Warum bist DU nicht Mitglied in einer Partei?

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12 Antworten

Warum bist DU nicht Mitglied in einer Partei?

0. Zunächst einmal wüsste ich - ganz pauschal - gar nicht, welcher Partei ich beitreten sollte: CDU, CSU, FDP, SPD, GRÜNE und in weiten Teilen auch AfD vertreten in weiten Teilen der Wirtschafts- und Sozialpolitik die gleichen Ziele und Inhalte. 

Angenommen, ich hätte die gleichen Ansichten: Welcher Partei davon sollte ich beitreten? Soll ich das Los entscheiden lassen?

Wirkliche Diversifizierung und klare Positionierung gibt es heute nicht mehr. Wenn ich also von dieser "Einheits-Suppe" weg wollte, müsste ich zu einer extremen oder radikalen Partei greifen. Das ist prinzipiell nicht unbedingt schlecht; doch sind mir die Programme dieser Parteien oft zu schmalspurig.

1. Parteien sind Eliten-Vereine. Wenn du schon Wahlkämpfe der Vergangenheit beobachtet (oder gar "miterlebt") hast, dann wirst du festgestellt haben: Es geht immer weniger um Inhalte. Stattdessen werden Personen gewählt.

Der aktuelle Wahlkampf (Bundestags-Wahl 2017) ist ein perfektes Symbol dafür: Die CDU sackt nur deshalb nicht von derzeit 30 - 33 Prozent auf 20 - 25 Prozent durch, weil Frau Merkel so beliebt ist und die Partei hoch hält. Eine einzige Person. 

Welchen Grund sollte ich also haben, die Forderungen der Partei-Elite einfach abzunicken? Denn eine andere Möglichkeit der Beteiligung hätte ich nicht. (Klar könnte ich "rebellieren", doch dann werde ich von den Eliten blitzschnell kaltgestellt und in die Ecke geschoben.)

2. Ich kann nicht einmal bei den Programmen mitwirken. Auch die Partei- und Wahl-Programme der Parteien werden von den Eliten - und NUR VON IHNEN - ausgearbeitet und den Mitgliedern zum Abnicken vorgelegt, um den Anschein von "Basisdemokratie" zu wahren. 

Klar, auch hier könnte ich "widersprechen", doch dann würde mir das gleiche drohen: Ich würde binnen kürzester Zeit als Renegat gelten und kaltgestellt werden. Beispiele dafür gibt es zu Tausenden in der Politik...

3. Ich dürfte nicht selbst denken und müsste immer der Programmatik folgen. Als aufgeklärter Mensch möchte ich selbst denken. Doch die Partei würde mir feste und starre Vorschriften machen, was ich gut zu finden habe und was nicht. 

Meine Überzeugungen und Ziele finde ich aber in (fast) allen Parteien zusammen: Also das Eine finde ich hier; etwas anderes finde ich dort. Und eine dritte Sache finde ich in einer dritten Partei wieder. 

Wenn ich aber beispielsweise CDU- oder CSU-Mitglied wäre, käme es Selbstmord gleich, würde ich sagen: "Hey, die MLPD hat da dies und die NPD hat da das. Lasst uns doch mal darüber nachdenken, ob es vielleicht sinnvoll wäre!"

4. In der Vergangenheit haben die Parteien immer wieder spontan ihre Ausrichtungen geändert und dabei Mitglieder und Wähler betrogen. Nehmen wir nur das brandaktuelle Beispiel "Maut". Frau Merkel sagte im Wahlkampf klar und deutlich "Mit mir wird es keine Maut geben." Nun scheint aber festzustehen: Die Maut kommt. 

Klar, sie kommt erst "nach der nächsten Wahl", weil man sich den Wahlkampf mit so einem miserablen Thema nicht vermiesen will; aber sie kommt, sagt unser Verkehrsminister stolz.

Oder nehmen wir die Atom-Politik der CDU: Sie warben für den "Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atom-Politik der Vorgängerregierung". Nur wenig später waren sie dann für den "Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg" ... was den Steuerzahler am Ende dreistellige Milliardenbeträge extra kosten wird.

Angenommen, ich bin in die CDU eingetreten, weil ich Frau Merkel geglaubt habe. Nun hat sie mich benutzt und als Steuerzahler um Milliarden Euro geprellt ... und was soll ich machen? 

Die Partei wechseln? Dann müsste ich alle paar Jahre die Partei wechseln, denn außer der Linken (die allerdings auch noch nicht in Bundes-Regierungsverantwortung war) haben ALLE Parteien im deutschen Bundestag ihre Wähler und Mitglieder regelmäßig belogen und betrogen. 

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(Ich könnte hier noch seitenweise Gründe aufschreiben; etwa, dass es mich schon abstößt, einer Partei beizutreten, deren halber Vorstand im Knast sitzen müsste, wenn es wirklich einen Rechtsstaat gäbe und die Gesetze auch für die Politiker gelten würden. Aber es ist wohl auch so schon lang genug geworden, nicht wahr?!)

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Zusammenfassung: 

Parteien sind ZUTIEFST undemokratische Dinosaurier, die sich nicht nur in eine negative Richtung (= Aristokratie, Nepotismus, etc.) entwickeln, sondern auch von den demokratischen Anforderungen und Möglichkeiten längst überholt sind.

Sie bremsen die Demokratie. Sie behindern die Demokratie. Und sie beschädigen die Demokratie.

Ich fahre ja auch nicht mehr mit der Kutsche, nur weil sie Jahrhunderte lang ein beliebtes, sicheres, bequemes und schnelles Transportmittel war.

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AliceGreen 04.11.2016, 22:25

Wow!! Dankeschön für diese Ausführliche Erklärung! Ich schätze es sehr, dass du dir die Zeit genommen hast zu antworten :)

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Ich bin in keiner Partei. Bei mir hat das vier Gründe.

"Partei" bedeutet für mich, konsequent für eine bestimmte Richtung einzustehen und damit automatisch gegen alle anderen zu sein, die eine andere Auffassung vertreten. Es ist aber absolut nicht mein Ding, gegen jemanden zu sein, nur weil er eine andere Meinung hat als ich.

"Partei" empfinde angesichts des tatsächlichen Geschehens auch wie einen Misthaufen, und auf einen solchen will ich mich nicht mittendrauf setzen.

Als Mitglied einer  Partei ist man "dabei" und damit auch immer zu einem gewissen Anteil mitschuldig an allem, was durch die Partei an negativen Dingen bewirkt wird. Ich halte es für einen fatalen Irrtum, wenn Menschen Mitglied einer Partei werden in der Hoffnung, daß sie durch ihr anderes Denken irgend etwas verbessern könnten.

Ich betrachte Parteien auch bezüglich des Karrierewachstums. Bei politischen Parteien sehe ich (anders denkende mögen mir verzeihen) vor allem, daß jedes kleine A....loch die Chance hat, über die parteiinterne Karriereleiter eines Tages zu einem riesengroßen A....loch aufzusteigen. Die Geschichtsschreibung spricht diesbezüglich für sich selbst.

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Ich bin in keiner Partei weil ich nicht aktiv an der Politik teilnehmen möchte. Mir reicht es persönlich pro Legislaturperiode einmal entsprechende Volksvertreter zu wählen und im Falle eines Referendums gehe ich natürlich auch wählen (wie auch bei Europa- und Gemeindewahlen, wobei Letztere mir eigentlich egal sind). 

Politik ist nicht mein Hauptinteresse und es interessiert mich nicht in eine gewisse politische und philosophische Richtung zu arbeiten um gegebenenfalls andere Leute davon zu überzeugen. 

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Die Frage ist gut. Also: ich bin bereits ehrenamtlich tätig, und habe auch sonst privat etliche Verpflichtungen. Insofern fehlt mir etwas die Zeit dazu.
Ich bin politisch interessiert, bin aber auch nicht so der typische "Parteimensch". Ich wähle auch nicht immer dieselbe Partei.

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Ich bin in einer Partei und ich weiß auch warum.

Nur sagen "das ist ja alles Mist" bringt keinen weiter. Natürlich werden viele behaupten, "was soll man denn in einer Partei schon groß ändern, so allein." Aber wenn man dabei ist, merkt man schnell wie viele die gleiche Ansichten haben.

Ich kann das nur jedem empfehlen. Ausserdem, wer den Ehrgeiz hat, auch einen Posten zu bekleiden, kann das schnell erreichen (außer man will gleich in den Bundestag).

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AliceGreen 04.11.2016, 19:15

Danke für dein Kommentar ! 

Jetzt bin ich doch etwas neugierig. Ich hoffe es ist in Ordnung wenn ich ein paar weitere Fragen stelle:

Nervt es nicht, dass man monatlich Geld bezahlen muss und eigentlich wollen die Parteien doch echt für alles Geld oder ? Ich habe bei Möglichkeiten sich zu beteiligen eigentlich nur Spenden , Förderer werden und eine Mitgliedschaft bei der man monatlich Geld bezahlen muss gefunden. Nichts davon ist kostenlos. Aber was ist mit den Bürgern die sich das nicht leisten können ? Natürlich kostet eine Mitgliedschaft jetzt nicht die Welt aber fair den nicht so Wohlhabenden gegenüber ist das nicht oder ? Also ich glaube das diese Beiträge auch Gründe dafür sind, dass Leute eher Nein zu einer Mitgliedschaft sagen. 

Und wenn man dann Mitglied ist was macht man dann ? Bei den Jugendorganisationen der Parteien gibt es Seminare, Workshops und sogar Studienfahrten bei denen man mitmachen kann. Gibt es sowas auch für Erwachsene ? Darüber habe ich nämlich noch nicht so viel gelesen.Und muss man viel Zeit investieren ? Das ist ja auch immer ein beliebter Grund Nein zu sagen. 

Ich freue mich auf deine Antworten! Es hilft mir wirklich sehr weiter wenn ich mit jemandem der sozusagen ''live'' dabei ist sprechen kann. Danke schon mal :) 

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wfwbinder 04.11.2016, 19:22
@AliceGreen

Also meine Mitgliedschaft kostet mich 96,- euro im Jahr. Dazu Spende ich gelegentlich etwas.

Mitglieder die nicht so gut dastehen, können eine Befreiung bekommen, also kein Problem.

Seminare, oder andere Veranstaltungen gibt es auch regelmäßig. Studienfahrten habe ich noch nicht gesehen.

DEr Zeitaufwand hält sich in Grenzen. Treffen des Ortsverbands gibt es alle paar Monate. Aber unser Ortsverband veransteltet regelmäßig Weinabende wo auch nicht mitglieder eingeladen sind udn wo man als Partei eben "das Ohr am Mund des Bürgers hat."

Dise Weinabende sind kostenlos, weil es jeweils von begüterten Mitgliedern gespendet wird. Die Teilnehmer dürfen natürlich auch Spenden, müssen aber nicht.

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ilknau 05.11.2016, 23:36
@wfwbinder

@wfwbinder: die Spenden kann man jedoch steuerlich absetzen...

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wfwbinder 06.11.2016, 05:11
@ilknau

Stimmt. Wobei wegen der Spenden bei den Weinabenden noch keiner nach einer Quittung gefragt hat, soviel ich weiß.

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12,Männlich

Ich kann zwar noch keiner Partei beitreten , jedoch würde ich dies auch nicht wollen da mir alle Parteien korrupt erscheinen und deren Politik auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist.

(Sollte man mich aufgrund meines Alters beurteilen, habe ich dafür echt keinen Kommentar, weil das einfach nur diskriminierend ist.)

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AliceGreen 04.11.2016, 19:03

Vielen Dank für dein Kommentar. Ich finde es echt super, dass du ehrlich auf so einer naja für die meisten eher langweiligere Frage antwortest und gerade wegen deinem Alter finde ich das echt toll :) 

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Maxieu 04.11.2016, 19:49
@AliceGreen

Falls seine Altersangabe stimmt. Du solltest in solchen Foren nicht zu naiv sein.

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Hallo, AliceGreen.

Da ist Geiz echt geil.

Ich bezahl doch nicht Geld alias Parteibeitrag, um meine Meinung kund zu tun!

Das ist Dasselbe in Grün wie Kirchensteuer: zahlen für den Glauben - bah.

Ich gebe meine Meinung per Wahlabstimmung ab: Schulz! = genug timeinvestment, :D.


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Für diese Antwort brauche ich nicht viel Zeit:  Warum? Weil ich nicht will. Punkt! ... und fertig!

Ü 50, w

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Weil man dadurch auch nichts erreicht.
Es sei denn, man investiert tatsächlich regelmäßig viel Zeit etc

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Kann man auch den Hintergrund für diese Frage erfahren? 

Was möchtest du damit bezwecken bzw. Wozu benötigst du das Diagramm?

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AliceGreen 04.11.2016, 19:01

Ich muss die Frage warum es so wenig Interesse an Parteien gibt versuchen zu beantworten. Dafür wollte ich generell einfach mal wissen warum Leute so selten einer Partei beitreten und sich dafür auch nur selten begeistern lassen. Wenn ich genug antworten bekommen würde könnte ich eine Statistik machen an der man vielleicht erkennen könnte ob das Interesse an so einer Mitgliedschaft mit dem Alter und somit vielleicht aufgrund von Erfahrungen steigt. 

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peace1187 04.11.2016, 20:23
@AliceGreen

Ja aber für was  rauchst du das? Schule? Oder was anderes??

Ps. Um eine handfeste Statistik zu erstellen brauchst du schon mehr als 7,8 Antworten. Bei vergleichbaren Umfragen, die unter Wissenschaftlichen Aspekten geführt werden, werden meherere Tausend Personen befragt. Und selbst dann, gibt es nur einen groben Tendenziellen Einblick.

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AliceGreen 04.11.2016, 22:31

Ja mir ist klar dass ich einige viele Antworten brauche aber ich wollte auch einfach mal einen Eindruck gewinnen. Ich finde es immer sehr interessant zu sehen was andere Leute denken und ich freue mich über jede Meinung die ich bekomme. Und das ganze ist für eine Präsentation die ich in der Schule im Fach Gemeinschaftskunde halten muss. Diese Präsentation wird auch GFS genannt und zählt dann wie eine Klausur :)

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Bin ich aber.

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Wir haben schon genug Typen "da oben", die vergeblich versuchen uns eine Demokratie vorzugaukeln^^.

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1900minga 04.11.2016, 17:51

Genau!
Deswegen bleiben wir lieber "unten" und jammern darüber, ohne etwas zu ändern...

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TimeosciIlator 04.11.2016, 17:54
@1900minga

Deine Meinung kommt sofort wie aus einem Maschinengewehr - als hättest Du schon x-mal auf ein solches Statement reagiert^^.

Die Staatsform an sich und wie schlecht sie umgesetzt wird, ist doch schon zu bemängeln. Das was die Demokratie eigentlich ist, bleibt doch so was von auf der Strecke...

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Maxieu 04.11.2016, 19:52

Und was gaukelst du stattdessen vor?

Im heimlichen geistigen Besitz eines besseren Staatsform zu sein.

Sie ist gewiss so wertvoll, dass du sie für dich behalten möchtest.

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TimeosciIlator 04.11.2016, 21:23
@Maxieu

Ich bemängle nicht die Staatsform. Die Demokratie ist zwar nur die zweitbeste - aber die beste wurde ja auch noch nicht erfunden :) (Helmut Kohl)

Nein mir geht es um die Umsetzung dabei. Mir ist die Demokratie so wie wir sie erleben nicht demokratisch genug. Zuvieles gibt es dabei, was mir missfällt.

Ganz oben war's ja noch 'n bisserl ironisch in meiner Antwort gemeint - aber jetzt entwickelt sich dieser Kommentarstrang (mal wieder^^) zu blutigem Ernst. Warum eigentlich ? Ein bisschen nett darüber plaudern ist doch auch ok, oder nicht ? :)

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