Warum gibt es heutzutage oft keinen Familien-Zusammenhalt mehr?

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16 Antworten

Hallo Malesano,

ich erlebe das totale Gegenteil!

Wir sind 5 Kinder (jedenfalls waren wir 'Kinder', lang lang ist es her ;-)).

Bei uns wurde immer sehr viel 'gemeinsam' gemacht: Mahlzeiten, Ausflüge, Einkäufe, Urlaube, Familienfeste, Haushalt...
Freitags war Fahrrad-Tag, da wurden die Räder in Schuß gebracht. Da lernte ich, von meinen Brüdern, wie man ein Rad flickt z.B.

Auch Geburtstage wurden immer zelebriert - noch heute
1. Weihnachtstag, immer zusammen - noch heute
Oft fahren wir sogar gemeinsam in den Urlaub.
(Selbst die nächtste Generation, Kinder, Enkelkinder 'leben' das.)

Also schon früh wurde bei uns diese Zusammengehörigkeit gelebt.
Und heute ist sie noch vorhanden. Wir haben alle so grund verschiedene Leben.
Wir sind unterschiedlich eng miteinander verbunden.

Aber wenn jemand in 'Not' ist... dann stehen alle gemeinsam auf der Matte!
Jeder hilft wo er nur kann.
Also ich für mich muss sagen - ohne die Unterstützung meiner Family, wäre mein Leben den Bach runter gegangen.

Einen großen Einfluss darauf hat natürlich unsere Mutter, noch heute.
Zurzeit stellt sich oft die Frage, ob es noch so sein wird... wenn die Mutti mal nicht mehr ist...

Aber ich gebe Dir auch Recht darin, dass das anscheinend nicht der 'Normalfall' ist.
Ich treffe oft auf 'Unglauben' im Umfeld - viele viele Menschen können sich das einfach nicht vorstellen... vielleicht weil sie es nie so erlebt haben

Nur meine Gedanken und meine Erfahrungen....

Lieben Gruß,
Tremsi

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Kommentar von lesterb42
05.03.2017, 09:38

So geht es auch. Lobenswerte Ausnahme.

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Der wirtschaftliche Druck war größer. Frauen waren sehr häufig von ihren Ehemännern abhängig. Heute gibt es einen bunten Strauß an Lebensentwürfen, in denen sich ein jeder versucht selbst zu verwirklichen. Die Alten kommen ins Heim. Kinder gibt es erst garnicht und wenn kommen die bei der erstbesten Gelegenheit in den Kindergarten. Wenn etwas schief läuft, greift der überbordende Sozialstaat ein.

Das ist jetzt überspitzt formuliert und mann muss das nicht gut finden. Die Beschreibung trifft aber den Kern der veränderten Verhältnisse.

Der fehlende Zusammenhalt ist eine Nebenwirkung dieser Entwicklung.

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Wir leben in einer Zeit der gesellschaftlichen Befreiung.

Früher war es so gewesen, das es viele gesellschaftlichen Zwänge gab. Fremdgehen oder Scheidung waren verpönt und entsprechende Personen wurden dann sozial geächtet. Das führte dazu das Ehepaare zusammenblieben, auch wenn es innerhalb der Familen zu starken Spannungen kam, nur die wurden einfach unter dem Teppich gekehrt.

Heute ist die Gesellschaft viel mobiler, es ist üblich das man alle 2-5 Jahre den Arbeitsplatz gewechselt, da fällt es viel schwere eine feste Gemeinschaft zu bilden. Und oft wollen weder Ehemann noch Ehefrau Kompromisse eingehen, mit dem ergebnis das der Familienhzusammenhalt viel lockerer ist.

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Es lag sehr stark auch daran daß einfach andere, schwerere Zeiten waren. Der Krieg war gerade vorbei, der Aufbau lief auf vollen Touren. Das Einkommen war sehr knapp, schon von daher war man auf Hilfe angewiesen. Sowas wie Heute mit Tablet, Handy, Internet usw. war undenkbar. Ein Telefon hatte kaum jemand, man ging zur Telefonzelle. Aber wenn sollte man anrufen, hatte ja eh keiner ein Telefon. Autos waren sehr selten, man fur mit dem Fahrrad oder dem Moped. Aus dem eigenen Ortsteil kam man kaum heraus, war eben weit weniger mobil.

Die Familie war eben der Lebensmittelpunkt, auch Nachbarschaftshilfe war sehr wichtig. Heutzutage ist das eben nicht mehr so.

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Kommentar von Rheinflip
05.03.2017, 09:32

1967.  Da war der Krieg auch schon 22 Jahre her.

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Kurz gesagt ist man einfach weniger voneinaner abhängig. Ich habe kein Interesse daran auf Zwang Kontakt mit Familienmitgliedern zu pflegen, wenn ich mich mit ihnen nicht verstehe.

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Das kann auch nicht mehr funktionieren.Wie denn auch. Eltern schaffen sich Kinder an, beide Elternteile gehen dann arbeiten. Kinder kommen von der Schule nach Hause, müssen sich ihr Essen selber warm machen. Bei Problemen reden sie dann lieber mit fremden Leuten  wie dieses hier. Denn wenn die Eltern dann nach Hause kommen, sind sie zu müde oder hatten Stress mit Chef oder Arbeitskollege. Da ist das kein Platz mehr für die Probleme der Kinder. Wenn man sich die Fragen hier so durchliest, dann weiß garantiert zwei Drittel der Eltern nicht, was die Schüler für Noten in den einzelnen Fächer geschrieben haben und welche Themen sie durchnehmen. Da bleibt kein Platz mehr für irgendwelche Gemeinsamkeiten oder Zusammenhalt. Aber das liegt nur an den Eltern, also wird die nächste Generation auch so aufwachsen.

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Kommentar von BiggerMama
05.03.2017, 07:20

Es ist so typisch deutsch, dass das erste Argument ist, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Das ist aber nicht der Grund.

Der eigentliche Grund ist, dass die Familien nicht mehr wie früher den Zusammenhalt erleben. Oft ziehen Menschen dorthin, wo der Hauptverdiener Arbeit findet. Dann ist die Familie oft weit weg von ihrer angestammten Familie. Dadurch erleben Kinder nicht mehr so den mehrere Generationen umfassenden Familienzusammenhalt.

Familientraditionen werden dadurch nicht mehr so gelebt und erlebt. Sie gehen dadurch verloren.

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Kommentar von Cavo64
05.03.2017, 08:55

@BiggerMama du tust als ob es schlecht wäre. Ohne Fortschritt kein Erfolg

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Kommentar von Rheinflip
05.03.2017, 09:37

Die Schilderung klingt sehr nach 1967, als die Arbeitszeiten noch viel länger waren.

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Ja, den habe ich tatsächlich leider auch, denn ich habe auch schon anderes erlebt. Grade am Freitag hatte ich mit ein paar Freundinnen genau über dieses Thema ein interessantes Gespräch.

Es ging aber auch darum, dass der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt sowie die soziale Komponente verlorengegangen sind. Und wir haben - trotzdem zum Beispiel ich ein totaler digitaler Freak bin - ausgemacht, dass es mit den Handys losgegangen ist, so richtig schlimm zu werden: mit den Smartphones.

Wir ham früher telefoniert und uns ausgetauscht, heut muss ich ne SMS schicken und fragen, ob es ok ist, dass ich anrufe, weil keiner mehr Bock auf telefonieren hat. Wir ham uns draußen getroffen, sind abgehangen und haben was unternommen. Heut sitzt man vor der Glotze und streamt.

So wars bei Familien auch. Die haben tatsächlich zusammengehalten. Heut parkt man die Kids vor der Glotze (früher gabs 3 Programme und um Mitternacht war Sendeschluss - war gar nicht übel) und karrt sie in der Gegend herum. Man hat täglich gemeinsam gegessen, ich kenn das gar nicht anders, und es gab Familienfeiern und alles.

Weißt du: war auch keine Ablenkung da. Man hat seinen Job gemacht, gearbeitet und dann sich in der Freizeit um die Familie gekümmert. Heut strampelt jeder, dass er überhaupt das Nötigste zusammenkriegt, und wenn man jemanden anruft, heißt es ur: "bla sorgen bla Stress". Hab ich in der eigenen Familie oft genug erlebt. Es gibt nicht mal mehr ne richtige Familienfeier.

Die Gründe sind mit Sicherheit viel vielschichtiger, als ich sie beschreiben kann, bin ja kein Soziologe, aber es liegt zum großen Teil an der Digitalisierung, der verdichteten Arbeitswelt und den Anforderungen heutzutage. Ein Großteil der Leute, die ich kenne, sind tatsächlich "atemlos", arbeiten, essen, pennen. Familien sind zerstritten und zerfallen, man ist ja nicht mehr drauf angewiesen, geht einfach ans Netz und sucht sich ne "neue" Familie. Serien wie "Friends" oder "How I met your mother" tun ihr übriges - da tauchen die Eltern doch nur noch als Randerscheinung auf, und Freunde ersetzen, was früher die Familie war. Das alles ist meiner Meinung nach gewünscht und herbeimanipuliert.

Die Familie ist nämlich die kleinste solidarische Zelle innerhalb eines Staatswesens. 

Jetzt hör ich mal auf, sonst wird ein Buch draus, und ich schreibe grad an einem Krimi. Bin gespannt, wie viel und welche Antworten du bekommst und schau noch mal rein. Schönen Sonntag.

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Kommentar von Rheinflip
05.03.2017, 09:35

1967 gab es drei Programme? 

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Kommentar von SlowPhil
05.03.2017, 10:14

Es ist immer leicht, Filmen oder Serien die Schuld daran zu geben, wenn Familien als solidarische Gemeinschaften nicht funktionieren. Das erinnert mich an das wohlfeile Egoshooter-Bashing nach Amokläufen. Aber auch inhaltlich bin ich nicht einverstanden. Gerade eine Serie wie „How I met your Mother“ lebt doch von dem Versuch der Serienhelden (der meisten jedenfalls, Barney ist eine Ausnahme, doch auch er „endet“ als treusorgender Vater) eine stabile Beziehung und auf deren Grundlage eine Familie zu gründen, und bei den Ericssons ist das ja auch der Fall. Wie dem auch sei, Familie kann nur wirklich funktionieren auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und Zusammengehörigkeit (ohne zu einer Art siamesischen Zwillingen zu werden, was auch nicht gesund ist), und wo die da ist, kann kein medial verbreitetes Bild der Welt die Familie auflösen. Wo sie fehlt, kann von familiärer Solidarität keine Rede sein.

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Ok.

Früher haben noch mehrere Geschwister in einem Raum geschlafen. Früher blieben Geschwister auch später noch im selben Dorf wohnen. Also fühlten sie sich mehr wie eine Einheit.
Heute sind alle in Städten verstreut. Also je länger das Familienband, desto dünner und lockerer.

Man kämpft mehr für seine eigene kleine Familie und für seinen eigenen Beruf. Man sollte über Generationen z.B. mobil und flexibler werden. Deswegen haben sich die Leute so verstreut. Und das spitzt sich irgendwie mit jeder Generation weiter zu.

Ausserdem wird immer gesehen, dass es dem Nachwuchs besser gehen soll (als einem selbst früher). Umgekehrt wird der Nachwuchs mit Ansprüchen überfordert und Eltern und Großeltern vernachlässigt. Die "Daseinsberechtigung" wird auf Beruf, Partnerschaft und/oder Nachwuchs projeziert. Etwas oder jemanden für sich selbst haben, man lebt also weniger für eine Gemeinschaft. Das ist vielleicht ein politisches Erbe. Vielleicht aus dem Streit zwischen Kapitalismus und Kommunismus oder Rechts und Links. Die Frage Für welche Gemeinschaft? wurde dadurch beantwortet, liberal und individuell zu werden. Dann hat man weniger Probleme aber weniger Unterstützung der anderen.

Was du da beobachtest ist auch in Freundschaften so. Es fehlt manchmal an Vertrauen und einem Gefühl der Zusammengehörigkeit. Ehrlichkeit, Treue, so Werte schwanken ab und zu.

So. Konkretes Beispiel. Eigentlich kann ich mit dem Satz "Ich bin immer für dich da" überhaupt nichts anfangen. "Wenn mal was ist" schaff ich das schon irgendwie. "Wenn ich mal wen brauche" find ich schon die richtigen. "Immer" trotz 200km Entfernung und 8h Arbeit und 4h Haushalt (aber repetitiv "keine Zeit")?
Das sind zwar meine eigenen Blockaden, aber da der Satz noch im allgemeinen Sprachgebrauch ist muss es früher anders gewesen sein.

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Ich habe diesen Eindruck nicht. Im Gegenteil, sowohl in meiner Familie, als auch in den Familien langjähriger, enger Freunde konnte ich schon oft beobachten, dass der Zusammenhalt sehr groß ist.

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Glaub nicht immer den alten Leuten,  die von früher  schwärmen.  Kaputte Familien gab es in den 60ern zu hauf.  Heute gibt es oft durch Neuheirat und Freunde andere "Familien ", aber die Liebe und gegenseitige Hilfe ist besser als früher. 

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Kommentar von MarcoAH
22.04.2017, 20:41

Kaputtene Familien habe ich in den 60er-Jahren nicht kennengelernt. Das ist die Zeit meiner Eltern. Sie leben heute immer noch zusammen, sowie ihre ganzen Freunde, die alle aus Paaren bestand. Heute sieht es ganz anders aus. Ich weiss nicht, wo du das aufgeschnappt hast, dass es in den 60er Jahren mehr als genug kaputte Familien gab.

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Die hohe Mobilität im Berugsleben, heute dort arbeiten, morgen wieder woandrs, dazu die Berufstätigkeit der Frau.

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Das Problem ist, dass man heute Familien auf lächerlichen Gefühlen wie Liebe und Zuneigung aufbaut. Dann kommt irgendwelche windigen philosophischen Spinner, die glauben, die grosse Liebe gefunden zu haben, in Wirklichkeit sind sie aber nur dumme Idioten, die erst nach fünf Jahre  merken, dass es so nicht funktioniert und sich dann wieder scheiden lassen.

Jeder lebt einfach nach seinen Gefühlsduseleien und das Resultat ist Chaos, das den Familienhalt zerbricht. Früher hat man Familien aus wirtschaftliche Vorteilen etc. gegründet, da hat man nicht aus Liebe oder so eine  Schwachsinn geheiratet, sondern zum Beispiel um gemeinsam Geschäfte zu führen, also wurde man auch nicht so schnell voneinander getrennt, da man effektiv auf die Zusammenarbeit angewiesen war.

Man kann aber insofern sagen, dass Familie nie etwas Bedeutendes war, sondern eher die hinterstehenden Geschäftskontakte.

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Kommentar von BiggerMama
05.03.2017, 07:21

Das klingt mir zu technisierend. Bist Du durch irgend ein Liebeserlebnis frustriert?

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Kommentar von Rheinflip
05.03.2017, 09:38

1967 war das Prinzip der Liebesheirat schon bekannt. Jedenfalls in der BRD. 

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Das wird von unserer Politik nicht gewünscht. Der Single ist wesentlich abhängiger von Fremden und völlig machtlos. 

Die Sippe hingegen braucht niemanden, ausser sich selbst. Sie benötigt auch kein Geld, denn sie erzeugt, stellt her, repariert und verbraucht.

Da hätte also das Kapital keine Chance zu verdienen. Eine Sippe ist autonom und in sofern unerwünscht, da sie nicht in die Abhängigkeit gerät, deshalb tut die Politik alles, um den Familienzusammenhalt zu verhindern.

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Kommentar von MarcoAH
22.04.2017, 20:46

Sehr schön beschrieben.

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die dinge siehst du zu pauschal und auch dein opa ist da nicht anders. die familie hält heute nicht weniger zusammen als vor 50 jahren. nur sind die menschen heute freier - auch im westen deutschlands, gerade die frauen - als es gerade dort vor 50 jahren war.

frau ist in der lage eigene entscheidungen zu treffen und braucht keinen mann mehr um sich ein leben lang aushalten zu lassen. somit ist frau in der lage aus dieser art der"familie" auszubrechen, wenn die sache einfach mal vorbei ist.

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Schwer zu sagen vielleivht ist es weil uns zum Beispiel sitcoms im Fernsehen unterbewusst ein falsches Weltbild in den Kopf setzen woraufhin Menschen dazu neigen ähnliches verhalten zu entwickeln.

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Kommentar von SlowPhil
05.03.2017, 09:59

Sitcoms bilden ab und übertreiben vielleicht auch manchmal, aber wenn sie nicht im Prinzip einen Ist-Zustand darstellten, würden sie nicht funktionieren. Abgesehen davon halten sie nicht ein Leitbild der Vereinzelung hoch und machen sich über weitgehend intakte Familien lustig, sondern leben teilweise davon, auch missglückte oder erst beim 2. oder 3. Anlauf geglückte Versuche zu erzählen, eine zusammenhaltende Familie zu gründen, was eigentlich nur realistisch ist.

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frage mal den opa wie mündig oder unmüdig die familienmitglieder waren?

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