Warum geben Menschen erlebtes anders wieder?

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10 Antworten

Hallo Benadino,

ja, das ist oft so, hast Du sehr gut beobachtet :-)

Du hast ja auch schon einen Grund selbst genannt: es ist zu deren Vorteil. Die meisten Menschen finden es meist wichtig, sich vorteilhaft zu präsentieren, weil sie sich z. B. Anerkennung davon versprechen.

Manchmal ist es auch eine 'verschobene' Selbstwahrnehmung; es ist schwer, sich selbst gegenüber objektiv und vor allem zu sein ;-)

Auch eine unterschiedliche individuelle Wahrnehmung einer Situation kann die Ursache sein. Das liegt z. B. daran, dass jeder Mensch andere Erfahrungen hat, mit denen neue Erlebnisse abgeglichen werden und dementsprechend von der Vergangenheit 'gefärbt' werden oder daran, dass jeder individuell sein Augenmerk auf etwas anderes gerichtet hat. Das erlebt man sehr häufig bei Zeugenaussagen nach einem Verkehrsunfall.

Ein weiterer Aspekt ist es, die Verantwortung für das eigene Handeln sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu übernehmen. Wenn etwas gut gelaufen ist, gibt sich jeder gerne einen 'Pluspunkt' auf's Konto. Wenn es nicht so gut lief, stellt man es lieber anders dar, als einen 'Minuspunkt' zu verbuchen ;-)

Ich denke, dass das die Hauptgründe für solch ein Verhalten ist. Wichtig finde ich, dass man es sich bewußt macht. Zumal, je öfter man eine solche 'Lügengeschichte' erzählt hat, umso eher glaubt man sie irgendwann selbst.

Schön, dass Du Dir Gedanken darum machst - und es vielleicht auch besser machst :-) Ich mag übrigens lieber Menschen, die auch mal ihre Fehler etc. eingestehen können, ist doch menschlich, oder? Wie sagt der alte Lateiner: "Errare humanum est." - Irren ist menschlich und ich ergänze: sympathisch, wenn man es mit Humor nehmen kann.

LG Buddhishi

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Benadino 17.06.2016, 15:38

du bist ein sehr interessanter Mensch

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Weil Menschen ein gewisses Selbstbild haben.

Leider ist dieses Bild in (zu) vielen Fällen ein perfektes Abbild der Person (besonders bei gläubigen Menschen).

Wenn etwas erzählt wird, wird das Ereignis so geschildert, dass das Selbstbild bewahrt bleibt. Egal wie die Wirklichkeit aussah, solange andere glauben man sei perfekt, kann man sich das auch selber weiter einreden.

Dabei muss "Perfektion" nicht unbedingt "Makellosigkeit" bedeuten. Sehr häufig geht es auch nur darum im Mittelpunkt einer dramatischen, lustigen, traurigen oder andersartig rührenden Szene zu stehen. Man macht sich selbst zur Hauptfigur.

Dabei wird das Über-Ich (das perfekte Selbstbild) mit der Erinnerung vermischt und leider verändert sich so auch die Erinnerung selbst.

Wird ein Erlebnis immer wieder falsch erzählt, beginnt das Gehirn die Erinnerung mit der Fantasie zu vermischen, bis sie dem Erzählten entspricht und speichert dies dann als neue Erinnerung ab.

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Jedes Gehirn passt Geschehnisse und Erlebnisse in den Gesamtkontext seiner Lebenserinnerungen ein. Man kann das bei Klassentreffen beobachten, das gleiche Ereignis hat meistens jeder ein wenig anders in Erinnerung.

Ronald Reagan hatte ein Kriegserlebnis in Erinnerung, bei dem er einen verletzten Kameraden aus der vordersten Schusslinie gerettet hat. Die Szene hatte er in einem Film gesehen und sein Unterbewusstsein hat sie in seine Kriegserinnerungen "eingepasst" und zwar so, dass er felsenfest überzeugt war, er habe das selbst erlebt.

Diese Fehlerinnerungen mit der Überzeugung, es genau so erlebt zu haben, obwohl es anders war, ist eines der Probleme, die Richter in Prozessen mit Zeugenaussagen haben. Der eine sagt, das Auto war rot, der andere sagt, es war blau. Lügen tut dabei keiner, denn jeder ist überzeugt, dass es so war, wie er es aussagt.

Das ist übrigens nicht der einzige "Streich", den unser Gehirn uns spielt, das ständig Plausibilitäten im Chaos entdecken will, und dabei sogar Gesichter in einem wilden abstrakten Tapetenmuster "sieht". Es ist zwar ein Arterhaltungskonzept, nach Plausibilität zu suchen, sonst würde man den Säbelzahntiger, der bei größeren Entfernung ja kleiner aussieht, für eine Katze halten. Und diese Einschätzung könnte ganz schön ins Auge gehn.

Vor allem, wenn man ihn am Ende sogar streicheln will. :-)

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Das Gehirn nimmt alles wahr, was sich in deiner Umwelt so ergibt. Allerdings läuft das nur theoretisch so ab, denn man hat keinen Zugriff auf alle Informationen. Ständig sortiert der Kopf unwichtige Dinge aus. Zurück bleibt eine oft sehr schwammige Erinnerung. Bei der Wiedergabe kann es außerdem passieren, dass Ereignisse aus anderen Erinnerungen vermischt werden (weil es sich vielleicht aus der Erfahrung so ergibt)
Es gibt natürlich auch absichtliche Änderungen von Erinnerungen, um sich selbst irgendwie besser zu inszenieren.

Es gibt einige Experimente (z.B. wie glaubwürdig eine Zeugenaussage ist), die sich auf genau dieses Thema beziehen.

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Das ist relativ einfach zu erklären. Wenn mehrere Menschen zusammen eine Situation erleben ,dann sind das eben auch genau so viele unterschiedliche Wahrnehmungen der selbigen. 

Jeder Mensch erlebt diese Sache individuell und wird die Geschehnisse natürlich aus seiner persönlichen Sicht der Dinge wiedergeben. 

Eine andere Möglichkeit ist ,seinen eigenen Anteil an der Begebenheit zu beschönigen ,in dem Fall wird versucht von sich abzulenken. Es fällt eben vielen Menschen schwer, zuzugeben wenn sie einen Fehler gemacht haben und dann wird eben die Wahrheit ein bisschen verdreht. 

LG

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Alles, was man erlebt, wird immer durch die eigene Wahrnehmung gefiltert. Und die ist strukturiert durch Anlage, Biographie, momentane Befindlichkeit, etc....

Darum ist es ja so wichtig, sich im Gespräch mit anderen Menschen immer wieder zu vergewissern, ob der andere Mensch etwas genauso wahrngenommen hat wie man selbst.

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Weil jeder Mensch ein kognitives Erinnerungsvermögen hat. Das heißt, du bist der Mensch weil du (und NUR du) das und das erlebt hast. Das hat KEIN anderer Mensch ganz genau so erlebt (auch keine Zwillinge). Dadurch wird DIR das und das wichtig / wichtiger als anderen Menschen. Und auf das Wichtigste schaut man am intensivsten. Somit merkt man sich das am Besten und gibt es hinterher wieder.

Das kann man trainieren, dass man auch auf andere (für sich selber unwichtige Dinge) mehr BEWUSST achtet. (Polizei & Co müssen das regelmäßig trainieren, damit sie nicht in ihr "altes Muster" verfallen. Und irgendwann ist dann dieser antrainierte "Weg" im Gehirn "festgefahren").

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Weil Menschen keine absolut objektiven Maschinen sind, die alles nur trocken analysieren. Man hat immer ein Gefühl bei dem erlebten bzw. man erinnert sich viel mehr an Emotionen und diese versucht man eben beim Erzählen zu übertragen.

Ein Stillmittel davon ist z. B. die Übertreibung, wenn man etwas "gefühlt" schreckliches erlebt hat. Um den Gegenüber das begreiflich zu machen, werden dann z. B. ein paar Liter Blut mehr dazuerzählt ;)

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Alle Menschen unterscheiden sich voneinander durch Erziehung, Wissen, Erfahrung und anderen äußeren Einflüssen, die eine Einstellung und letztlich eine Meinung prägen.

Was jeder einzelne mit diesem Hintergrund daraus macht, nennt man subjektive Wahrnehmung, d.h. man deutet das Gesehene oder Gehörte entsprechend seiner einzigartigen persönlichen Prägung.

Um der objektiven Wahrheit, also einer allgemeingültigen Wahrheit, ein wenig näher zu kommen, reicht es nicht aus, nur Persönliches in sein Urteil einzubringen, sondern in erster Linie sich sachbezogenes Faktenwissen anzueignen, um Zusammenhänge erkennen und zuordnen zu können.

Der einfachste Weg, zu einem Urteil zu kommen , ist, es von anderen fraglos zu übernehmen...

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Menschen erzählen ja auch nicht "wie es war" sondern "wie sie es erlebt haben". Damit meine ich, sie erzählen das Ereignis aus ihrer Sicht und diese ist nun mal nicht objektiv sondern ihre Wahrnehmung ist subjektiv.

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