Warum fällt es vielen so schwer, die Wünsche kranker Menschen zu respektieren?

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10 Antworten

Andere Menschen können sich nur sehr schwer vorstellen,auch mal schwer zu erkranken,handeln wohl deshalb so.Es soll aber auch schon zum Beispiel Hospize geben,wo es menschenwürdig zugehen soll.Wo in Deutschland immer noch herumgerätselt wird,wie weit man bei Sterbehilfe usw.gehen darf,ist es auch allgemein um die Würde des Menschen "kompliziert"bestellt.

Es fällt den meisten "jüngeren" Menschen schwer, zu helfen. Den "mittel-älteren" weniger, da auch sie wissen, "irgenwann sind auch sie dran", das haben die Jungen noch nicht realisiert. Ich habe mit meinen Eltern eine notarielle Patientenverfügung und Betreuungsverfügung gemacht. Notariell ist wichtig, wenn sie in der Schublade vor sich hingammelt ist diese für einen Arzt irrelevant. Meine Eltern haben das Wohnrecht hier und ich werde mich um sie kümmern, so lange ich es kann. Da ich seit gut 1,5 Jahren auch für die hiesige Nachbarschaftshilfe zuständig bin, kenne ich das Leid auch von vielen alten Menschen hier am Ort. "Die Kinder haben keine Zeit mehr, die Enkel erst recht nicht". In ein Pflegeheim wollen sie nicht, gerade aus oben genannten Gründen. Horror vor Pflegeheim, Krankenhaus und Co., aus Angst, man komme nicht wieder nach Hause, man wird abgeschoben und vergessen!

. Heute haben wir ein neues Projekt in die Hand genommen um den alten Menschen ein bischen mehr Lebensgefühl wieder zurückgeben und nicht nur um zu Hause vor sich hinzuvegetieren, bis mal der gewisse Tag kommt. Für die Jugend wird im Ort viel getan, die Alten werden langsam aufs Abstellgleis geschoben (1x im Jahr - die die Seniorenweihnachtsfeier von der Gemeinde aus), das ist nicht richtig! Auch sie haben schwer gearbeitet in ihrem Leben und sollten den Lebensabend geniessen, auch für die, die kaum Geld auf dem Konto haben oder zu krank sind um überhaupt den Ort verlassen zu können. Wir hoffen, daß wir das richtige Tun und es auch angenommen wird. Wir mögen alte Menschen und sie geben uns so viel zurück in Form von Dankbarkeit, ein Lächeln und Liebe.

Geschehen am vergangenen Freitag zur Rushhour: Ich komme mit meinem Auto an eine Straßenkreuzung, bei der ich die Vorfahrt gehabt hätte. Beim Ranfahren an die Kreuzung sah ich schon, dass ein älterer (nicht alter), aber offenbar etwas verstörter Mann durch Hin- und Zurücksetzen seiner Füße sich offensichtlich sich nicht traute, die Straße zu überqueren. Die nicht vorfahrtsberechtigten Autofahrer drängten ihn regelrecht immer wieder von der Straße, hupten wie verrückt und zeigten ihm sogar den Vogel. Ich war vor Entsetzen trotz meiner Vorfahrt stehen geblieben, die Autofahrer zum Glück hinter mir ohne Drohgebärden auch. Dann bin ich mitten auf die Kreuzung gefahren, bin ausgestiegen, habe den Mann am Arm gepackt und über die Straße gebracht. In dem Moment dachte ich, jetzt fallen alle über mich, zumindest mit Hupen, aber das blieb aus. Bin dann seelenruhig in mein Auto und weggefahren. Der Mann sagte mir noch, er kann gut durch die Stadt gehen, aber vor Kreuzungen ohne Ampeln habe er Angst.

Entschuldigung, wenn ich von mir erzähle. Aber ich will nur damit sagen, man kann etwas tun, wenn man will. Und vielleicht bringt es den einen oder anderen dieser Beobachter doch zum Überlegen, dass man die Augen und Ohren offen halten soll für andere Menschen, die nicht mehr so können wie man selbst.

Ich betreue eine Frau im Pflegeheim, die sich darüber beschwerte, dass sie immer so früh geweckt wird (als Erste auf ihrer Etage). Sie kann die halbe Nacht nicht schlafen und wird dann schon immer ganz früh aus ihrem Tiefschlaf rausgeholt. Erst gab es große Diskussionen darum, dass die Pflegerinnen doch für die Frau keine Extrawurst braten können. Ich hab die Extrawurst aber durchgesetzt, und mittlerweile finden die Schwestern es gar nicht mehr tragisch. Nun werden die Leute im Nebenzimmer zuerst geweckt und meine Betreute als Letzte. Jetzt kann sie endlich ausschlafen. Seitdem geht es ihr wesentlich besser.

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Ich finde das auch alles sehr schlimm. Leider kann nicht jeder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause pflegen, da gibt es viele Gründe, das hat auch nicht immer was mit Egoismus zu tun.Auch ich werde schon mal schief angesehen, weil meine Schwiegermutter im Pflegeheim lebt.Aber eine Pflege wäre hier bei uns absolut unmöglich gewesen, da unser Haus nicht behinderten gerecht ist zum einen, zum anderen aus Platzgründen, und dann noch 4 anstrengende Kinder. Ausserdem ist sie schwere Alkoholikerin, dass hätte das ganze noch schwieriger gemacht u. ich konnte ihr eh nie etwas recht machen.Um auf die Situation in Krankenhäusern/Pflegeheimen einzugehen: Es mangelt einfach überall an Personal.Das Personal möchte manchmal anders, kann aber nicht, weil einfach die Zeit fehlt.Eine freundin von mir hat viele Jahre in einem (kleinen)Krankenhaus gearbeitet, in dem es noch sehr viel persönlichen Kontakt zu den Patienten gab.Sie hat manches mal einem Sterbenden die ganze Nacht die Hand gehalten um ihn nicht alleine zu lassen.Nachdem das Krankenhaus geschlossen wurde, fing sie in einem Altenheim als Nachtwache an. Dort ist sie nachts mit 75 Patienten/Altenheimbewohnern allein!! Menschen die Nachts einnässen z.B. darf sie nicht bei Bedarf säubern u.trockenlegen, nein, sie darf nur alle 4 Std. nachschauen gehen. Es wird an allen Ecken und Enden gespart.Meine Bekannte würde gerne manches Mal mit den Leutchen ein paar Sätze reden, aber sie kann u. darf nicht, weil die Zeit bzw. das Personal fehlt.Dieser Zustand belastet sie sehr.Würde man mehr Geld in die Pflege inverstieren, brauchten die armen Alten u.Kranken nicht einsam u. allein vor sich hin zu vegetieren.Dann könnte auch ein Leben im Pflege/Altenheim durchaus noch lebenswert sein.

Ich habe auch gerade darüber nachgedacht. Ich denke, da ist auch das "Helfer-Syndrom" der anderen Menschen (Familie, Freunde). Sie wollen in der Krankheit und Pflege das wiedergutmachen, was sie zu Lebzeiten nicht gegeben haben. Nicht, um dem Kranken zu helfen, sondern eher, um sich selbst ein reines Gewissen zu verschaffen (dieser Aspekt wurde hier noch nicht angesprochen). Und du hat recht, Tatze, das ist Egoismus in Reinkultur. Und es ist auch noch sanktioniert, da es eben keine Rücksichtslosigkeit ist, sondern eher das Gegenteil. Ich hoffe, dass ich im Alter noch meine eigenen Entscheidungen treffen kann; notfalls (wenn niemand gefährdet wird) möchte ich selbst über mein Leben entscheiden.

Die Rücksichtslosigkeit hat in Deutschland sehr zugenommen. Man findet es überall, nicht nur im Krankenhaus oder gegenüber kranken Menschen, sondern auch im täglichen Leben. Das fängt damit an, dass du auf dem Bürgersteig von hinten von Fahrradfahrern angefahren wirst und sie kommen dir dann noch dämlich und das hört auf, dass die Leute sich nicht mehr im Laden anstellen, sondern einfach nach vorne gehen und versuchen gleich an die Kasse zu kommen. das sind nur zwei Beispiele, könnte da noch ein ganzen Schwung aufzählen.

in unserer gesellschaft lebt man sich auseinander.keiner will mehr so richtig kontakt zum andern haben.lieber abgeschottet und in seiner eigenen welt.dadurch wird aber vergessen, daß man älter wird und jemanden braucht der für einen da ist.

Und waum zwingt man dann anderen seinen Willen auf?

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Wenn ich die älteren Menschen, in meiner Umgebung sehe, bekomme ich wirklich Angst vorm Alter! Sie sind einsam und körperlich eingeschränkt. Sie werden solange in der eigenen Wohnung, sich selber überlassen, bis sie zusammenbrechen und dan ins Altersheim gepackt oder versterben im Krankenhaus (teilweise dort wahrscheinlich auch wegen schlechter Versorgung und minimaler Pflege). Es scheint so, als ob nur Menschen vernünftig versorgt werden, die für die Wirtschaft noch interessant sind- danach werden sie entmündigt und abgeschoben! Was kranke und alte Menschen aber alles so in ihrem Leben bewirkt und erarbeitet haben, ist nicht relevant... Ich finde das abscheulich und werde alles tun, damit das in meiner Familie nicht so läuft!!

Doppel-DH von mir.

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Dazu muß ich auch folgendes sagen.Manchmal sind die alten Leutchen aber auch sehr stur.Ein Beispiel:Heiligabend vor ein paar Jahren. Wir bekommen den Anruf, das meine Schwiegermutter schlimm gefallen ist u. sichden ´Fuß gebrochen hat.Müsste eigentlich operiert werden,aber sie will nicht,hat dem behandelnden Arzt sogar unterschrieben, dass sie auf eigene Verantwortung nach Hause geht.So, nun kommt der Anruf. Mein Mann fährt hin, findet sie in desolatem Zustand,absolut bewegungsunfähig auf der Couch.Selbst zu zweit ist es nicht möglich, sie auf die Toilette zu bringen.Also lässt sie alles unter sich gehen. Nach langem hin u. her, auf ihre Einsicht hoffend, ruft mein Mann irgendwann entnervt einen Krankenwagen u.lässt sie ins nächste Krankenhaus bringen u. wo sie denn endlich auch in eine OP einwilligt u. 2 Tage später operiert wird. Solche Situationen hatten wir in den darauffolgenden Jahren noch des öfteren, sie haben uns manchmal den letzten Nerv geraubt.Lest dazu auch mal weiter unten.

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@kiramarie

Du hast recht, ich kenne das auch von meiner halbblinden Nachbarin, um die ich mich kümmere. Gerade wegen dieser unglaublichen Sturheit, brauchen ältere Menschen eine Person, die sich bemüht auf ihre Wünsche einzugehen und sich aber auch in solchen Situanen, zu ihrer Sicherheit, darüber stellt und sich durchsetzt...Das braucht aber sehr viel Feingefühl und ständigen Kontakt zu dieser hilfsbedürftigen Person. Wenn man einer pflegenden Person vertraut, fällt das meistens auch nicht so schlimm aus aber würden wir jemanden vertrauen, der mit seinen Handlungen, total überfordert scheint-Z.B. überfordertes Pflegepersonal...Natürlich muss man als Familienangehöriger auch seinen Beruf und familiären Angelegenheiten (eigene Kinder) nachkommen und eine Heimbetreuung ist manchmal umungänglich aber durch die, im Allgemeinen in Deutschland, schlechte Einstellung gegenüber alten Menschen, ist die Versorgung entweder sehr teuer oder extrem mangelhaft. Von diesem Problem sind ja auch die Familienangehörigen stark betroffen und die alten Leute, die niemanden haben, sind hoffnungslos benachteiligt. Jugendliche in der Pubertät sind ja auch extrem anstrengend- weil sie aber in Zukunft noch was leisten können, geht man hier mit mehr Sorgfalt ran und alte Leute sterben ja irgendwann nur noch! Ist krass ausgedrückt aber leider nicht wirklich abwegig...

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Da hilft nur eines: Patientenverfügung und Betreuungsverfügung machen. Alle werden es Dir danken: Dein Arzt, weil er weiß, welche Entscheidungen er in Deinem Sinne treffen muss, Deine Angehörigen und auch das Vormundschaftsgericht, die evtl. dann über Dich entscheiden müssen und gar nicht richtig wissen, was das Beste für Dich ist, was Dein Wille ist. Ich hab schon sowas gemacht. Gibt es in Schreibwarenläden. Ist umfangreich, aber sehr sinnvoll.

An die Patientenverfügung braucht sich der Arzt nicht dran halten. Es gibt noch kein Gesetz in Deutschland das den Arzt es vorschreibt!!Da gibt es genug Beispiele wie sie das übergangen haben.

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@wj2000

Das ist bestimmt von Fall zu Fall verschieden: wenn dem Patienten geholfen werden kann, dann soll auch geholfen werden, wenn aber nur lebensverlängende Maßnahmen, ohne Aussicht auf wieder ein richtiges Leben, dann wohl nicht.

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Das ist eine gute Sache. Aber waum können solche Wünsche nicht auch ohne akzeptiert werden?

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@Katzentatze

Ja, das frage ich mich manchmal auch.

Weil man vielleicht noch Rettung sieht,

weil man den Angehörigen nicht verlieren will,

weil man Angst hat, dass er stirbt.

Weil man ihn im Krankenhaus nicht selber pflegen muss.

Das sind wohl sehr verschiedene Gründe, aber mögliche.

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@Katzentatze

Nur der letzte Grund ist Egoismus, alle anderen wohl Liebe

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@Luise

Das ist Liebe, wenn ich endlich sterben möchte, aber nicht gelassen werde, weil ER/SIE mich nicht verlieren möchte? Liebe wär es, meinen Wunsch zu respektieren.

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@Katzentatze

So sehe ich das auch: Das wäre Liebe. Sich in den anderen hineinzuversetzen und nicht den Egoismus, den anderen nicht jetzt schon zu verlieren, vorzuschieben.

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