Warum gehen Muslime nicht in der Schärfe und der Massivität gegen den Terror aus ihren eigenen Reihen vor wie gegen Verstöße gegen das Bilderverbot?

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32 Antworten

Vorweg: Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet. Die folgenden Gedanken sind erste Impulse, erste Ideen und Eindrücke nach dem Lesen der Frage. Ich erhebe nicht den Anspruch die Wahrheit für mich gepachtet zu haben, eher sollen die nachfolgenden Gedanken im Kontext der anderen Antworten einen fruchtbaren Boden bieten für weitere Ideen und Meinungen.

Bei den Karikaturen, beispielsweise im Zuge der Veröffentlichung von Charlie Hebdo und Jyllands-Posten, haben sich die Demonstranten direkt angegriffen beziehungsweise beleidigt und verletzt gefühlt. Die direkte Betroffenheit ist ein starker Motivator, um zu demonstrieren respektive zu reagieren.

Terror "aus den eigenen Reihen" ist eine andere Ausgangssituation. 

Die meisten Muslime gehören nicht dieser terroristischen Organisation an und fühlen sich auch nicht mit ihr verbunden. Die Schnittstelle, der gemeinsame Glaube, wird durch präzise Differenzierung getrennt. Die Argumentation hat Ahmad Mansour in dem von dir zitiertem Interview schon dargelegt. Dadurch werden die Schnittstellen vermeintlich "aufgelöst" beziehungsweise aus der Diskussion getrieben.

Ein Handeln ist damit nicht weiter erforderlich, da der Punkt "aus den eigenen Reihen" eben nicht anerkannt wird und somit sich die meisten Muslime genauso weit entfernt fühlen vom IS, wie jeder andere auch.

Die Reaktion ist nachvollziehbar und es ist gleichzeitig eine Schutzhaltung, denn schlussendlich wäre es nicht nur eine Demonstration gegen den Terror, sondern gleichermaßen würde damit auch der Rechte Flügel bekräftigt werden in seiner "Islam = Terror"-Rechnung. Würden sämtliche Muslime den IS als "schwarzes Schaf" in ihren Reihen anerkennen und sich die Frage stellen, wie so etwas "aus den eigenen Reihen" kommen kann, dann würden sie gleichermaßen den IS als Teil des Islams, als Teil ihres Glaubens anerkennen. Nicht zu vergessen: Der Glaube ist für viele Muslime ein relevanter Teil der eigenen Identität, des eigenen Selbstverständnisses. Den IS in diese Zone einzugliedern ist ein großer Schritt der den von Ahmad Mansour beschriebenen Mut und die Ehrlichkeit verlangt.

Dieser Vorgang ist schwierig und benötigt Aufarbeitung. Zumal sich die Konflikte innerhalb der gesamten Glaubensgemeinschaft zuspitzen würden und auch weitere Fragen gestellt werden müssten. Beispielsweise ein radikales hinterfragen des Frauenbildes, um ein bekanntes Beispiel anzubringen. Auch müsste ein Blick darauf geworfen werden, wie sich ein "moderner Islam" eigentlich versteht und wie die Realität eigentlich aussieht - wie modern ist der Islam beispielsweise in Deutschland? Wie versteht die jüngere Genration ihren Glauben? Wie wollen wir unseren Glauben als Gemeinschaft? Und so weiter und so weiter. An der Stelle werden sich nämlich recht schnell, sollte sich der Islam derartig öffnen, die aktuell immer größer werdende Rechte einklinken und die Diskussionen anheizen und für sich nutzen. Ein Gefahrenpotential, bedenkt man, dass der Islam jetzt schon permanent unter Beschuss von Rechts steht.

Schlussendlich ist es ein großes Eingeständnis, welches von der muslimischen Gemeinde gefordert wird und auch gleichermaßen der Wille, sich einer langen und sicher nicht immer freudigen respektive einfachen Debatte zu stellen.

Ich für meinen Teil würde mich freuen wenn der Schritt gegangen werden würde, den auch Ahmad Mansour sich wünscht. Allerdings habe ich ein gewisses Verständnis für die Abwehrhaltung vieler Muslime, die zum Teil auch befürchten, sich mit solchen Debatten weiter in ein gesellschaftliches Aus zu spülen und den "Generalverdacht: Muslim" weiter zu bekräftigen.

Solch eine Aufarbeitung, ich schrieb es bereits, benötigt Zeit. Egal in wessen Historie man schaut - keine kommt ohne Flecken aus. Die Aufarbeitungen ziehen sich stellenweise noch bis in die heutige Zeit und über Jahrzehnte hinweg. Es ist fast absurd nun von der muslimischen Gesellschaft zu erwarten, dass sie diesen Akt in binnen kürzester Zeit abhandeln. 

Es ist wichtig weiterhin solche Zeichen zu setzen und solche Aufforderungen auszurufen, um immer mehr Menschen für diese Idee begeistern zu können und früher oder später werden sich dann auch genug Menschen mobilisieren lassen. Sobald wird das jedoch nicht passieren und, wie erwähnt, kann ich es, trotz der Hoffnung das es nicht all zu lang dauert, nachvollziehen.

Kurzum - schlussendlich ist der ganze Sachverhalt deutlich Komplexer. Wo die Karikaturen schlicht als beleidigend aufgenommen wurden und darauf eine Reaktion folgte, handelt es sich bei dem Terror des IS um ein viel tiefer gehendes Thema. Hier spielen Selbstverständnis, Eingeständnisse, der Wille zur unangenehmen Debatte et cetera im Raum - weitaus mehr also, als der erste Blick vermuten lässt.

Liebe Grüße.

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Kommentar von Rosenblad
21.07.2016, 19:54

Eine Antwort die mich um der Komplexität der Zusammenhänge wissend sehr angenehm "berührt" zurückläßt. "Keine kommt ohne Flecken  aus" schreibst du treffend - keine kommt ohne Brüche, ohne Rückläufe und ohne Devastierungen aus. Die Gründe dieser Gesamtlandschaft an sozialen, politischen, ökonomischen, religiösen, militärischen, psychologischen, gesellschaftlichen, ethnischen u.a. (nichtlinearen) Zugängen und Stellgrößen ist so komplex wie das Leben selbst und wird, ja kann - und dies liegt in der Natur der Sache - in solchen "Foren" mit Sicherheit nur kurz (zu kurz) in einen Leuchtkegel getaucht - vieles bleibt da an Hinter- und Vordergründigen außen vor, bleibt unerwähnt - deshalb erschien mir das Interview der Ausgangspunkt für solche eine (sicherlich zu kurzgefasste) "Debatte" (den Begriff Diskurs kann ihc allerdings nicht verwenden). Vielleicht kommt es gerade über den IS/Daesch im Islam zu einer inneren Aufbrechung - trotz oder gerade wegen der schwierigen Binnendifferenzen zwischen Sunnitentum und Schiitentum resp. deren politische Zementierung über Saudi-Arabien/Iran. Danke für die tiefer gehenden Ausführungen, denen ich mich anschließen kann.

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Kommentar von YellowCrescent
22.07.2016, 16:09

Die Erklärungen von EinNarr könnten zum größten Teil dann auch auf Christen angewendet werden: warum gingen Evangelische nicht mit Schärfe und Massivität gegen Taiping, Hong Xiuquan vor ? Katholiken nicht gegen den deutschen Reichskanzler 1933 - 1945 ? Orthodoxe nicht gegen ihren Bruder Stalin ? Diese Liste ist verlängerbar. 

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Kommentar von PlueschTiger
22.07.2016, 23:44

Ein Handeln ist damit nicht weiter erforderlich, da der Punkt "aus den eigenen Reihen" eben nicht anerkannt wird und somit sich die meisten Muslime genauso weit entfernt fühlen vom IS, wie jeder andere auch.

Für mich spielt das eigentlich dabei keine Rolle. Selbst wenn sie den IS nicht als Muslime ansehen, ist die Berufung auf den Koran aus meiner Sicht noch verwerflicher als die Karikaturen, weil sie somit anders als Karikaturen, den Islam aktiv und Massiv schaden.

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Kommentar von PolluxHH
31.07.2016, 07:43

Eine sehr gute Antwort, der nur zwei Details fehlen. Man darf nicht vergessen, daß schon die Annahme, daß Mohammed auch nur einen Fehler besessen haben könnte, im Islam Apostatie darstellt, also etwas zur Häresie im christlichen Glauben vergleichbares. Es ging nicht nur um einen Verstoß gegen das Bilderverbot (welches übrigens in der allgemeinen Form nur eine Lehrauffassung und kein Dogma ist, denn im Koran sind nur Bilder verboten, die der Verehrung/Anbetung dienen), sondern es geht darum, daß man hier die gesamte Religion des Islam als lächerlich gemacht begriff (ein Grund, warum in Deutschland solche Darstellungen über den Pressekodex auch nicht erlaubt sind).

Zum zweiten muß man begreifen, daß im Gegensatz zum Christentum, in der es eine autoritäre Struktur im Klerus gibt, es im Islam eigentlich nur zwei verbindliche Autoritäten gibt: Koran und Sunna. Alles andere ist Lehrauffassung, ist diskutierbar. Damit aber gibt es eigentlich niemanden, der z.B. den IS religiös zur Ordnung rufen könnte, sondern man kann nur seine abweichende Auffassung dagegen stellen (und damit Gefahr laufen, auf Tötungslisten zu kommen), da es keine lebenden "Autoritäten des Glaubens" gibt, denen der IS unterstellt wäre, selbst Synoden und Konzilien mit verbindlicher Entscheidungsbefugnis wie im christlichen Kontext sind nicht gegeben. Aber Meinungsäußerungen von Imame auf der ganzen Welt gegen das Religionsverständnis von Organisationen wie dem IS gab es schon von Anbeginn auf breiter Front.

Hier hat aber die deutsche Presse komplett versagt, denn das geschieht schon faktisch die ganze Zeit, wird nur ständig ignoriert. Die Presse fand wohl die Ausnahmen weit interessanter und hat damit das Bild von Islam radikalisiert und damit sogar ggf. diese Entwicklungen gefördert, denn schlechte PR ist auch PR. Der Brief an den IS-Chef war keinesfalls der Anfang, sondern es war das erste Zeichen, welches gnädig von der deutschen Presse wahrgenommen wurde. Es wäre aber auch gähnend langweilig gewesen, wenn man in der Presse gemäßigte Imame zu Wort kommen gelassen hätte, um ein sauberes Bild vom Islam zu erzeugen, dabei Organisationen wie den IS als politische Kräfte mit religiösem Unterbau darstellend und damit aus dem Kontext des Islam faktisch ausgrenzend. Die deutsche Presse hätte nämlich eines deutlich machen können, was den Imamen nicht möglich wäre: hier Apostatie abzuleiten. Wollte man dabei der deutschen Presse guten Willen unterstellen, müßte man davon ausgehen, daß hier kulturell christlich beeinflußt eine Intensität eines Signals erwartete, welches der Islam nicht leisten kann, da in der Religion nicht angelegt. Der einzige Weg wäre, über eine Fatwa und Apostatie zu gehen, was dann einen Riß im Islam zur Folge hätte, der zu Zuständen führen dürfte, gegen die die jetzige Situation quasi noch paradisisch wäre.

Damit aber, zumindest aus meiner Perspektive, müßte sich die internationale Presse des Westens, auch die deutsche, entweder böswillige Verzerrung in der Berichterstattung zur Verschärfung der Gräben, also antiislamische Propaganda unter dem Deckmantel einer islamfreundlichen Gesinnung, oder aber Fahrlässigkeit aufgrund mangelnder Kompetenz vorwerfen lassen.

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Kommentar von Juergen20321
08.08.2016, 01:55

Sehr schöne Antwort!

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Ich sehe dabei den selben Grund, der auch viele Menschen dazu verleitet, sich lieber über harmlose Frechheiten der Nachbarskinder aufzuregen als über unerträgliche Unverschämtheiten der eigenen Kinder.

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In den meisten Menschen steckt die unheimliche Neigung, lieber gemeinsam unterzugehen als sich im Alleingang zu retten.

Das passiert vor allem dann, wenn den Menschen aufgrund der Macht der Gruppendynamik der Erhalt der Gruppe wichtiger wird als ihre Qualität.

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Es gibt keine Lösung,und das auf unendlich langer Zeit.Der Misbrauch  der so genannten organisierten Gläubigen blüht,geau so auch wie er bei den Christen ,immer geblüht hat.Was also tun, im Zeitalter der Information? Wenn die uns täglich zeigen ,was los ist mit dem IS mit den Irak und mit den Deutschen Moslems und vieles andere Gehetze, dann nehme ich meinen Zeigerfinger und drücke den TV Kasten aus,ganz einfach!Ich!.Ich  brauche meine Gedanken nicht mit Infos  vollzustopfen um mich schlecht zu fühlen.Ich werde auch ohne dem, eines Tages sterben.Meine Lösung heißt "INFOVERZICHT"und du fühlst dich wohl!!

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Dafür wird es wohl mehrere Gründe geben.

  1. Es  ist natürlich etwas völlig anderes, gegen ein paar Redakteure auf die Straße zu gehen, als gegen eine Bande von Selbsmordattentätern und andern Radikalen , schon rein was die Gefährdung des eigenen Lebens betrifft.
  2. Es gibt zudem wohl im jeden Muslimischen  Land einige IS Sympathisanten und Schläfer, wenn man sich also vehement gegen den IS ausspricht macht man sich zur Zielscheibe.´
  3. Das Vordergründige Ziel des IS ist ein weltweites Kalifat zu errichten in den nach den Regeln des Sunnitischen Islams gelebt wird. Da der größte Teil der Muslime Sunniten sind besteht für Sie also keine Akute Gefahr, selbst wenn der IS in Ihr Land einfallen würde.Hier könnte man zum Beispiel, das Strafrecht von Saudi-Arabien mit dem des IS vergleichen, hier fällt auf das dieses beinahe Identisch ist.
  4. Es würde nicht viel bringen der IS würde auch wenn, Millionen Muslime protestieren würden, weiter Morden und er wäre wohl auch weiter in der Lage, naive Muslimische Jugendliche für seine Zwecke zu rekrutieren

  

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Kommentar von BlackBanan24
21.07.2016, 18:24
Da der größte Teil der Muslime Sunniten sind besteht für Sie also keine Akute Gefahr,

Meiner Meinung nach ist das kein Argument: Nur weil es mich nicht direkt betrifft, ist es nicht nötig, sich dagegen aufzulehnen? Wenn irgendwelche rechten Schwachköpfe fordern dass alle Ausländer abgeschoben werden sollen, dann stell ich mich auch dagegen, obwohl ich als Deutscher eigentlich nicht betroffen bin!

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Bei uns im Westen haben sich einige Irrtümer über den Islam festgesetzt.

Zuerst einmal ist es wichtig zu verstehen, dass es DEN Islam nicht gibt. Es gibt etwa acht verschiedene Rechtsschulen, die sich in manchen Fragen diametral widersprechen. Das gilt dezitiert auch für den Terror der islamisten.

Als nächstes muss man sich den Koran selbst anschauen. In den frühen Suren (als Mohammed noch in Mekka lebte) wird zum frielichen Miteinander von Muslimen und Andersgläubigen aufgerufen. In den späteren Suren (aus Mohammeds Zeit in Medina) ruft er aller dings eindeutig zur Gewalt gegen Andersgläubige auf.

Nun ist es aber allgemeiner Konsens in der Koranauslegung, dass eine spätere Offenbarung eine frühere 'überschreibt', also ungültig macht. Nach dem Koran hat also der Islamische Staat mit seinen Terrorangriffen gegen Andersgläubige vollkommen recht, da es auch Verse gibt, die eindeutig zum Angriffskrieg aufrufen.

Weiters ist wichtig zu wissen, dass das Ziel des Islam die islamische Herrschaft und die Errichtung eines Kalifats ist. Dabei wird auch aufgerufen in der Wahl der Mittel nicht zimperlich zu sein.

Für die meisten Muslime ist das also ein hehres Ziel, bei dem es auf ein paar tote Ungläubige nicht ankommt.

Und noch ein Ratschlag: Lass dir hier von den Anhängern des IS nichts gegenteiliges einreden.

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Wie wir das machen können, dass sich die Moslems gegen ihre verblendeten und fanatischen Brüder wenden? 

- Aufklärung! 

- Keine einseitige Diskussion!

- Aktiv werden und mit den Betroffenen reden!

- Mit Redaktionen, Regeirungsvertretern kommunizieren, persönlich oder per Telefon aber nicht per Brief!

- Mutig sich dem Feind entgegen stellen, aber nicht dumm sein und es allein gegen 10 probieren. 

- Leben um das Wissen um unsere Kultur weiter zu tragen. Anderen beibringen aus ihren Fehlern oder den Fehlern anderer zu lernen (Katharsys).

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Man hält zunächst einmal zusammen. Mehr als Christen und mehr als Christen.

Und Gewalt findet sich im Koran reichlich. Aber auch Frieden und Liebe.

Der Koran ist innerhalb von 20 Jahren formuliert worden. Die früheren Suren sind oft friedlicher und widersprechen den späteren Suren.

Man hat dann festgelegt, dass bei einem Widerspruch die späteren Suren die älteren Suren im Zweifel überdecken. (Naskh-Prinzip نسخ)

Einige Moderne Muslime lehnen diese Interpretationsweise ab. Aber sie spielen keine Rolle in den Universitäten, Lehranstalten und Gemeinden.

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Rosenblad - so leid es mir tut: Das Zitat von Ahmad Mansour ist leider nur eine wohlgesetzte Sonntagsrede. Sie enthält keinen praktischen Ansatz. Die Realität wird klipp und klar in den Antworten hier mehrfach belegt:

Der Islam weicht allen Fragen aus. Er lenkt ab mit Verweis auf andere Missstände, die gerade nicht debattiert werden. Das geschieht nicht nur hier gleich mehrfach, sondern immer und ausschließlich. Auch im privaten und persönlichen Bereich. Daran kann auch Ahmad Mansour alleine nichts ändern. Er könnte es aber analysieren und bewerten, denn es fällt in sein Fach Psychologie.

Je weiter entfernt ein Moslem den gewaltbereiten Kreisen ist, desto weniger tangiert es ihn persönlich, wie EinNarr ausführlich darlegt. Damit befindet sich der korrekte Moslem im gleichen Lager wie der ebenso wenig persönlich tangierte Nichtmoslem.

Aber der Moslem reagiert anders, nämlich mit einer Leerformel: Wer Unrecht tut, ist kein Moslem! Das ist unwiderlegbar. Auch dieses Verhalten fällt in das Fach von Ahmad Mansour. Ich schätze ihn. Doch ich habe nie bei einem seiner Auftritten in den Medien erlebt, dass er zu beidem je ein Wort verloren hätte.

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Kommentar von Rosenblad
23.07.2016, 07:19

Es ging "nur" um Ansätze zu einer Diskussion - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Weil die Terroristen letztendlich nur ein statistischer Ausreißer zur viel größeren Gruppe der Muslime sind, die tatsächlich einer grundlegend reaktionären und faschistoiden Ideologie folgen.

Die höfliche Trennung zwischen "Islam" und "Islamisten" bildet nicht die Realität ab - der Terror beginnt schon in jedem Haushalt, in dem sowohl Kinder, als auch Erwachsene durch peer pressure gezwungen werden, ihre grundlegenden Freiheitsrechte zu ignorieren. Sinngemäß sprach das ja auch der von Dir zitierte Ahmad Mansour.

Dazu kommen dann noch eine ganze Reihe barbarischer, stämmisch/rassistischer Verhaltensweisen, die zwar nicht vom Islam kommen, die aber ganz wunderbar mit der allgemeinen repressiven Denkweise konform gehen.

Ich bezweifle nicht, daß die Unmenschlichkeit der muslimischen Terroristen den normalen Muslimen genauso ans Herz geht, wie Anderen. Aber nicht in der Form wie harmlose Karikaturen, die gleich noch die eigenen Ideologie, das eigene Gesellschaftskonstrukt infrage stellen.

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Kommentar von Agentpony
21.07.2016, 10:40

Nachtrag:
Wer sich übrigens den von Dir zitierten Brief der "Gelehrten"
durchliest, stellt darin fest, daß auf geradezu komikhafte Weise ein
Spagat versucht wird, dem IS zwar ihre Interpretationen abzusprechen, aber OHNE auch nur in einem Wort diejenigen abstrusen Lehren von Koran und Sunna zu relativieren, auf denen der Ansatz des IS überhaupt basiert - da diese allgemein anerkannt sind.

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Ich glaube, dass es schlichtweg Angst ist.

Angst vor
Eigenverantwortung
den eigenen Aggressionen / Lebenskräften
dem Tod
möglichen Auswirkungen
Eigenständigkeit
dem Leisten von Widerstand
Schmerz und Leid

Zu wenig Mut und Vertrauen in eigene Kräfte und Fähigkeiten.
Zu wenig Willenskraft. Andere haben davon einfach mehr.

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Warum gehen Buddhisten nicht massiv gegen diejenigen fanatischen Buddhisten vor, die in Myanmar den "stillen Völkermord" an den (muslimischen) Rohingya vorantreiben? Warum gehen Christen nicht massiv gegen diejenigen fanatischen Christen vor, die z.B. Abtreibungskliniken angreifen und Abtreibungsärzte ermorden? Oder gegen die "Lord Resistance Army"?

Die Antwort ist bei deiner Frage die gleiche wie bei diesen beiden Fragen(die nie jemand stellt- wie seltsam): Weil es nichts bringt. Den Fanatikern ist es egal, was die normalen Gläubigen- die in ihren Augen ja nicht mal "wahre" Gläubige sind- denken.

Und weil sie sie sich auch nicht verantwortlich fühlen- Sippenhaft ist bekanntlich abgeschafft. Also warum sollte ein Muslim ein stärkere Pflicht haben, sich gegen die IS zu engagieren, als irgendein anderer Mensch? 

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Kommentar von Rosenblad
21.07.2016, 20:01

Die Frage an die Christen habe ich schon hier gestellt - aber bei aller Resignation - so hoffe ich, sollten nie aufgehört werden diese Fragen zu stellen - allerdings weniger hier, sondern direkt vor "Ort", im direkten Kontakt.

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Kommentar von Zicke52
08.09.2016, 01:01

@Lennister: Gehen Buddhisten und Christen denn massenhaft gewalttätig gegen Karikaturisten, Schriftsteller und Journalisten vor?

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Nach meiner Ansicht gehen Muslime deshalb nicht auf die Straße, weil die von uns als Terror betrachteten Untaten tatsächlich in der Religion eine Begründung finden.

Wir müssen uns abgewöhnen den Islam an IS zu messen. Man muss da weit intensiver schauen. Ob Taliban, AlQuaida, Al Nusra, Bocu Haram, Bangsamoro, Al Schabab, usw., eine lange lange Liste. Und alle machen ähnliches.

Schaut man sich dann noch einen regulären Staat wie Saudi Arabien an, dies insbesondere auf den Bezug der geltenden Rechtssprechung, dann muss man zwangsläufig an irgend einer Stelle darüber nachdenken, ob das nicht doch alles Islam ist.

Wenn dies dann alles Islam ist, dann gehen die Menschen selbstredend nicht auf die Straße.

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Kommentar von Rosenblad
21.07.2016, 10:04

Deine Aussagen stimmen auf der einen Seite, auf der anderen Seite wiederum stimmen sie auch nicht, denn es gibt diese radikalisierten Menschen und es gibt sie auch nicht - nicht jeder der sich zum Islam bekennt ist zugleich ein potentieller Extremist oder Terrorist (mein Bruder arbeitet bei "Ärzte ohne Grenzen" und kennt beide "Seiten").

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Kommentar von KaeteK
21.07.2016, 11:34

So ist! Die Frage beantwortet sich schnell, wenn man sich mit dem Islam auskennt. Wer wird schon gegen seine eigene Überzeugung und Religion aufstehen und protestieren..

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Kommentar von bluestyler
21.07.2016, 21:18

Wenn der IS deiner Meinung das richtige ist bzw. Moslems sind, warum hassen wir den IS? Sag mir es. Wieso hassen wir den IS?

Willst du mir weiß machen, dass du den Islam besser verstehst, als wir Muslime? Ich bitte dich.

Wenn er so gefährlich ist, wieso gibt es dann nicht 1,5 MILLIARDEN TERRORISTEN? Sag es MIR!

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Hallo Rosenblad,

das kommt nach meiner Kenntnis daher, dass genau die Muslime, die etwas gegen radikale Maßnahmen haben, selbst natürlich keine radikalen Maßnahmen einsetzen. Damit würden sie sich selbst widersprechen.

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Kommentar von Rosenblad
21.07.2016, 10:32

Verbaler Widerspruch, friedlicher Protest, Ausschluß aus der Gemeinde, Zurechtweisungen oder textische Gegendarstellungen sollten als  keine radikalen Maßnahmen zu kennzeichnen sein.

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Der friedliche Mensch wird nach menschlichen Maßstäben dem gewalttätigen Menschen immer unterliegen. Was heißt bei dir "vorgehen"? Soll jemand, der andere nicht tötet, jemanden töten? Ist es nicht viel einfacher für die Muslime, einfach nachzugeben, wenn sie sonst die Gewalttäter gegen sich hätten? Vielleicht wollen sie ja heimlich diese Gewalt oder ihren Kindern eine Welt vererben, in der die Gewalt praktisch unterstützt wurde.

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Kommentar von Rosenblad
21.07.2016, 09:42

Mit "vorgehen" ziele ich auf einen "Ausschluß" aus der muslimischen Gemeinde oder "verbalen" Widerstand innerhalb der Gemeinde - das sollte eigentlich aus dem angeführten Zitat deutlich hervorgehen.

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Kommentar von Nayes2020
21.07.2016, 09:43

Ghandi ist ja ein Beweis das man auch ohne Kampf Dinge bewegen kann. sagt ja keiner das wir den IS mit Waffen bekämpfen sollen.

Aber wenn sich die Glaubensbrüder öffentlich bekennen das sie den IS nicht gut heißen ist zwar damit nicht der IS geschwächt aber immerhin ist es ein Signal für alle Menschen das dies nichts mit dem Islam oder dem Khoran zu tun hat

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Das verstehe ich tatsächlich nicht.

Wenn jemand meine Religion für Machtkämpfe und Kriege ausnutzen würde wie der IS dann würde ich auch protestieren

Ich kann mir nur vorstellen das es einfach an der Angst liegt. Man weiß nicht wer alles Anhänger des Radikalem ist in den eigenen Reihen

Und leider glaube ich das viele insgeheim das zwar nicht gutheißen... aber auch nicht schlecht finden das jemand "für den Islam" kämpft.

Wenige bekennen sich wirklich in der öffentlichkeit gegen den IS zu sein

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Kommentar von Etter
21.07.2016, 13:43

Darf man nach deiner Religion fragen?

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Vermutlich haben viele Muslime eine gewisse Sympatie für die Attentäter, auch wenn sie es nicht offen zugeben. Beispielsweise war es nach den Anschlägen in Paris laut Augenzeugen so, dass viele Muslime innerhalb der Stadt ihre Freude ausgedrückt haben.

Bei folgenden Fußballspielen gab es damals jeweils in verschiedenen Stadien Schweigeminuten, wobei die Schweigeminute in einem türkischen Stadion dazu genutzt wurde, dem IS zuzujubeln.

http://www.bild.de/sport/fussball/nationalmannschaft-tuerkei/tuerkei-fans-pfeifen-bei-schweigeminute-fuer-paris-43448148.bild.html

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Ja, gute Frage.
Du bist ein Mann? Wenn man die Meldungen über Gewalttaten ansieht, schätze ich, dass 90% aller Gewalttaten von Männern (auch Terroranschläge) verübt werden. Hast du schon davon gehört, dass Männer gegen diese von ihnen begangenen Gewalttaten protestiert haben? Dass von ihnen gefordert wird, diese Taten zu hinterfragen, aufzuarbeiten (wie Ahmad Mansour in deinem Text) mit dem Ziel sie zu reduzieren? Ich weiß nichts davon. Warum geschieht dies nicht - könnte es den gleichen Grund haben, warum Muslime nicht protestieren?

Kann es sein, das diejenigen, welche keine Straftaten/Terroranschläge begehen, sich nicht angesprochen fühlen und diejenigen, die Straftaten begehen, nicht gerne gegen ihre eigenen Taten / Überzeugungen protestieren, - was ja auch widersinnig wäre? Wenn du die Gewaltfrage respektive den Protest dazu für dich mal zu beantworten versuchst, hast die Antwort evtl. auch für deine Frage.

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Kommentar von Rosenblad
22.07.2016, 15:39

In dieser Hinsicht würden Sie mich dann vermutlich nicht als Mann etikettieren.

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Kommentar von Guapotito
22.07.2016, 15:54

Aha! Und in welchem Handbuch für Männer, wird expliziert gefordert, andere Menschen zu töten?

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Kommentar von ollesgemuese
22.07.2016, 18:55

" Dass von ihnen gefordert wird"

Ja, das Thema gibt es :P wenn auch nur im Rahmen feministischer Kreise (zum Glück).

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Kommentar von Mimir99
14.08.2016, 13:46

Ein Mann ist man (meist) von Geburt an. Aber ob man Muslim ist oder nicht ist eine Sache der eigenen und freien Entscheidung.

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Kommentar von MWpythonblaech
19.08.2016, 09:23

Es ist doch so, wenn ein Mann ein/e Attentat/Straftat macht, macht er dies nicht mit der Begründung, dass er ein Mann sei.( Irgendetwas ist in seinem Leben einfach schief gelaufen). Beim IS ist es jedoch so, dass Sie den Muslimischen Glauben als Begründung für die Attentate benutzen. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Die Männer haben nicht irgendeinen Kodex und die Männer die die Straftaten begangen haben sagen, dass sie nur nach dem Kodex gehandelt haben, obwohl der Kodex das Gegenteil verlauten lässt. Ich hoffe ich habe mich einigermassen verständlich ausgedrückt. FG MWpythonblaech

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Das liegt wohl daran, dass in den islamischen Ländern die Mehrheit der Bevölkerung mäßig gebildet ist, das Bildungsmonopol bei konservativen Mullahs liegt, die sich gern in Überheblichkeit sonnen und dort auch in den Familien ein autoritäres Sozialgefüge vorherrscht

Letztendlich erinnern mich die Auswüchse im Islam an die Zeit der Inquisition. Rechnet man 500 Jahre zurück (Mohammed lebte 500 nach Christus), dann haben wir den gleichen Entwicklungsstand - nur dass sich das Bewusstsein der Leute im Zeitalter des Internets etwas rascher entwickeln könnte...

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Warum wird hier wieder mal eine Sonderregelung für Muslime gefordert? Warum müssen sich Muslime von etwas distanzieren, vor dem sie genauso viel Angst haben wie wir alle? Warum müssen sie ganz klar sagen, dass sie gegen etwas sind, wenn die Muslime in der Regel die Opfer davon sind?

Hast du dich schon mal gegen die Gräueltaten des Christentums ausgesprochen - klar und laut? Gegen den Missbrauch der Kinder? Der Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen? Der Ausgrenzung von Homosexuellen? Gegen den Kerl, der Ende letzten Jahres in eine Abtreibungsklinik rein ist und wahllos um sich geschossen hat (man beachte übrigens, dass dieser Mensch mehr Menschen getötet hat als der "Attentäter" in Würzburg)

Hast du dir schon mal überlegt was in anderen Ländern abgeht? Was die Kirche für Unheil in Afrika anrichtet?

Verrückte und Durchgeknallte gibt es überall. Auch fanatische Spinner wirst du überall finden. Wir sollten aber eine ganze Menschengruppe anhand solcher Individuen über einen Kamm scheren.

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Kommentar von Rosenblad
21.07.2016, 20:06

Die Frage an Christen habe ich schon gestellt (https://www.gutefrage.net/frage/warum-demonstrieren-christen-nicht-vor-den-zentralsitzen-und-werkhallen-von-waffenherstellern-gegen-kriege-oder-vor-schlachthoefen?foundIn=user-profile-question-listing) - aber wenn wir nur gegenseitig mit dem Fingern auf den Anderen zeigt werden sich die Zustände nie ändern. Wir sollten anfangen mit den Fingern auf uns zu zeigen und die Schuhe auf die werfen die jede Menschlichkeit beginnen zu verlieren und wir sollten Perspektiven aufzeigen und Möglichkeiten der integration bereitstellen gerade für die Jugend!

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