Warum gibt es bei den Juristen dermassen viele mit Doktortitel? Und, ist ein Anwalt mit Doktortitel besser als einer ohne?

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11 Antworten

De facto ist ein Anwaltr mit Dr.-Titel auch nicht besser, als einer ohne. Das hat überhaupt nichts zu sagen.

Gerade bei den Juristen und Medizinern dient der Dr.-Titel vor allem dazu, ordentlich Eindruck zu schinden.

Die Dissertation ist enorm unterschiedlich schwierig. Bei den Medizinern ist sie am einfachsten, da genügt etwa 1/4 Jahr Arbeit. Bei den Juristen ist der Aufwand nicht viel größer. Das wissenschaftliche Niveau dieser Arbeiten kommt knapp an das Niveau einer Diplom-Arbeit bei den Ingenieuren heran.

Die absolut schwierigste Promotion gibt es bei den Ingenieuren. Dort muss man in der Regel rund 5 Jahre als Assi arbeiten und forschen und dabei die Dissertation schreiben. Daher sind Dr.-Ing. sehr selten und in der Regel nur in hohen Führungspositionen zu finden.

Wie kommst du auf die Idee, dass sich eine juristische Dissertation in einem Vierteljahr Arbeit schreiben ließe und dem wissenschaftlichen Niveau nach an eine Diplomarbeit der Ingenieure heranreiche, ist bei dir alles in Ordnung?

Selten so eine Arroganz gesehen. Übrigens zur Info: promovieren können nur Leute, die ein gutes erstes Staatsexamen gemacht haben. Der Titel sagt damit durchaus etwas über die Fähigkeiten aus.

Man sieht aus welchem Fachbereich du kommst. und welchen Charakter du trägst. Schönen Tag noch!

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@MasterJohanna

Nun ja, der ehemalige Juradoktor von Guttenberg hatte im 1. Staatsexamen lediglich ein Befriedigend und hat seine Dissertation aus Zeitmangel nach eigenen Angaben mehr oder weniger nur nebenher geschrieben...und summa cum laude dafür gekriegt.

Und im Nachhinein ist auch offensichtlich geworden, dass von einem wissenschaftlichen Niveau nicht viel zu sehen war. Viel Neues war da nicht drin, das meiste war woanders abgeschrieben. .

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Nun, würdest du eher zu "Norbert Wirsch - Rechtsanwalt" oder zu "Dr.iur. Norbert Wirsch - Rechtsanwalt" gehen? - oder anders: wem misst du intuitiv die größere Kompetenz bei?
Ebenso ist es bei Ärzten. Der "Dr." Vermittelt den Eindruck von Wissen und Sachverstand.
Sowohl mit der eigenen Kanzlei (/Praxis) als auch bei der Bewerbung in einer (Groß-) Kanzlei (/Krankenhaus) hilft es, Kompetenz auszustrahlen, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. (Dass die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, noch keinen unfehlbaren Fachmann macht, wird gerne übersehen.)
Bei Biologen ist es heute zum Beispiel schon soweit, dass man ohne Doktor quasi nicht mehr losziehen muss, weil es so wenige Stellen gibt.

Das ist bei Juristen zum Vergleich eigentlich ähnlich wie bei Ärzten.

Zuerst kommt der Rechtsanwalt, Jurist mit erstem und zweiten Staatsexamen mit Zulassung als Rechtsanwalt von der Anwaltskammer. Keine Spezialisierung auf ein bestimmtes juristisches Fachgebiet. Mit dem Arzt verglichen eigentlich ein Assiszenzarzt ohne Spezialisierung auf ein bestimmtes medizinisches Fachgebiet.

Fachanwalt: mit dem Arzt verglichen wie ein Facharzt. Ein Fachanwalt hat eine Spezialisierung auf ein bestimmtes juristisches Fachgebiet und musste durch eine Prüfung bei der Anwaltskammer nachweisen, das er auf diesem Gebiet erweiterte Kentnisse hat. Die Bezeichnung Fachanwalt tragen zu dürfen, bedarf der Erlaubnis der Anwaltskammer, so wie die Bezeichnung Facharzt die Erlaubnis der Ärztekammer erfordert. 

Dr. jur.: hat zusätzlich eine Doktorarbeit geschrieben und dafür einen Doktortitel erhalten. Besser muss er deswegen keinesfalls unbedingt sein, das ist ein Irrtum dem viele unterliegen, die Doktorarbeit kann er nämlich auch in einem Thema schreiben, das sein Fachgebiet überhaupt nicht betrifft, das heißt, er hat dadurch nicht mehr Kenntnisse in seinem Fachgebiet. Ein Anwalt für Strafrecht kann zum Beispiel seine Doktorarbeit über Familienrecht schreiben, deshalb weiß er aber im Strafrecht nicht mehr. Bei Ärzten ist das übrigens das selbe, die Doktorarbeit kann man über jedes Thema schreiben, nicht so selten ist dieses fachfremd. 

Ein Dr. (Promotion) sagt etwas über die wissenschaftliche Qualifikation aus. Jemand mit Dr. hat sich halt nochmal in der akademischen Forschung qualifiziert. Der Dr. ist daher die erste Stufe zur akademischen / wissenschaftlichen Karriere (sei es als Mittelbauer (also wiss. Mitarbeiter, Angestellter, Akademischer Rat) oder auf dem Weg zur Professur).

Juristen haben eine Promotionsquote von ca. 10%. Das liegt im mittleren Bereich, etwa vergleichbar mit Wirtschaftswissenschaftlern. Erheblich niedriger sind z.B. Theologen und Psychologen. Da eigenständige und reine Forschungstätigkeiten im Beruf dort seltener sind (wenn, dann eher anwendungsbezogene Forschungstätigkeiten), macht eine Promotion in der Regel dort inhaltlich keinen Sinn, so auch bei Juristen (die meisten Juristen arbeiten in praktischen Bereichen der Rechtsanwendung, v.a. als Rechtsanwalt).

Höhere Quoten findet man in den Naturwissenschaften, da dies in der Regel Pflicht ist. Logisch, denn die beruflichen Tätigkeiten sind in der Regel eigenständige (akademische oder vergleichbare) Forschung, weshalb eine Promotion dann auch sinnvoll ist. 

Eine Doktorarbeit macht einfach vielen unglaublich viel Spaß. Eventuell ist es in diesen Bereich besonders interessant! Ich weiß zB von meinem Tierarzt, das der einfach nie Lust dazu hatte. Manche stürzen sich begeistert auf dieses Projekt. Nein, es macht keine Berufsgruppe besser oder schlechter. Es heißt nur das er sich einmal über lange Zeit mit einem Thema intensiv auseinandergesetzt hat

Ich meine, der juristische Bereich ermöglicht Spitzfindigkeiten jeder Art, so daß er dadurch aus sich selbst heraus der Bereichen ist, in dem sich Doktortitel am Fließband generieren lassen.

Juristische Spitzfindigkeit ist im Gegensatz zu anderen Wissenschaften wie z. B. Physik lediglich etwas, bei dem es genügt, Blickwinkel zu verbiegen und parallel dazu an den richtigen Stellen die passenden Gläubigen zu finden. Logik ist da in weiten Bereichen eher zu einem Ausnahmezustand geworden.

Ein guter Anwalt ist nicht der, der sich am besten mit den Gesetzen auskennt oder dessen Logik besonders brillant ist, sondern er ist dann gut, wenn er das erreicht, auf das sein Klient wert legt. Doch auch da gibt es kontroverse Meinungen, denn ein Anwalt hält sich selbst erst dann für gut, wenn ihm sein Beruf auch genügend Geld einbringt. Ein Doktortitel wirkt da mehr wie eine zusätzliche Zierverpackung, durch die sich am Inhalt des Pakets nichts ändert.

Unter den Ärzten gibt rs am meisten Akademiker mit Doktortittel, ganz einfach deshalb, weil sie sonst als Ärzte nicht arbeiten könnten. Bei Juristen ist das etwas seltener, aber, da Juristen zu den angesehendsten Akademikern gehören, ist ein Doktortitel dort auch eine erwünschte Selbstverständlichkeit. 

Warum könnten Ärzte ohne Doktor nicht arbeiten?

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Es gibt auch Ärzte nur mit Diplom.

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@Curalime

Gibt es, aber damit die Krankenkasse bezahlt, muss der Doktortitel halt eben sein. Kaum jemand geht zu einem Arzt, wenn die Krankenkasse dies nicht bezahlt. 

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@Patrickson

Gibt es, aber damit die Krankenkasse bezahlt, muss der Doktortitel halt eben sein.

Das ist völlig falsch! Ein Arzt muß keinen Doktortitel haben,  um praktizieren zu können. Die Krankenkasse zahlt genauso wie bei Ärzten mit Doktortitel.

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@glaubeesnicht

In der Schweiz ist dies jedenfalls nicht so. Erwartet wird von der KK einen Dr. med. Fmh. Müller oder so. 

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@Patrickson

In Deutschland benötigt ein Arzt die Approbation, diese ist die Erlaubnis zur eigenverantwortlichen Ausübung der ärztlichen Heilkunde und kann direkt nach dem Medizinstudium beantragt werden, es ist weder eine angeschlossene Facharztausbildung noch ein Doktortitel erforderlich um als Arzt tätig zu sein. Um sich allerdings als Arzt ist einer Praxis niederlassen zu dürfen, muss die Facharztausbildung beendet sein, einen Doktortitel braucht man aber nicht, viele jüngere Ärzte haben keinen mehr, ein Nachteil ist das heutzutage nicht mehr. 

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Früher schloss man das Jurastudium - anders als andere Disziplinen - automatisch mit dem Doktortitel ab. Ein fertiger Jurist war automatisch "Doktor".

Ich weiß nicht, wo das her kommt. Im Amerikanischen System mag das so sein/gewesen sein, aber in Deutschland wurde das meines Wissens nach nie so gehandhabt. Es war immer ein Promotionsverfahren mit Dissertation nötig, um die Doktorwürde führen zu dürfen.

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@Zephyr711: damit ist nicht ausgesagt, dass ein Dr. jur. keine Dissertation schreiben hätte müssen, sondern lediglich, dass es üblich und "normal" war, das Studium der Rechte mit dem Doktor abzuschließen. Früher gab es ja auch kein Magisterium, keinen Bachelor und keinen Master, und ein Rechtsanwalt ohne Titel war nichts wert.

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Ein Doktortitel ist in vielen Berufen, dazu zählen z.B. Ärzte und Rechtsanwälte, gut fürs Geschäft. Viele Menschen erwarten von Jemandem mit Doktortitel leider immer noch mehr berufliches Können, als von Jemandem ohne diesen Titel.


Den Doktortitel dürfen nur die besten vom ersten Staatsexamen machen. 

Die Doktorarbeit kann leicht, oder schwer sein, je nach Thema. Ich glaube daher der Titel ist nur wichtig, wenn man Karriere machen möchte. 

Wenn man aber selbständig ist, ist er wohl nicht so wichtig. Aber es macht sich natürlich gut als Werbung.

Bei Ärzten ist es ähnlich, fast alle haben den Titel. Die medizinische Dissertation ist im Vergleich zu der in den Geisteswissenschaften meist kürzer, weniger aufwendig und in kürzerer Zeit zu machen. Oft wird sie neben dem Studium gemacht. Sie hat weniger Ansehen als der Dr. phil. Vielleicht ist es bei Dr. iur. ähnlich. 

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