Warum entwickelt sich fast alles immer zum Schlechteren?

6 Antworten

Eine Frage der Sichtweise ... ob Mitarbeiter als Kostenfaktor oder als (böser Begriff) Humankapital gesehen werden. Ich investiere in Aus- und Weiterbildung, richte Arbeitsplätze so ein, dass ein Wohlfühlfaktor entsteht, bezahle ein Firmenabo ÖPNV (Parkplatzsituation ist ein Desaster) u.ä. ... und dann riskiere ich all diese Investitionen, um ein paar Euronen mehr Profit zu machen?? Geht wohl kaum dümmer und kurzsichtiger. Einarbeitung und Integration eines neuen Mitarbeiters kostet erst mal Geld, das wird immer gerne ausgeblendet.

Was du beschreibst ist wohl eine typische Entwicklung für Deutschland. Der Wettbewerbsdruck wird für viele Betriebe immer größer und generell sehe ich auch politisch eher eine kapitalistische Herangehensweise wie eine Besinnung auf das "Sozial" in unserer sozialen Marktwirtschaft. Entsprechend geben viele Arbeitgeber den eigenen Druck an die Mitarbeiter weiter - wobei es natürlich auch immer noch "gute" Arbeitgeber gibt. Ich habe selber auch schon sehr viele Tätigkeiten ausgeübt und kenne die Entwicklung auch aus eigener Erfahrung, irgendwann bin ich aber dann doch bei meinem jetzigen Arbeitgeber gelandet, wo es extrem locker zugeht.

Das liegt daran, dass es in der Industrie und auch in den BWL-Lehren nur um eins geht: Umsatz und Gewinn müssen jedes Jahr höher werden.

Um das zu erreichen, muss man immer mehr kürzen, sei es Arbeitsstellen oder Gehälter oder Boni oder Zugeständnisse.

Wusstest du, dass in der Industrie bis mehrere Stellen hinter dem Komma gerechnet wird?

Des weiteren sind wir mittlerweile globalisiert und haben hohe Konkurrenz, vor allem aus Fernost und China. Entweder wir können irgendwie da mithalten oder wir werden global abgehängt.

Die Globalisierung ist eines der größten Übel der heutigen Zeit, das stimmt.

Aber man muss sich trotzdem nicht jedem Diktat unterwerfen und es gibt immer noch genügend Betriebe, die am Standort Deutschland festhalten und sehr gut damit fahren.

Damit kann man also nicht alles begründen.

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@Franz577

Damit hast du natürlich Recht - ein guter Betrieb braucht gute Mitarbeiter, und die gehören anständig behandelt. Ansonsten würde ich auch irgendwann gehen.

Aber weißt du, was mir aufgefallen ist? Nicht nur in den Unternehmen hat sich das so entwickelt, sondern auch privat, also in der Gesellschaft: Mein Mann ist Handwerker und arbeitet in einem größeren Unternehmen, früher war die Trinkgeldkasse für alle voll und an Weihnachten haben die Kunden Plätzchen, Sekt, Spirituosen, Marmelade usw. hingestellt.

Heute ist kaum noch Trinkgeld da und für eine ganze Abteilung! haben die Kunden an Weihnachten INSGESAMT nur eine einzige Flasche Sekt gegeben...

Ich dagegen stecke immer ein bißchen Trinkgeld beim Friseur in das Kässchen, oder habe an Weihnachten den Paketboten 10 Euro gegeben, habe Plätzchen verteilt...

Irgendwie denkt jeder in unserer Gesellschaft nur noch an sich. So ist jedenfalls mein Eindruck.

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@AugenAuf85
Irgendwie denkt jeder in unserer Gesellschaft nur noch an sich. So ist jedenfalls mein Eindruck.

Das mag sicher auch ein Faktor sein, aber auch hier muss man meiner Meinung nach das "Warum" hinterfragen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gesellschaft als solche immer "schlechter" und "unmenschlicher" wird, sondern es sind äußere Einflüsse auf die Gesellschaft, die dafür verantwortlich sind.

Wenn z.B. die Bevölkerung immer mehr abkassiert wird, alles teurer wird, immer schärfere Gesetze kommen, die Steuerbelastung steigt etc., dann wirkt sich das eben auch auf die Freigiebigkeit vieler Leute aus, denn irgendwo müssen sie die Mehrausgaben ja wieder einsparen. Und womit ginge das einfacher als durch Verzicht auf Dinge, die freiwillig sind, wie z.B. Spenden, Trinkgelder usw.

Hier ist also auch die Politik bzw. der Gesetzgeber gefragt.

Je höher die finanzelle Belastung der Bevölkerung, desto weniger Hilfsbereitschaft gibt es.

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@Franz577

Stimmt auch wieder. Auch ich muss sparen... Ich merke, wie immer mehr Geld für die ganz normalen Lebenshaltungskosten draufgeht, ohne jeglichen Luxus oder Konsumgüter.

Tja, die kalte Progression schlägt zu - immer mehr.

Steuererleichterungen für die Bürger wären meiner Meinung nach besser wie ständig immer noch mehr umzuverteilen. Bald hat keiner mehr was.

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