Warum denkt meine Mutter nur dass sie Demenz hat?

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6 Antworten

Hier sehe ich drei Aspekte:

1. "Nur die vierte Klasse besucht":

 Wie kam es dazu? Kann eine nicht diagnostizierte Lernstörung irgendeiner Art vorliegen oder eine anderweitige Ursache für schulische Schwächen - auch Stress, geringes Selbstvertrauen etc. - die möglicherweise jetzt überwunden ist oder noch überwunden werden kann?

2. Dinge vergessen: 

Das passiert, wenn man nicht gewöhnt ist, sich Dinge zu merken oder wenn man zu viel Stress hat, evtl. auch Stress aufgrund der Angst vor dem Vergessen. Jeder kennt den vergessenen Schlüssel, wenn man vor Verlassen der Wohnung abgelenkt war oder an etwas Ungewöhnliches denken musste. Viele, die lange im Beruf standen und dann wieder etwas lernen mussten/ wollten (Fortbildung, Umschulung, VHS), hatten anfangs große Schwierigkeiten, weil ihnen die Routine fehlte.

3. Angst lähmt & Einbildung:

Angst lähmt vor allem das Konzentrations-/ Lernvermögen (s. Lampenfieber etc.). 

Der andere Aspekt ist aber, dass ganz normale Vergesslichkeit mit steigendem Alter dem Alter zugeschrieben wird und dann gerne von Demenz oder umgangssprachlich "Alzheimer" die Rede ist.

Vergisst man den Schlüssel mit 5, ist man schusselig oder verspielt und hat zu viel im Kopf. Vergisst man ihn mit 10 oder 15, ist man "dämlich" und war abgelenkt, hatte zu viel im Kopf. Mit 25-45 hatte man zu viel Stress wegen Arbeit, Familie, Sorgen, Zeitdruck und hat ihn halt einfach vergessen.

Mit 55 ist hat man plötzlich Angst, "dement" zu sein. Man achtet auf alles, was früher auch schon passierte, aber entschuldigt wurde (etwas von der Einkaufsliste vergessen, ins Nebenzimmer gegangen und nicht mehr gewusst, was man machen wollte, Schlüssel etc. vergessen, Wortfindeschwierigkeiten, Namen von Personen vergessen, die einem kürzlich vorgstellt wurden, nicht mehr wissen, was man gestern gegessen hat usw.).Wenn das gleiche einem 10 oder 20 Jahre Jüngeren passiert, entschuldigt man es, bei sich selbst aber nicht.

PIN: Man denkt nur daran, wenn man ihn braucht. Man lernt ihn nicht bewusst. Man hat vielleicht keine Strategie. Oder verwechselt Zahlen, die in einem anderen Kontext vorkommen (meine Kontonummer und meine Matrikelnummer waren sehr ähnlich. Ich habe sie anfangs ständig verwechselt). Es würde helfen, die PIN bewusst zu lernen, sich Merkhilfen zu überlegen, eine Rhythmus dafür zu finden, sie einfach jeden Tag 10 mal zu wiederholen, dann ohne hinzusehen aufzuschreiben, nach einer Minute, 5 min, 10 min, einer Stunde, mehreren Stunden jeweils mehrfach. Nach ein paar Tagen oder spätestens Wochen hätte vermutlich auch Deine Mutter die PIN gelernt.

Straße aufschreiben: Hier würde ich mal überlegen, ob eine Lesestörung vorliegt oder eine andere Wahrnehmungsstörung. Oder ist der Name schwierig, weil er Verwechselungsmöglichkeiten bietet (Thalstraße vs. Talstraße, Geitstraße vs. Geizstraße etc.). Hat sie mal in einer ähnlichen Straße gewohnt (Lerchenstraße vs. Lärchenstraße z.B.)? Hat sie allg. Probleme mit dem Abschreiben (Konzentration) oder der Rechtschreibung (Gedächtnis, Gewöhnung, Konzentration, Wahrnehmung)?

Es gibt auch schlicht Leute, die Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung haben, ansonsten aber intelligent sind und ein gutes Gedächtnis haben, nur nicht für Rechtschreibung. Das kann man sicher testen lassen (Ansprechpartner wäre mMn erst mal der Hausarzt, der dann weitere Ansprechpartner nennt).

Nicht zuletzt kann ein Problem mit der Merkfähigkeit auch medizinische Ursachen haben (vielfältige, unter anderem m.W. auch ernährungsbedingt). Typisch kann auch zu wenig Sport (Blutzikulation wird angeregt, man wird wacher, kann sich besser konzentrieren) und Wasser (gerade im beginnenden Alter oft ein Thema) Grund für Vergesslichkeit sein.

Übrigens glaube ich nicht, dass sie "es sich bequem macht", sondern eher, dass sie große Angst vor Gesichtsverlust hat und dafür dann eine "Ausrede", mit der sie sich selbst klein macht ("lacht mich nicht aus, ich habe nur die 4. Klasse besucht"). 

Meine Großmutter musste mit 15 die Schule abbrechen, wurde Putzfrau, las ihr ganzes Leben lang viel, hatte ein gutes Allgemeinwissen, machte sich aber über jeden lustig, der "gebildet" war, weil sie sich nicht so sah und immer Angst vor Gesichtsverlust deshalb hatte.

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abschicken zum Psychiater oder Neurologen. Klingt eher nach Persönlichkeitsstörung, sry. Aber man/frau kann sich alles einreden und dann ist es gesetzt. Es gibt dafür standardisierte, gute Tests.

Mein Vater war wg. Alzheiner dement geworden, das konnte man mit bildgebenden Verfahren (CT/MRT) Reaktions- und Auffassungstests feststellen.

Motiviere sie zum Besuch beim Facharzt!

Alles andere: Märchen, Einbildung, Vermutung, Angst usw. usw.

Viel Erfolg!

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Kommentar von skyberlin
26.04.2016, 01:02

frühe Demenzerkrankungen beginnen ab ca. 40 Lebensjahren, nachweislich und durch Tests überprüfbar. Lass es unbedingt fachärztlich überprüfen, ob das der Fall sein könnte. Sonst braucht sie psychiatrische/neurologische Hilfe.

Ignoriere ihr Beleidigtsein, Du hast ja ein eigenes Leben. Biete ihr die beste und einfachste Lösung an: fachärztliche Untersuchung, sonst bist Du co-erkrankt und das wünscht man keinem/r. Sonst geh'st Du mit drauf!!!

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Vielleicht hat sie ganz einfach nur eine Lernschwäche!?

Wenn Deine Mutter nur bis zur 4. Klasse die Schule besucht hat, dann hat sie sicher nie gelernt zu lernen und da kann es durchaus vorkommen, dass man mit dem, was für Dich und mich alles als "normal" gilt, einfach nicht zurecht kommt. Sie war Dir aber ganz sicher immer eine gute Mutter, oder? Ihre Fähigkeiten liegen also auf einem ganz anderen Gebiet.....

Es gibt in Deutschland übrigens immer noch einen ganz hohen Anteil an Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können - s.g. Analphabeten. Für einen Erwachsenen ist das eine sehr schwierige Angelegenheit und kaum einer mag sich das selber eingestehen.

An Demenz würde ich in Eurem Fall erst mal gar nicht denken und Du solltest Deiner Mutter einfach hilfreich zur Seite stehen. Du durftest die Schule ganz sicher länger besuchen und Dir mehr Wissen aneignen. Deine Mutter hat Dir geholfen als Du klein warst und nun hilfst Du ihr so gut Du kannst.

Ich wünsche Euch alles Gute

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Na ja - man kann durchaus schon mit 55 Jahren Demenz haben. Ich kenne einen Fall, da bekam ein Mann mit 50 Jahren Demenz - er lebt jetzt im Heim.

Ich würde empfehlen, dass Deine Mutter mal zum Arzt geht.

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Kommentar von StyleFask
26.04.2016, 00:18

Naja, sie redet es sich immer selbst ein. Sollte ich mal ihren Arzt konsultieren und nachfragen? 

Sie hält mich für bekloppt, wenn ich andeute, dass es für Ihre Situation Ärzte gibt. 

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Ein Neurologe wäre da sinnig

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Probiert es mal mit Kokosöl 1-2 löffel am Tag können wahre wunder bewirken

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