Warum gab es Anfang der 1980er Jahre so viele "NDW-Bands"?

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4 Antworten

Die NDW startete im Rahmen der Punk- und Post-Punk-Bewegung ab dem Ende der '70er Jahre. Korrekterweise ist das die deutsch(sprachig)e New Wave.

Nichts mit Schlager... Die meisten Bands spielten rauhe, experimentelle Musik und nutzten dazu regulär Gitarren oder Synthesizer oder beides. Jeder wollte und konnte Musiker sein. Die NDW knüpfte nahtlos an die Do-it-Yourself-Ideologie des Punk an. Direkt aus dem Publikum gründeten sich neue Bands. Deshalb gab es so viele davon.

Ca. 1982 war der Spuk schon wieder vorüber.

NDW war damals angesagt und entsprach dem Zeitgeist.
Es ist doch ganz klar, wenn eine Sache gut läuft, dass das auch viele andere mitzieht.
Ich habe die meisten Hits aus der NDW-Zeit in meiner MP3-Sammlung und höre sie ab und an heute noch.

LG Lazarius

Von der Musik-Szene an sich habe ich ehrlich gesagt keine erwähnenswerte Ahnung. Ich denke aber, um NDW zu verstehen, muss man auch etwas weiter ausholen. Denn wenngleich ich „schnoerpfel“ weder widersprechen möchte – noch inhaltlich, jene Insights betreffend, könnte – so stimmt es aber nicht so ganz, dass bereits 1982 der Spuk schon wieder vorüber gewesen sei.

Sondern geblieben davon ist, dass man seither durchaus auch deutsch texten darf, wenn Musik und der lyrische Inhalt gut gemacht sind. Das gab es vorher nicht!


Worauf ich also hinaus möchte: Ich sehe einen Zusammenhang zu der spezifischen Situation Deutschlands nach einem Kriege, den nun – im Gegensatz zum Ersten WK – Deutschland ganz klar vom Zaun geborchen hatte (in der vereinfachten und anerkannten Sichtweise*).

Es gab weiterhin Volkslieder – die aber einen schlechten Ruch hatten, nachdem sich „die Partei“ zwischen 33 und 45 auch dieses Liedgut zunutze gemacht und eine Kultur darum herum deutlich missbraucht hatte. Parallel dazu gab es den Schlager: Etwas, das deutsprachig daherkommt und dennoch allein aufgrund seine Rythmus recht eingängig ist. Dieser deutschsprachige „Schlager“ ist nicht wirklich totzukriegen – und führt ja auch heute noch ein belastbares Leben in der Nische.

Jenseits dessen aber fand im Grunde alles englischsprachig statt. Das war nicht nur dem Hype des Amerikanismus geschuldet. Auch Great Britain ging wirklich gut – und hatte ja, mit dem Commonwealth im Rücken (der längst massiv in seiner Bedeutsamkeit abbröckelte), diesen Geschmack von Internationalität und Vielvölker-Akzeptanz.


Nun also mit der deutschen Sprache in andere Musikrichtungen vorzustoßen, als bloß Volklied oder „Schlager“, war ein Erwachen eines neuen Selbstbewusstseins. Denn das waren Generationen, die mit recht nicht empfinden konnten, am 2. WK schuld zu sein: Das waren nun jene, die NACH 45 geboren waren.

Man muss das alles also auch einmal vor dem Hintergrund der 68er-Bewegung sehen: Die 68er hatten mit Fug und Recht die Altlasten der eigenen Gesellschaft angeprangert. Denn jene, die sich daran beteiligt hatten, Deutschland nun restlos in den Ruin zu treiben, und die sich daran beteiligt hatten, das Feuer über Europa zu legen, waren NACH dem Kriege aus ganz pragmatischen Gründen heraus, ebenso unbedarft an etwas beteiligt, das sich nun Demokratie nannte! – In den 70er Jahren hatte man dann erst einmal recht entspannt den frischen Wind in der Republik genossen – und ein bisschen Flower-Power durchlebt. (Wobei „Flower-Power“ ja nun nicht durchweg unpolitisch war!!)


Man darf mir nun widersprechen… aber ich weiß nicht, ob ohne die Wegbereitung der NDW (mir fallen nun auf die Schnelle nur mal diese drei ein) auch ein Grönemeyer, eine Doro Pesch oder Rammstein so möglich gewesen wären, wie wir sie kennen. Auch wenn historisch betrachtet, also im Rückblick auf eine Kategorie, der Spuk um die NDW 1982 vorbeigewesen sein mag.

(* eine Betrachtung zum 2ten WK hatte ich zu einer anderen Frage ausführlicher geboten)

Deutsche Sprache und deutsche Musik waren bereits vor der NDW ein Thema, siehe den sogenannten Krautrock von Neu!, Michael Rother, Harmonia, Kraftwerk usw.

Man hatte später sogar Bands in den NDW-Topf geschmissen, die einen ganz anderen Background hatten. Dazu gehörten z.B. Gänsehaut mit ihrem Karl der Käfer. Dazu gehörte die E.A.V. oder die Ted-Rocker von Spider Murphy Gang (die beide seit 1977 existieren). Nicht zu vergessen Kraftwerk selbst, die niemals Teil der NDW waren, aber aufgrund ihres Model-Hits einfach mit druntergekehrt wurden.

Auch denke ich, dass man zwischen der eher punkig-exprimentellen NDW von Abwärts, S.Y.P.H., Malaria!, DAF, Einstürzende Neubauten, Palais Schaumburg, The Wirtschaftswunder, Xmal Deutschland usw. und späteren Pop-Gruppen wie Nena, die ab 1983 aufkamen, dringend unterscheiden muss. 1982 hatte die Musikindustrie sich das Etikett "NDW" unter den Nagel gerissen und jedwede Pop-Kapelle vermarktet, die flink ein paar Mark verdienen wollte. Wichtige Bands wie DAF oder Grauzone (die abgesehen von ihrem "Eisbär"-Song wesentlich punk-lastiger zu Werke gingen) gab es zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr.

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Hallo :)

Ich habe mich hier sogar selbst nach einer unbekannten NDW-Band benamt, die genau eine Single veröffentlichte & diese 1983 in der ZDF-Hitparade vorstellte^^ und "Rotesand" mit "Wellenreiter" war nur eine von zahllosen Bands, die den Durchbruch nicht schafften. Ein anderes Beispiel wäre die von Peter Kent produzierte Mädchenformation "Optimal" mit "Er war magnetisch" -----> auch von dieser Band, der die später als C.C. Catch bekannte Caroline Müller angehörte, gab es m.E. nur diese eine Single, die 1983 bei Ariola erschienen ist. Ich habe sie, wie auch die Single von Rotesand. 

Sicherlich gab es damals jede Menge Trittbrettfahrer oder Bands, die irgendwelche Kontakte bekamen oder die Chance auf Geratewohl etwas zu veröffentlichen. Oft fehlte jedoch die Promotion oder die Songs kamen beim Publikum einfach nicht an. Es war evtl. auch ein Todesurteil für eine junge flippige Band, in der als spießiges Altherrenfernsehen erachteten "Hitparade" aufzutreten. 

Außerdem war die NDW nach sehr kurzer Zeit ihrer Blüte bereits 1982/83 wieder soweit abgeebbt & wurde immer kommerzieller und schlagermäßiger, was dem ursprünglichen Publikum nicht gefiel. 

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