Warum denkt man bei einem Suizid nur an das Leid der Familie?

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35 Antworten

Ja, das kann man für mindestens genauso "egoistisch" halten.

Ich denke wer Suizidenten derart veruteilt, hat noch Konflikte mit der eigenen Sterblichkeit. Anstatt sich sich in die Motive und das Leid des Suizidenten hineinzuversetzen und möglicherweise nachzuvollziehen, ob man sich in so einer ausweglosen Situation auch das Leben genommen hätte, beschäftigt man sich lieber mit dem Leid der "armen" Familie. Damit verdrängt man die eigene Todesangst...

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Kommentar von TrudiMeier
03.11.2016, 21:47

Anstatt sich sich in die Motive und das Leid des Suizidenten
hineinzuversetzen und möglicherweise nachzuvollziehen, ob man sich in so einer ausweglosen Situation auch das Leben genommen hätte,

Das geht nicht, das schafft man nicht. Jemand der relativ zufrieden mit seinen kleinen Alltagsproblemchen lebt und nicht einmal ansatzweise an Suizid gedacht hat, wird es nicht fertigbringen, sich in das Leid des Betroffenen hineinzuversetzen und seine Motive verstehen. Er würde immer sagen: "Ich hätte mich nicht umbegracht!".  Man kann versuchen sich hineinzuversetzen, aber ich bezweifle, dass jemand tatsächlich nachvollziehen kann, wenn jemand den Tod als einzigen Ausweg sieht. Dazu haben die meisten viel zu viel Angst vor dem Tod, insbesondere vor einem selbst herbeigeführten.

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Verwandte eines Selbstmörders rechnen es ihm übel an, daß er nicht aus Rücksicht auf ihren Ruf am Leben geblieben ist.
(Nietzsche)

Natürlich gibt es auch Suizide als Kurzschlusshandlungen. Und viele Suizidversuche sind auch als gescheiterte Versuche geplant, damit die Umgebung endlich glaubt, dass man sich wirklich schlecht fühlt - hier ist also noch Hoffnung vorhanden.

Aber es gibt auch Leute, die sich vor dem Suizid Gedanken über alles machen, was ihnen dazu einfällt. Und keine Hoffnung mehr haben. Da das Thema Suizid von den allermeisten Menschen verdrängt wird, werden auch Andeutungen bis klare Ankündigungen des Suizids in aller Regel nicht ernstgenommen, was die Suizidabsichten regelmäßig bestärkt. Hier liegt die Hauptverantwortung bei der Umgebung (falls sie ansonsten kompetent genug ist, den Suizidkandidaten ernst zu nehmen).

Wenn der Suizidkandidat außerdem noch depressiv ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihn der Tod eines Familienmitglieds bei weitem nicht so schwer trifft wie "gesunde" Familienmitglieder. Das muss man ihm zugute halten - er kann sich einfach nicht ausmalen, wie schlimm sein Abscheiden für die Familie sein wird.

Wie es mit den Schuldgefühlen der übrigen Familie ist, ist eine weitere Frage. Wie oft wird ein Brunnen erst dann abgedeckt, wenn ein Kind nicht nur hineingefallen, sondern auch ertrunken ist.

Von daher gebe ich dir bei dieser Frage recht.

Dies scheint mir ein Spezialfall eines Konfliktes zweier Wertesysteme zu sein.

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Kommentar von TrudiMeier
02.12.2016, 10:20

Das muss man ihm zugute halten - er kann sich einfach nicht ausmalen, wie schlimm sein Abscheiden für die Familie sein wird.

Aber genauso ist es doch umgekehrt. Die Hinterbliebenen können sich auch einfach nicht ausmalen, dass es jemandem so schlecht geht, dass er den Tod als einzigen Ausweg sieht.

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Anekdote.

Mein Opa, den ich, mein Bruder, meine Cousine und alle aus meiner Familie liebten, nahm sich vor 3 Jahren das Leben, nachdem er in einer Psychatrie wegen Schizophrenie war. Bis heute kann ich es nicht fassen, wie die Angestellen so mangelhaft aufpassen konnten, das er sich das antun konnte...

Wir fielen aus allen Wolken, es wurde meiner Mutter trocken per Telefon mitgeteilt, dass sich ihr Vater erhängt hatte. Wir haben alle im Wohzimmer geweint, das war der schlimmste Tag meines Lebens, wirklich!

Wir wussten, dass es ihm schlecht ging, genau natürlich nicht, wir wussten ja nicht, was in ihm vorging. Ich habe ihn aber nie als Egoisten angesehen, er hat versucht sich helfen zu lassen, dabei hat er auch an uns gedacht, doch irgendwann konnte er einfach nicht mehr, er war nur ein Mensch, mit all seinen Fehlern, wie du und ich.

Bedenke doch einmal, was für eine schlimme Nachricht diese Menschen erhalten, sie müssen erst einmal sich selbst helfen, bevor ihnen bewusst werden kann, was das für den Verschiedenen bedeutete! Dabei sagt man auch Dinge, die man oft nicht so meint, weil man zu getroffen davon ist.

LG

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Kommentar von CountDracula
03.11.2016, 19:53

Der Tod ist nicht das Problem, sondern Deine Einstellung zum Tod. Einzig und allein Deine Einstellung.

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Grundsätzlich gibt es verschiedene Beweggründe für Suizid:

  • Hilfeschrei: Vor allem junge Menschen (aber nicht nur) machen einen Suizidversuch, da sie (teilweise psychisch Krankheitsbedingt) dringed Hilfe und Aufmerksamkeit brauchen. Es ist ein Mittel mitzuteilen wie schlimm es um einem steht, wenn einem sonst keiner glaubt oder die Krankheit bzw. der psychisch schlechte Zustand unterschätzt wird.
  • Kurzschlussreaktion: Es gibt Menschen die aufgrund einer Kurzschlussreaktion suizid begehen. Meist nachdem sie ein Schicksalsschlag getroffen hat. Dazu gehört z.B. der überraschende Verlust eines nahe stehenden Menschen oder das überraschende Ende einer Beziehung (der vermeindlichen Liebe des Lebens)
  • Die meisten Menschen jedoch, welche suizid begehen leiden an schwersten Depressionen. Merkmal dieser Krankheit ist, dass man starke Suizidgedanken hat. Einerseits weil es zu dieser Krankheit gehört bzw. ein Symptom derer ist, andererseits weil man diese Qualen einfach kaum aushält.

Psychologisch gesehen, geht es bei den ersten 2 Punkten vor allem um Aufmerksamkeit (soll nicht negativ klingen). Die betroffenen Menschen stellen sich auch die Angehörigen vor, die weinend am Grab stehen. Sie wollen jenen Personen, die ihnen leid zugefügt haben oder sie verlassen haben seelische Schmerzen zufügen. Eine Ausnahme dabei bildet die Kurzschlussreaktion nach dem überraschenden Verlust eines nahen Angehörigen z.B. durch einen Verkehrsunfall.

Warum das so ist kann ich dir nicht so einfach beantworten, weil ich mich auch nicht in diese Situationen hineinversetzen kann. In der Psychologie haben wir dies jedoch so gelernt.

Komplett anders verhält es sich bei psychischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen. Die Betroffenen bleiben oft nur am Leben, weil sie ihren Angehörigen keine seelischen Schmerzen zufügen wollen. Sie selbst haben weder Lebensfreude noch Lebenswillen. Dies ist ein Merkmal dieser Krankheiten.

In diese Situation kann ich mich sehr gut hineinversetzen, weil es auch mich in den schwersten Phasen meiner Depression zutraf. Wenn man selbst durch diese Qualen keinen Lebenswillen mehr hat ist das einzige was einem am Leben hält die Tatsache, dass man seinen Angehörigen nicht auch psychische Schmerzen zufügen will.

Mann kann einfach nicht mehr. Die Krankheit ist übermächtig, psychische Schmerzen sind das schlimmste was es gibt. Doch das durch den eigenen Suizid bei nahe stehenden Menschen auch solche Probleme ausgelöst werden nimmt man nur dann in kauf, wenns wirklich nicht mehr anders geht. Und mit anders gehen meine ich eine so schlimme depressive Phase, dass man fast daran krepiert.

Wie du sieht ist die Rücksicht auf die Angehörigen nicht in jedem Suizidfall der Grund warum man es nicht tut. Bei manchen Fällen sogar das Gegenteil.

Obwohl ich Psychologie als Schwerpunkt meiner Studienrichtug hatte, konnte ich mich bis zum Zeitpunkt meiner depressiven Erkrankung nicht in diese Situation hineinversetzen. Dies macht das Erklären umso schwieriger. Manche Sachen muss man einfach erlebt haben, damit man sie verstehen kann. Depressionen gehören dazu.

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Ist schwer zu sagen. Die meisten Leute, die sich mal umbringen wollten oder das versucht hatten, sagen ja, sie hätten das nie gemacht, wenn es jemand in ihrem Leben gegeben hätte, den das gejuckt hätte.

Von daher muss es einen bestimmt schon sehr quälen, wenn man sich das Leben nimmt, obwohl man Familie hat.

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Hallo

Ich glaube nicht, dass irgendjemand von einem Suizidgefährdetem erwartet, dass er für andere Menschen weiter lebt und dabei leidet. Es geht mehr darum, dass diese Person ihr Leben nicht so einfach wegwerfen und irgendwie Hilfe bekommen soll, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Dieses Thema ist aber viel zu komplex, als dass ich es hier schnell aufschreiben könnte, aber wem schadet der Suizid eines Menschen am meisten? Meistens den Eltern und Freunden, weil sie nicht einmal wussten, wie schlecht es der Person ging, da sie nie darüber geredet hat. (Ist jetzt nicht in jedem Fall so, aber gibt es) Sterben wird man sowieso, man sollte versuchen das Beste aus seinem Leben zu machen. LG

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Hallo Kayne Anunk,

vor einigen Jahren hat eine Freundin sich zu diesem grausamen Schritt entschieden, mit 48 Jahren.

Was ich ihr bis heute nicht verzeihen kann, ist, daß sie keine Hilfe zugelassen hat. Sie war so darauf fixiert, sich um alle Probleme in ihrer Ursprungsfamilie kümmern zu müssen, daß sie am Ende sich selbst verloren hat.

Ihr Lebensgefährte hat zu helfen versucht. Ohne Erfolg. In der Nacht, bevor sie einen Termin bei einem befreundeten Psychiater hatte, hat sie sich umgebracht.

Mit Medikamenten gegen ihre Depression und Psychotherapie hätte sie im Anfangsstadium der Krankheit aufgefangen werden können und der Suizid wäre keine Option mehr gewesen.

Ich finde, daß sie sich selbst die Chance, Hilfe zu erhalten genommen hat. Und das kann ich bis heute nicht nachvollziehen. 

Giwalato 

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Kommentar von KayneAnunk
02.11.2016, 21:34

Ok, bei sowas kann ich deine Ansicht echt gut verstehen. Was ich meine, sind Leute, die trotz verschiedener Therapien und Medikamente am Ende trotzdem Suizid begehen, und sie trotzdem für egoistisch und feige gehalten werden...

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Kommentar von KittyCat2909
03.11.2016, 20:41

Ich finde, daß sie sich selbst die Chance, Hilfe zu erhalten genommen hat. Und das kann ich bis heute nicht nachvollziehen.

Der Grund könnte der gewesen sein, dass sie 'einfach' nicht mehr konnte. Nicht mehr für sich und die anderen kämpfen.  Auch der Weg zu einem Therapeuten kann da zuviel sein- eine Kraft die man nicht mehr hat und eher Angst macht.

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Egoismus

Grundsätzlich halte ich Suizid für egoistisch, denn es ist eine selbst-bezogene Tat, in der man sich einer bestimmten Verantwortung, oder Herausforderung entziehen will. Sei sie nun medizinischer, emotionaler, oder sozialer Art.

Außerdem nimmt man bei einer Selbsttötung keine Rücksicht auf das Trauma, das mit dem Auffinden der Leiche verbunden ist und ignoriert die emotionalen Belastung für die Angehörigen.

Emotionale Ausweglosigkeit

Wie du aber auch sagst, werden Selbsttötungen in der Regel nicht von Menschen verübt, die mal eben nichts besseres zu tun haben und deshalb mal eben nach Feierabend aus dem Leben scheiden.

Diese Menschen empfinden eine Ausweglosigkeit aus ihrer Situation, fühlen sich der Verantwortung nicht gewachsen, emotional überfordert, schutzlos asgeliefert - psychische Belastungen, die zu dieser Tat führen.

Aufgabe

Sofern nicht gerade eine tödliche Erkrankung vorliegt, gibt es in der Regel kein Problem, das nicht auf irgendeine Weise gelöst, oder gemildert werden könnte - sei es der Verlust des Arbeitsplatzes, private Probleme, oder Depressionen.

Teilweise ist aber einfach der Leidensdruck zu stark, so dass diese Menschen vor einer eigentlich durchaus zu lösenden Krise kapitulieren. Sie geben sich und den Willen zu leben auf. Eine Selbsttötung stellt damit auch eine Form des Scheiterns dar.

Motiv

Das Motiv eines Menschen, der sich selbst das Leben nimmt, mag für Menschen, die nicht davon betroffen sind, möglicherweise trivial wirken. Für die jeweilige Person war es jedoch offenbar gewichtig genug.

Die Trennung von einem Partner, den man gerade mal ein halbes Jahr kannte, oder der Tod eines Musik-Idols scheinen manchem als Suizidgrund einfach zu banal. Für die Person war dies jedoch tödlicher Ernst.

Was ist ein Suizid?

Ist ein Suizid nun eine "böse", weil egoistische Handlung, oder eine "gute" Handlung, mit der man sich von einem Leiden erlöste?

Ich denke, so einfach ist die Welt nicht und man sollte daher nicht vorschnell urteilen - insbesondere dann nicht, wenn die Informationen lediglich aus Dritter Hand, oder Medienberichten stammen.

Es gibt nicht nur ein "entweder - oder", sondern auch ein "sowohl, als auch", so dass zB eine Handlung sowohl als egoistische Flucht vor dem Problem, als auch Folge eines Leidensdrucks gewertet werden kann.

Wenn wir also bereits scherzhaft von "liebenswerten Unmenschen" reden können, sollte es auch möglich sein, vom "einsamen Egoisten" zu sprechen

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Nun, ich versuche dir jetzt viele verschiedene Ansichten davon zu erläutern.

Die Außenstehenden, also die gesunden Menschen, halten es für egoistisch, da sie sich niemals umbringen würden. Und es nie verstehen werden, warum sich der Mensch überhaupt umgebracht hat. Weil der Mensch sprich, Sohn/Tochter, doch zu ihnen kommen konnte, wenn er doch ein Problem gehabt hatte. Sie verstehen es nicht, warum der Selbstmörder in dem Moment nur an sich denken konnte, und nicht an die Familie, durch die er mit seiner Tat zerstört hat. Sie fragen sich, immer und immer wieder warum er das überhaupt getan hatte. Und kommen mit dem Verlust nicht klar. Deshalb sagen sie, es sei egoistisch.

Dann gibt es auf der anderen Seite, den kranken, depressiven Menschen.Der mit seiner Familie / Freunde nicht reden kann. Weil er sie so glücklich sieht. Und sie damit nicht enttäuschen will. Er ist total unzufrieden mit sich selbst. Er weiß nicht, wie er die Situation noch meistern soll. Sieht keinen zum Reden. Weil er niemanden stören möchte. Die Depressionen holen ihn ein. Er kann nachts kaum noch schlafen. Geplagt von Angst und Panikattacken. Er will nur, dass alle anderen um ihn herum glücklich sind. Und das sind sie nur, wenn er geht - in seinen Augen. Also ist es das Beste, wenn er Selbstmord begeht.

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Kommentar von Berny96
02.11.2016, 20:48

Derjenige hat aber nie rational über die Situation nachgedacht. Klar, geht ja auch nicht. Trotzdem finde ich gehört es zum Leben dazu für seine Probleme Lösungen zu finden. Und derjenige stellt sich leider dumm wenn er denkt er würde seine Mitmenschen nur "auf den Sack gehen" mit seinen Problemen. Dafür ist Familie da. Depressiv zu bleiben, ist der einfache weg. Da raus zu kommen ist der anstrengender, schwieriger weg. Es ist egoistisch, seiner Familie so etwas furchtbares anzutuen nur weil man selber immer lieber den einfacheren weg nimmt.

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Kommentar von KayneAnunk
02.11.2016, 21:10

@Berny96 Woher willst du wissen, dass diese Person nie versucht hat, Lösungen für seine Probleme zu finden? Es gibt viele, die verschiedene Therapien, Medikamente etc. ausprobiert haben und am Ende trotzdem Suizid begehen. Da kannste doch nicht sagen, dass sie nichts dagegen unternommen haben? Außerdem hat nicht jeder so eine "perfekte" Familie. Manche haben sogar erst recht wegen der Familie Probleme. Es gibt auch Familien, die ihre Kinder wie Sche*ße behandeln, das solltest du auch bedenken. @Kaeempferherz Danke, dass du beide Ansichten geschildert hast und dich in beide Situationen hineinversetzen konntest

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Naja .. einem, der sich umbringen will das Leid seiner Familie vorzuwerfen ist mMn. so etwas wie der schlechte Versuch einem schlechtes Gewissen einreden zu wollen. Das schätze ich - kommt daher, weil jeder von uns einen Grund hat zu leben - meistens oder sehr oft ist das halt die Familie. Also geht man davon aus, dass diesen Grund derjenige auch haben müsste.
In Wirklichkeit hat das wenig mit Anderen zu tun wenn man soweit mal ist. Natürlich hast du Recht wenn du dir die Frage stellst ob du im leiden weiterleben sollst. Aber die Anderen haben auch Recht indem sie quasi fragen - findest du keinen guten Grund um dich nicht umzubringen ?

Es ist beides egoistisch - weil quasi keiner der beiden fähig ist, sich in dem Moment in den anderen hineinzuversetzen. Der Gefährdete ist wahrscheinlich depressiv und schlichtweg nicht fähig sich selbst alleine zu helfen und denkt dementsprechend auch nicht mehr an Andere. Der vorwerfende Teil kann sich so etwas nicht vorstellen und versucht dir einen Grund "vorzuschlagen". Ich sage jetzt einfach "dir" - ich weiß nicht worum es geht.

Gibt es eine Lösung für diese "Differenzen" ?
Jein. Keine Seite hat für sich gesprochen Recht. Allerdings wird der Suizidale das nie erfahren wenn er es durchzieht. Ist ihm wahrscheinlich ohnehin egal.

Ähnliche Probleme gibt es in mehreren Richtungen. "Ich bin zu dick" - "Iß halt weniger". Totschlagargument aber im Endeffekt genau dieselbe Müllaussage. Es geht nicht darum richtig und falsch herauszufiltern. Es geht mMn. nur darum sich mitfühlend zu zeigen und wenn möglich Andere Wege aufzuzeigen. Dass ein Depressiver NIEMALS glauben wird, dass es besser werden WIRD wenn er was tut ist einfach so. Es gibt nur die Hoffnung, dass es doch irgendwo ankommt und er sich Hilfe holt und das vom Letzten, was ihn am Leben hält - die Hoffnung - noch genug da ist um zu überleben. Es gibt genug die das durchgestanden haben - nur auch von denen kann sich nur selten einer zurückversetzen in diese Depri-Zeit - weil er seinen Anker im Leben gefunden hat - die Familie - die eigenen Kinder - was auch immer. Das gibt er wiederum weiter an den nächsten Depressiven der sich genau dadurch unverstanden fühlt - weil diese Info schlichtweg zu früh kommt und (noch) nicht spürbar ist. Nicht spürbar wird, wenn man sich nicht helfen lässt.

Die Antwort ist nirgendwo da draussen - aber mitunter braucht man Hilfe um sie bei sich selbst zu finden. An Stelle des Depressiven würde ich solche Menschen meiden - AUCH wenn sie vielleicht Recht haben in ihrer Welt. Aber es tut einem Depressiven nicht gut. Er sollte aber wissen, dass es einen anderen Ausweg gibt.

Und um das jetzt mal abzurunden - ich kenne auch Erwachsene, deren Kinder sie ins Leben zurückgeholt haben. Es gibt alles und es ist alles möglich. Jede Nuance des Lebens kann gleich, ähnlich oder komplett Anders sein als beim Nächsten. Wichtig ist nur - wenn man nicht weiter weiß - sich helfen zu lassen. Man ist nicht schwach wenn man das tut - man ist im Gegenteil wesentlich stärker als man annimmt. Weil man sich traut zuzugeben, dass man Schwächen hat und nicht damit umgehen kann. Aufhalten kann einen keiner. Aber umbringen kann man sich auch noch in 40 Jahren wenn man sich sicher ist dass es ohnehin nicht besser wird. Es ist wie ein Fussballspiel, dass schon verloren scheint. Spielst den Ball mal in eine unerwartete Ecke und schon hast gewonnen.
Zumindest - seh ich das so im Moment.

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Kommentar von KayneAnunk
02.11.2016, 21:55

Danke für deine ausführliche Antwort. Ich finde es gut, dass du das Ganze auch aus beiden Perspektiven betrachtest.

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Warum denkt man bei einem Suizid nur an das Leid der Familie?

An wessen Leid denn sonst? Die Person, die sich umgebracht hat, wird ja wohl kein Leid mehr empfinden.

Den Grund für das Leid der Hinterbliebenen wird vom Suizid begehenden gesetzt. Man kann das Leid des Selbstmörders selbst nicht so konkret nachvollziehen, wenn man nicht selbst in der Situation war, aber das Leid der Hinterbliebenen kann man nachvollziehen.

Jeder hat mal irgendwen "verloren", der ihm etwas bedeutet hat, aber nicht jeder hatte eine schwere Depression aufgrund eines hormonellen Ungleichgewichts (nur ein Beispiel). Jeder kann sich in den leidenden Hinterbliebenen hinein versetzen. In den der Selbstmord begangen hat können sich die meistens nicht wirklich hinein versetzen.

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Nun, letztlich gibt es nicht viele Argumente, ausser irgendwelche "moralischen" Vorwuerfe, die gegen einen ueberlegten Suizid sprechen, und wenn wir Suizidgefaehrdeten nicht irgendetwas geben, dass sie am Leben haelt, und wenn das ein Pflichtgefuehl gegenueber ihrer Umwelt ist, dann riskieren wir, diese Menschen unwiederbringlich zu verlieren. Deswegen ist es "beliebt", irgendeinen Vorwand zu nutzen, der sie daran hindert, einfach Selbstmord zu begehen. Denn je laenger Suizidgedanken ueberwunden werden, umso eher ueberwindet man sie auch.

Dieses schlechte Gewissen zu erzeugen ist einfach eine effektive Methode, Selbstmord hinauszuzoegern oder zu verhindern.

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Man denkt in erster Linie natürlich daran wie es für einen selbst sein würde was alles "besser" wäre. Aber wenn man dann weiter denkt, fällt einen die Familie ein und man überlegt es sich noch ein zweites mal. Es stimmt, Niemand begeht just for fun Suizid. es gibt wirklich so viele möglichkeiten, die Depressionen weg zu bekommen da möchte man der Familie so etwas nicht antuen. Meistens liegen die eigenen Interessen dann nur an zweiter Stelle weil man meint, dass man irgendwie schon damit klar kommt. Ich hoffe ich konnte dir helfen

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natürlich ist das egoistisch. beides ist egoistisch. aber menschen denken das wenn aus ihrem Umfeld jemand Selbstmord begeht das sie versagt haben. menschen wollen nicht versagen, das ist egoistisch. egoistisch sein ist menschlich. egoistisch sein ist meist negativ aber menschen haben auch eine negative seite. das ist natürlich und es ist unfair daran können wir leider nichts ändern. weshalb stellst du diese frage ?

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Hi,

Das ist ein sehr schweres Thema.

Menschen die Suizid gedanken haben, den muss es schon sehr schlecht gehen.

Denn noch denke ich wenn sie noch die Gedanken haben, ich kann es aus dem und dem Grund nicht tun, ( wie soll ich das jetzt am besten sagen ) naja, die sind sich wohl noch nicht 100 % sicher den Suizid auch wirklich zu begehen. Denn wenn es ein Mensch wirklich will dann denkt er nicht lange nach, sondern macht es.

Ich denke auch nicht das sowas irgendjemand erwartet, aber versetz dich mal in die Menschen die zurück gelassen werden ! Es ist doch kla das diese sich allein gelassen fühlen und sich auch schlimme vorwürfe machen, z.B warum sie es nicht gemerkt haben das es dem jenigen so schlecht geht, hätten sie es doch bemerkt hätten man bestimmt helfen können.

Lg Betty

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WOW, wieder mal eine sehr gute Frage hier.

Darüber hab ich auch schon oft nachgedacht. Einen Suizid begehen zu wollen ist ein Ausnahmezustand. Ich hab mich vor einigen Jahren mal eine Zeitlang mit Morden, Selbstmorden etc. beschäftigt und einige Bücher gelesen. Wenn der Suizid nicht gerade spontan erfolgt ist es mitunter ein langer Kampf. Wenn die Familie und Freunde wissen oder ahnen das jemand sich umbringen will ist es für sie auch eine Ausnahmesituation, aber man muss oder sollte versuchen immer auch den pot. Selbstmörder verstehen. Selbstmordversuche zeigen ja, das diese Tat ein Hilferuf ist. Ich sag immer, ein Selbstmörder redet nicht mehr er macht es. ..

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Mit dem Opfer braucht man ja kein Mitleid mehr zu haben. Das fühlt ohnehin nichts mehr...

Nein, tatsächlich denken nicht alle bloß an das Leid der Angehörigen.
Selbst nach Amokläufen, gibt es Menschen, die noch Mitleid mit dem Täter haben.

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Also ich persönlich finde das auch unglaublich unfair wenn man Leute die Suizid begangen haben als egoistisch "beschimpft".

Ich bin generell gegen Vorurteile und das Urteilen fremder Leute die man überhaupt nicht kennt.

Man weiß nie was dieser Mensch schon alles durchgemacht hat und wie oft ihm schon das Herz zerbrochen ist.

Ich will nicht sagen dass Suizid die Lösung ist, ist es niemals. doch wenn jemand so verzweifelt war, sein eigenes Leben zu beenden, würde ich es eher traurig finden dass dieser Mensch keine Hilfe bekommen hat und anscheinend keiner gemerkt hat, wie schlecht es ihm geht.

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Hallo !

Ich finde es schlimm, dass jemand wegen Selbstmord oder Versuch auch auch noch angegriffen wird.

Erfolgreiche Selbstmorde oder -Versuche haben derart verschiedene Gründe, WER hat das Recht, darüber zu richten ? Niemand ! Es können derart unterschiedliche Gründe sein...Stimmt,meistens ist es ein Hilferuf, "Ich bin derart alleine, ist da jemand, da draussen ?!".Manchmal haut's hin und die Person stirbt. Aber meistens ist der Versuch mit grossen Schmerzen verbunden, Oder führt zu Schwerstbehinderungen (Erfolg des Versuchs ? Iwn. War's das wert ?).

Andere haben Erfolg und sind endgültig tot. Haben sie danebengehauen ? Da frage ich mich, ob sie zu weit gegangen sind, in dem Versuch. Flucht, letzter Ausweg, oder so.

Ich kenne auch andere "Fälle",wo derart Schnauze voll ist, immer für Andere da sein zu müssen und man kein Recht auf endlich Ruhe hat., weil man verantwortlich ist. Ich bin 64. Meine geliebte Frau ist mir da einzigartiger Sonnenschein :-)

.Auch gibt es Leute die Tag und Nacht derart körperliche Schmerzen leiden, unheilbar, so dass sie endlich aufhören wollen. Irgenwann ist Ende, oh Schmerz lass nach. Das ist mein Fall. So lange man kann, hält man durch, aber irgend wann geht's einfach nicht mehr. Aber dann hat man nicht mehr die Kraft und Fähigkeit, sich selbst umzubringen.

Es gibt auch Leute, die einfach nichts positives mehr am Leben finden, also Ende machen wollen. Ich hatte mal eine Freundin, mit 33 hat sie entschieden dass das Leben ihr nichts Neues mehr bieten kann, "hat schon Alles erlebt" und sich an ihrem 36ten umringen wird. Was sie getan hat.

Es gibt bestimmt noch viele andere Gründe...

Trotz allen Schmerzen und anderen Enttäuschungen halte ich am Leben, es ist lebenswert. Kleine Sachen, kleine Erfolgserlebnisse, zB wie die Vögel draussen zu hören und sehen.Halt' die Ohren steif ! Aufrecht, Blick Auge in Auge ! Vorwärts ! Das Glück kann hinter'm nächsten Straßeneck auf Sie warten ! Nie aufgeben.:

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Kommentar von Gege3210
07.11.2016, 17:55

Wenn man so was macht, muss man sehr aufpassen dass man ja niemanden Anderen verletzt. Weder den Zugfahrer vor dessen Zug man sich hinlegt noch den LKWfahrer. Noch Leute die uns mögen. Noch die Fußgänger auf'm Gehsteig unten (In Filmen sieht das schön aus, nur ein bissel Blut, ansonsten ok. Die Wirklichkeit ist anders, Hackfleisch, unschön).

Andere hier im Forum haben das bereits ausführlich und gut beschrieben, finde ich.

Wer anklagen würde, sollte sich wegen vorherig unterlassener Hilfeleistung angeklagt fühlen.

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Es ist egoistisch weil derjenige, wie @oxBellaox schon andeutete, nicht versteht dass es VIELE und ich meine wirklich SEHR VIELE andere Leute gibt die genauso viele Probleme haben oder noch mehr. Doch diese Menschen kämpften weiter und weiter bis es ihnen besser ging. Sie gaben nicht auf. Die meisten Suizidenten denken garnicht mal drüber nach dass andere sich vielleicht genauso fühlen/fühlten und denken Sie würden einzigartige Probleme haben die ein Mensch nicht aushalten kann. Ist es nicht egoistisch, einen Menschen der seine Depressionen Jahre lang bekämpfte nicht einmal zu loben nachdem er es schafft daraus zu kommen weil man ja fast garnichts davon mit bekommt (der Schmerz ist ja in seinem Kopf) und er es einfach einsteckt und damit lebt? Das passiert jeden Tag. Suizidenten denken aber in ihrer Situation dass Sie irgendwie einzigartige Probleme haben und erwarten irgendwie dass ihnen jemand hilft ohne zu erkennen dass Sie die einzigen sind die sich wahrhaftig helfen können. 

Es ist auch noch egoistisch weil die Familie einen helfen würde wenn man fragt, dies aber oft nicht der Fall ist. Derjenige ist dann einfach plötzlich weg. Menschen verstecken ihre Depressionen sehr sehr gut. Es ist verdammt egoistisch von dir zu erwarten das ich dir helfe wenn du doch jeden Tag dir so viel Mühe gibst es nicht nach außen hin zu zeigen und dann noch trauriger wirst weil ich dir nicht helfe. Suizidenten müssen sich bewusst werden dass man Sie nicht helfen kann wenn Sie es nicht zeigen/keine Hilfe suchen. Wenn du aber offen, und ich meine ganz offen damit umgehst bis zum Punkt das du dich umbringen willst, also, dein Zustand bis zum Ende hin anderen Menschen erläuterst, dann erst, hast du das Recht dich umzubringen. Der Witz dabei ist aber, dass sobald du dein Zustand wörtlich verfasst und einem anderem Menschen vermittelst, merkst du dass es doch garnicht so schlimm ist wie du dir es einbildest. Daher, ist Suizid fast immer egoistisch. Es gibt immer ein weg heraus. Man muss ihn nur finden. Wenn man sich aber dumm und faul stellt und ihn nicht sucht, dann bist du egostisch. Ist so.

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Kommentar von Kitharea
02.11.2016, 20:52

Sehr abwertend aber ok - wollte nur einwerfen dass gerade die Familie halt oft nicht helfen kann oder zu helfen gewünscht ist - weil sehr oft die Familie selbst Auslöser vieler Dinge ist. Heisst nicht ich schiebe die Schuld auf die Familie - aber es gibt Probleme die über Generationen weitergegeben werden und irgendwann kommt ein Character ins Spiel, der das nicht aushält und nicht mehr weiter weiß. Suizid ist auch wenig egoistisch - es ist der Versuch Anderen zu zeigen, dass sie einen vernachlässigt haben - man sich zumindest so fühlt. Woher das genau kommt müsste man halt herausfinden. Schlechtreden hilft aber nichts, weil sich keiner gegen seine Gefühle wehren kann. Sie sind legitim und wahr. Und niemand kann einem sagen, wieso gerade dieser und jener Punkt einer ist der einem selbst so zusetzt.

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Kommentar von Busverpasser
02.11.2016, 23:43

Es gibt Arten von Depression, die nicht durch Probleme verursacht werden. Wie würde man diese dann deiner Meinung nach bekämpfen?

Außerdem werden Suizide oft in Krisen begangen. Erst entsteht das sogenannte Präsuizidale Syndrom, wo der Patient beginnt Selbstmordgedanken zu hegen. Meist verabscheut er diese selbst. Aus gedanken werden Pläne und aus Plänen Handlungen. Die endgültige Handlung erfolgt dann oft in einer Krise im "affekt".

Ein Psychologe sagte mal: "Hätten wir alle einen Knpof am Körper, mit dem wir schmerzlos aber endgültig unser Leben beenden könnte, hätte die Mehrzahl irgendwann in ihrem Leben diesen im Affekt mal betätigt. Zum Glück ist es nicht so leicht.

Die Selbstmordgedanken allerdings, sind verbreiteter als man denkt.

"Der Gedanke über Selbstmord ist ein starkes Trostmittel: mit ihm kommt man gut über manche böse Nacht hinweg."

- Friedrich Nietzsche

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