sie auch von ihrer Umwelt behandelt werden wollen. Wenn ich als Frau mit viel Arbeitseinsatz gewisse Privilegien erworben habe, möchte ich nicht gleichbehandelt werden, sondern als ein Wesen mit meiner spezifischen Biographie individuell und differenziert.

Der Ruf nach Gleichbehandlung ist im Regelfall nur ein unredliches Argument, um sich bestimmte Vorteile zu erstreiten. Wenn man mit gewissen sozialen Schieflagen in der Gesellschaft nicht einverstanden ist, ist es doch ungleich sinnvoller, eine Analyse der für diese Schieflage wirksamen Faktoren durchzuführen, sie einer kritischen Diskussion zuzuführen, Verantwortungsträger in den Dialog einzubinden und geduldig auf eine Veränderung hin zu arbeiten.

Du siehst an diesen wenigen Anmerkungen bereits, dass eine pauschale Forderung nach Gleichberechtigung völlig ungeeignet ist, in der hochkomplexen Lebenswirklichkeit als hilfreiches Argument einen Dienst zur Verbesserung der eignen sozialen Situation leisten zu können. 

Der Feminismus ist eine Ideologie.Wie es bei einigen Ideologien der Fall ist, hat er eine berechtigte, allerdings eher unklare Grundlage, beinhaltet aber auch einige Irrtümer, die bei oberflächlicher Betrachtung für marginal gehalten werden können, im einzelnen aber fatale Auswirkungen haben können. Die berechtigte Grundlage des Feminismus ist die Forderung nach Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Unklar ist sie insofern, als niemand genau definieren kann, was das eigentlich sei. Frauen definieren sich leicht auch in solchen Situationen noch als Benachteiligte, in denen sie aus männlicher Sicht klar die Bevorzugten sind. Zynisch könnte man "definieren": Beide Geschlechter sind dann "gleichberechtigt", wenn beide sich im gleichen Maße für benachteiligt halten. Zu den scheinbar marginalen Irrtümern des Feminismus gehört das Dogma, dass es keine nicht sozial erworbenen psychischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern gebe. Es hat zur Folge, dass Feministinnen von Männern erwarten und fordern, dass Männer gefälligst genau so zu empfinden hätten wie sie selbst, und es ihnen zum Vorwurf machen, wenn sie es nicht tun. Bei allem zugestandenen Einfluss sozialer Rollen gibt es aber Bereiche, in denen hier ein Irrtum vorliegt, insbesondere die der Sexualität und der Beziehung zum neu geborenen Kind. Dies zu leugnen, kann Beziehungen zerstören, die von beiderseitigem guten Willen geprägt waren und eigentlich eine gute Chance auf Bestand gehabt hätten. Wie bei anderen Ideologien auch, beinhaltet der Feminismus die Möglichkeit der Radikalisierung. Radikal ist ein_e Vertreter_in einer Ideologie dann, wenn sie /er alles aus dieser Ideologie zu erklären versucht. Radikalisierung führt leicht zu absurden Ergebnissen. Die Radikalisierung des Feminismus zeigt sich gegenwärtig z.B. darin, dass der Begriff "Sexismus" von den Feministinnen ständig weiter ausgeweitet wird, derart, dass letztlich jede Person, die ihnen nicht voll und ganz zustimmt, in irgendeiner Weise als "sexistisch" bezeichnet wird. Was den Feminismus hier und heute von anderen Ideologien unterscheidet, ist die Tatsache, dass er weitgehend zur herrschenden Ideologie geworden ist. Er wird vor allem von Frauen vertreten, die längst den erreichbaren Gipfel der Karriereleiter erklommen haben und dabei Positionen errungen haben, von denen die meistern Männer nur träumen können. Insbesondere im Bereich der veröffentlichten Meinung ist ihre Führungsposition kaum noch anzuzweifeln. Wenn es eben diese Frauen sind, die dann auf die Benachteiligung der Frauen hinweisen, mögen sie Recht haben in Hinsicht auf die Weltbevölkerung und vergangene Jahrhunderte - in Hinsicht auf sie selbst hinterlässt das aber einen eher üblen Nachgeschmack.

Pretan4 28.07.2016, 12:23

Schöner text, aber bitte nutze von nun an Absätze :D

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Ottavio 28.07.2016, 12:48
@Pretan4

Ich habe mich wirklich redlich darum bemüht, aber die Absatztaste wohl nur jeweils zweimal statt dreimal gedrückt. Es ärgert mich wirklich selbst sehr, dass dieser Sche*ßautomat die von mir gesetzten Absätze immer wieder schlicht ignoriert und alles zusammenschiebt.

Aber Danke für die positive Bewertung !

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soundsoo 28.07.2016, 15:39

Danke für deinen Beitrag; man merkt, dass du dir reflektiert zu dem Thema Gedanken gemacht hast.
Ich denke allerdings nicht, dass Feminismus vorrangig von Frauen vertreten wird, die am Ende einer Karriere stehen. Gerade in Stundent/innen Kreisen oder generell einer Zielgruppe von 18 bis 35 Jährigen zeigt sich die beschriebene Denkweise aus meiner Erfahrung heraus häufiger. Wohlgemerkt ist das nur eine subjektive Erkenntnis, kein Resultat einer Studie.

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Wenn du den 3rd Wave Feminism meinst, der zur Zeit in Amerika die Runde macht, wie eine Epidemie, dann sind die Abwehrreaktionen dagegen durchaus berechtigt.

Alle anderen feministischen Bewegungen sind durchaus unterstützungswürdig, würden aber bei vielen Menschen eine Umstellung ihrer Lebensumstände bedeuten und wer will schon Veränderung, wenn man sich dabei verändern muss?

Tatsache ist, dass leider immer noch weit verbreitet Kinder so erzogen werden dass sie mit dem Irrglauben aufwachsen Männer seien etwas besseres und man könne stolz darauf sein, ein Mann zu sein, während man als Schande gilt eine Frau zu sein.

Eine Erziehungsmethode die auf das Christentum zurückzuführen ist, in welchem Frauen dem Mann lange lange Zeit untergeordnet waren.

An den Normannen hätte man sich dahingehend ein Beispiel nehmen sollen..

Das eine muss mit dem anderen nichts zu tun haben.

Gerade in Bezug auf Feminismus gibt es Personen und Gruppen, die unhaltbare Thesen und Forderungen aufstellen und sich medial in einer nicht von jedem als positiv bewerteten Weise präsentieren.

Wenn man das als Institution oder Instrumentalisierung negativ findet heißt das noch lange nicht, dass man gegen eine Gleichberechtigung ist.

D.h. du musst da in jedem Falle erstmal differenzieren und dann die individiuellen Beweggründe analysieren.

DerVogelistTot 28.07.2016, 02:06

Besonders Medienwirksame Menschen, Models, Prominente, u.a Politiker und Organisationen etc. (ja, auch oder vor allem Männer) machen sich "den" Feminismus im Wirtschaftlichen Sinne zu nutze und korrupieren/pervertieren diesen zum Teil mit allen Mitteln je nach SItuation...

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kayo1548 28.07.2016, 02:13
@DerVogelistTot

vor allem Männer denke ich eher nicht da sich das oft nicht vermarkten liese; kommt aber sicher, zum Beispiel im politischen oder auch personellen Bereich, durchaus vor.

Aber ein großes Problem hast du ja angesprochen: es gibt nicht "den" Feminismus und viele Probleme die durch oben genannte Personen zustande kommen hängt eben davon ab das man das alles unter "Feminismus" abhackt und damit natürlich viele andere Menschen in diesselbe Ecke stellt.


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Nun ich persönlich habe etwas gegen eine gewisse Art des feminismuses, nämlich dem, wo eben die Männer permanent für alles beschuldigt, desshalb benachteiligt, usw werden. Dann bekommen derartige feministinnen ein kind, treiben es aber ab, nachdem sie erfahren haben, dass es ein junge wird. Das ist ein sehr radikaler feminismus, aber eben feminismus.

Und generell, ich habe nichts gegen Gleichberechtigung, allerdings herrscht nirgenswo eine Gleichberechtigung. Ich mein merkst du denn nicht, dass oft Mädchen mega bevorzugt werden, und Frauen später in vielem auch? Und sobald dann die Frauen benachteiligt werden, heißt es dann, mimimimi er ist voll gegen frauen usw.

Dahingegen ist es eben besonders im nahen Osten noch sehr traditionell. Daher spielt die Frau in der Gesellschaft eine ganz andere Rolle. Kultur ist eben Kultur und braucht ihre Entwicklung und das mit sehr viel Zeit.

Der Humor, der in einem Beitrag erwähnt wird, ist meiner Meinung nach ok. Humor ist, wenn man trotzdem lacht und eben mal sowas auf die Schulter nimmt. Und wer ständig auf jede Korrektness achtet, macht sein leben nur schwer.

Treppenwitz der Geschichte: Feministinnen sind in der extremen Minderheit. Sie tun selbst alles dazu, dass das noch dramatischer wird. Stell Deine Frage mal in der Türkei - aber wenn möglich von außen! Im Nahen Osten wird es Probleme geben, Feminismus überhaupt verständlich zu übersetzen. Weil es uns zu gut geht, öffnen wir alle Tore, damit alle archaisch Patriarchale den Feminismus wieder aus dem Land schaffen. Deutsche Männer: Erst kneifen wir, wenn die Freundin begrapscht wird und dann entdecken wir die Männerfreiheit, selbst überall zu grabschen. Man passt sich halt an das Angenehmere an. Bis die Feministinnen merken, dass sie sich selbst ins Knie geschossen haben, sind wir sie los.

Ist das jetzt eine Satire oder beängstigend nah an der Realität?

soundsoo 28.07.2016, 22:32

Das klingt überzogen, radikal, und eher als hätten Sie extrem schlechte Begegnungen mit Feministinnen gehabt; mal ganz außer Acht gelassen, dass auch männliche Personen für Feminismus stehen können.

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berkersheim 28.07.2016, 22:42
@soundsoo

Eine Satire, eine Karikatur überzeichnet immer! Mit selbstbewussten Frauen bin ich Zeit meines Lebens immer klar gekommen. Außerdem spreche ich eine sorgenvolle Warnung an die Feministinnen aus. Ist Dir das nicht aufgefallen? Macht nichts. Kommt eh alles wie es kommt - man muss nur 15 - 25 Jahre warten können. Ich bin dann weg - Du auch?

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Weil es immer noch Menschen gibt, die einen Nachteil durch Gleichberechtigung hätten oder Gleichberechtigung ihnen das Leben schwerer machen würde.

Deine Frage ist doch, anders gestellt: "Warum wollen 2016 immer noch so viele nicht freiwillig auf Privilegien verzichten?"

ZIzIZakg 05.08.2016, 00:27

Oder weil man einfach nicht mit den Fragwürdigen Personen die den Feminismus vertreten in Verbindung gebracht werden will. 

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Suboptimierer 05.08.2016, 00:58
@ZIzIZakg

Das habe ich auch gelernt. Feminist ist nicht gleich Feminist. Für viele ist die Gleichberechtigung als Ziel der Deckmantel. Manche sind wirklich nur deswegen Feminist um für Gleichberechtigung / Gleichstellung zu kämpfen.

Das ist ähnlich wie bei Religionen. Zwischen Auslegungen verschiedener Ausrichtungen können Welten liegen.

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Ich verstehe es selbst nicht es kommen ja immernoch sprüche wie die frau gehört in die küch und die küche in den keller der keller zugemauert und der unterwasser zwar ein witz für einige aber manche meinen es auch ernst mit frauen in die küche

Den einen "Feminismus" gibt es nicht, sondern diverse Spielarten. Jemand, der gegen eine oder mehrere dieser Spielarten ist, muss nicht zwangsläufig gegen Gleichberechtigung sein. Es gibt u.a. auch fundamentalistischen Feminismus, der alles andere als für Gleichberechtigung ist.

Feminismus ist der letzte Dreck den Feministinnen sind darauf stolz Frauen zu sein und sehen sich als etwas besseres als Männer und wollen sich Sonderrechte für Frauen holen ich könnte mich übergeben wenn ich das Wort Feminismus nur höre, dieses idiotische "wir sind das schwächere Geschlecht also nehmt Rücksicht" Gehabe ist für mich nicht besser als Macho Gehabe und das einzige was mir am Feminismus gefällt ist das Tabus gebrochen werden

Für mich ist ein Mensch ein Mensch, egal ob Junge oder Mädchen und wer nett zu mir und meinem Zwillingsbruder ist, zu dem bin auch ich nett und wir sind auch offen Freundschaften, egal ob Junge oder Mädchen

Genauso gut könntest du fragen, warum es immer noch Homophobie, Rassismus oder religiöse Fanatiker gibt....

"Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Nur beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher..." (Albert Einstein)

tja - da kommen nun mal wieder die religionen und die erziehung ins spiel.

gut ding will weile haben (sagt man).   :)

Viele Menschen haben dies in dieses Gedankengut in die Wiege gelegt bekommen, was sie zu eben solchen Denken verleitet. 

Also falls du es global siehst, dann ist es natürlich schwer, ganze kulturen /relegionen / Völker   umzustimmen, dass beide Geschlechter gleichberechtigt sind.

Aber in der westlichen Welt ist doch schon eine absolute Gleichberechtigung hergestellt oder ?

Anscheinend geht es bei vielen Feministen in erste Welt Ländern darum nichtvorhandene Missstände zu beseitigen und die von Patriarchie in der Frauen oft mehr Vorteile genießen als Männer zu stürzen.

Feminismus ist nicht gleich Gleichberechtigung von Mann und Frau.

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