Warum arbeiten Ärzte 24 Stunden am Stück in der Klinik?

8 Antworten

Ich habe diese fürchterlichen 24h-Dienste selbst lange Zeit machen müssen. 1) Formal sind 24 Stunden Arbeitszeit nicht erlaubt. Der Trick: Nach 8 Stunden Arbeitszeit ist der Rest einfach sogenannter Bereitschaftsdienst. In diesem darf (eigentlich) keine vorhersehbare Arbeit angeordnet werden. Das Arbeitsaufkommen ist sozusagen Schicksal. Bereitschaftsdienst - und das ist der eigentliche Betrug für Arzt wie Patient - darf eigentlich nur angeordnet werden wenn die zu erwartenden Arbeitsbelastung max. 49% der Bereitschaftsdienstzeit beträgt. In der Realität liegt die quasi immer höher und die Krankenhäuser müßten deshalb formal rechtlich eigentlich Schichtdienst anordnen. 2) Das wiederum wollen aber weder Krankenhausbetreiber (höhere Kosten wegen höherem Personalbedarf - und es gäbe schlichtweg garnicht genug Ärzte für ein Schichtsystem) weder die ärztlichen Kollegen (mehr Wochenenden belegt usw.).

Ich habe auch im Krankenhaus gearbeitet und hatte auch Bereitschaftsdienst. Das lief so: Von Mo 7.30 Uhr bis 16 Uhr normaler Dienst. Von 16 Uhr bis 7.30 Uhr Bereitschaftsdienst. Von 7.30 bis 16. Uhr normaler Dienst. Also von Montagmorgen bis Dienstag Nachmittag non stop in der Klinik. Wenn man Glück hatte konnte man sich zwischendurch hinlegen. Das war alle 4 Wochen. Dann hatte man Rufdienst. Immer wöchentlich im Wechsel. Das bedeutete wöchentlich nach dem normalen Dienst immer erreichbar sein. Das hieß auch mal Nachts raus. Manche Wochen waren ruhig, manche nicht. - Und das mit einem Kleinkind. Hatte bei den Bereitschaftsdiensten eine Kinderfrau, musste es aber mal morgens abholen, um es zur Oma zu bringen. Einmal hatte ich es vergessen. Tatsächlich VERGESSEN. Durch den Stress. Bin mir nicht sicher, dass es heute besser geregelt ist. Wohl ehr noch mehr Stress.

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Danke für die ausführliche Antwort. Bist du denn Arzt dort gewesen in der Klinik?

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@BeautyPolar

Nein. MTAR. Abteilung Röntgen, EKG, sowie EKG auf Intensiv und röntgen im Op. Alle Notfälle kamen zuerst in die Abteilung Röntgen/EKG, dabei Untersuchung mit Anamnese. Ganz akute sofort in den Op.

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Ein hohes EU-Gericht hat diese gängige Praxis schon vor mehreren Jahren "verboten". Doch keine Klinik hält sich daran und noch nie wurde eine Klinik zur Rechenschaft gezogen oder gar "angeklagt". Nur die Arbeitszeiten der Ärzte auf Intensivstationen wurde einem festen Schichtbetrieb ( 8 Stunden Schicht ) eingeteilt.

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