Warum darf ein Amerikaner einwandern, während ein Bürger, der aus dem Balkan nach Deutschland kommen will, einen Asylantrag stellen muss?

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7 Antworten

Auch ein Amerikaner darf nicht einfach so in Deutschland einwandern. Deine Frage ist aber generell sehr schwamming gestellt, denn der Begriff "Einwandern" muss differenziert betrachtet werden.

Grundsätzlich regeln Staaten die Modalitäten der Aufenthalte der jeweils anderen Bürger entweder eigenständig (Staat A legt fest welche Einwanderungsmodalitäten für Bürger der Staaten B, C, D, ..., gelten), oder im Rahmen von internationalen Verträgen.

Bzgl. deiner Frage ist es grundsätzlich falsch, dass ein Amerikaner "einfach so" in Deutschland einwandern kann. Richtig ist: Er kann sich ohne Visum für die Dauer von drei Monaten pro Halbjahr in Deutschland aufhalten. Möchte er länger bleiben, muss auch er sog. Aufenthaltstitel beantragen, der wiederum in verschiedenen Ausführungen existiert und an bestimmte Voraussetzungen und Bedingungen geknüpft ist. 

Ein möglicher Titel ist die Aufenthaltserlaubnis, deren Ausstellung aber auch wieder an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Ich denke ein niedrig qualifizierter Amerikaner wird ebenso Schwierigkeiten haben, eine solche zu bekommen, wie ein niedrig qualifizierter Kosovoalbaner. Diese Aufenthaltserlaubnis ist aber eine Voraussetzung für die spätere dauerhafte Verlängerung des Aufenthalts.

Die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt ein Amerikaner unter den selben Bedingungen, wie sie z.B. ein Serbe bekommt. Er muss u.a. acht Jahre lang legal (!) in Deutschland gelebt haben.

Du siehst also: Grundsätzlich ist es NICHT so, dass der Amerikaner einfach kommen und bleiben kann, während der Kosovoalbaner draußen bleiben muss.

Richtig ist aber, dass das deutsche Recht - und das trifft auch auf die meisten anderen Staaten zu - Einwanderer aus anderen Industriestaaten anders behandelt. Das gilt insbesondere für qualifizierte Arbeitskräfte, die in eben dieser Hinsicht der Gesellschaft einen Dienst erweisen, anstatt ihr erstmal zur Last zu fallen. Diese Auswahl zu treffen ist nichts anderes als natürlich, was man u.a. am Beispiel der Vermieter sieht. Ein Vermieter möchte als Mieter seiner Wohnung natürlich lieber jemanden haben, der in geordneten Verhältnissen lebt und gute Aussichten auf eine dauerhafte Beschäftigung hat, sodass er in Zukunft schön seine Miete bezahlen kann. So denkt der Staat hinsichtlich seiner Einwanderer auch! Und das unabhängig davon, ob sie Amerikaner oder Albaner sind.

Der springende Punkt ist nun der, dass viele "Flüchtlinge" aus dem ehemaligen Jugoslawien diese Beschränkungen nicht akzeptieren wollen und aus rein wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland wollen. Dabei versuchen sie, ein Recht in Anspruch zu nehmen, dass international nur denjenigen offen steht, die aus politischen Gründen verfolgt werden: Das Asylrecht. Und das trifft eben auf diese Region nicht zu, da dort mittlerweile Frieden herrscht und niemand politische verfolgt wird.

Wendler27699 22.08.2015, 02:57

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort! Allerdings sind es nicht nur wirtschaftliche Gründe, dir viele Bürger dazu zwingen ihre Heimat zu verlassen. Auch starke Diskriminierung und politische Instabilität sind wichtig Ursachen für die Flucht vieler Menschen aus diesen Gebieten. Auch das ist leider kein Asylgrund.

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DerTommy86 22.08.2015, 03:01
@Wendler27699

Völlig richtig, aber das ist auch gut so! Die Hürden für Asyl sind völkerrechtlich sehr hoch angesetzt, damit dem Stellenwert dieses Rechts Rechnung getragen wird und diejenigen Asyl bekommen, die es auch wirklich brauchen.

Dass das ehemalige Jugoslawien es leider nicht geschafft hat, nach Tito's Tod und den darauf folgenden Kriegen zu einer mustergültigen Demokratie und Republik zu werden, ist zwar wirklich tragisch, aber es rechtfertigt keine völkerwanderungsähnlichen Zustrom nach Deutschland oder irgendein anderes Land der EU. Dafür ist das Recht auf Asyl nicht vorgesehen.

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Snanifo 28.08.2015, 13:29
@DerTommy86

zu DerTommy86:                                                                             Was außer der Gesetzeslage spricht eigentlich dagegen, wenn die wirtschaftliche Situation aussichtslos ist im eigene Land, z. B. hohe Arbeitslosigkeit, sich ein anderes Land zu suchen, in dem man ev. leben kann? Zumal diese Länder sich als "frei" bezeichnen.

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DerTommy86 30.05.2016, 14:38
@Snanifo

Die Antwort kommt zwar etwas spät, aber besser spät, als nie:

Aus Sicht der Person spricht natürlich nichts dagegen, denn jeder Mensch ist ja bekanntlich seines eigenen Glückes Schmied. Genauso spricht aber nichts dagegen, dass Gesellschaften den Zustrom in ihr eigenes Land kontrollieren und selbst bestimmen, wie hoch oder niedrig diese Hürden sein sollen.

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass viele der Wirtschaftsflüchtlinge aus den Ostblockstaaten nach Deutschland kommen, um Geld abzugreifen und es dann nach Hause zu ihren Familien zu schicken. Analog dazu: Was spricht dagegen, wenn ein Obdachloser in dein Haus einsteigt um sich etwas zu Essen zu nehmen und ein bisschen Geld zu klauen? Er hat es ja dringend nötig... du fändest das aber bestimmt nicht so gut. Dabei bezeichnest du dich ja bestimmt auch als "frei".

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furbo 22.08.2015, 08:28

Noch eine kleine Ergaenzung: fuer einige Balkanstaaten  gilt, dass deren maschinenlesbarer Reisepass berechtigt, visumsfrei in den Schengenraum einzureisen. Von daher gibt es keine Schlechterstellung gegenueber den US-Buergern.

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Mal angenommen, deine Behauptung stimmt, was ich durchaus für möglich halte, ist dies leider normale Praxis. In Sachen Einwanderung entscheidet vor allem dein finanzieller Status oder auch potenziell finanzieller Status. Bei der Einwanderung unterscheiden unsere Behörden tatsächlich nach Klassen, Mensch 1. Klasse, 2. Klasse, 3. Klasse usw usw. Zutiefst rassistisch. Doch leider gibts kaum andere Lösungen. Würde man die Grenzen komplett öffnen, egal für wen, würden uns Millionen Flüchtlinge überschwemmen. Wäre sicherlich zu bewältigen, doch es würde uns alle viel Kraft kosten. Und hier sind nur wenige Bereit, diese zu leisen.

Wendler27699 22.08.2015, 01:59

In vielen Punkten haben sie Recht. Ich glaube aber, dass wir das Recht haben Menschen Zugang zu einem besseren Leben zu verwähren. Gleichzeit weiß natürlich auch ich, dass wir nicht die ganze Welt aufnehmen können. Deshalb müssen wir endlich die Ursachen bekämpfen: Hunger bekämpfen, eigene Waffen Exporte stoppen(mindestens in Krisengebiete) und Deeskalierend in Krisenregionen wirken. Wir haben viel zu lange unter der Kuppel Europa gelebt. Wir verbrauchen fast 40% der weltweiten Ressourcen. Amerika ebenfalls. Wir müssen uns nicht wundern, dass Menschen sich ein Leben mit Perspektiven wünschen. 

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Alle EU-Staatler und Beitrittskandidatenstaatler , also auch der Balkan kann über Arbeitsaufnahme hier zu einer Niederlassungserlaubnis kommen und nach 60 Monaten leben ohne Sozialfürsorge den Einbürgerungsantrag stellen..

Personen, die nicht politisch, von staatswegen, verfolgt wurden und zu Unrecht einen Asylantrag gestellt haben werden keine Arbeitserlaubnis erhalten und eine Ausreiseaufforderung bekommen, wenn sie der nicht folgen steht eine Abschiebung an mit Wiedereinreisesperre..

Alle Beitragskandidatenstaaten haben mit versch. EU-Staaten .. auch mit der BRD Zuzugskontigente festgeschrieben, wenn die mal erreicht sind müssen die Leute warten bis wieder mehr Bedarf besteht, 

ansonsten kann weltweit jeder Mensch, der qualifiziert ist über die Blaue Karte in einen der 70 Mangelberufe hier einreisen .. der braucht bloß einen verbindlichen Arbeitsvertrag , den kann man auch vom Ausland her abschließen :)

zu Urlaub und/oder  Arbeitsplatzsuche darf jeder EU-Bürger hier 3 Monate leben , er kann seine Arbeitslosenbezüge aus seinem Heimatland hier ausgezahlt bekommen 

Was hat Aufenthalt oder Einwanderung mit Asyl zu tun? Auch ein "Balkan-Bürger" kann ein Besuchervisum beantragen oder eine  Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung erlangen, wenn er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann und ausreichende Mittel bzw. einen Bürgen und sein  Rückflugticket vorweist.

Glaubst du, ein kiffender deutscher Dauerhartzer dürfte  nach Nordamerika  einreisen?

Einfach einwandern darf der bestimmt auch nicht. In die usa zb reinzu kommen ist verdammt hart. Da brauchst du entweder einen guten grund oder viel glück. Und naja beides ist halt nicht do häufig

Ein Amerikaner darf auch nicht einfach einwandern.

Jedes souveräne Land hat das Recht, selber festzulegen, wer unter welchen Bedingungen dieses Land betreten darf. 

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