Warum gibt es für das Mittelalter Periodisierungsprobleme?

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4 Antworten

Hey =)

Das dürfte schon damit anfangen, dass sich die Historiker nicht zu 100% einig sind, wann das Mittelalter eigentlich genau anfängt, bzw. wann das vorangegangene Zeitalter, die Antike, genau endete.
Dazu gibt es sogar einen Wikipedia-Artikel, der soweit recht verständlich formuliert ist:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ende_der_Antike

Beim Ende des Mittelalters gibt es auch verschiedene Positionen. Meist werden die Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen im Jahr 1453, oder die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 angegeben.

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter :)

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Bei kontinuierlich ablaufenden, räumlich hochgratig heterogenen Prozessen wie dem Ablauf der Zeit ist es sehr schwer von irgendwas einen Anfang und ein Ende zu definieren.

Nimmt man mal an, dass die Entdeckung Amerikas das Ende das Mittelalters wäre, woran macht man das fest? Das Leben der meisten Menschen hat sich dadurch an sich nicht verändert, viele werden das noch lange Zeit gar nicht gewusst haben, dass sie jetzt plötzlich in einem neuen Zeitalter leben. In einigen Gegenden Deutschlands unterschied sich das Leben im 20. Jahrhundert noch kaum von dem was man heute unter dem Begriff "mittelalterlich" fassen könnte.

Dazu kommen räumliche Disparitäten. Architekturstile, Kleidermoden, Kunst, Denkweisen - all das tauchte ja nicht plötzlich überall zeitgleich auf, sondern wurde irgendwo begründet und dann weitergetragen. Die Industrialisierung beispielsweise beginnt auf den britischen Inseln früher als in Mitteleuropa.

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Wenn man Geschichte als Prozess versteht, in dem sich Entwicklungen vollziehen, die von Ereignissen gekennzeichnet sind, dann ist die Frage, welche Entwicklungsmerkmale für die Periodisierung herangezogen werden.

Das kann man z. B. wirtschaftsgeschichtlich betrachten und den Übergang von einer überwiegend auf Sklaverei basierenden Wirtschaftsweise hin zu einer feudalistischen und von dieser zu einer kapitalistischen Wirtschaftsweise als Epochengrenzen ansehen.

Man kann es auch weltpolitisch festmachen, z. B. mit dem Untergang des Römischen Reiches, der Völkerwanderung oder der Eroberung von Konstantinopel.

Auch könnte man es unter wissenschaftsgeschichtlichen und kulturhistorischen Aspekten betrachten. Die Ausbreitung des Christentums oder des Islam, die Erfindung des Buchdrucks, Reformation, Zeitalter der Entdeckungen. Renaissance usw. sind einige Stichworte.

Und zu allem Überfluss hängt das alles auch noch untrennbar zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. So ist es also eine Frage, welche Merkmale unter welcher Fragestellung wie gewichtet werden.

Besonders deutlich wird das, wenn man den Beginn des Mittelalters benennen möchte. Hier kann man je nach Fragestellung und Blickwinkel Antworten erhalten, die mehrere hundert Jahre von einander abweichen. Beim Ende ist das etwas einfacher, aber auch hier kann man mit Fug und Recht verschiedene Angaben machen, die so zwischen 1450 und 1550 liegen.

Neues und Altes existieren lange gleichzeitig und es einfach unmöglich genau festzulegen, wann und vor allem auch wo das Neue schon oder das Alte noch überwiegt.

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Naja, so schwer ist das eigentlich nicht.

"Mittelalter" ist ein künstlich über einen Zeitraum gestülpter Begriff. Das sorgt immer für Probleme, weil Entwicklungen nunmal selten sprunghaft und schlagartig sind, sondern sich über eine gewisse Zeit hinziehen. Wenn man nun unterschiedliche Bereiche betrachtet (Kunst, Glaube, Erfindungen, Architektur, Entdeckungen), dann kommen die großen Neuerungen in den unterschiedlichen Bereichen nicht gleichzeitig. Daher definiert jeder Bereich den Zeitrahmen ein wenig anders, nicht nur für das Mittelalter im Ganzen, sondern eben auch für seine Abschnitte.

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