Warum gibt es ausgerechnet in Sachsen so viele NPD Wähler?

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5 Antworten

Dafür gibt es wohl eine Reihe von Ursachen.

Erstmal wäre hier der sehr geringe Ausländeranteil in Sachsen zu nennen. Er liegt bei 3,9%; der vierniedrigste(niedrigster: 3,6% in Brandenburg) in ganz Deutschland. Wer wenig Kontakt zu Ausländern hat, der neigt nach der sogenannten Kontakthypothese- die gut belegt ist- eher zur Ausländerfeindlichkeit. Ausländerfeindlichkeit ist vermutlich der wichtigste Inhalt moderner rechtsextremer Bewegungen.

Zweitens die geringe politische Bildung. Politische Bildung ist enorm wichtig, um zu verhindern, dass Jugendliche rechtsextrem werden. Tatsache ist aber, dass Schüler in Sachsen deutlich weniger Stunden in politischer Bildung haben als in anderen Bundesländern. Entsprechend sind sie dann auch anfälliger für Rechtsextremismus.

Drittens, die Regierung versagt in diesem Bereich. Einen staatlichen Kampf gegen Rechts gibt es in Sachsen in viel geringerem Maße als in anderen Bundesländern, die sächsische CDU(Regierungspartei seit 1990, lange mit absoluter Mehrheit) leugnet nach wie vor, dass es hier überhaupt ein Problem gibt. Und die Behörden sehen oft eher die, die gegen Nazis kämpfen, als ihre Gegner an- siehe Lothar König. Und in der Gesellschaft gelten solche Menschen oft als Nestbeschmutzer.

Und viertens sind da all die Faktoren, durch die in Ostdeutschland Rechtsextremismus allgemein weiter verbreitet ist als im Westen(abgesehen vom schon erwähnten zu geringen Ausländeranteil), die in Sachsen natürlich auch vorliegen: Die enormen Verwerfungen nach der Wende, der ziemlich fragwürdige Umgang der DDR mit Migranten, die oft schon vor der Wende eingeübten autoritären Denkstrukturen(als Ursache u.a. von Christian Pfeiffer benannt).

Das wären jetzt mal einige Faktoren. Es kann noch weitere geben. 

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Kommentar von Hogersepp
14.07.2017, 11:10

Eine persönliche Vermutung: Westdeutschland wurde nach dem 2. Weltkrieg von den Amerikanern zumindest teilweise "entnazifiziert". Das Volk bekam quasi Demokratieunterricht und wurde Gezwungen, demokratisch zu leben. Wenn man sich mal an die Demokratie gewöhnt hat, gibt man sie nur ungern wieder her, da sie nun mal das bisher freiste Leben ermöglicht.

Im Osten hingegen fand nur wenig Aufarbeitung statt und die Deutschen waren sofort im nächsten totalitären System (Stalinismus) gefangen. Das hat möglicherweise zu einer höheren Anfälligkeit für totalitäre Ideen auch bei der Nachkriegsgeneration geführt.

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Tal der Ahnungslosen?

Wer, wie einige Sachsen, wenig mit anderen Kulturen zu tun hat, der ist von Vorurteilen geprägt. Insofern werden sie eher geneigt sein, jemanden zu unterstützen, der diese Vorurteile bestätigt, als sie zu widerlegen.

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Das liegt an verschiedenen Faktoren. 

In der DDR gab es kaum Ausländer, die Bevölkerung blieb unter sich und kam mit anderen Kulturen nicht in Kontakt. Das traf insbesondere auf die sächsische Provinz zu, in der man nicht einmal Westfernsehen empfangen konnte. Verpflichtende Hauptaufgabe des Staates war nach Ansicht vieler Menschen eine Wohlfahrts- und Umverteilungspolitik für volksdeutsche Malocher zu betreiben. Nach der Wende und dem Niedergang der Industrien, dem viele Arbeitsplätze zum Opfer fielen, sah man die Ursache für die Misere folglich in der Globalisierung und der Konkurrenz durch ausländische Arbeitskräfte. Der völkische Nationalismus der NPD und aktuell der Afd ist deswegen für viele Menschen ein Heilsversprechen, das an die Abschottungspolitik der DDR anknüpft und die Hoffnung auf einen "nationalen Sozialismus" aufleben lässt.

Ein Grund warum speziell Sachsen so empfänglich für rechtes Gedankengut ist, ist auch der Konservatismus der Bevölkerung. Dieser reicht weit über die DDR-Geschichte zurück und trifft anders als in Bayern auf die protestantische Religion und Ethik, die eher auf das Diesseits gerichtet ist und weniger Halt in Traditionen und Ritualen bietet als der Katholizismus. Ein komplexes Thema, das aber auch erklärt, warum in Sachsen die NSDAP ihre Spitzenergebnisse in Deutschland einfahren konnte und die Zustimmung für Hitler und den Nationalsozialismus hier am größten war. Die Neigung der Bevölkerung für bestimmte politische Ideologien besitzt Kontinuität und kann über viele Generationen erhalten bleiben.



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Ich glaube, das liegt im Naturell der Sachsen, gerne gegen den Mainstream zu schwimmen. Das fängt ja schon mit der Sprache an, über die Geschichte als sich die Sachsen im Mittelalter sich gegen die Christianisierung widersetzt haben und bis zu den  Montagsdemonstrationen in Dresden,Plauen und Leipzig (Sachsen)  

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Kommentar von Hegemon
13.07.2017, 15:41

"über die Geschichte als sich die Sachsen im Mittelalter sich gegen die Christianisierung widersetzt haben"

Da verwechselst Du was. Die Sachsen des Frühmittelalters, die sich der gewaltsamen Christianisierung durch Karl den Großen widersetzt haben (Sachsenkriege), waren die Niedersachsen/ Altsachsen. Die Menschen im heutigen Bundesland Sachsen (Obersachsen, ursprünglich Mark Meißen) haben damit nichts zu tun. Das sind Nachfahren von Bayern, Thüringern, Franken, Slawen usw., auf die nur der Name "Sachsen" übertragen wurde.

Zum Rest Deiner Hypothese: glauben kann man vieles. Ob Glaube hier weiterhilft, sei mal dahingestellt.

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Das hat letzte Sachsenkönig Friedrich August III. auch schon erkannt:
Ihr seid mer ja scheene Demogradn!

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