Warum gehört Strafrecht zum öffentlichen Recht?

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6 Antworten

Das öffentliche Recht kann nicht dadurch erklärt werden (wie hier geschehen), dass es sich um Rechtsverhältnisse zwischen Staat und Bürger handelt. Wenn der Staat zum Beispiel (in Gestalt der Verwaltung) Möbel für Büroausstattung kauft, so geschieht dies auf der Grundlage des Privatrechts.

Das Strafrecht gehört allerdings zu jenen Rechtsgrundlagen, die nur und ausschließlich den Staat zum Handeln berechtigt und / oder verpflichtet. Im Gegensatz zum Vertragsrecht, dessen gesetzliche Grundlagen im Bürgerlichen Gesetzbuch fixiert sind, das jedermann zum Handeln berechtigt und / oder verpflichtet (also auch den Staat), gibt es eben Rechtsnormen, die nur den Staat (öffentliche Verwaltung) berechtigen oder verpflichten. Und diese Normen gehören - wie auch das Strafrecht - zum öffenltichen Recht.

Das öffentliche Recht ist auch Verwaltungsrecht der Staatsverwaltung.

Staat und Zivilrecht sind streng getrennt und nur Beliehene können sowohl im Staatsrecht wie im Zivilrecht arbeiten mit hoheitliche Aufgaben. Stadtwerke haben eine ähnliches Verhältnis.

Das Zivilrecht ist ein privates Recht, welches nur auf Antrag verfolgt wird. Dieser Antrag kann ggf. auch zurückgezogen werden

Das Strafrecht dagegen ist ein öffentliches Recht, muss aus öffentlichem Interesse zwangsläufig verfolgt werden.

Für das Leid, dass dem Opfer zugefügt wurde, kann das Opfer in einem gesonderten zivilrechtlichen Prozess ggf. Schmerzensgeld oder Schadensersatz beim Täter einklagen.

Beim Strafprozess geht es, wie der Begriff schon andeutet, ums Strafen. Jemand hat sich sozial schädlich verhalten und soll zukünftig daran gehindert werden (Individualprävention), andere sollen von ähnlichen Taten abgeschreckt werden (Generalprävention), die Tat soll auch "gerächt" werden und schließlich soll der Täter sich wieder in das normale Leben einfügen ohne sich erneut sozial schädlich zu verhalten (Resozialisierung).

Wäre das Strafrecht Privatsache, würden nur Täter bestraft, bei denen ein Opfer klagen könnte und wollte. Das wüsste ein Täter oft zu verhindern. (Zudem würden z. B. Morde an Obdachlosen, die keine sozialen Bindungen haben kaum verfolgt...)

Im öffentlichen Recht geht es um "hoheitliches staatliches Handeln", und im Strafrecht greift der Staat eben "von oben" in die Gesellschaft ein und sanktioniert kriminelles Verhalten.

Im Zivilrecht dagegen geht es nur um die Rechtsbeziehungen der Bürger untereinander.

Eine Straftat kann neben einem gerichtlichen (hoheitlichen) Strafurteil aber auch zivilrechtliche Folgen haben.... z.B. die Pflicht zur Schadensersatzleistung. Es gibt also Verknüpfungspunkte.

Das Strafrecht war stets ein Mittel der Obrigkeit die Buerger zu unterdruecken. Ob Klerus (Kirche) im Mittelalter oder Koenig aus Gottes Graden mit seinen Beamten, auch in der Demokratie ist es nicht anders da werden Arme und unbeliebte Buerger eingesperrt andere kaufen sich durch § 153 StPO frei oder werden erst gar nicht angeklagt. Eigentlich ist unser Rechtssystem dreigliedig: Oeffentliches Recht (Verwaltung), Strafrecht (Staat gegen Buerger) und Zivilrecht (Buerger gegen Buerger). Natuerlich ist das Strafrecht auch eine Form des öffentlichen Rechts, weil dort eine Streitpartei der Staat ist, also nicht beide Parteien gleichberechtigt sind. http://www.uni-salzburg.at/portal/page?_pageid=905,271137&dad=portal&schema=PORTAL

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