Warum fasten die Muslime im Ramadan?

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Von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und sexuelle Bedürfnisse zu verzichten bedeutet nicht nur nachempfinden zu können, wie sich hungernde und durstende Leute wohl fühlen. Ein fastender Mensch sollte vielmehr seine Abhängigkeit zu Allah wieder wahrnehmen und spüren, indem er in sich kehrt.

Die kleinsten Dinge, an denen man sonst im hektischen Alltag vorbeigeht, nehmen für einen wieder eine Bedeutung an. Das erste Schluck Wasser am Abend ist ein unbezahlbares und wunderschönes Gefühl. Die Sinne werden wieder verfeinert, denn der Körper kommt endlich zur Ruhe, indem der Mensch mal nicht nach seiner Triebseele geht (nach Lust isst und trinkt), sondern sich zurückhält. Selbst der reichste Mann auf der Welt merkt, dass sein Reichtum nichts wert ist, da selbst er von den Gaben Allahs abhängig ist. Was will er auf seinem Geld rumbeißen, wenn die Acker keine Ernte bringen, gegen die er sein geld umtauschen kann. Die eigene Abhängigkeit und Hilflosigkeit werden wieder neu wahrgenommen und man lernt wieder aufs Neue, für jedes Schluck Wasser und für jeden Bissen Allah dankbar zu sein.

Außerdem ist auch die Handlung nach dem Propheten Mohammed, sich am Abend den Bauch nicht vollzuschlagen (wie es heutzutage leider üblich ist)! Denn Ramadan bedeutet nicht Enthaltsamkeit am Tage - es beinhaltet auch, dass man den ganzen Monat recht enthaltsam lebt (sich also am Abend nicht mit 3Gängen den Bauch vollschlägt und total außer sich ist).

Mit leerem Magen arbeitet das Gehirn ebenfalls besser (dazu gibt es auch eine westliche Studie, die mir leider abhanden gekommen ist) und der Geist ist frei. Man verbringt nicht die Zeit damit, seinen Trieben (Essen, Trinken) nachzugehen, sondern kehrt in sich und spürt wie frei die Seele sich doch anfühlt, wenn man seiner Triebseele nicht folgt. Man kann sich in den Gebeten viel mehr konzentrieren, ja nimmt regelrecht den "Geschmack" des Gebetes wahr und hat für Gottesdienste (Lobpreisungen, Bittgebete etc.) mehr Zeit.

Außerdem ist Ramadan der Monat des Teilens. Wenn man weiß, dass der Nachbar nebenan nicht viel zu essen hat, schickt man ihnen Essen rüber oder lädt sie zum Essen ein und teilt mit ihnen alles was auf dem Tisch ist und bricht mit ihnen gemeinsam das Brot.

-- Kurzum: man spürt die Abhängigkeit, Hilflosigkeit gegenüber Allah, spürt eine Bewusstseinserweiterung, hat durch Verzicht auf Essen mehr Zeit für Gottesdienste, man übt sich in Nachsicht (denn auch mit schlechten Worten sollte man sich zurückhalten!) und in Rücksicht gegenüber seinen Mitmenschen. Man entdeckt sich immer wieder neu und hat die Chance diese Fortschritte aus dem Monat, in das weitere Leben mitzunehmen.

Wow, superschön geschrieben, liebe Schwester. Besser hätte ich es nicht schreiben können. MashaAllah :)

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In erster Linie fasten wir, weil Allah es uns so geboten hat. Es steht im Koran, also halten wir uns daran. Alles andere, was Ummu Hureyre sehr schön ausgeführt hat, ist natürlich auch zutreffend, doch es sind eher zusätzliche Effekte. Aber eigentlich fasten wir aus Gehorsam Allah gegenüber, um Sein Wohlgefallen und Seine Belohnung zu erlangen. Komisch, dass ich diese Frage erst heute geschickt bekommen habe, obwohl sie schon vor zwei Tagen gestellt wurde!

Ich glaube, einmal gehört zu haben, dass das Fasten dazu da ist, dass man schätzen lernt, dass man etwas zu essen hat und das einem bewusst wird, wie es anderen Leuten geht, die sogar für mehrere Tage nichts oder kaum etwas zu essen haben.

"Sahl, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte:

"Es gibt im Paradies ein Tor, das Ar-Rayyan * heißt, durch das die Fastenden am Tage der Auferstehung eintreten werden, und kein anderer außer ihnen wird hindurch eintreten.

(An jenem Tage) wird ausgerufen: »Wo sind die Fastenden?« Da stehen diese dann auf, und sonst kein anderer außer ihnen wird hineintreten.

Wenn sie darin sind, wird das Tor geschlossen, und danach tritt keiner mehr durch dieses ein. "

Bukhary Hadith Nr. 1897


"Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte:

"Wer immer - aus dem Glauben heraus und der Hoffnung auf den Lohn Allahs - im Ramadan fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.

Und wer immer - aus dem Glauben heraus und aus der Hoffnung auf den Lohn Allahs - Lailatu-l-qadr * im Beten verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben."

(* ist die Nacht, in der die Offenbarung des Qur'an im Monat Ramadan mit den ersten fünf Versen der 96 Sura begann)

Bukhary

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