Waren die Menschen in der DDR weniger egoistisch als Heute?

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6 Antworten

"Egoistisch" ist eine sehr dehnbare Vokabel:

Wenn Du das im Sinne von "Eigennutz" meinst, d. h. dass die DDR-Bürger auch in erster Linie an ihre eigene Gesundheit und ihr eigenes Wohlergehen dachten, dann muss man die Frage mehr oder weniger klar verneinen.

Klar ist aber auch, dass es weniger "Ellenbogengesellschaft" gab, dass es (auch durch weniger Warenangebot bedingt) mehr familiären und nachbarschaftlichen Zusammenhalt gab, die Leute weniger auf den sozialen Status des Gesprächspartners achteten und das hier übliche Phänomen "Mehr Schein als Sein" kaum zu beobachten war.

Karriere war ein Fremdwort. Eigene Kinder gebären war nicht eine von vielen, in der Midlife-Spanne der gesunden Frau angedachten Möglichkeiten der familiären Reproduktion. Diese eigenen Kinder waren kein karrierehemmender Ballast, man bekam sogar zinslose Kredite für eigene Kinder.

Keiner musste egoistische Ängste haben, dass der Arzt zunächst den Privatpatienten versorgt, dann erst eventuell den Kassenpatienten.

Der zusammen geborgte und auf Pump gekaufte 20-Jahre-alte klapprige Benz, dessen Eigentümer dann an den Hintereingang zu ALDI einkaufen fuhr, damit ihn der Nachbar nicht bemerkt, war kein Statussymbol (es gab keinen Benz!).

Die Kinder in der Schule grenzten sich nicht gegenseitig aus, weil einer mal kein bekanntes Jeansmarkenlogo auf dem Hintern trug!

Nachbarschaftlichkeit war gang und gäbe und hing nicht von der Größe des Pools oder der Sorte des angebotetenen Pro-Seccos ab.

....

Übrigens: in den 70-ern und 80-ern gab es auch hier in der "bunten Republik" noch keine Smartphones und Facebook.



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Kommentar von Haldor
21.07.2017, 22:31

Ausgezeichnet argumentiert! Finde leider nicht die Kompliment-Anzeige!

Tatsächlich triffst du den Nagel auf den Kopf. Man muss der
DDR auch einmal Gerechtigkeit widerfahren lassen. Immer ist von Stacheldraht, Mauer, Schießbefehl und Unrechtsstaat die Rede. Doch wer nicht gegen den Staat arbeitete, wer nicht – wie in dem Film „Leben der Anderen“ – kritische Berichte in den Westen schmuggelte, dem ging es in der DDR nicht schlecht.

Eigennutz steckt in der Tat in jedem Menschen, doch die Fähigkeit
des Menschen, sich anders als egoistisch (sich mehr dem Mitmenschen zugewandt) zu betätigen, fand in der DDR viel bessere Grundlagen und Voraussetzungen, um sich entfalten zu können. Zugegeben: für diejenigen, die den Staatssozialismus
unterstützten, sich nicht davon ausschlossen.

Leider muss man hinzufügen, dass letztlich die sog. sozialistische
Lebensweise in der DDR nur vorübergehend aufrechterhalten werden konnte. Sie war nur möglich, weil ein autoritäres Regime und die hinter dem Regime stehende Militärmacht des „Großen Bruders“ das System rund 40 Jahre stabilisiert haben: Dann siegte der Kapitalismus.

Und wie er siegte! Irgendwelche Grundlagen, dass sich das
Menschenmögliche entfalten kann, sind im wiedervereinigten Deutschland kaum noch zu beobachten (wie du richtig beschrieben hast).

Der gegenwärtige sogenannte Rechtsstaat hat nur Vorteile
für diejenigen, die über Talente, Energie und Durchsetzungskraft verfügen. Die anderen können sehen, wo sie bleiben (im schlimmsten Falle in einer verschimmelten Wohnung mit Hartz IV-Geld und der Aufforderung des Staates in der Tasche, als 1-Euro-Jobber tätig zu werden).

Die Brutalität des DDR-Regimes gegenüber den sog. „Feinden
des Sozialismus“ soll nicht verschwiegen werden, und sie wird ja auch seit Jahrzehnten immer wieder gebetsmühlenartig (in Filmen und Dokumentationen) vorgeführt. Die positiven Aspekte des DDR-Staates werden dagegen seit Jahrzehnten verschwiegen.

Die totale Freiheit, der hemmungslose Individualismus im heutigen Deutschland dürfte auch nicht das sein, was sich ein vernünftiger
Mensch wünscht. Die Krisensymptome scheinen im gegenwärtigen Deutschland zuzunehmen. Vielleicht  ist ein vernünftiger Staat
ohne eine starke autoritäre Führung nicht möglich. Der polnische Staat scheint sich auf ein derartiges Staatssystem zuzubewegen, das vielleicht besser ist als das radikal individualistische, super-hyper-tolerante, das totale Frei-sein als Ideal verkündende heutige Deutschland.

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Das klingt mir sehr nach rosaroter Brille.

Damals gab es ja noch kein kapitalistisches System ,das alles herausforderte und zu Konkurrenten machte

Auf dem Rest der Welt schon. Und Konkurrenz gab es auch in der DDR. Und die Ungewissheit, wem man überhaupt trauen konnte.

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Die DDR war im Grunde auch staatlich gelenkter Kapitalismus. Nicht der real deal. In einer sozialistischen / kommunistischen Gesellschaft wären die Menschen auf jeden Fall radikal anders gestrickt uns viel emphatischer.

Aber ja durch die kollektivistischen Züge der Erziehung in DDR und sovietunion ( zB Sportclubs, Wissenschafts Clubs.. Alles war möglichst gemeinschaftlich organisiert) ist man mehr auf sie Bedürfnisse anderer und der Allgemeinheit getrimmt

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Da Menschen, die Eigenschaft des Egoismus betreffend, schon immer und in allen Staatsformen egoistisch waren, gilt dies auch für die Einwohner der ehemaligen DDR.

Der einziges Unterschied, welcher sich zu den Bewohnern des kapitalistischen Westens ergibt, ist vielleicht, dass ihre Möglichkeiten den Egoismus auszuleben, etwas geringer und sie so scheinbar weniger egoistisch erschienen. 

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Egoistische Menschen gab und gibt es überall.

Sagen wir mal zu DDR-Zeiten war die Hilfsbereitschaft unter den Menschen wesentlich größer, wie das heutzutage der Fall ist.

LG Lazarius

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In der DDR musstest du aufpassen was du sagst du wusstest nicht wer für die Stasi Arbeitet da haben sich sogar Verwandte gegenseitig Angeschwärzt. Also ein Land wo du jede Sekunde auf der Hut sein musstest 

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Kommentar von 666Phoenix
17.07.2017, 11:56

Und hier musst Du wohl nicht aufpassen, was Du sagst?

Zum Beispiel in Anwesenheit Deines Chefs? Nenne ihn doch mal, wenn er gerade neben Dir steht, einen großen Esel oder A...loch!

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