Warum behindern Menschen Rettungseinsätze?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich denke, das hat viele Gründe, die in der Summe leider zu den sich häufenden Fällen der Behinderung von Einsatzkräften oder mittlerweile leider auch regelmäßig Angriffe auf Einsatzkräfte addieren.

Das ist einmal der fehlende Respekt. Während früher Menschen in Uniformen - ganz gleich, ob es sich dabei um Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleute oder auch Sanitäter/Ärzte gehandelt hat - von der Allgemeinheit geachtet und respektiert wurden, werden sie es heute leider nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Viele Menschen sind heute der Meinung: "Ich bezahle euch mit meinen Steuergeldern, also gehört ihr quasi mir...". 

Hinzu kommt noch eine ordentliche Portion Gleichgültigkeit. Immer wieder hört man z.B., dass vor einer Wache abgestellte Pkw die Feuerwehr beim Ausrücken hindern. Antworten der Fahrer sind dann meist: "Da wird in den 10 oder 15 Minuten schon nichts passieren", "Wenn die ausrücken müssen, dann merke ich das schon und fahre das Auto dann zur Seite" usw.

Dazu kommt dann der immer größere Zeitdruck, unter dem die Menschen stehen. Oft allem durch den Beruf verursacht. Da kommt es dann regelmäßig vor, dass die Fahrer an Straßensperren (egal ob durch Polizei oder Feuerwehr) ungehalten reagieren und beleidigend werden - oder eben auch Sachbeschädigungen oder gar Körperverletzungen in Kauf nehmen. Beispiele gibt es da leider zur Genüge...
http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Aufgebrachter-Autofahrer-rammt-Rettungswagen,rettung238.html
• http://www.mittelbayerische.de/region/amberg-nachrichten/autofahrer-fuhr-auf-feuerwehrmann-zu-20847-art1553519.html

Der nächste Grund dürfte Sensationslust sein. Die gab es natürlich auch schon immer. Ein Feuer beispielsweise hat die Menschen schon immer "magisch" angezogen. Aber früher hat es den Menschen gereicht, das Geschehen aus sicherer Entfernung zu beobachten. Heute muss man möglichst zwischen den Feuerwehrleuten stehen, um nichts zu verpassen. Woran liegt das? Nun, erst einmal denke ich, dass die Menschen durch Film und Fernsehen deutlich abgestumpfter sind als noch vor 30 Jahren. Früher hat man sich gar nicht so weit an einen Verletzten heran getraut... heute sieht man täglich Tote im Fernsehen, in den amerikanischen Krimiserien teils mit erheblichen Verletzungen, "offene" Körper auf dem Obduktionstisch usw. Das härtet ab - und um sich selbst noch Reizen auszusetzen, muss man da im "Real Life" schon ganz nah ran gehen...
Zudem kommt heute noch das Wetteifern um das beste Handyvideo, dass man dann im Freundeskreis herumschicken oder auf youtube veröffentlichen kann. Oder noch besser: Als Leserreporter an bestimmte Zeitungen schicken :-(

Ein weiteres Problem ist in den letzten Jahren noch durch die zunehmende Zuwanderung bzw. den Flüchtlingsstrom hinzu gekommen:
Zum einen haben die Zugereisten manchmal nicht das nötige Vertrauen in die deutschen Rettungskräfte, weil sie in ihrem Herkunftsland unter Umständen auch kein Vertrauen in die dortigen Rettungskräfte, Polizei etc. haben konnten. Zum anderen spielen manchmal auch religiöse Gründe mit hinein, wenn z.B. männliche Retter auf weibliche Opfer treffen, wenn es um Operationen, Transfusionen usw. geht. 
Und das alles dann bei manchmal deutlichen Sprachbarrieren, so dass man "an Ort und Stelle" die Situation auch nicht sofort klären kann.
Da wissen und verstehen die Beteiligten dann oft nicht, was um sie herum bzw. mit ihren Verwandten geschieht, haben Angst um sie, befürchten evtl. sogar, dass der Einsatz viel Geld kostet und wollen sich am liebsten selbst um alles kümmern.
Wobei das von allen genannten Punkten noch der einzige ist, den ich mit normalem Menschenverstand noch zumindest nachvollziehen kann.

Und letztendlich gibt es dann ab und an auch das Problem, dass ein Mensch oder eine ganze Menschengruppe gezielt auf Zerstörung aus ist und dabei dann auch gezielt das Eingreifen der Rettungskräfte verhindern oder zumindest behindern möchte.
Das konnte man beispielsweise bei den G20-Randalen in Hamburg sehen, wo die Feuerwehr teilweise unter Polizeischutz löschen musste.
Oder auch kürzlich in Waldgassen, wo ein Brandstifter zunächst die Türen des nahen Feuerwehrhauses verbarrikadiert und dann mehrere Pkw auf einem Parkplatz in Brand gesteckt hat, so dass die Feuerwehr erst in ihr eigenes Feuerwehrhaus einbrechen musste, um ausrücken zu können.

Alles nicht schön... und vor allem keine gute Entwicklung :-(

Hinzu kommt, dass sehr viele Staus durch Gaffer hervorgerufen werden (Unfall auf der einen Richtung, Stau in der Gegenrichtung, weil die durchgeknallten Gaffer meinen, glotzen zu müssen, ob sie vielleicht Leichen sehen.

Da fällt mir ein Spruch von Albert Einstein ein: "Es gibt zwei Dinge, die unendlich sind. Das Universum und die menschliche Blödheit. Allerdings bin ich mir beim Universum nicht ganz sicher."

Möglicherweise sind da soviele schaulustige, dass die überhaupt nicht mitbekommen, wenn Rettungskräft eintreffen. Würde jetzt nicht pauschal allen dort unterstellen, die Dienste absichtlich zu blockieren.

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