Bekam Deutschland die alleinige Schuld am ersten Weltkrieg?

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die unkluge undiplomatische politik kaiser wilhelm II. trieb deutschland in diesen krieg. nach der ermordung des habsburger thronfolgers in sarajevo im juni 1914, kam es zu immer stärker werdenden drohgebärden der regierung in wien den serben gegenüber, wohl wissend, daß deutschland zu seinem "treuebündnis" wien gegenüber fest stehen würde. die serben holten sich den schutz russlands, diese wiederum verbündeten sich mit frankreich, die sowieso "noch eine rechnung mit deutschland offen hatten aus dem verlorenen krieg aus 1870/71" österreich-ungarn erklärte serbien den krieg, deutschland mußte mitziehen. frankreich-russland und auch england machten mobil, deutschland greift frankreich an, england erklärt deutschland den krieg usw. schon war der weltkrieg da. der blankoscheck, den kaiser wilhelm den österreichern gab, hat deutschland in den krieg gezogen. man hatte niemals mit dieser "kettenreaktion" gerechnet, aus der das kaiserreich nicht mehr herauskam. es war klar, daß die siegermächte dann mittels versailler vertrag den verlierer entsprechend "knebelten". aber - gelernt haben die deutschen dieser zeit - leider nichts.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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@erweh

Doch, da ist durchaus noch einiges hinzuzufügen; die Fakten sind zwar durchaus korrekt dargestellt, aber auch durch Weglassen einiger auch für Deutschland sprechender Faktoren kann sich das Gesamtbild verschieben. Unbestritten ist Deutschland durch die ungeschickte Politik Kaiser Wilhelms II. und seiner unfähigen oder schwachen Berater in diese fatale Situation geraten. Darüber hinaus hatten die Militärs eine viel zu große Macht im Staate und wurden außerdem von Leuten geführt, denen jeglicher poltitischer vor allem auch technologischer Weitblick fehlte und die die Möglichkeiten Deutschlands in verhängnisvoller Weise überschätzten. Auch der Alldeutsche Verband spielte eine verhängnisvolle Rolle, während die SPD zu schwach war. Nach dem Rückzug an der Marne wäre der Sieg an den Masurischen Seen eine gute Chance gewesen, den Krieg zu erträglicheren Bedingungen als später in Versailles zu beenden. Es wird in der neueren Diskussion um die Kriegsschuldfrage des ersten Weltkriegs, die sich - leider - immer mehr zuungunsten Deutschlands entwickelt, völlig übersehen, dass auch England in total veraltetetem imperialen Denken bestrebt war, Deutschland als kolonialen Konkurrenten auszuschalten, nachdem man sich nach Faschoda mit Frankreich über die Aufteilung Afrikas verständigt hatte. Völlig unbeachtet bleibt auch der Drang Russlands an den Bosporus und sein Vormachtsanspruch hinsichtlich des Panslawismus auf dem Balkan. Nur war die Politik der Entente-Mächte, Deutschland in die Position des Aggressors zu bringen sehr viel geschickter als das tölpelhafte Gebahren in der Wilhelmstraße. Hierin gibt es eine Parallele zu Bismarck, der nach jener Emser Depesche 1870 Frankreichs Napoleon III. in die Falle tappen ließ und vor der Welt zum Aggressor stempelte.

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@erweh

außer, dass geschichte von siegern gemacht wird, kann man dazu wirklich nichts sagen

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danke für den stern und die zustimmungen.

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Ein bedeutender Fehler des deutschen Kaisers war die Entlassung Bismarcks, der wohl einiges anders gemacht hätte.

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@Dave1121

Die Unbedarftheit des jungen Wilhelm II. wurde, wie Bismarck in seinen "Gedanken und Erinnerungen" schreibt, schon früh von seinem Vater, damals Kronprinz und 1888 Kurzzeitkaiser, erkannt. Man sollte aber nicht verkennen, dass Bismarcks Stärke nicht gerade die Innenpolitik war (welch' eine Parallele zu Willy Brandt, Helmut Kohl und - vielleicht auch - Angela Merkel!). Wilhelm II. wollte Frieden mit der Sozialdemokratie, ohne jedoch etwas von seinen Machtbefugnissen abgeben zu wollen. Das musste letztlich scheitern. Die Reichsverfassung von 1871 war im zeitlichen Kontext durchaus fortschrittlich; im Gegensatz zu den Verfassungen der Nachbarländer wurde sie jedoch nicht zur schrittweisen Entwicklung demokratischer Strukturen weiterentwickelt, und daran war Bismarck nicht ganz unschuldig: Zückerchen für die Arbeiter (Sozialgesetzgebung), Peitsche für die Arbeiterführer (Sozialistengesetze). Nebenbei, 1914 hätte es, so oder so, keinen Bismarck mehr gegeben. Wilhelm II. war kein Despot und kein A.H. (der Name ist gesperrt, über die Moderatoren kann man nur schmunzeln), nur fehlte ihm die Virtuosität, mit der Machtfülle, die er hatte, maßvoll und klug umzugehen, so dass sie ihm, bei aller aufrichtigen Friedensliebe doch hin- und wieder ein unbedarfter Maulheld, letztendlich genommen wurde. Er wurde zum Spielball derer, in deren Kreis er sich am wohlsten fühlte, nämlich der Militärs, insbesondere der Marine, die höchst wirkungslos in Kiel und Wilhelmshafen festsaß, währen vor Verdun die Blüte des Vaterlandes verblutete.

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@KHLange

Wilhelm sagte zu dem Russischen Diplomaten, der die Friedensverträge erneuern wollte, das sei nicht nötig - man sei doch friedlich... Das war einer seiner groben außenpolitischen Fehler. Damit stieß er einige vor den Kopf und die Waffenindustrie aller Länder jubelte...

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Österreich-Hungarn beschuldigte Serbien und stellte Serbien ein Ultimatum mit diversen Forderungen, darunter auch, dass österreichische Agenten in Serbien die Untersuchungen machen sollten und, dass Serbien sich des Attentates schuldig bekennen sollte. Serbien verweigerte am 26. Juli die Aktivitäten der Agenten aus Österreich in Serbien, mit der diplomatische Begründung, das sei ein Angriff auf die Souveränität Serbiens. Die Entsendung Agenten Österreichs machte ja auch keinen Sinn, denn das Ultimatum sah bereits eine Schuld Serbiens vor.

Deutschland aber, versprach bereits am 23. Juli, Österreich-Hungarn gänzlich zu unterstützen, sollte es zum Krieg kommen (der Krieg war zu dem Zeitpunkt sowieso bereits geplant).

Am 28. Juli erklärt Österreich-Hungarn Serbien den Krieg. Am 29. Juli beginnt die Bombardierung Belgrads.

Russland, mit Serbien alliiert, setzt die Armee in Bewegung. Deutschland stellt Russland das Ultimatum, die Truppenbewegung bis zum 31. zu stoppen.

Deutschland deklariert am 31. Juli, dass es sich im Kriegszustand befindet und erklärt Russland den Krieg.

Am 2. August, marschiert Deutschland in Luxemburg ein und beginnt so, den Plan von Alfred von Schlieffen umzusetzen. Ein Kriegsplan der seit 1905 existierte.

Am 3. August erklärte Deutschland Frankreich den Krieg und besetzte danach Belgien.

England, Frankreich und Deutschland selbst hatten sich verpflichtet, die Souveränität Belgiens zu garantieren. Durch die Militäraktion Deutschlands gegen Belgien, verließ England die bis dahin eingenommene neutrale Position und erklärte Deutschland den Krieg - am 4. August.

Man betrachtet heute Deutschland als Hauptantriebskraft im 1. Weltkrieg, weil die damaligen Aristokraten und die damalige militärische Elite viel zu viel Kontrolle über Deutschland hatten.

Sieht man die Anfänge des Krieges, dann fragt man sich, warum Deutschland umgehend Luxemburg angriff. Was hatte Belgien oder Frankreich mit dem Streit zwischen Österreich-Hungarn und Serbien zu tun. Dass Russland Serbien half, war verständlich, zumal nicht klar war, dass Serbien für das Attentat verantwortlich war.

zu dem letzten Absatz: Warum griff man Belgien und Luxemburg an ?

Nun, dass sah der Schlieffen-Plan so vor:    Das deutsche Militär glaubte (wahrscheinlich zu Recht), dass - falls die deutschen Soldaten an der Ostfront gegen Russland Krieg führen würden - dass dann Frankreich - z.B. als Rache für 1870/71 - Deutschland von der ungeschützten Westseite her angreifen würde.  Darum sah der Plan des General von Schlieffen vor, dem zuvorzukommen und im Fall eines Krieges mit Russland sofort zuerst Frankreich anzugreifen und schnell zu überrennen, und erst danach gegen Russland zu ziehen. Und weil das eben schnell gehen musste, hatte man geplant durch Belgien und Luxemburg nach Frankreich einzumarschieren, weil die Franzosen an der deutsch-französischen Grenze zu starke Befestigungen hatten.

Das war der einzige Plan des deutschen Militärs, wie das hätte klappen können - er hat dann aber halt auch nicht geklappt.

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Also um die letzten eintrAege mal zu verbessern.... Deutschland bekam die offiziele Kriegsschuld weil die Franzosen sich auf ene Verhandlungen durch gesetzt haben die Franzosen waren ziemlich geschaedigt. Von diesem Krieg durch die Schlacht in Verdun die deutschen haben sich auf die Punkte von Wilson eingestellt und gehofft das dieser sich durchsetzen wuerde.... So wurden wir zb eine Demokratie,da wilsons vorderung fuer eine Verhandlung ein demokratischer Staat war.... Die deutschen rechteten diese Kriegsschuld so oft sie konnten an u wenn man sich hitlers reden anguckt sokommt dies dort auch oft vor...

Im nachhineinin sehen wir das eig die Österreicher der ausloeser fuer diesen Krieg Waren

zu Bismarck ohne den waere dies alles wahrscheinlich nie passiert da so das buendniss mit Russland und anderem noch vorhanden waere....

Hoffe es hat noch geholfen

ähm, mit Bismarck wäre es nicht passiert. Er hatte das Bündnis mit Rußland immer erneuert. Der gute Kaiser hat dies dann nicht mehr erneuert.

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Es ist zwar richtig, daß der Kriegsbeginn selbst nicht allein durch Deutschland verursacht wurde, aber die Verletzung der Neutralität Belgiens hat erheblich dazu beigetragen, Deutschland ins Unrecht zu setzen. Aus diesem Verstoß gegen Völkerrecht wurde dann eben die Kriegsschuld Deutschlands hergeleitet.

Griechenland Neutralität, wurde von Briten verletzt

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