Warum dreht sich die Erde und verschieben sich Galaxien?

7 Antworten

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob du überhaupt richtig verstanden hast, was eine Galaxie ist. Denn es klingt, als ob du den Begriff mit dem Begriff Sonnensystem gleichsetzt, was falsch ist. Darum fange ich am besten erstmal damit an.

Eine Galaxie ist eine Ansammlung von vielen Milliarden Sternen und weiteren Himmelskörpern wie um die Sterne kreisenden Planeten, Gas- und Staubnebeln, Neutronensternen, Schwarzen Löchern und so weiter.

Das Sonnensytem ist ein Planetensystem und besteht neben der Sonne aus den um die sie kreisenden Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun) und weiteren Himmelskörpern wie Asteroiden, Kometen und Zwergplaneten (im engeren Sinn bilden aber nur die Pllaneten das Planetensystem). Die Sonne ist einer der vielen Milliarden Sterne der Milchstraße genannten Galaxie, befindet sich also mitsamt dem restlichen Sonnensystem inklusive der Erde darin.

Alle Himmelskörper innerhalb einer Galaxie (einschließlich aller Planetensysteme und allem darin) und damit die Galaxie als Ganzes haben eine Masse und sind damit der Gravitation unterworfen (also derselben Kraft, die dich am Boden hält oder zum Beispiel einen Apfel zu Boden fallen lässt, das hat Isaac Newton erkannt). Massebehaftete Objekte ziehen sich gegenseitig an und beeinflussen daher auch gegenseitig ihre Bahnen durch den Raum.

Deshalb befinden sich die Planeten und die anderen Himmelskörper im Sonnensystem und anderen Planetensystemen auf Umlaufbahnen um den jeweiligen Stern (Sterne sind üblicherweise viel massereicher als Planeten, deshalb ist es nicht umgekehrt). Auch der Erdmond und andere Monde befinden sich deshalb auf Umlaufbahnen um ihren jweiligen Planeten.

Außerdem befinden sich dadurch auch alle Sterne (mit eventuell um sie kreisenden Himmelskörpern, die sie durch ihre gravitative Anziehung mitziehen) einer Galaxie auf Umlaufbahnen um das Zentrum der Galaxie.

Es kann aber auch vorkommen, dass Himmelskörper durch gravitative Wechselwirkungen aus ihrem Planetensystem oder ihrer Galaxie geschleudert werden (letzteres kann dann auch ein komplettes Planetensystem betreffen, weil der Stern eben alle durch Gravitation an ihn gebundenen Himmelskörper mitnimmt).

Und auch Galaxien ziehen sich wegen ihrer Massen gegenseitig an und beeinflussen ihre Bahnen deshalb (und bilden dadurch Galaxienhaufen und die wiederum Supergalaxienhaufen). Die Milchstraße und die Andromedagalaxie, die nächstgelegene Galaxie, bewegen sich aus diesem Grund gegenwärtig aufeinander zu und werden in einigen Milliarden Jahren zu einer einzigen Galaxie verschmelzen.

Die meisten anderen Galaxien entfernen sich aber von der Milchstraße (und voneinander), weil die Gravitation zwischen ihnen und anderen Galaxien größer ist als die zwischen ihnen und der Milchstraße und/oder weil durch die Expansion des Universums zu viel neuer Raum zwischen ihnen dazukommt, um von der Gravitation kompensiert werden zu können.

Beim Urknall entstanden Raum, Zeit und Materie, wie wir sie heute kennen. Damals war das gesamte Universum viel kleiner als ein Staubkorn (Staubkörner gab es damals natürlich noch nicht). Du darfst es dir also nicht so vorstellen, dass die Materie sm Anfang einfach an einem Punkt im schon vorhandenen Raum versammelt war und dann wie bei einer Explosion in alle Richtungen geflogen ist.

Stattdessen wächst das Universum seit dem Urknall, indem ständig neuer Raum dazu kommt. Beim Urknall waren quasi alle heutigen Orte im Universum an ein und derselben Stelle versammelt, weshalb man sagen kann, dass der Urknall überall stattgefunden hat. Was den Urknall ausgelöst hat, weiß man aber noch nicht, dazu gibt es bisher nur verschiedene Hypothesen.

Nach dem Urknall gab es erstmal etwa 380.000 Jahre lang nur einen dichten Nebel aus Plasma (also ein Gas aus freien Elektronen und Atomkernen), weil es noch viel zu heiß war, damit überhaupt Atome entstehen konnten. Erst nach 380.000 Jahren war das Universum kühl genug, dass sich Elektronen an die kurz nach dem Urknall gebildeten Atomkerne binden und so ganze Atome bilden konnten.

Das war auch die Zeit, in der die kosmische Hintergrundstrahlung freigesetzt wurde, das erste Licht im Universum überhaupt. Denn vorher hatten die freien Elektronen verhindert, dass sich Licht frei ausbreiten konnte.

Dann gab es überall im Unversum Gaswolken, die hauptsächlich aus Wasserstoff und außerdem Helium bestanden. Alle anderen chemischen Elemente mussten erst in Sternen durch Kernfusion erzeugt werden. Bis die Erde mitsamt dem restlichen Sonnensystem (alles im Sonnensystem ist etwa glechzeitig entstanden) entstehen konnte, vergingen daher seit dem Urknall noch einmal etwa 9 Milliarden Jahre.

Das ganze Sonnensystem hat sich damals aus einer Gas- und Staubwolke gebildet, die durch ihre eigene Gravitation kollabiert ist. Möglicherweise musste dieser Vorgang aber erst durch Druckwellen eines in der Nähe der ursprünglichen Wolke explodierenden Sterns (einer Supernova) angestoßen werden. Beim Kollaps formte sich die Wolke durch Fliehkräfte zu einer flachen Scheibe, so dass noch heute so ziemlich alle Himmelskörper im Sonnensystem ungefähr in einer Ebene befinden.

Die Sonne, die Planeten und die anderen Himmelskörper im Sonnensystem sind dann aus lokalen Verdichtungen der ursprünglichen Wolke entstanden. Weil die bereits rotierte und sich die Gas- und Staubteilchen in ihr daher auf Bahnen um ihr Zentrum bewegten, rotieren jetzt auch die aus diesen entstandenen Himmelskörper und bewegen sich auf Umlaufbahnen um die Sonne (Stichwort: Drehimpulserhaltung). Das Gleiche gilt auch für alle anderen Planetensysteme und ganze Galaxien.

Danke Für deinen Riesigen Kommentar, mit so einer Langenantwort habe ich zwar nicht gerechnet aber es wahr alles sehr Informativ und Interessant LG

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@Alain1711

Bitte schön. Ja, ich neige bei solchen Fragen immer zu recht langen Antworten. :-)

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Wenn ein Objekt im Weltall ein Stück geradeaus geflogen ist, kommt es auf jeden Fall früher oder später in das Gravitationsfeld irgendeiner Sonne oder eines Planeten und schwenkt in eine elliptische Umlaufbahn ein.

Ein Beispiel sind Kometen und Asteroiden, die an unserer Erde meist vorbei um die Sonne kurven und dann auf einer langgestreckten Ellipse weiterfliegen und lange später, beispielsweise der Halleysche Komet nach 76 Jahren, wieder zurück kommen.

Es kommt auch vor, dass ein Objekt. das mit mehr als der Fluchtgeschwindigkeit der Sonne fliegt, auf einer Hyperbel Bahn soweit weg fliegt, dass es von einer anderen Sonne viel später wieder eingefangen wird.

Fazit: auf Dauer fliegt nichts geradeaus.

Die Geburt des Sonnensystems aus einer rotierenden Staubscheibe erklärt die Drehung aller Planeten um die Sonne. Die Drehung der Erde um ihre eigene Achse hat jedoch eine andere Ursache. ... Während sich die Erde dreht, lässt die Schwerkraft des Mondes das Wasser der Ozeane ständig ansteigen und abfallen !!!

https://www.ds.mpg.de/202757/04

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