Wartburgfest 1817

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Wenn du vieles gelesen hast und vieles dir sonderbar vorkommt, bist du schon auf der Vorstufe zum Weisen.

Wenn man die Vorgänge in und um Syrien und die Vorgänge im deutschen Bundestagswahlkampf entsprechend darstellen würde, käme noch viel Unverständlicheres heraus.

Zunächst also:

Die Burschenschaftler lebten in einem Regime, das sie für ungerecht hielten wie heute Ägypter und Syrer ihres und Al-Kaida-Kämpfer die politische Weltordnung insgesamt.

Sie empfanden sich als Vertreter der Freiheit und beriefen sich auf Luther als Freiheitskämpfer (gegen die religöse Diktatur der Papstes).

Sie veranstalteten eine Demonstration - wie 1830 die Demokraten beim "Hambacher Fest".

Aber, wie es bei Demonstrationen und Fußballspielen so ist, es finden sich immer welche, die noch eindrucksvoller demonstrieren wollen als die anderen. Die verbrannten dann also den Korporalsstock, mit dem die einfachen Soldaten geprügelt wurden, und Schriften, die - aus ihrer Sicht - das herrschende Regime verteidigten. (Da hätten sie auch den halben Goethe mit verbrennen können.)

Schließlich tötete Sand noch den Schriftsteller Kotzebue. Dieser war seinerzeit erfolgreicher als Goethe; aber Sand tötete ihn nicht deswegen, sondern deshalb, weil er - wie Goethe - ein Höfling war und den Herrschenden nach dem Munde redete.

Heine bemerkte zu Recht: "Wo Bücher brennen, da brennen bald auch Menschen."

Man hat das auf den Holocaust bezogen, aber es war nur eine metaphorische Redeweise für: "Wer Bücher vernichtet, statt zu widerlegen, der ist auf der Vorstufe dazu, Menschen zu vernichten, statt sie zu überzeugen."

Luthers Verbrennen der Bannbulle war - so gesehen - die Vorstufe der Glaubenskriege.

Die Nazis haben dann Heines Metapher in der Wirklichkeit nachgebildet: Zuerst haben sie Bücher verbrannt, dann Millionen von Menschen erst getötet und dann verbrannt.

Nicht der Protest der Burschenschaftler war falsch, sondern die Wahl der Mittel. So kam es zu noch schärferer Unterdrückung, und die führte zunächst zur (gescheiterten) deutschen Revolution von 1848 und dann zu mancherlei Fehlentwicklungen. Je nach Standpunkt, kann man die deutschen Einigungen von 1871 und 1990 dazu rechnen.

Nur: Auch wenn die Burschenschaftler sich auf Luther beriefen, Luther war nicht der Grund des Protestes. Auch wenn die Nazis Bücher verbrannt haben wie Luther und die Burschenschaftler, so hatten sie doch ganz andere Ziele.

Auch als guter Katholik kann man heute vieles, was Luther in seiner Zeit an der Kirche auszusetzen hatte, auch für falsch halten.

Wenn dir das, was ich geschrieben habe, auch sonderbar vorkommt, brauchst du mich deshalb noch nicht beim Geheimdienst zu melden, der liest sowieso schon mit.

danke das hat mir sehr geholfen :)

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Was prinzipiell ein fortschrittliches Anliegen war, bekam jedoch einen bitteren Beigeschmack. Eine Gruppe von Studenten um Turnvater Friedrich Ludwig Jahn hatte zum Fest eine Bücherverbrennung vorbereitet. Bücher wurden in die Flammen geworfen - ebenso wie Symbole reaktionärer Herrscher: ein preußisches Schnürleib, ein hessischer Zopf und ein österreichischer Korporalsstock. Heinrich Heine fand dafür nur folgende Worte:

"Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Hass des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nicht besseres zu erfinden wusste, als Bücher zu verbrennen."

Heinrich Heine

(Wiki)

Weiters dazu findest du hier kurz und verständlich:

http://ultimateheroswelt.blog.de/2007/10/19/18_oktober_1817_erstes_wartburgfest~3162926/

Hei smileygirl, soweit ich das übersehe: Das ja. Grüße!

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