War Marx Antisemit?

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7 Antworten

Jetzt mal für alle, die hier schreiben, Karl Marx sei selbst Jude gewesen:

Das ist so pauschal nicht richtig!
Marx entstammte zwar einer jüdischen Familie, wurde aber auf den politischen Druck und das drohende Berufsverbot seines Vaters hin im Alter von sechs Jahren protestantisch getauft, gemeinsam mit seinen Geschwistern.
Die ganze Familie konvertierte.

Marx selbst galt sein gesamtes Leben nicht als religiös, weder jüdisch noch christlich, obwohl ihm seine jüdische Abstammung auch von Teilen der frühen kommunistischen Theoretiker zum Vorwurf gemacht wurde, um ihn zu diskreditieren (z.B. Bakunin).

Sein Aufsatz "Zur Judenfrage" war eine direkte Antwort auf einen anderen, durchaus antisemitischen Essay. Da das Thema klar umrissen war, hob Marx hier einzig und allein auf die gesellschaftspolitische Rolle der jüdischen Religion innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft ab.
Marx äußerte sich hier äußerst differenziert und alles andere als antisemitisch. Er verurteilte scharf die Vermischung der preußischer Unterdrückung der jüdischen Religion mit der grundsätzlich notwendigen politischen Emanzipation der bürgerlichen Gesellschaft:

„Der Widerspruch, in welchem sich der Anhänger einer besondern Religion
mit seinem Staatsbürgertum befindet, ist nur ein Teil des allgemeinen
weltlichen Widerspruchs zwischen dem politischen Staat und der
bürgerlichen Gesellschaft. ...
Die Emanzipation des Staats von der Religion ist nicht die Emanzipation des wirklichen Menschen von der Religion.
Wir sagen also nicht mit Bauer den Juden: Ihr könnt nicht politisch emanzipiert werden, ohne euch radikal vom Judentum zu emanzipieren.
Wir sagen ihnen vielmehr: Weil ihr politisch emanzipiert werden könnt, ohne euch vollständig und widerspruchslos vom Judentum loszusagen, darum ist die politische Emanzipation selbst nicht die menschliche Emanzipation.“
(Hervorhebungen durch mich)

Was Marx hier schreibt, ist also nicht anti-jüdisch oder antisemitisch, sondern als grundsätzliche Aussage gegen Religion und ihre gesellschaftspolitische Funktion zu verstehen.
Gleichzeitig wehrt er sich heftig gegen alle Versuche, die Juden durch politischen Druck zum Konvertieren zu zwingen, da ein Konvertieren nichts an dieser grundsätzlichen Funktion von Religion ändert, sondern nur eine Verschiebung darstellt.
Vielmehr fordert er die Juden auf, ihr persönliches Verhältnis zur Vermischung von Glauben und Religion zu hinterfragen, diese Aufforderung kann aber als genauso an die Anhänger anderer Religionen gedeutet werden, da wie gesagt sein Aufsatz unter einer vorgegebenen Überschrift stand.
Und die war eben nicht "Zur Religionsfrage allgemein".

Soviel von mir dazu.

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Da Marx selbst Jude war, wirkt der Vorwurf des Antisemitismus ein bisschen albern, nicht wahr?!

Nichtsdestotrotz: Es gibt keine direkten antisemitischen Einlassungen von ihm. Allerdings war er der Überzeugung, dass in einer zukünftigen, gleichen und gleichberechtigten Gesellschaft die "Judenfrage" von selbst verschwände, weil "keine Unterschiede zwischen den Menschen" eben auch die Juden nicht mehr zu etwas Besonderem machen würde. Das legen ihm orthodoxe Juden gern als Antisemitismus aus. 

Falls du mehr wissen willst, sei dir sein Werk "Zur Judenfrage" empfohlen. Darauf berufen sich die meisten, die Marx "des Antisemitismus überführen" wollen. Bis heute ist es aber noch niemandem über rein religiösen Duktus hinaus auf wissenschaftlich-transparenter Ebene gelungen. Und um ihn persönlich zu fragen, ist es etwas spät...

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Die Juden sind der Ansicht, dass Karl Marx ein Antisemit war. Beweis, Textauszug aus diesem Essay eines deutschen Juden:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/juedischer-antisemitismus-kurzer-lehrgang-ueber-den-selbsthass-1699782.html

Trotzdem schmerzt uns Juden der jüdische Selbsthass am meisten. Die als Juden geborenen christlichen Konvertiten, wie Pablo Christiani, Nicholas Donin und Johannes Pfeferkorn, begründeten schon im Mittelalter die Judenverfolgungen der Kirche als Kronzeugen gegen die Juden. Karl Marx verfasste im Alter von fünfundzwanzig Jahren die antisemitische Schrift „Zur Judenfrage“.

Ich denke aber nicht, dass Marx ein Antisemit war. Meiner Ansicht nach hat er lediglich die Finanzindustrie kritisiert, und die war damals wie heute in der Hand jüdischer Großfamilien. 

Wer z.B. heute die Regierung von Russland kritisiert, nur weil diese eine Politik für die Russen betreibt, der ist ja auch kein Russenfeind, oder?  

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Nein, das war er nicht. 

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Antisemitismus dürfte bei Juden wohl selten sein.

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Er war doch mit Engels befreundet daher war er das nicht.


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Worauf willst du denn hinaus? Glaubst du wirklich, es kann jemand eine Frage beantworten, die seit Jahrhunderten diskutiert wird?

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