Warum fördert Mindestlohn Schwarzarbeit / Schwarzmarkt?

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3 Antworten

Mindestlohn bedeutet, dass für eine Arbeit ein Lohn gezahlt werden muss, der eine festgelegte Untergrenze nicht unterschreitet. Normalerweise werden Löhne mit den Gewerkschaften in Tarifverhandlungen ausgehandelt. Dieses Prinzip der gewerkschaftlichen Lohnaushandlung hat Schwachstellen und funktioniert nicht mehr, sonst würden die Gewerkschaften nicht die Einführung von Mindestlöhnen fordern. Es gibt zwei wesentliche Gründe, warum gewerkschaftliche Tarifmacht ins Wanken kommt:

  1. Die Nachfrage nach Arbeit unterhalb des gewerkschaftlichen Tariflohnes ist erheblich.
  2. Der gewerkschaftlich ausgehandelte Tariflohn ist ein Bruttolohn und die Differenz zwischen Brutto- und Nettolohn ist erheblich.

Löhne in Deutschland in den 70er Jahren waren gewerkschaftlich ausgehandelte Tariflöhne, auch die von Gastarbeitern. Die Preise für Produkte waren so, dass relativ hohe Tariflöhne gezahlt werden und dennoch Gewinne gemacht werden konnten. Es begannen bereits Klagen darüber, dass Brutto- und Nettolohn immer weiter auseinanderklafften, weil Steuern und Nebenlohnkosten immer weiter anstiegen. Das war bereit ein hoher Anreiz für Schwarzarbeit, um für gleiche Arbeit ohne Abgaben mehr Brutto=Netto zu bekommen. Die Textil- wie z.B. auch die Schuhindustrie verlagerte immer stärker arbeitsintensive Produktion ins Ausland, weil aus dem Ausland importierte Kleider wie Schuhe deutsche Produktionen unterbieten konnten.

Diese Situation hat sich seit Auflösung des Warschauer Pakts, Einführung des EURO und Aufnahme von Ostländern in Europa extrem verschärft. Lohnsteuern, vor allem aber Lohnnebenkosten sind erheblich gestiegen und haben das Gefälle zwischen Brutto- und Nettolohn stark vergrößert. Damit ist der Anreiz zu Schwarzarbeit gestiegen. Durch die inzwischen offenen Grenzen Europas war auch der deutsche Arbeitsmarkt nicht mehr vor unterbietenden Arbeitsanbietern aus anderen Ländern geschützt. Solange man in Polen, Bulgarien oder Rumänien mit einem nur halb so hohen Einkommen besser leben kann, als mit dem doppelten Einkommen in Deutschland, konnten die Arbeitssuchenden aus diesen Ländern die gewerkschaftlichen Tariflöhne locker unterlaufen, auch wenn sie noch Steuern und Lohnnebenkosten darauf zahlen mussten. Schwarzarbeit ist noch attraktiver, da dabei auch Steuern und Lohnnebenkosten gespart werden. Soll dem Unterbieten auf abgabepflichtiger Lohnebene durch Mindestlöhne eine Grenze gezogen werden, erhöht das augenblicklich den Anreiz zur Schwarzarbeit.

Die Tatsache, dass Preise von Konsumgütern durch zunehmende Importware und die „Geiz ist g.eil“-Welle erheblich unter Druck sind, erhöht den Anreiz, auch in Deutschland die Löhne zu drücken. Lohnarbeit wird entweder in Billiglohnländer exportiert oder gewerkschaftliche Tariflöhne werden unterboten. Die Forderung nach Lohnuntergrenzen kann auch nach hinten losgehen, wenn diese dadurch unterlaufen werden, dass Arbeit exportiert wird. Dann werden um Deutschland herum in Rumänien, Ungarn oder Russland neue Fabriken entstehen, die hier dicht machen. Da es in Europa keine Vereinbarung zu einheitlichen Lohnnebenkosten gibt, ist es ein leichtes für diese Länder, damit Industrie anzuwerben. Wir bekommen dann billigere Produkte aus Osteuropa, was von der Presse als Verbrauchervorteil bejubelt wird, nur gibt es dann immer weniger Verbraucher, die davon noch einen Vorteil haben. Die ehemals vorteilhafte Einrichtung, dass alle Sozialfinanzierungen an Steuern und Lohnnebenkosten gekoppelt waren, kann dann in Deutschland zum Problem werden, wenn immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Abgaben zahlen müssen um immer mehr sozial Mitgetragene zu finanzieren.

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das zauberwort ist: gewinnmaximierung!

je weniger der arbeitgeber seinen arbeitern bezahlt, desto mehr bleibt also hängen.

leider wird dies in unserem land noch immer gesetzlich geduldet und durch die zusätzlichen hilfen zum lebensunterhalt per arge legitimiert. dieses assoziale verhalten der arbeitgeber wird leider nicht an den pranger gestellt.

auch sind diese anträge für den arbeiter sehr zeitaufwendig und dafür, dass sie z.t. vollzeit arbeiten, eine zumutung - wer so wenig geld für seine arbeit bekommt - wie muss der sich fühlen?

es ist eine frage der fairness und der verantwortung - mindestlohn ist zwar sehr wenig geld für oftmals viel arbeit und mühe, aber es ist ein anfang..

schwarzarbeit ist immer noch billiger!

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Vorteile eines Mindestlohns:

Nachteile eines Mindestlohns: Verzerrung des Gleichgewichtspreises, Steigende Arbeitslosigkeit, Schwarzarbeit

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Kommentar von Th0m4s
23.06.2011, 10:28

Sowas höre ich meistens nur von Benutzern mit dem Wort BWLer im Namen...

Zahlreiche Studien wiederlegen, dass es mit einem (natürlich nicht total übertriebenen) Mindestlohn mehr Arbeitslose gibt. Im Gegenteil: Es werden neue Jobs geschaffen, da die Menschen mehr Geld in den Taschen haben, was sie ausgeben können. Das führt zu einem ersten Vorteil, nämlich, dass die Binnenwirtschaft gestärkt wird.

Findest du es nicht etwas zynisch keinen einzigen Vorteil aufzulisten? Oder möchtest du später für 3€ die Stunde jemandem die Haare schneiden? Der Mindestlohn ist kein Allheilsmittel, aber er ist in der Lage für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Und wenn du als BWLer wieder aus ''wirtschaftlicher Produktivität'' argumentieren möchtest: Wenn ein Pfleger im Altersheim einem alten Menschen zur Toilette hilft, trägt er nicht zu einer besseren Wirtschaftsleistung Deutschlands bei, aber er leistet Dienst an der Gesellschaft, und DAS ist das ist mehr als wichtig!!! In einem so reichen und starken Land ist es ein Hohn, dass es Löhne gibt von denen man nicht leben kann und der Staat sogar eingreifen muss, sodass diese Menschen zumindest finanziell auf das Hartz IV-Niveau kommen.

Ein Haarschnitt wird mit Mindestlohn ein paar Euros teurer sein, ja, aber das sollte es Wert sein! Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor der gesamten Industriestaaten. Kein Wunder, dass wir ''Exportweltmeister'' waren und jetzt immer noch ganz oben mitspielen.

Durch Mindestlöhne sinkt eher die Schwarzarbeit, da Menschen, die nur 5€ oder weniger verdienen sich gezwungen sehen, schwarz etwas dazuzuverdienen. Mit einem Mindestlohn fällt das weg.

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