Warum Anzeige?

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6 Antworten

Hehlerei (§ 259 StGB) kann man nur vorsätzlich begehen. Das bedeutet, wenn dein Freund wirklich nicht wusste, dass die gekaufte Ware Diebesgut war, dann ist er unschuldig und kann nicht bestraft werden. Soweit zur Theorie.

Du schreibst, dass dein Freund angezeigt wurde. Das ist völlig normal, wenn man Diebesgut gekauft hat. Denn die Staatsanwaltschaft weiß ja nicht, ob dein Freund nun wusste, dass die Ware Diebesgut ist oder nicht. Deswegen muss sie ermitteln. Am Ende der Ermittlungen trifft sie die Entscheidung, ob sie davon überzeugt ist, dass dein Freund sich strafbar gemacht hat oder nicht, und erhebt dann entweder Anklage oder stellt das Verfahren ein (grob gesagt; es gibt noch einige andere Möglichkeiten, das Verfahren zu beenden).

Wenn dein Freund angeklagt wird, dann muss ein Gericht entscheiden. In der Praxis kommt es jetzt darauf an, ob das Gericht deinem Freund glaubt, dass er nichts von dem Diebesgut wusste.

Es ist also normal und auch völlig richtig, dass gegen deinen Freund Anzeige erstattet wurde, denn erst die Ermittlungen können dann zeigen, ob dein Freund sich strafbar gemacht hat oder nicht.

Eine andere Seite ist übrigens die zivilrechtliche: An "abhandengekommenen Sachen" wie auch Diebesgut kann nicht gutgläubig Eigentum erworben werden. Das regelt § 935 BGB. Es bedeudet, dass dein Freund die Diebesware wieder abgeben muss - übrigens ohne dafür vom Eigentümer etwas zu bekommen. Er kann sich nur vom Verkäufer, also dem Dieb, sein Geld zurückholen, wobei man dabei wohl oft schlechte Chancen hat.

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Kommentar von furbo
19.05.2016, 17:59

Man sollte bedenken, dass die Hehlerei auch mit bedingtem Vorsatz begangen werden kann. 

Der Käufer weiss zwar nicht positiv, dass die Sache entwendet wurde, aber wegen der Verkaufsumstände (sehr günstiger Preis, keine Quittung) wischt der Käufer seine Bedenken beiseite. Dann kommt der Richter und sagt ihm, dass er bösgläubig gehandelt, den unrechtmäßigen Erwerb billigend in Kauf genommen hat und deshalb bestraft wird. 

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Wenn man nicht wußte und nicht wissen konnte, daß eine Sache gestohlen ist, wird man nicht bestraft. https://dejure.org/gesetze/BGB/932.html

Dein Kumpel hat sicher nicht gutgläubig erworben. Auch, wenn man aus Fahrlässigkeit nicht wußte, daß die Ware nicht dem Verkäufer gehört, weil man z.B. nicht nachgefragt hat, wie der niedrige Preis zustande kommt,  oder weil man sich keinen Eigentumsnachweis zeigen läßt, liegt kein gutgläubiger Erwerb vor.

Offenbar hat der Richter deinem Freund nicht gelaubt und das wird Gründe haben

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Kommentar von Friedel1848
19.05.2016, 16:33

Du wirfst hier einiges durcheinander.

Hehlerei hat etwas mit Strafrecht zu tun. Die Hehlerei ist eine Straftat nach § 259 StGB. Und diese kann nur vorsätzlich begangen werden. Wer fahrlässig Diebesgut ankauft, macht sich nicht strafbar.

Dagegen hat die Gutgläubigkeit und der von dir angeführte Paragraph nichts mit dem Strafrecht und auch nichts mit Hehlerei als Straftat zu tun. Denn Gutgläubigkeit gibt es im Zivilrecht. Sie bedeutet, dass derjenige, der von einem Unberechtigten, der kein Eigentümer ist, eine Sache erwirbt, Eigentum an dieser Sache erwirbt, wenn er gutgläubig ist.
Diese Gutgläubigkeit spielt aber bei gestohlenen Sachen nach § 935 BGB absolut keine Rolle.
Man kann noch so gutgläubig sein und es kann auch absolut keine Fahrlässigkeit in irgendeiner Weise vorliegen, und trotzdem wird man kein Eigentümer der gestohlenen Sache, sondern muss sie nach § 985 BGB dem Eigentümer zurückgeben. Damit wird man aber nicht "bestraft", sondern der Eigentümer hat schlichtweg einen Anspruch auf Herausgabe der Sache.

Wer also eine gestohlene Sache kauft, ohne zu wissen, dass sie getsohlen war, der wird nicht bestraft (eine andere Frage ist in der Tat, ob der Richter dem Glauben schenkt). Das ist Strafrecht.

Trotzdem muss der Käufer die Sache zurückgeben - egal ob er gutgläubig war oder nicht. Das ist Zivilrecht.

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Weil der Besitzer nur so seine Anspüche rechtlich durchsetzen kann.

Sein Hab und Gut ohne Anzeige wiederzubekommen, wenn der Händler angeblich von nichts weis wird schwierig.

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Jaja, ist deinem Freund ganz bestimmt nicht passiert.

Wenn man nichts davon weiß, kann man auch nicht strafbar sein. Dein Freund hat vielleicht behauptet nichts gewusst zu haben, aber wenn man einen 50 Zoll Fernseher für 100 Euro angeboten kriegt statt 600, dann weiß selbst der letzte Hauptschüler dass das gestohlen ist.

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Kommentar von Ottomansoldiers
19.05.2016, 16:06

Nein meine es wirklich ist echt einem freund passiert

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Kommentar von Ottomansoldiers
19.05.2016, 16:06

und der hat 2 Fahrräder gekauft

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Weil Unwissenheit nicht vor Strafe schützt.

Was kann man eigentlich dafür bekommen, wenn man eine Frage stellt im Telegrammstil?

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Kommentar von Bitterkraut
19.05.2016, 16:09

Der Spruch "Unwissenheit schütz vor Strafe nicht" bezieht sich auf einen völlig anderen Kontext und ist hier nicht anwendbar

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Kommentar von Jurasuppe
19.05.2016, 16:17

"Unwissenheit schützt vor Strafe nicht". Ein ziemlich brutaler Irrtum im Volke ^^ Unwissenheit schließt Vorsatz aus und damit ein Deliktskonstitutives Element einer jeden Vorsatztat, eine Bestrafung ist nach dem Koinzidenzprinzip nicht mehr möglich. Lediglich wenn die Strafbarkeit gesetzlich geregelt ist, kann nicht-vorsätzliches bzw. fahrlässiges Verhalten strafbar sein vgl. § 15 StGB.

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Eine Anzeige ist kein Schuldspruch, sondern eine Behauptung des Anzeigenden.

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