Warum blieben die Juden trotzallen in Deutschland früher?

10 Antworten

Gründe waren zum einen die Heimatverbundenheit, aber sicher auch die geringe Aufnahmebereitschaft des Auslands. Selbst die Emigration nach Palästina wurde von der damaligen britischen Besatzungsmacht nur bescheänkt zugeleaasen.

Die meisten Juden konnten sich einfach nicht vorstellen, dass sie in ihrer eigenen geliebten Heimat eines Tages wie Aussätzige behandelt, allen Besitzes beraubt und letzten Endes ermordet werden würden. Sie waren wie die Mehrheit der anderen Deutschen stolz auf ihre deutsche Kultur und sagten sich viel zu lange, die Deutschen sind doch ein Kulturvolk und dieser Hi. wird sich nicht ewig halten können und dann wird alles wieder wie früher. Die Deutschen ermorden doch keine unschuldigen Menschen.

Natürlich haben ab 1938 viele erkannt, dass die Lage viel schlimmer war, als sie es bis dahin glauben wollten, aber da war es schon fast zu spät, jedenfalls für die riesengroße Mehrheit der Juden, die normale Angestellte oder Arbeiter waren und wenig verdienten - sie konnten keine Ausreisegenehmigungen erhalten, bei denen man bestimmte Garantiesummen vorweisen musste, damit man dem neuen Land nicht auf der Kasse lag. Die wenigen sehr reichen Juden waren zu dem Zeitpunkt fast alle schon weg, spätestens als sie enteignet wurden, und konnten auch nicht mehr helfen. Zurück blieben die Normalbürger, die einfach keine Einwanderungsgenehmigung in fremde Länder kriegten oder keine Schiffsreise bezahlen konnten. Damit Menschen so etwas nicht nochmal passiert, dass sie da bleiben müssen und darauf warten, zur Schlachtbank geführt zu werden, hat man in Deutschland das Asylrecht für alle politisch oder rassisch Verfolgten eingeführt. Und dann, als der zweite Weltkrieg begann, waren sowieso die Grenzen geschlossen und man konnte das Land nicht mehr verlassen, außer auf heimlichen Schleichwegen, wofür man wieder Geld brauchte und natürlich fit genug für nächtliche Fußwanderungen sein musste. Viele ältere Juden haben damals begriffen, dass etwas ganz Schlimmes passieren würde und haben Selbstmord begangen.

"Damit Menschen so etwas nicht nochmal passiert, dass sie da bleiben müssen und darauf warten, zur Schlachtbank geführt zu werden, hat man in Deutschland das Asylrecht für alle politisch oder rassisch Verfolgten eingeführt"

Nein. Das ist falsch. Ein Asylrecht für "rassisch" Verfolgte gibt es eben ausdrücklich nicht!

Es gibt nur ein solches - seit den 90er Jahren auch nur noch theoretisch - für politisch Verfolgte. Jeder einzelne Antragsteller muss nachweisen, dass er aufgrund politischer Betätigung verfolgt wird.

Um es mit einem Beispiel wieder in die Zeit des 3. Reiches zu erläutern: nur ein Jude, der z.B. deswegen inhaftiert wurde, weil er Kommunist war und sich als solcher betätigt hatte, würde in der BR Deutschland Asyl erhalten haben.

Er muss diese Verfolgung und den benannten Verfolgungsgrund dann auch noch beweisen. Also etwa ein Dokument wie etwa ein Urteil vorlegen, aus dem seine politische Betätigung als Haftgrund vorginge.

Da die SS ohne Urteile verhaftete und keine Erklärungen für ihre Massnahmen ausgab, würde ihm das Asylverfahren misslingen.

Jeder andere Jude, Roma, Pole, Schwule usw. würde es sowieso nicht erhalten.

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@derdorfbengel

Danke! Da sieht man, dass das GG eben nur von den Deutschen erarbeitet wurde, denen sowieso nichts passiert war oder die schön mitgemacht hatten oder eben politisch verfolgt waren. Juden und Roma hat man ja erfolgreich aus Deutschland vertrieben oder umgebracht, so dass für deren Ansprüche keiner mehr sprach, oder jedenfalls ohne Erfolg. Na ja, und an Rechte für Schwule war ja damals noch überhaupt nicht zu denken. Schlimm, wie erfolgreich offensichtlich die jüdischen Deutschen und ihre Leiden aus dem Gedächtnis der politisch Verantwortlichen verdrängt wurden!

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@derdorfbengel

Nein. Das ist falsch. Ein Asylrecht für "rassisch" Verfolgte gibt es eben ausdrücklich nicht!

Das stimmt so nicht ganz.

Das Asylverfahrensgesetz (AsylVfG) "gilt für Ausländer, die Schutz als politisch Verfolgte nach Artikel 16a Abs. 1 des Grundgesetzes oder Schutz vor Verfolgung nach dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 (BGBl. 1953 II S. 559) beantragen."

Nach der Genfer Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 "findet der Ausdruck "Flüchtling" auf jede Person Anwendung: 1. (…) 2. die (...) aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will.

Das Aufenthaltsgesetz (früher: Ausländergesetz) konkretisiert das Asylrecht inhaltlich. Wessen Leben oder Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe einschließlich des Geschlechts oder wegen seiner politischen Überzeugung durch einen Hoheitsträger (Staat, eine Partei oder durch eine sonstige Organisation, welche auf dem Staatsgebiet oder auf Teilen desselben Hoheitsgewalt ausübt), bedroht ist, genießt ein Recht auf Asyl. Der Verfolgung durch Hoheitsträger steht die Verfolgung durch Privatpersonen gleich, wenn der Hoheitsträger nicht in der Lage oder nicht willens ist, die Verfolgung abzustellen und keine innerstaatliche Fluchtalternative besteht.

In der Praxis wird es allerdings oft schwierig, die Furcht zu "begründen" ... Besonders wenn der Verfolger ein politisch oder militärisch Verbündeter ist, bei dem die staatlichen Repressionen dann gerne wegdefiniert werden. Entsprechende Schwierigkeiten haben kurdische Asylbewerber lange Zeit zu spüren bekommen.

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Weil "die Juden" Deutsche sind, jüdischen Glaubens , so wie es Deutsche gibt, die Muslime sind, Katholiken, Protestanten usw. Jüdische Mitbürger waren große Patrioten und kämpften im Ersten Weltkrieg für das deutsche, also das eigene Volk. Es zeugt vom abstrusen Denken des Malachmowes (jüd. Ausdruck für Todesengel und Bezeichnung auch für den Diktator) einen Teil unseres Volkes zu eliminieren, diese perverse Handlung konnte nur in den Untergang bzw. in Feuer, Blut und Tränen für das restliche Volk münden.

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