Warum deutsche(s) Vaterland?

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7 Antworten

Zuerst einmal, natürlich werden Adjektive dekliniert (also angepasst). Das ist eine grundlegende Eigenschaft der allermeisten Adjektive - du verwechselst das mMn mit den Adverben.

Dann: Ich nehme einfach mal an, deine Verwirrung liegt darin begründet, dass es einmal heißt das deutsche Vaterland und das andere Mal deutsches Vaterland.

Der Grund für das unterschiedliche Aussehen der beiden Adjektive liegt im Flexionsverhalten derselben im Deutschen. Du hast eventuell während eines Sprachkurses schonmal etwas von starker bzw. schwacher Adjektiv-Flexion gehört. Ich hab jetzt nicht die Zeit, das hier genau auszubreiten, nur soviel dazu:

Es heißt (im einfachsten Fall mit bestimmtem Artikel) sowohl im Nominativ als auch im Akkusativ das Vaterland. Dieses -s ist nun das wichtige Element. Es muss eigentlich immer irgendwo in einer Phrase mit Vaterland vorkommen.

Im 1. Fall kommt es (wie gewöhnlich) am Artikel vor: für das deutsche_ Vaterland. Am Adjektiv braucht man es nicht (mehr). Man spricht dann davon, dass das Adjektiv schwach flektiert wird.

Im 2. Fall ist aber kein Artikel vorhanden, an dem dieses -s zu sehen wäre, daher ist es hier am Adjektiv deutsches angebracht. Man spricht hier von der starken Adjektiv-Flexion.

http://deutschkurs.co.at/grammatik.html

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Kommentar von Deponensvogel
28.06.2016, 18:59

Wenn das einem seit vierzig Jahren nicht aufgefallen ist, hapert da schon irgendwas im Fach Deutsch als Fremdsprache.

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Ich möchte noch ein paar bildhafte Vergleiche erklären:

"Danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!"

ist ein Aufruf, dafür etwas zu tun, dass Deutschland eine Heimat ist, in der die Menschen einig sind, Freiheit haben und Rechte in Anspruch nehmen können. Mit "brüderlich" wird wieder es verglichen mit dem Zusammenhalt einer Familie und "Herz und Hand" steht dafür, es im Denken und Fühlen, als auch in Handlungen zu unterstützen.

"Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand"

Hier wird ein Vergleich benutzt aus dem Kreditwesen. Unterpfand steht für eine Sicherheit, mit welcher der Kreditgeber entschädigt wird, sollte der Kreditnehmer nicht zahlungsfähig sein.

Also, dass Einigkeit, Recht und Freiheit die Sicherheiten sind, die das Glück bekommt, die das Glück erhalten.

"Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!"

ist ein Vergleich aus der Botanik. So, wie Pflanzen blühen und gedeihen und am Ende viele Früchte bringen, wird dies auf eine vereinigte Nation deutschsprachiger Menschen übertragen, die, wenn sie nicht jeder ihre eigene Sache machen, sondern zusammen arbeiten, dann größeres bewirken können, in diesem Fall war gutes gemeint.

Aus eben diesem Grund wurde dieser Vers der Hymne im 3. Reich nicht gesungen, die Regierung wollte kein Recht und keine Freiheit, sie wollte nur, dass Deutschland höchste Priorität hat, was in der ersten Strophe ausgedrückt werden sollte - aber nachdem Deutschland sich über andere erhoben hat, klingt die erste Strophe nur noch nach "Deutschland dominiert andere Länder" und nicht nach "es ist mir das wichtigste, dass alle deutschsprachigen Länder in einem Nationalstaat vereint sind".

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Deine Probleme verstehe ich auch nicht so richtig, aber ich will es mal versuchen.

Deutsch ist eine sehr variable Sprache. Das macht sie einerseits sehr schwer erlernbar andererseits wird sie dadurch sehr präzise. Man kann Sachen ausdrücken, die andere Sprachen in der Form nicht leisten können und eine 1:1 Übersetzung funktioniert somit nicht immer. Ferner unterliegt Sprache einer Entwicklung. Reste aus älteren Satzbauten und Worten blitzen schon mal durch.

"Deutsche" hat in der Hymne eine doppelte Funktion. Klar ist es ein Adjektiv. Aber kein gewöhnliches Adjektiv. Es ist zugleich ein fester Eigennahme. Wie z. B. "Media Markt" oder das "Blaue Band". Bei der Auszeichnung "Blaues Band" ist Blau gleichzeitig eine Farbe und ein feststehender Begriff für eine Auszeichnung. (Google mal "Blaues Band". Dann verstehst du es vielleicht besser.)
In der 4. Zeile wird "deutsches" wieder als Adjektiv zu Vaterland eingesetzt. Vaterland endet mit Land (das Land). Daher wird aus deutsch deutsches.

Also der komplette Begriff heißt "Deutsches Vaterland" und als Wortspiel benutzt man die Wörter wieder in Zeile 4 getrennt als deutsches Vaterland. 

Bei "Glückes Unterpfand" wurde ein Wort ungewöhnlich und in altdeutscher Sprachweise benutzt. Der Satzbau ist heute so nicht mehr üblich. Aber es gibt noch sehr bekannte, feste Wortfolgen die überlebten und werden einfach wie immer weiterbenutzt werden. Dazu gehören eben "Glückes Unterpfand". So aus dem ursprünglichen Rahmen herausgerissen, wirken sie fremd am Platz. Hier gild: Das war schon immer so, also machen wir es weiter. Weiß ja jeder, dass man das so beugt. Besonders in Liedern und Gedichten wird gerne davon Gebrauch gemacht, um eine bestimmte Stimmung oder einen Wortwitz zu erzielen.

Im Frühtau zu Berge wir ziehn
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow, war sein Ziel

Wenn solche Zeilen einen Ausländer nicht verwirren, dann weiß ich nicht. Aber ein Deutscher hat kein Problem damit.

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Kommentar von Deponensvogel
28.06.2016, 19:03

Was du da von Wortspielen redest, ist unverständlich und völlig an der Fragestellung vorbei.

Das Genitivattribut (des Glückes) kann auch vor dem Substantiv stehen, auf das es sich bezieht. Das wirkt in alltäglicher Sprache altertümelnd, in alltäglicher Sprache ist das Genitivattribut aber auch sehr rar. 

Außerdem musst du zwischen Umgangssprache, Standardsprache und Dichtersprache unterscheiden. Was in der ersten gilt, ist in der zweiten verboten, und was in der zweiten gilt, in der ersten irre. In der Dichtersprache darf man aber alles, auch wild mit dem fest geregelten Satzbau umherwerfen. 

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Kommentar von RonnyFunk
03.07.2016, 18:18

Ich denke, es ist eher ein Sprachspiel, als ein Wortspiel.

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Als dieser Text verfasst wurde, gab es kein Deutschland. Es gab verschiedenste deutschsprachige Staaten und Klein-Staaten, jedes mit anderen Währungen, Maßen und Gewichten. Hoffmann von Fallersleben drückte eine Sehnsucht danach aus, diese ganzen Kleinstaaten zu einen in einem Land.

Daher auch die Betonung „deutsches Vaterland“, abgesehen davon, dass ja irgendwie zum Ausdruck gebracht werden soll, für wen Einigkeit und Recht und Freiheit sein soll. Das kann ja nicht irgendein Vaterland sein, oder?
Und Zeile 4 soll ja auch sagen, was blühen soll, nicht irgendwas, sondern das deutsche Vaterland.

Zum Begriff „Vaterland“. In der deutschen Sprache sind diese Vergleiche mit Eltern eben einzigartig. Wir haben ein „Vaterland“ und wir haben eine „Muttersprache“.

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Deine Prämisse ist schlicht total falsch.

Natürlich gehören auch Adjektive zu den deklinierbaren Wortarten.

In Zeile 4 wird dann das Adjektiv "deutsch" nach dem Genus von "Vaterland" OHNE Artikel im Nominativ/Akkusativ dekliniert.

Ergoogel dir einfach mal "Adjektivdeklination ohne Artikel"


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Natürlich kann (und muss) man Adjektive deklinieren.

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Richtig, "deutsches" in der 4. Zeile ist ein Adjektiv, und zwar ein attributives.

Adjektive können selbstverständlich dekliniert werden, wie in dieser Zeile auch richtig geschehen.

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