Warum geht man fremd in einer Beziehung?

8 Antworten

Wenn man frisch verliebt ist, der „Himmel voller Geigen hängt“ und man an gar nichts anderes mehr denken kann, als den geliebten Partner bzw. die geliebte Partnerin, dann ist man sich natürlich auch „hundertprozentig sicher“, dass man diesen einzigartigen Menschen nieeeeee betrügen würde und man sich selbstverständlich auf „immer und ewig“ lieben und zusammen alt werden wird.

In der Realität verläuft das Leben und damit die Partnerschaft allerdings meist nicht so, wie man sich dies als Teenager oder frisch verliebtes Paar in romantischer Verklärung ausmalt.

Die Statistik zeigt, dass aktuell 4 von 10 Ehen geschieden werden und die zahlreichen „wilden Ehen“ ohne Trauschein sind hierbei natürlich noch gar nicht berücksichtigt. Dabei haben sich die überwältigende Mehrheit der Paare, die sich trauen ließen, bestimmt genauso sehr geliebt und waren sich sicher, dass es „für immer“ ist, wie DU und Dein Partner!

Es ist ganz natürlich und normal, dass sich eine Beziehung im Laufe der Jahre verändert. Die meisten Geschichten, welche der Partner erlebt hat, kennt man irgendwann und nicht alle Paare schaffen es trotzdem weiter interessante Gesprächs­themen zu finden. Die gemeinsamen Unternehmungen wiederholen sich und die Gelegenheit etwas das „erste Mal“ zusammen mit dem Partner zu erleben, wird immer seltener. Der Sex ist nicht mehr so aufregend, wie am Anfang und man bekommt nicht mehr automatisch eine Gänsehaut wenn der Partner einen berührt. Komplimente und der Ausdruck von Wertschätzung für den Partner werden weniger und fast nur noch an Geburts- und Jahrestagen zum Ausdruck gebracht.

So werden nach und nach spannende Gespräche durch Fernsehsendungen ersetzt, neue Unternehmungen und Entdeckungen („zusammen ausgehen“) durch Routine („unser Italiener“) und auch der Umgang mit Sex verändert sich. Während man am Anfang der Beziehung noch jede Gelegen­heit genutzt hat um Sex zu haben oder doch zumindest zu knutschen und zu kuscheln, holt einen der Alltag ein – vor allem wenn dieser durch Beruf, Haus und Kinder angereichert wurde.

Sex findet dann höchstens noch statt, wenn man beim Zubettgehen noch munter genug ist um vor dem Einschlafen noch miteinander zu schlafen. Wenn man dabei dann auch noch „leise sein“ muss, „damit die Kinder nicht wach werden“ oder „schnell machen“ muss, „da ja morgen früh der Wecker wieder klingelt…“ ist Lust und Leidenschaft schnell dahin.

So stellt sich dann im Laufe der Jahre nach und nach eine gewisse Unzufriedenheit mit der Partnerschaft ein und – obwohl man sich immer noch gerne hat – so fragen sich doch viele, ob sie denn den richtigen Partner gewählt haben, denn die überwältigende Gefühle aus dem Anfang der Beziehung sind irgendwie verloren gegangen. Es „prickelt“ nicht mehr beim Sex und auch bei Unternehmungen ohne den Partner – zum Beispiel beim Mädels- oder Männerabend - kann man eine Menge Spaß haben.

Erzählungen von Freunden und Bekannten, die womöglich selbst noch Single (oder bereits geschieden) sind und von aufregenden sexuellen Abenteuern und immer wieder neuen Partnern berichten, verunsichern latent unzufriedene Menschen noch weiter und vermitteln das Gefühl womöglich etwas zu verpassen oder nicht optimal „versorgt“ zu sein.

Trifft man in einer solchen Stimmung auf einen potentiell interessanten Partner, so kann daraus dann ein Seitensprung oder eine Affäre werden. Man fühlt sich plötzlich wieder begehrt, bekommt Komplimente, hört neue Geschichten und Witze, bei Zärtlichkeiten prickelt es wieder und die gute alte Gänsehaut kommt ebenfalls zurück.

Der Sex mit einem neuen Partner ist natürlich ebenfalls aufregend, denn statt Routine und den immer wieder gleichen Stellungen, weiß man nicht, was als nächstes kommt und womöglich lernt man sogar Techniken kennen, die man bisher noch nie ausprobiert hatte.

Dieses Gefühlskarussell ist dann verständlicherweise so aufregend, dass so Mancher glaubt jetzt plötzlich den richtigen Partner gefunden zu haben, der ja soooooo viel besser als der bisherige ist, um dann Hals über Kopf die bestehende Beziehung aufzukündigen und einen Neuanfang in die Wege zu leiten.

Dies ist so ähnlich, als würde man 20 Jahre lang jeden Morgen ausschließlich Kirschmarmelade frühstücken – um dann eines Tages plötzlich Erdbeermarmelade zu probieren. Auch hier wäre der erste Eindruck sicher überwältigend und man würde sich fragen, warum man es so lange ausschließlich mit Kirsch­geschmack ausgehalten hat, wo doch Erdbeere sooooo viel besser schmeckt und sich womöglich vornehmen von nun an für den Rest seiner Tage bei Erdbeeraufstrich zu bleiben.

Aber selbst wenn ein Mensch mit seiner Partnerschaft im Allgemeinen und mit seinem Sexleben im Besonderen an und für sich zufrieden ist, so fragen sich viele irgendwann, wie sich wohl Sex mit einem Anderen anfühlen würde. Bietet sich eine Gelegenheit mit der Aussicht, dass der Partner es nie erfahren wird, dann wird so Mancher schwach – vor allem, wenn die Natur der Affäre keine wirkliche Gefahr für die bestehende Beziehung bzw. Ehe darstellt. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der oder die Geliebte selbst ebenfalls verheiratet ist oder von Berufswegen Sexdienstleistungen anbietet.

(aus dem Buch "Seid nett aufeinander!" (Amazon) - mit freundlicher Genehmigung des Autors ;-) )

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Woher ich das weiß:Beruf – Lange Jahre Erfahrung als Sex-Coach und Fachbuch-Autor

Natürlich wäre es überstürzt und naiv, eine Beziehung zu beenden, weil man einen anderen Menschen kennengelernt hat, wenn diese Trennung nur auf dem Gefühl "Neue Besen kehren gut und besser als alte" basieren würde.

Ich finde, man muss hier aber differenzieren, denn wenn jemand seine Beziehung nicht wegen des neuentfachten "Hormonrausches", den diese neue Person auslöst, beendet, sondern weil er merkt und feststellt, dass er in der Person, die er neu kennengelernt hat, tatsächlich einen besser zu ihm passenden Partner gefunden hat, und mit diesem neuen Menschen langfristig glücklicher wäre - diese Möglichkeit besteht nämlich auch -, dann wäre es grob fahrlässig, absolut inkonsequent und einfach dumm, nur aus Gewohnheit, Loyalität, und weil man nicht den Mumm besitzt sich konsequent zu trennen, in der alten Beziehung zu verharren, anstatt einen konsequenten Schnitt und einen vernünftigen Neuanfang mit dem neuen Menschen zu machen.

Es kann also schon sein, dass dieser neue Mensch tatsächlich "soooo viel besser" zu einem passt, und wenn es einen eindeutig zu diesem neuen Menschen zieht, dann muss man auch so viel Mut besitzen, Nägel mit Köpfen zu machen, aber viele Männer und Frauen sind dafür zu feige und inkonsequent.

Und ganz ehrlich, wenn jemand außerhalb der Beziehung/Ehe Sex mit einer anderen Person haben möchte oder reizvoll findet, dann ist das nicht "normal" im Sinne einer "Abnutzungserscheinung" über die Jahre, sondern, wenn jemand ONS oder eine Affäre anstrebt, dann ist die Beziehung/Ehe eh vorn Ar..., und schon lange vor die Wand gefahren - da wäre die Trennung die fairere, saubere und besserer Entscheidung für alle.

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@Nadine22M11

Mit meinen Ausführungen möchte ich nicht bestreiten, dass man nicht tatsächlich einen Partner, der besser zu einem passt, kennenlernen kann. Ich möchte lediglich klarstellen, dass man "aufregenden Sex" und "Liebe" nicht verwechseln sollte! Neues ist immer erst einmal "aufregend" und (erst einmal) aufregender Sex nicht als Basis für eine Trennung und einen Neuanfang ausreichend!

In meinen Büchern und Coachings rate ich meinen Klienten daher auch nicht grundsätzlich eine unglückliche Beziehung "auszuhalten" oder "durchzustehen", selbst wenn Kinder oder ein gemeinsames Unternehmen eine Entflechtung aufwändig machen. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Eine gute Beziehung erfordert allerdings auch Willen und Aktion der Beteiligten und darf nicht auf den Schultern nur eines Partners liegen. Mann muss sich eben auch TROTZ Kindern und Arbeit Zeit füreinander nehmen und nicht einfach nur nebeneinander her leben und für die/den Erstbesten, der wieder etwas Aufregung in das eigene (Sex-)Leben bringt, alles wegwerfen!

Wenn es für DICH und Deinen Partner "nicht normal" ist, dass man innerhalb einer Beziehung auch unverbindlichen Sex mit Dritten haben darf, dann ist das EURE Sicht, die aber noch lange nicht universell gültig ist! Meine Frau und ich sind schon über 30 Jahre in einer glücklichen Beziehung, gönnen uns aber auch unverbindlichen Sex mit Dritten - und da sind wir bei weitem nicht die einzigen! In Swingerclubs trifft man praktisch nur solche Paare. Die Qualität einer Beziehung wird unter Swingern auch nicht durch die Exklusivität von "gymnastischen Übungen" definiert! Gleichzeitig gibt es einem die Gewissheit, dass einen der Partner nicht wegen etwas so profanem wie "aufregender Sex mit einem neuen Partner" verlassen würde, denn DEN können wir jederzeit haben!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

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Entweder weil man die Tragweite unterschätzt und dann der grosse Katzenjammer beginnt, wenn das der Partner nicht gut heisst und geht.

Oder die Beziehung ist einem ohnehin egal.

Beides zeugt nicht von der Fähigkeit seinen Partner mitzunehmen respektive verantwortungsbewusst gegenüber Zweiten zu agieren.

Denn immerhin geht der betrogene Partner ein gesundheitliches Risiko ein, von dem er nichts weiss und das ist unfair.

Passiert ein Seitensprung so sollte man die Grösse haben und den Partner darüber informieren, damit dieser die Möglichkeit hat selbstverantwortlich reagieren zu können.

Weil der Mensch Abwechslung braucht(und evolutionsbedingt sein Erbgut streuen möchte), und viele Beziehungen eher Zweckgemeinschaften sind.

Und einige haben eben solche Charakterschwächen, dass der Trieb sich Abwechslung zu suchen grösser ist als das Treuebewusstsein.

"und evolutionsbedingt sein Erbgut streuen möchte"

Das trifft eher nur auf Männer zu, Frauen haben evolutionsbedingt das Bedürfnis, ihre Kinder großzuziehen und suchen dafür einen langjährigen Partner.

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@AlienLobben

Ich hab das mit dem Erbgut streuen auch nicht gesagt. Außerdem geht es hier um evolutionstheoretische Hypothesen, nicht um die Realität.

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@Annika8881

die evolution ist die realität. Man muß sie aber eben richtig erkennen und "Hypothesen" sind ja oft für den eimer.

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@AlienLobben

Alles Wissenschaftliche basiert auf Hypothesen.

Wie bitte will man die Evolution "richtig erkennen"? Die oben genannten Theorien sind sinnvoll und wahrscheinlich. Was will man da jetzt noch zu sagen? Beweisen kann man alles nicht.

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Weil es evolutionär sinnvoller ist, seine Gene mit mehreren Partnern zu kombinieren.

Monogamie ist eine künstliche Erfindung und widerspricht unserer instinktiven Programmierung.

Das trifft eher nur auf Männer zu, Frauen haben evolutionsbedingt das Bedürfnis, ihre Kinder großzuziehen und suchen dafür einen langjährigen Partner.

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@Annika8881

Auch für Frauen ist es evolutionär ein Risiko ihre Gene nur mit einem Partner zu kombinieren. Im Gegensatz zu Männern suchen sie nur nicht möglichst viele sondern (genetisch) möglichst gute Partner.

Deshalb gehen auch Frauen fremd. Es gibt Untersuchungen wonach bis zu 10% aller in Ehen geborener Kinder nicht vom Ehepartner sind...

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@JayCeD

"Im Gegensatz zu Männern suchen sie nur nicht möglichst viele sondern (genetisch) möglichst gute Partner"

Ja genau. Und wenn sie den gefunden haben, zeugen sie Kinder, die sie dann jahrelang großziehen müssen. Und in dieser Zeit geht es wohl im Vordergrund nicht mehr darum, möglichst viele Gene auszutauschen. Da geht es darum, Unterstützung beim Großziehen zu bekommen.

Das heißt ja nicht, daas Frauen nicht fremdgehen oder dass alle Männer das tun. Das ist nur evolutionstechnisch.

Aber Fremdgehen damit zu entschuldigen, geht gar nicht. Habt die Eier in der Hose und macht Schluss.

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@Annika8881

Wozu gleich Schluss machen? Mann kann auch einfach veraltete Moralvorstellungen überwinden und offe Bezihungsmodelle leben. Das Mittelalter ist vorbei.

Nach meiner Erfahrung gehen Frauen übrigens häufiger fremd als Männer.

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@Annika8881
Und in dieser Zeit geht es wohl im Vordergrund nicht mehr darum, möglichst viele Gene auszutauschen. Da geht es darum, Unterstützung beim Großziehen zu bekommen.

Und wenn der Versorger ein Kuckuckskind mit anderen Genen unwissentlich mit großen zieht, um so besser. (Evolutionär betrachtet)

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@JayCeD

"Mann kann auch einfach veraltete Moralvorstellungen überwinden und offe Bezihungsmodelle leben. Das Mittelalter ist vorbei."

Nein, das kann aber nicht eben einfach so jeder. Es gibt halt Menschen, die wirklich lieben und niemanden wollen außer den Partner. Sowohl Männer als auch Frauen. Und wenn man dann betrogen wird, tut es unheimlich weh.

Man kann aber natürlich mal den Vorschlag machen und drüber reden.

Mir geht es um das Heimliche. Das ist ein No-Go.

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@JayCeD

Nein, nicht umso besser. Es geht um die eigenen Gene. Und Großziehen der Jungen bedeutet harte Arbeit und Kraftzehren. Es ist evolutionstechnisch nicht sinnvoll, andere fremde Kinder großzuziehen.

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Sehr interessante Seite. Ließ dir das mal durch. Auch Glückliche Leute neigen zum Fremd gehen. Leider mittlerweile was ganz normales :(

Warum geht man Fremd?

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