warum fallen so viele beim Jura-Examen durch?

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2 Antworten

Einerseits ist das Jura-Examen, das zweite noch viel mehr als das erste, eines der schwersten Examen überhaupt. Alles kommt geballt am Schluss. Das Wissen ist über viele Fächer verstreut, auch Fächer, die einem nicht so liegen, denn schließlich ist das Ausbildungsziel der "Volljurist". Man hat (in Bayern) im ersten 8 Klausuren, im zweiten 11, alle hintereinander, jeden Tag eine ohne Pause. Man hat nicht die Möglichkeit - wie zB beim Lehramt - irgendein Fach schon vorher abzulegen, damit es "weg ist". Diese zwei bis drei Wochen Klausurenschreiben (eine Klausur dauert 5 Stunden) sind neben der psychischen auch eine ungeheure körperliche Anstrengung. Man lässt einfach nach. Dann ist noch der psychische Druck da, der ungeheuer groß ist. Schließlich funktioniert juristisches Denken einfach anders. Beim ersten Versuch unterschätzen viele das Examen, weil es an der Uni ziemlich einfach ist, sich durchzumogeln. Wenn das alles dann (körperliche Anstrengung, psychischer Druck, viel Wissen, das bereitstehen muss) zusammenkommt, kann es auch mal schiefgehen. Jura ist eine sehr anspruchsvolle Materie. Man kann nie eindeutig sagen, ob der Lösungsweg falsch oder richtig ist. Ich vergleiche das immer mit Mathe: Da weiß ich am Ende meiner seitenlangen Rechnung, ok, das geht auf oder das geht halt nicht auf und kann es mir für das nächste Mal eventuell merken. Jura ist vielschichtiger. Es gibt nie denselben Fall und immer verschieden mögliche Ansichten, so dass man nie sagen kann, das ist falsch oder richtig. Was auch viel dazu beiträgt, ist, welchen Korrektor man im Examen "erwischt" und welche Ansicht / Lehre dieser Korrektor vertritt.

Kann mich da dem ersten Redner nur anschließen. Die ohnehin schon unglaublich große Menge an Stoff, welche es am Ende des Studiums zu bewältigen gilt, ist in so kurzer, komprimierter Prüfungsphase einfach unglaublich schwer zu bewältigen. Bin selbst Jura-Student und habe mich da natürlich bereits mit einigen Absolventen des Examens unterhalten.

Es ist aber halt auch immer ein wenig Glück dabei: So kann man eigentlich nicht alles lernen, was der Stoff hergibt (siehe "Mut zur Lücke"). Es gilt also, den ganzen Stoff möglichst auf das "klausurrelevante" zu reduzieren. Was das ist lässt sich oft nur schwer sagen. An diesem Punkt der Gewichtung scheiden sich dann die Geister. Wer dabei den richtigen Riecher "bewiesen" hat, der hat schonmal einen großen Vorteil.

Außerdem ist die Angst vor dem Scheitern natürlich nicht zu vergessen...ein paar Jahre umsonst studiert zu haben ist keine angenehme Vorstellung !

Ja und leider setzen viele bei Zivilrecht auf Lücke, das kann nicht gut gehen.

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