Warum genau ist die aktive Sterbehilfe verboten?

6 Antworten

Man spricht von der aktiven Sterbehilfe, wenn ein Patient ausdrücklich nach der Tötung seiner selbst verlangt und der Tod durch ein Eingreifen von außen eintritt. Das heißt, ein Arzt oder ein anderer außenstehender Dritter verabreicht einem Patienten aktiv ein Mittel was zur Tötung des Patienten führt.

Du hilfst einem Menschen sich umzubringen bzw. ist es Mord. Wenn es nicht verboten wäre könnte ja jeder behaupten er hat Sterbehilfe geleistet

Das wäre ja aber schon wieder das Gegenargument, das der FS schon gebracht hat, also, dass die Freiwilligkeit nicht immer nachweisbar ist und es so auch zur Vertuschung von Morden benutzt werden kann.

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Deswegen muss das das doppelt und dreifach abgesegnet werden.

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Hier das was wir in der Uni dazu gelernt haben:

Gründe gegen aktive Sterbehilfe: Verstoß gegen die „Heiligkeit des Lebens“ & Dammbruchargumente

„Heiligkeit des Lebens“:

1. Das Leben ist ein Geschenk Gottes.

2. Nur Gott darf über Leben und Tod verfügen.

3. Mit aktiver Sterbehilfe wird über Leben und Tod verfügt.

4. Daher: Aktive Sterbehilfe ist moralisch verboten.

Gegeneinwand: Das Argument ist nur für Anhänger(innen) bestimmter Religionen verbindlich.

Dammbruchargumente:

Selbst wenn nichts gegen freiwillige aktive Sterbehilfe für sich genommen spräche, könnte sie aufgrund unakzeptabler Folgen verboten sein.

 Dammbruchargumente haben folgende Form:

1. Aus A folgt B oder A führt über eine Kette von Zwischenschritten sehr wahrscheinlich/ zwangsläufig zu B.

2. B ist moralisch verboten.

3. Daher: A ist auch moralisch verboten.

 Selbst wenn die aktive direkte Sterbehilfe für sich genommen moralisch unbedenklich ist, muss sie aufgrund unerwünschter Sekundärfolgen moralisch und vor allem rechtlich verboten bleiben. 

Außerdem:

1. Wer einmal Ausnahmen zum Tötungsverbot zulässt, hat keinen logischen Grund mehr, weitere Ausnahmen nicht zuzulassen, und landet bei unfreiwilliger Sterbehilfe.

2.Unklare Begriffe erlauben keine logische Grenzziehung mehr:

- „unerträgliches Leiden“

- „hoffnungslos unheilbar“

- „rationaler Wunsch“

3.A führt über eine Kette von psychologischen Zwischenschritten zu B.  Wird ersteinmal begonnen, Unschuldige zu töten,weil ihr Leben nicht lebenswert ist, lassen sich die Kategorien leicht ausweiten. Die Erfahrung im Nationalsozialismus hätte es gezeigt: zunächst die Unheilbarkranken, dann die Unproduktiven, die Nicht-Arier und schließlich alle sozial Unerwünschten.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen :)

@steffus0

wenn Menschen wissen, dass sie aufgrund ihrer Krankheit elendig ersticken werden, sind deine Argumente wertlos. Denn sie werden mit der Angst leiden bis sie dann tatsächlich leidend erlöst werden. Deshalb verstehe ich diese Argumentationen mit der Intention der Menschlichkeit nicht.

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@Lebensfreude31

das sind nicht meine Argumente, ich habe bloß wiedergegeben, was ich in der Uni beigebracht bekommen habe. Also so krass falsch kann es dann, meiner Meinung nach, wohl nicht sein.

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@steffus0

ja, aber auch nicht vollständig durchdacht! Die Kriterien sollen hoch sein, das ist OK. Aber dann sollte der Arzt Unterstützen können und zwar bis am Schluss des Vorganges, damit nicht schief laufen kann. Das wäre eher Human Medizin am Lebensende

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@steffus0
das sind nicht meine Argumente, ich habe bloß wiedergegeben, was ich in der Uni beigebracht bekommen habe. Also so krass falsch kann es dann, meiner Meinung nach, wohl nicht sein.

klingst seltsam unkritisch für einen Student von heute

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@caged

ich weiß, das liegt allerdings an meiner Person. Das ist nunmal meine Art, jedoch arbeite ich bereits seit einer Weile daran, kritischer mit Dingen umzugehen.

In diesem Fall war das ja aber nicht unbedingt notwendig, der Fragesteller wollte lediglich mögliche Argumente, die hab ich ihm gegeben.

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Ich weiß zwar nicht, was dieses Thema mit Gott zu tun haben soll, aber dieser ist weder bewiesen und wahrscheinlicher eine Erfindung der Menschen selbst. Die beste Methode zu sterben, ist es, es in den eigenen vier Wänden zu machen, da kann es dir keiner verbieten.

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@Nqliqx

Natürlich ist Gottes Existenz nicht bewiesen. Deshalb steht da ja auch, dass dieses Argument NUR für Gläubige zutreffend sein kann. Die dann eben auch daran glauben, dass ihr Leben ein Geschenk Gottes ist.

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@steffus0

Aber es ist absolut falsch, das auf alle Menschen zu übertragen, denn wenn jemand im Namen Gottes alle Menschen schützen will, macht er einen Großen Fehler!

Damit meine ich natürlich die Menschen, die, die Entscheidungsmacht haben, solche Gesetze zu verbieten oder zu erlauben.

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Das Leben ist ein Geschenk Gottes.

Welche Art von Universität und Studiengang war das? Nach Jura oder Medizin, Philosphie oder Psychologie klingt das nicht. Von welchem Gott sprichst du hier?

"Dammbruchargumente" sind nicht notwendigerweise schlüssig. So ist es z.B. moralisch verboten, Menschen absichtlich dem Tode auszuliefern. Genau das macht man aber bei jeder Zeugung. Ein Kind zu zeugen führt dazu, dass es (u.a.) Leid erfährt und schließlich stirbt. Trotzdem ist es gesellschaftlich akzeptiert.

Wer einmal Ausnahmen zum Tötungsverbot zulässt, hat keinen logischen Grund mehr, weitere Ausnahmen nicht zuzulassen, und landet bei unfreiwilliger Sterbehilfe.

Dem stimme ich nicht zu. So wird z.B. das Töten in Kriegen zugelassen und trotzdem nicht zum Standard.

Wird ersteinmal begonnen, Unschuldige zu töten,weil ihr Leben nicht lebenswert ist, lassen sich die Kategorien leicht ausweiten.

Naja... Eine Sterbehilfe eines Schwerstkranken, der unter unerträglichen Schmerzen leidet und keine Heilungschancen hat als "Tötung eines Unschuldigen" zu bezeichnen, ist weit hergeholt.

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@mjutu

Da wir in einem Christlich geprägten Land leben, denke ich, dass er auch den Christlichen Gott meint.

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@mjutu

Doch, der Studiengang ist Philosophie.

Und ich habe auch nicht gesagt, dass es hierfür keine Gegenargumente gäbe. Gibt es ja meistens in der Philosophie, du hast nun auch einige genannt.

Mögliche Einwände bezüglich meines letzten Argumentes, also das Beispiel mit dem Nationalsozialismus, wären auch:

  1. Menschen sind zu Unterscheidungen fähig
  2. Es geht hier um die moralische und/oder rechtliche Erlaubnis in Demokratien, nicht in Diktaturen.

Die oben genannten Argumente gegen aktive Sterbehilfe waren einzig Möglichkeiten, was und vor allem warum etwas dagegen sprechen könnte. Ich habe nicht behauptet, dass sie notwendigerweise zutreffen.  

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@steffus0

Danke für die Klarstellung. Wenn Menschen Gott als Argument nennen, klingt das oft so, als würden sie die Existenz eines bestimmten Gottes voraussetzen.

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@Nqliqx

Wenn die Entwicklung so fortschreitet wie seit 1950, sind in wenigen Jahren oder Monaten nur noch 50% der deutschen Bevölkerung Mitglieder in christlichen Kirchen.

So weit ich mich erinnere, hat er christliche Gott gefordert, dass Abraham seinen Sohn tötet und seinen Gesetzen nach sollte Onan getötet werden, weil er nicht die Frau seines verstorbenen Bruders heiraten wollte. Dieser Gott hatte das Meer kurzfristig geteilt, damit Mose ungehindert hindruchkam, danach die verfolgenden Ägypter aber ertrinken lassen. Hätte Mose hier ethisch und moralisch besser gehandelt, wenn er am Meeresrand stehen geblieben wäre und gesagt hätte: "Nein, nicht so. Ich rette mich und mein Volk nicht auf Kosten des Lebens der Ägypter!"

Ich denke nicht, dass der christliche Gott ein gutes Argument gegen das Töten bzw. Sterbenlassen ist. Das ist natürlich wie bei allen religiösen Fragen Geschmackssache.

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@mjutu

Ich habe doch nie behauptet, dass der Christliche Gott ein Argument dafür sei. Ich habe nur deine Frage beantwortet, die sich darauf bezog, welchen Gott er meine. Zweitens wäre ich äußerst froh, wenn die Kirche aus wirklich allen Politischen Aspekten verschwinden würde. Drittens bin ich dafür, dass Jeder zu jeder Zeit und in egal welchem Zustand er sich befindet, entscheiden sollte, wann er stirbt. Niemand kann für einen anderen entscheiden, was ein lebenswertes Leben ist.

In der Bibel stehen grausame aber teilweise ehrwürdige Geschichten drin. Ich habe die Bibel selbst nie komplett gelesen. Aber man muss schon sagen, wenn man sich die Bibel oder den Koran oder die Tora als Beispiel nimmt und ausnahmslos glaubt, was da drin steht, dann hat man einen mächtigen Schaden. So wie die, die behaupten, dass nur Gott oder Allah über Leben und Tod entscheiden dürfe.

Letzteres gibt es wahrscheinlich nicht mal.

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Todkranke verursachen in ihren letzten Lebensmonaten oft gigantische Behandlungskosten.

Mein krebskranker Bruder verbrauchte vor dem Tod ca. 40000 € monatlich für Medikamente.

Es darf keineswegs als "schnöder Mammon" abgetan werden, wenn man diese Kosten begrenzt und die "Moral" (Leben erhalten um jeden Preis) demgegenüber in den Himmel hebt. Auch, wenn man dafür landesweit als Gutmensch gefeiert wird.

Denn die Quittung kriegen wir alle: In Form von ständig steigenden Krankenkassenbeiträgen. Dieses Geld fehlt uns Gesunden zum Leben und es bringt Arbeitslosigkeit, weil so teure Mitarbeiter oft nicht finanzierbar sind.

Der Todkranke sehnt sich oft danach, Schluß zu machen, aber man verweigert ihm das aus Gutmenschenwahn. Daher gab es schon genug Fensterstürze von Todkranken.

Also: Wer todkrank ist und klare schriftliche Verfügungen hinterlassen hat, dem soll man den Tod nicht verweigern.

Erbfolge verkürzen.

das das leben eines menschen als zu wertvoll angesehen wird.

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