Warum gibt es heute noch so viel Antisemitismus?

12 Antworten

  • Weil die Propaganda von Goebbels bis heute wirkt.

Ein Mädchen der 1. Klasse erzählt im Buch „Daniel, mein jüdischer Bruder“, dass sie in der Schule ein Buch durchnahmen mit dem Titel „Der Giftpilz – ein Stürmerbuch für Jung und Alt“. Darin waren Juden mit betont hässlichen Gesichtern abgebildet. Sie hatten hervorquellende Augen, dicke, krumme Nasen und die Männer trugen struppige Vollbärte. Sie zeigen alle einen hinterhältigen und verschlagenen Gesichtsausdruck. Ihr Körperhaltung waren gekrümmt und einige hatten einen Buckel.

Im weiteren erzählt die Autorin, dass die Lehrerin ein grosses Plakat zeigte, auf der ein angeblicher Judenjunge dargestellt war. Der Junge hatte ein hässliches Gesicht, schmuddelige Kleider und struppiges Jahr. Er sei ein Dieb, sagte die Leherin, und würde aufrührerische Reden gegen gute, „arische“ Menschen führen. So wie er seien alle Judenkinder, man müsse sich vor ihnen in Acht nehmen. 

  • Viele lasten das, was im Nahen Osten geschieht, den Juden pauschal an. Muslime können keine Sympathien für Israel zeigen. Sie kennen auch die Geschichte nicht.
  • Minderheiten sind immer die Sündenböcke einer Gesellschaft. Juden eignen sich dafür ganz besonders.
  • Völlig paradox ist der Vorwurf von Christen, Juden wären Gottesmörder. Denn erst durch den Tod des Juden Jesus am Kreuz können sie, gemäss Bibel, gerettet werden.
  • Verschwörungstheoretiker bringen auch immer wieder den Vorwurf, Juden würden die Welt beherrschen wollen. Beweise dafür können sie keine vorbringen.

Judenverfolgungen gab es schon lange vor den Nazis, die Jahrhunderte hindurch und in unzähligen Ländern.

Der Grund ist wohl allgemein, dass Gruppen, die sich kulturell, insbesondere religiös, von anderen abschotten, auf Ablehnung stoßen, weil man ihnen vorwirft, nicht dazugehören zu wollen.

Zum Teil berechtigt (siehe Islamisten). Manche Gruppen sehen die übrige Außenwelt ja als unterprivilegiert an. Sie ist nur zum Ausnutzen da. So schützten die 10 Gebote ursprünglich nur israelische Stammesgenossen, gegenüber den "Heiden" mussten sie nicht eingehalten werden.

Dieses Problem spiegelte sich noch in der jungen Christenheit wider. Erst Paulus hat das Christentum aus dem Ghetto der jüdischen Sekte in die Zugänglichkeit für alle Völker und damit zum Erfolg geführt.

Die gegenseitige Abneigung "Andersartiger" ist in einer offenen, toleranten Welt natürlich zu überwinden, wobei man die Eigenständigkeit aller Gruppen respektiert, aber auch ihre Solidarität für die übergeordnete menschliche Gemeinschaft einfordert.

Die Erfahrung der Juden ist leider eine andere. Vor dem 1. und vor dem 2. Weltkrieg haben sich viele von ihnen mehr als Deutsche denn als Juden gesehen und auch so gelebt. Gebracht hat es ihnen gar nichts. Sie wurden als Juden verfolgt, egal ob sie gläubig lebten oder assimilierten. Nicht einmal der Glaubenswechsel zum Christentum schützte sie.

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@Bodesurry

Zitat: "Vor dem 1. und vor dem 2. Weltkrieg ..."

... ist ja wohl einige Zeit her, und die Nazizeit ist ja nicht mit der heutigen in Deutschland zu vergleichen. Jedes Volk hat seinen kleinen Prozentsatz von Dummen und Gewalttätigen, da muss man schon die Mehrheit der Deutschen zum Maßstab nehmen. Die verfolgt keine Juden.

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@RudolfFischer

Es geht mir um diese Feststellung von Dir:

Der Grund ist wohl allgemein, dass Gruppen, die sich kulturell, insbesondere religiös, von anderen abschotten, auf Ablehnung stoßen, weil man ihnen vorwirft, nicht dazugehören zu wollen.

Assimilierung bedeutet noch nicht, dass man dann nicht abgelehnt wird. So etwas kannst Du auch heute noch feststellen.

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@Bodesurry

Nichts funktioniert vollständig oder ohne Ausnahme. Assimilierung ist Vorbedingung, nicht Garantie. In meinem Wohnort gibt es viele gut assimilierte ehemalige Ausländer, mit denen "die, die schon länger hier leben" (Merkel) ganz selbstverständlich zusammensind.

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a) weil es noch Neonazis gibt und die alles nachmachen wollen was die Nazis gemacht haben

b) weil Israel und Palästinenser im Krieg sind

Anmerkung: Semit ist ein Ausdruck aus dem Rassejargon der Nazis und deren Vorgänger um eben Juden nicht nur wegen ihrer Religion verfolgen zu können sondern sagen zu können: das ist wirklich eine andere Rasse. Übertritte von Juden zum Christentum schützen sie nicht vor Verfolgung. Es ist also Quatsch den Begriff heute noch zu verwenden. Insb. wenn man Punkt b) betrachtet. Denn Palästinenser sind zu über 80% auch Semiten. Es müsste also Antijudaismus oder sowas heißen.

Ich fürchte, es gibt ähnliche Anfeindungen ebenso gegen viele andere Volksgruppen, z.B. gegen Asiaten ("gelbe Gefahr, denen verdanken wir Corona ...") oder gegen Sinti ("Zigeuner") oder gegen Schwarze ("pass auf Deine Freundin auf") oder gegen Türken ("Knoblauchfresser") oder Muslime ("Jihadisten") oder gegen Balkanbewohner ("Messerstecher"). etc. etc.

Das besondere bei den Juden ist, dass sie sich heute organisiert dagegen wehren, was gut ist. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass sie (heute) schlimmer betroffen sind als die anderen genannten Beispiele.

Je länger etwas Böses existiert, desto mehr bleibt es bestehen. Ich vergleiche den Antisemitismus mit einer ansteckenden Krankheit, sagen wir die Pest oder auch Corona. Da helfen keine kleinen Maßnahmen, so ein bisschen Strafrecht oder Aufklärung. Nein, was da das richtige ist, ist der ganz große Hammer: Jeder antisemitische Spruch muss massivst verfolgt werden, mit langen Freiheitsstrafen. Wer weggesperrt ist, kann keine Propaganda mehr betreiben. Gegen Verdächtige sollten auch die ganzen technischen Überwachungsmöglichkeiten, die es heute gibt, zur Anwendung kommen. Diese Leute müssen vor Angst zurückschrecken, Antisemitismus zu verbreiten, sie sollten sich das nicht mal mehr in privaten Gesprächen trauen. Bis solche wahnhaften Ideen dann allerdings komplett verschwinden können durchaus Zeiten von Generationen vergehen.

Ich bin weit davon entfernt, die Kirche zu loben, weil sie das Christentum auch dadurch verbreitet hat, dass sie alle anderen Religionen für die Dauer von zig Generationen unterdrückt hat. Doch sie hatte Erfolg: Wer hängt heute noch Odin alias Wotan an? Niemand! Und so wie diese alte Religion aus dem Bewusstsein der Menschen verschwand, so kann man auch den Antisemitismus zum Verschwinden bringen.

Nennt es totalitär, was ich schrieb, aber es ist ein geeignetes Mittel.

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