Warum benutzen Deutsche so viele Fremdwörter?

13 Antworten

Bei solch einer Kritik muss man natürlich geschichtliche Hintergründe kennen und zugutehalten, dass es in der Volkssprache immer einen Trend gibt, dem Sprachgebrauch der Herrschenden nachzueifern. In Deutschland war über Jahrhunderte die französische Sprache bei Hofe dominant und hat viele Fremdworte beigesteuert, die in der gehobenen Sprache und in Politik und Diplomatie noch heute völlig üblich sind.

Mit der Entwicklung von Computer, Internet & Co. hat sich die englische Sprache breitgemacht. Ich persönlich vertrete ja die These, dass Deutsche oft - aus vorauseilendem Gehorsam?? - Begriffe wählen, die englisch klingen, dann aber leider doch nur peinlich sind (da muss ich an 'Handy' denken), weil sie zeigen, wie wenig Sprachkenntnis vorhanden ist.

Und dann werden Worte oft noch falsch ausgesprochen, weil die Grundkenntnisse in Englisch fehlen. Puh! 

Und viele, die bildungstechnisch sonst nicht viel zu bieten haben, schmeißen halt mit Anglizismen rum,  um so richtig toll klug und cool zu wirken. Das ist abstoßend und da kann ich dich verstehen.

Aber es ist nun mal so: Schweizer Deutsch und Binnendeutsch wird man im Geschäftskontext wohl auf einen gemeinsamen Nenner bringen können, wenn man sich auf eine allgemeingültige Grammatik und Aussprache einigt. Im privaten Austausch sind aber Gefühle mit im Spiel, und da tauchen dann Animositäten (Feinseligkeiten) und Unverständnis gegenüber der anderen Sprache auf. Sicher ist es deutschen Sprechern gar nicht mal bewusst, dass ihre Fremdworte in der Schweiz gar nicht so gang und gäbe sind - sie wollen nicht arrogant sein, nur bei dir kommt es so an. Vielleicht eine Frage der Hörgewohnheiten. 


Aber ich möchte den Fragesteller ganz dringend um eines bitten:sei so gut und formulier deine An- bzw. Vorwürfe nicht allgemein ('Warum wirkt ihr bei Schweizern so arrogant?") - es gibt nicht DEN DEUTSCHEN, genausowenig wie es DEN SCHWEIZER gibt.

Aus dieser Verallgemeinerung entsteht ganz schlimmes Denken - ich kenne es noch von meinem Vater, der von DEM Franzosen sprach und das ganze Volk meinte - da hatten wir seinerzeit lange hitzige Diskussionen, und zwar, als ich als junge Frau nach Paris ging, um dort zu arbeiten. Ich musste meinen Vater dafür um Erlaubnis fragen, da ich erst 20 war, also noch nicht mündig. Er hat sich dann meiner Sichtweise angeschlossen, aber das war ein richtig schwieriger Prozess innerhalb der Familie.

Menschen als (gleichförmige) Masse zu bezeichnen, verstößt gegen die Menschenwürde, denn wir sind alle Individuen.

Als sprachwissenschaftlich Unbedarfter kann ich nur meine Auffassung kundtun:

Deutsch enthält wie dem Deutschen verwandte germanische Sprachen auch eine Unmenge an Lehnwörtern, über deren Ursprung man sich im täglichen Sprachgebrauch gar nicht mehr bewußt wird.

Die Reichhaltigkeit und Vielfältigkeit der deutschen Sprache gestattet zwar, sämtliche Fremd- und Lehnwörter einzudeutschen. Aber wer wird ernsthaft aus einem 4-Zylinder-Motor einen Viertopfzerknalltreibling machen wollen?

Die von Dir empfundene Arroganz könnte eher durch die Überflutung von Anglizismen hervorgerufen worden sein.

Das macht m.E. den Hauptteil an Überfremdung und empfundener Arroganz aus. Vorreiter hierbei scheint mir die Werbung zu sein, die allgegenwärtig ist und in einem selbstdefinierten Sprachkodex laufend Anglizismen entweder aus der englischen Sprache übernimmt oder künstlich schafft (z.B. "Handy").

Die Jugendsprache, mangels Kritikfähigkeit der Benutzer ohnehin anfällig für Neuschöpfungen -so unsinnig sie auch sein mögen-, steigt natürlich voll darauf ein und verstärkt das Germish/Genglisch-Pseudovokabular.

Ähnliches findet im Wirtschaftsleben statt. Worthülsen wie z.B. "Junior Assistant Sales Manager" , im Deutschen nicht viel mehr als ein in der Anlernphase befindlicher Verkaufshelfer, sind kongruent mit dem Zeitgeist. Oder meinetwegen mit dem Mainstream.

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Letztendlich braucht man sich aber dem "Mainstream" nicht anzuschließen. Noch gibt es für sämtliche Fremd/Lehnwörter deutschsprachige Äquivalente. Und wer statt "date" "Treffen/Verabredung" oder (noch unverständlicher) "tete-a-tete" sagt, kommt auch zu seinem "Däte", wobei höchstwahrscheinlch das Niveau der Dätenden oberhalb des üblichen "Levels" sein dürfte.

Neinnein ich rede nicht von anglizismen... ich meine sieh dir nur deinen text an. schön brav gegliedert, strukturiert mit einleitung schluss etc. warum? es ist einfach als würde man mit einem komplexen sachbuch schreiben.

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@Pilzlisammler

@VisonDativ:

Ich fürchte, du hast hier mit deiner fundierten Antwort den Fragesteller überfordert.

Schade drum.

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Ich habe auch nichts gegen fremde Nationalitäten, ganz im Gegenteil: ich finde es erfrischend und bereichernd, mit anderen Kulturen in Kontakt zu kommen. Allerdings halte ich nichts von Pauschalierungen, denn es gibt nicht DEN Deutschen wie es nicht DEN Schweizer (oder sollte ich  besser Eidgenossen sagen?) gibt. Aber das wurde ja bereits detailliert geschildert.

Zu deiner Frage:

"Warum benutzen Deutsche soviele Fremdwört?" 

fallen mir verschiedene Antworten ein:

...weil sie es können?  ;-))

...weil es für sie keine Fremdwörter sind, sondern diese zu ihrem ganz normalen, umfangreichen Wortschatz gehören?

...weil sie, nicht nur sprachlich, weltoffen sind? 

...weil sie in ihrem alltäglichen Sprachgebrauch Wörter, Sätze oder Satzgegenstände nicht verniedlichen oder - just for fun - abkürzen sondern grammatikalisch korrekt, halt wie in der Schule gelernt, aussprechen...

...weil sie sich oft wundern, warum Schweizer manche Wörter in Babysprache sprechen, indem sie ein i oder li anhängen... 

Höchstwahrscheinlich liegt es aber auch an einer großen Toleranz und Anpassungsfähigkeit gegenüber alternativ denkenden und sprechenden Menschen. Sprache ist auch Kultur.

Es mag arrogante Deutsche geben, genauso wie es arrogante Schweizer/Eidgenossen gibt. Aber wenn nur allein die deutsche Sprache schon auf dich arrogant wirkt, dann müsstest du vielleicht mal an deinem Selbstwertgefühl arbeiten?  




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