Warum baut der Körper bei einer Diät zuerst Muskeln ab?

9 Antworten

Du musst dir das so Vorstellen: Muskelmasse ist eher eine Last für den Körper, weil diese sehr viel Energie zieht. Um Muskelmasse zu erhalten, muss der Körper sehr viele Kcal verbrennen. Nicht umsonst steigt der Grundumsatz (die kcal die du im Ruhezustand verbrennst), je mehr Muskelmasse du besitzt. Der Körper speichert aber lieber kcal bzw verbraucht gerne so wenig wie möglich. Und weil Muskelmasse eben die meiste Energie verbraucht, wird diese auch überwiegend mehr abgebaut, um soviel wie möglich zu sparen.

Aber der Körper greift die Muskulatur eben nicht zu erst an. Der Körper greift Fett, Muskelmasse und Kohlenhydrate immer gleichzeitig an, nichts kommt zuerst. Es hängt von deiner Makronährstoffverteilung, deinem Verbrauch und Training ab, wovon eben mehr abgebaut wird.

Beispiel

Du musst nicht Hungern, es reicht auch schon, wenn du einen Kcalüberschuss hat, aber keine Proteine zu dir nimmst und nicht trainieren gehst, damit Muskelmasse abgebaut wird, weil sie nicht genutzt wird.

Angenommen du trainierst und hast deinen Proteinbedarf gedeckt, so wird nur ein kleiner Teil der Muskelmasse abgebaut, überwiegend wird sie erhalten und der Körper greift mehr auf andere Quellen zurük z.b Fett. Die Muskelmasse ist dann sozusagen durch die Proteine und das Training vor dem abbau geschützt.

Weiteres Beispiel: 

Du bist Trainingsanfänger. Hier hast du das Glück, dass im Kcaldefizit sogar Muskelmasse aufgebaut wird. Also in einer negativen Kcalbilanz. Natürlich unter der Vorraussetzung, dass dein Proteinbedarf gedeckt ist.

Aber keine Energiequelle kommt zuerst, der Körper greift immer alles gleichzeitig an. Es hängt von einigen Faktoren ab, was eben mehr angegriffen wird und was weniger.

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Normalerweise baut der Körper nur in Notsituationen viel Muskeleiweiß ab. Bei lang andauernden Radikaldiäten ist das der Fall. Das ergibt evolutionär gesehen Sinn, da der Körper versucht, so den Energieverbrauch zu drosseln. Und Muskeln sind der Energieverbraucher schlechthin. 

Der Körper baut im übrigen nicht alle Muskeln ab, sondern nur einen Teil der entbehrlich ist.

So ist das Überleben auch während langer Hungerperioden gesichert. Die Muskeln wachsen aber nach der Hungerzeit schnell wieder auf das Ursprungsniveau an.

Fettreserven werden natürlich ebenfalls zur Energiebereitstellung herangezogen. Wenn die Fettreserven aber zuneige gehen, ist der Körper gezwungen, auch die lebensnotwendigen Muskeln zu verstoffwechseln. Er zehrt sich dann selbst auf.

Bodybuilder machen Radikaldiäten, um in Wettkampfform zu kommen. Dabei gehen erhebliche Anteile an Muskelmasse verloren, da der Körper in einer Notsituation ist. Dem Muskelmasseabbau wird mit illegalen Substanzen entgegen gewirkt. 

Ohne illegale Substanzen ist es daher sehr schwer, einen niedrigen Körperfettanteil bei gleichzeitig hoher Muskelmasse zu halten. Im übrigen ist das extreme runterhungern für den Körper längerfristig ungesund.

Leider entspricht diese unnatürliche Shredded- Form dem heutigen Schönheitsideal, an welchem man sich nicht orientieren sollte.

Auch als Fitnesssportler sollte man besser einen normalen Körperfettanteil von ca 15 % (Frauen 20%) anstreben. Damit ist man gesund und leistungsfähig.

"Eine Menge Fett" hatten die Steinzeitmenschen sicher nicht. Das Leben war extrem hart, und Essen im Überfluss gab es wenn überhaupt nur sehr, sehr selten.

Wenn du nur einen oder zwei Tage zuwenig isst, wird noch kein Muskel abgebaut. Aber wenn du eine Woche lang zu wenig isst, nimmt dein Körper an, dass eine Hungersnot ausgebrochen ist. Dann spart er Energie, indem er die kalorienverbrauchenden Muskeln abbaut. Das hat den erwünschten Nebeneffekt, dass du dich weniger bewegen kannst. Deine Chancen, die Hungersnot zu überleben, steigen damit an.

Da dein Körper nicht weiß, wann die Hungersnot zu Ende geht, wird er sicher nicht überflüssige Muskeln nur für den unwahrscheinlichen Fall aufrechterhalten, dass demnächst mal eine fette Beute vorbeikommt.

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