Warum entstanden eigentlich konstitutionellen Monarchien?

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2 Antworten

Im Zeitalter des Abolutismus hatte ja das Volk nichts mitzubestimmen.

Das stimmt so nicht. Gerade in den Territorien des Heiligen Römischen Reiches gab es seit dem späten Mittelalter sog. Landstände, zu denen die Geistlichkeit (nicht überall!), der Adel, die Vertreter der Städte und gelegentlich auch die Bauern gehörten. Die Landesfürsten mussten mit den Landständen über Steuern verhandeln, die nur gegen politische Zugeständnisse gewährt wurden. Auch der Kaiser musste Rücksicht auf seine Reichsstände nehmen: Kurfürsten, Fürsten und Grafen sowie die Städte des Reiches.

Wieso kam es dann in den einzelnen Königreichen wo Abolutismus herrschte, nach und nach zu konstitutionellen Monarchien ?

Des Rätsels Lösung ist, dass es in kaum einem europäischen Land einen "Absolutismus" gegeben hat. Der Absolutismus ist ein Mythos, es gab keinen König, der sein Land vollkommen allein regierte, auf niemanden Rücksicht zu nehmen brauchte und für seine Befehle überall in seinem Land bedingungslosen Gehorsam fand.

Nach Großbritannien, das den König schon seit dem Mittelalter durch verbriefte, also schriftlich niedergelegte Rechtsvereinbarungen in seiner Macht beschränkte, setzte sich mit der Aufklärung der Gedanke durch, dass die Macht des Königs nicht von Gott, sondern von der Zustimmung der Regierten abhängig sei. Vorallem die wohlhabenden Bürger und reichen Bauern wollten als Gegenleistung für ihre Unterstützung des Monarchen und seiner Herrschaft Rechte haben, die ihnen Mitbestimmung im Staat gaben. Nach dem Vorbild der ersten Verfassungsdokumente in den USA und in Frankreich forderten sie vorallem im 19. Jahrhundert Verfassungen, die die staatliche Macht in Exekutive, Legislative und Jurisdiktion aufteilte, dem Volk im Parlament (zweite Kammer), dem Adel meist in einer ersten Kammer parlamentarische Entscheidungsgewalt über Gesetze und Finanzen zugestand, dem Monarchen die Zustimmung zu Gesetzen und die Regierungsgewalt (Exekutive) überließ. Diese Verteilung staatlicher Rechte und Aufgaben wurden in einer Verfassungsurkunde (Konstitution) festgeschrieben. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es überall in Europa Verfassungen als Grundlagen staatlichen Handelns.

Der Monarch blieb mächtig, aber er war keinesfalls allmächtig! Er hatte nur die Rechte, die ihm die Verfassung zugestand. Aus der konstitutionellen Monarchie entwickelten sich die parlamentarischen Monarchien, die wir heute kennen, in denen der Monarch seine Rechte nur auf Rat seiner von einer parlamentarischen Mehrheit getragenen Regierung ausübt - selbstbestimmt allenfalls noch in Notfällen.

MfG

Arnold

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Kommentar von earnest
09.03.2017, 07:58

Sternantwort.

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Durch Aufstände wohl kaum,

Natürlich durch Aufstände, denn wie du schon richtig sagst: von alleine haben die Mächtigen die Macht nicht hergegeben. Das waren natürlich keine kleinen Aufmüpfigkeiten, sondern ganze Flächenbrände.

In Frankreich: Franz. Revolution.  Nach Napoleons Fall 1815 hat man zwar versucht, die alte Monarchie wieder einzusetzen, aber das hat nicht lange geklappt.

Und in England gab es diverse "Aufstände", die dem Versuch, eine absolute Monarchie einzuführen, ein Ende setzten. Von dem Aufstand der Barone, die King John die Magna Charta aufzwangen, bis zum engl. Bürgerkrieg unter Cromwell, und dann die Glorious Revolution.

In Russland gab es spätestens ab 1905 gewaltige Aufstände und die gesamte Königsfamilie ist erschossen worden. 1917.

Als die Idee von Egalité ,etc.. mal in der Welt war, gab es kaum noch ein Zurück, auch nicht für die Könige anderer Staaten.

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