Warum dürfen fundamentalistische Juden am Sabbat kein Licht ein oder ausschalten?

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Ursprünglich ging es darum, dass am Sabbat keine Arbeit verrichtet werden durfte. Der Mensch sollte diesen Tag heiligen, indem er sich in keinster Weise um sein irdisches Dasein sorgt und den Tag stattdessen nur dem Gebet widmet. Das soll einerseits das Gebetsleben stärken und andererseits auch das Vertrauen auf Gott zum Ausdruck bringe: Ich glaube, dass Gott mich auch versorgt, wenn ich nicht jeden Tag dafür schufte.

Nun gibt es natürlich gewisse Arbeiten, die auch Sonntags erledigt werden MÜSSEN, wie beispielsweise das Essen zubereiten, Tiere zu füttern, zu melken und auszumisten etc. Außerdem gibt es Tätigkeiten, bei denen nicht ganz klar ist, ob sie als Arbeit gelten oder nicht (zb Botengänge - ist das jetzt Arbeit oder nur ein Spaziergang?)

Da der Mensch sich nach klaren Regeln sehnt, hat man mit der Zeit solche Regeln entwickelt, zb: Wie viele Schritte am Sabbat gegangen werden darf etc. Mit diesen Regeln wurde sicherlich auch viel Schindluder getrieben, aber insgesamt entspricht es dem menschlichen Bedürfnis nach Sicherheit (was - wie Jesus später kritisierte, irgendwie dem oben erwähnten Vertrauen entgegensteht!)

Eine dieser Regeln lautet nun, dass man am Sabbat kein Feuer entfachen soll. Wie ja schon einige andere geschrieben haben war das Feuer machen früher ein äußerst kraftraubender Prozess und ziemlich eindeutig "Arbeit".

Man kann jetzt darüber lachen, dass sich manche Leute trotz der geänderten Lebensumstände noch immer an diese Regeln halten. Man kann aber auch sagen: Gut, diese Regeln existieren seit 3000 Jahren, unsere Vorfahren haben sie in der Wüste ebenso befolgt wie in Jerusalem, Rom oder Warschau, unseren Feinden war es ein Dorn im Auge, dass wir diese Regeln befolgt haben und es sind Menschen dafür auf Scheiterhaufen gestellt worden. Es gab all die Jahre also genug Verlockungen, die Regeln über den Haufen zu werfen, und trotzdem haben sie sich gehalten.

Wieso sollten wir also heute - nur, weil das Feuer machen einfacher geworden ist, diese Regel einfach brechen? Und solange die Dinger, die Licht machen "Glühbirnen" heißen, ist nunmal davon auszugehen, dass das, was darinnen passiert, mit "Feuer" zu tun hat.

@oelbaert: "Wieso sollten wir also heute, nur weil das Feuer machen einfacher geworden ist, diese Regel einfach brechen?"

Weil die Regel keinen Sinn mehr hat, eben weil Feuermachen keine Arbeit mehr ist. Das war ja der einzige Grund, die Regel zu erstellen: um Arbeit zu vermeiden. Wenn dieser Grund wegfällt, hat auch die Regel keinen Sinn mehr.

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@Zicke52

Das ist jetzt Deine Interpretation, und die deckt sich mit der Interpretation der meisten Juden. Es gibt aber eben auch Juden, die sich selbst nicht anmaßen, denn "Grund" dieser Regel zu hinterfragen. Die lesen, dass ihre Vorfahren seit 3000 Jahren am Sabbat kein Feuer entfachen und versuchen, in dieser Tradition weiterzuleben.
Solange sie damit niemandem schaden wüsste ich auch nicht, warum ich kritisieren sollte, dass jemand anders seinen Kühlschrank am Sabbat zu lässt.

Und noch als kleiner Denkanstoß: Du gehst davon aus, dass der Sinn der Gebote ist, Arbeit zu vermeiden. Ich glaube, das zielt ein bisschen an der eigentlichen Intention vorbei: Sinn des Sabbats war ja nicht der freie Tag, sondern der geheiligte Tag. Indem ich diesen Tag bewusst aus dem Alltag herausnehme - was eben auch die Nahrung und die Verwendung von Kühlschränken, Fahrstühlen etc betreffen kann - kann ich mir im Alltag wieder bewusst machen, dass es eine höhere Macht in meinem Leben gibt.
Eine ähnliche Wirkung hat das Fasten, das in vielen Religionen ja noch immer praktiziert wird: Das stetige Hungergefühl erinnert mich im Alltag an Gott.

Als nicht religiöser Mensch, sogar als religiöser Mensch muss man das nicht unbedingt nachvollziehen können. Aber ich sehe keinen Grund, das nicht zu respektieren oder zumindest zu akzeptieren.

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Jesus sagte sinngemäß: Der Mensch ist nicht für den Sabbat, sondern der Sabbat für den Menschen geschaffen. - Dieses Problem ist hier Thema. (Weitere Bemerkung: Der Sabbat geht von Freitag- bis Samstagabend) Christen dürfen wissen, dass sie nicht mehr an den Sabbat gebunden sind (z.B. Siebentagsadventisten denken allerdings, dass sie es sind). Für uns Christen hat sich der Sonntag als der Tag der Woche eingebürgert, der ganz besonders Gott gewidmet sein soll. Mit Sicherheit ist es ausgerechnet dieser Tag, weil Jesus an einem Sonntag auferstanden ist und man sich in der Urgemeinde auch folgend an Sonntagen versammelt hat.

Weil sie nach der Lehre ihrer Pharisäer und Schriftgelehrten am Sabbat kein "Feuer" machen dürfen.

Das "Wort Gottes" (Joh.17,17) wird bis ins einzelne "zerpflückt" und den "Gläubigen" aufgenötigt (Mt.23,13-29).


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