War Judas Iskariot ein Guter und Gott ist der Böse?

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9 Antworten

Hallo Transposon,   

immer wieder mal wird Verständnis für Judas gezeigt, es werden Verteidigungen zu seinen Gunsten erdacht, bis hin zu der Behauptung, wenn Judas Jesus nicht denen, die ihm nach dem Leben trachteten, ausgeliefert hätte, gäbe es keine Erlösung durch den Opfertod Jesu Christi.

Wir sollten die wichtigsten Punkte des Lebens von Judas Iskariot als Apostel Jesu betrachten, um ein komplettes Bild seiner Entwicklung zu erhalten. Dabei werde ich meine Ausführungen allerdings auf in der Bibel nachlesbare Zitate beschränken, während bei Deiner Frage offensichtlich auch anderes Material hinzu gezogen wurde.




Als Jesus unter Gebet seine 12 Apostel aussuchte, entsprachen sie alle den göttlichen Maßstäben für dieses verantwortungsvolle Amt - alle, auch Judas Iskariot, sonst wäre er nicht ausgewählt worden. Es wurde ihm sogar die Gemeinschaftskasse der mobilen Predigertruppe anvertraut.

Nach einiger Zeit ließ er jedoch zu, dass sich Schlechtigkeit bei ihm entwickelte. Es begann damit, dass er immer wieder seine Kameraden bestahl, indem er heimlich Geld aus der Kasse für sich persönlich abzweigte (Joh 12,3-6)

Als Dieb wurde er auch ein geschickter Täuscher, während sich seine unehrlichen Handlungen über Monate erstreckten, entwickelte Judas seine Heuchelei bis hin zur Perfektion. So nur war seine Frechheit zu erklären, mit der er bei der Feier des Passah auf die Offenbarung Jesu, das einer von den Zwölfen ihn verraten würde, ohne Zucken die (rhetorische) Frage stellte: Ich bin es doch nicht etwa??(Joh 26.22-25)

In die selbe Kerbe, Heucheln und Täuschen, haut dann der zärtliche Kuss, mit dem er , wie verabredet, Jesus für seine Häscher in der Nacht kenntlich machte.(Mt 26,49)

Judas wurde also durchaus von Jesus gewarnt, dass sich einer von den Aposteln vom Satan missbrauchen lassen würde. Aber anstatt jetzt den schon begonnenen Verrat nicht zu vollenden, brachte er ihn zu seinem Höhepunkt und ließ sich auch das Blutgeld auszahlen.

Dass Judas den Lohn des Verrats zurückgab und sich selbst tötete, zeigt nicht Reue sondern Selbstmitleid. Dazu empfehle ich Dir, die folgenden Gedankenzu berücksichtigen (es folgt das Zitat. Quelle unten).


Gottgemäße Traurigkeit ist erforderlich, nicht die Traurigkeit der Welt.

Der Apostel Paulus erwähnt in seinem zweiten Brief an die Korinther die „gottgemäße Traurigkeit“, die sie zum Ausdruck brachten, nachdem er sie in seinem ersten Brief zurechtgewiesen hatte (2Ko 7:8-13). Er „bedauerte“ (eine Form von metamélomai) es, dass er ihnen einen solch strengen Brief schreiben musste und ihnen dadurch Schmerz verursachte, doch als er sah, daß sein Tadel gottgemäße Traurigkeit und ernsthafte Reue (eine Form von metánoia) über ihre verkehrte Einstellung und Handlungsweise bewirkt hatte, empfand er kein Bedauern mehr. Er wusste, dass der Schmerz, den er ihnen bereitet hatte, zu ihrem Nutzen war und sie dadurch nicht „zu Schaden“ kamen. Auch sollten sie die Traurigkeit, die zur Reue geführt hatte, nicht bedauern, denn sie half ihnen, auf dem Weg zur Rettung zu bleiben; sie bewahrte sie davor, rückfällig oder abtrünnig zu werden, und gab ihnen die Hoffnung auf ewiges Leben.

Paulus vergleicht diese Traurigkeit mit ‘der Traurigkeit der Welt, die Tod bewirkt’ und die nicht dem Glauben an Gott und der Liebe zu ihm und zur Gerechtigkeit entspringt. Die Traurigkeit der Welt, die durch Misserfolg, Enttäuschung, Verlust, Strafe für Unrechttun oder Schande hervorgerufen wird (vgl. Spr 5:3-14, 22, 23; 25:8-10), löst häufig Verbitterung, Groll und Neid aus; sie bringt keinen bleibenden Nutzen, führt keine Besserung herbei und gibt keine echte Hoffnung. (Vgl. Spr 1:24-32; 1Th 4:13, 14.) Die weltliche Traurigkeit ruft Trauer über die unangenehmen Folgen der Sünde hervor, nicht aber Bedauern über die Sünde selbst und die Schmach, die dadurch auf Gottes Namen gebracht worden ist (Jes 65:13-15; Jer 6:13-15, 22-26; Off 18:9-11, 15, 17-19; vgl. Hes 9:4).

Ein Beispiel hierfür ist Kain, der als erster von Gott aufgefordert wurde zu bereuen. Gott ermahnte ihn, ‘daranzugehen, gut zu handeln’, damit die Sünde nicht die Herrschaft über ihn erlange. Statt aber seinen tödlichen Hass zu bereuen, ließ sich Kain davon zum Mord an seinem Bruder motivieren. Als Gott ihn zur Rechenschaft zog, gab er eine ausweichende Antwort, und erst als er verurteilt wurde, brachte er Bedauern zum Ausdruck, allerdings nicht über die begangene Sünde, sondern über die Schwere der Strafe (1Mo 4:5-14). Dadurch zeigte er, dass er „aus dem stammte, der böse ist“ (1Jo 3:12).

Auch Esau bekundete weltliche Traurigkeit, als er erfuhr, dass sein Bruder Jakob den dem Erstgeborenen zustehenden Segen empfangen hatte (ein Recht, das Esau leichtfertig an Jakob verkauft hatte) (1Mo 25:29-34). Er schrie „überaus laut und bitterlich“, wobei er unter Tränen „Reue“ (metánoia) suchte; es ging ihm jedoch nicht darum, selbst zu bereuen, sondern er wollte seinen Vater zu einer „Sinnesänderung“ bewegen (1Mo 27:34; Heb 12:17, Int). Esau bedauerte seinen Verlust, nicht die materialistische Einstellung, die ihn veranlasst hatte, ‘das Erstgeburtsrecht zu verachten’ (1Mo 25:34).

Nachdem Judas Jesus verraten hatte, „hatte er Gewissensbisse [eine Form von metamélomai]“; er versuchte, das ausgehandelte Bestechungsgeld zurückzugeben, und beging danach Selbstmord, indem er sich erhängte (Mat 27:3-5). Die Erkenntnis des vollen Ausmaßes seines Verbrechens und wahrscheinlich die erschreckende Gewissheit, dem göttlichen Gericht zu verfallen, überwältigten ihn offensichtlich. (Vgl. Heb 10:26, 27, 31; Jak 2:19.)
Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung überkamen ihn, aber nichts lässt erkennen, dass er die gottgemäße Traurigkeit verspürte, die die Reue (metánoia) hervorruft. Judas wandte sich nicht an Gott, sondern suchte die jüdischen Führer auf, bekannte ihnen seine Sünde und gab ihnen das Geld zurück, offenbar in der irrigen Meinung, er könne sein Verbrechen dadurch bis zu einem gewissen Grad ungeschehen machen. (Vgl. Jak 5:3, 4; Hes 7:19.)

Außer Verrat und Beihilfe zum Tod eines unschuldigen Menschen beging Judas auch noch Selbstmord. Seine Handlungsweise stand im Gegensatz zur Handlungsweise des Petrus, dessen bittere Tränen, die er vergoss, nachdem er seinen Herrn verleugnet hatte, das Zeichen einer von Herzen kommenden Reue waren, weshalb ihm auch vergeben wurde (Mat 26:75; vgl. Luk 22:31, 32).

Nach Daten der WACHTTURM-ONLINE-BIBLIOTHEK

Grüße, kdd                                                                                                      

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Kommentar von Transposon
17.03.2016, 20:49

ohne Zucken die (rhetorische) Frage stellte: Ich bin es doch
nicht etwa??(Joh 26.22-25)

Das erstaunlich ist nun, dass jeder einzelne anfing zu fragen: „Herr, bin ich’s?“ Jeder einzelne hat ernsthaft mit der Möglichkeit gerechnet, dass er Jesus verraten könnte. Jeder hätte es sein können. (Matthäus 26, 17-25)

Ansonsten danke für deine Antwort. Dass er ein Dieb war dürfte nun klar sein. Da stellt sich mir jedoch wiederum die Frage, wenn es ihm nur um das Geld ging, warum hat er nicht einfach die Kasse geklaut, die er selbst betreute? Darin dürfte ein weitaus höherer Betrag gewesen sein als 30 Silberlinge, da das Öl für die Salbung schon 300 Silberlinge veschlung. Und das Motiv offenbart sich mir noch nicht. Er wird als Apostel berufen, zieht lange Zeit mit Jesus mit, um ihn am Ende zu verraten und sich zu erhängen.

1

Deine Aussagen über Judas (er sei als Säugling wegen einer
unheilvollen Prophezeiung von seiner Mutter ausgesetzt und in der Folge zum
Mörder an seinem leiblichen Vater geworden, bevor er
unwissentlich seine Mutter geheiratet habe) entsprechen nicht den Evangelien,
sondern es handelt sich dabei  um eine mittelalterliche Legende von
Abaham de Santa Clara, um das Judasbild ins Monströse zu überzeichnen.
Ebenfalls ist nirgendswo erwähnt, dass Judas bei Pilatus als Buchhalter
angestellt war.

Die Motive des Judas können immer nur Interpretation und
Spekulation sein, weil das Evangelium zu wenig darüber aussagt. Der Evangelist Johannes unterstellt dem Judas grundsätzlich Geldgier, auch
 gemäß Matthäus verlangt Judas Geld für seinen Verrat, während noch bei Markus der Hohe Rat erst nach dem Angebot des Judas eine Geldzahlung in Aussicht stellt.
Dass Judas zum Verrat gezwungen worden wäre (von Gott oder
Menschen) geht aus keiner Schriftstelle hervor. Wohl aber hat Judas dem Bösen in sich Raum gegeben, denn dass Verrat niemals richtig ist, hätte er wissen können und müssen.
Weil Judas sich so der Macht des Bösen öffnet und ihr dient,
bezeichnet ihn Jesus gemäß dem Johannesevangelium wohl auch als „Teufel" bzw. dass Satan dem Judas den Gedanken des Verrates ins Herz gegeben habe. In diesem Punkt ist es mit Judas nicht anders als mit jedem von uns, der in Versuchungen eine Entscheidung treffen muss.

Dass Jesus den Judas berufen hätte, weil er wünschte oder
zumindest einplante, dass dieser ihn verraten würde, ist freie Spekulation.
Jesus hat den Judas nicht zum Verräter, sondern zum Apostel berufen. Er konnte dabei aber nicht aus einem Kreis fehler- und sündenloser Wesen
 auswählen, sondern aus ganz normalen, fehlbaren und schwachen Menschen.
Die Zwölf können wie alle anderen Menschen der Versuchung
unterliegen, und es ist ausdrücklich nicht die Absicht Christi, sie vor solchen
Anfechtungen ganz zu bewahren. Es macht ja paradoxerweise gerade die Würde des Menschen aus, dass er sich nicht nur für,
 sondern auch gegen Gott entscheiden kann.
 Gott legt dies nicht direkt oder auch nur indirekt fest; er will
vielmehr, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Timotheusbrief 2,4), und er hat „kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt“

Wenn sich aber nun ein Mensch gegen den Willen Gottes
auflehnt, dann kann er auch nicht erwarten, dass Gott dies gleichgültig
hinnimmt. Es geht ja im Letzten um das Heil der gesamten Schöpfung!  Gott wünscht sich den Angriff seines Gegners nicht, unterbindet ihn aber auch nicht, sondern weiß ihn auszunützen und in eine Richtung zu lenken, die ihm selbst und seinen Plänen zugute kommt. Natürlich war es nicht der Wunsch Gottes des Vaters, dass ein Sohn unter Todesqualen am Kreuz starb, sondern nur, dass der durch die Sünde gestörte Zustand wieder ins Gleichgewicht kommt. So nutzt Gott die mörderischen Absichten seiner Gegner und wandelt das Kreuz um in den Baum des Lebens, der allen Menschen Heil bringt, die es annehmen.
 Und auch den schändlichen Verrat des Judas, den Gott nicht wollte oder gar nicht bewusst provoziert hat, wurde zum Element des Heilsplans, ganz einfach deshalb, weil Gott auch auf krummen Zeilen gerade zu schreiben versteht.

Judas hat seinen Verrat später bereut, aber letztlich an der Barmherzigkeit und Vergebung Gottes ihm gegenüber gezweifelt und sich das Leben genommen.

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Kommentar von Transposon
17.03.2016, 19:57

Achso ok, dann kommt mein Kenntnisstand wohl aus einer Mischung der Abraham de Santa Clara Legende und dem Thomas-Evangelium (und noch ein paar weiteren Mixturen ^^) . Danke für die Antwort.

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Was ist nicht verstehe ist, wenn die Menschen durch den Tod Christi die Erlösung erfahren, hätte dann der Teufel nicht alles tun sollen, damit Jesus nicht gekreuzigt wird? Damit ist ja eigentlich der Teufel dafür verantwortlich, dass wir Menschen die Erlösung erfahren (oder was auch immer es uns gebracht hat).

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Kommentar von Transposon
17.03.2016, 03:01

Bzw das wäre ein Mitgrund, dass Judas nicht besessen gewesen sein kann vom Teufel, denn durch diesen Prozess wurde die Verhaftung - und schließlich auch die Kreuzigung veranlasst.

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Da es keine Augenzeugen mehr gibt, ist man auf Überlieferungen und Schriften angewiesen.

Das Problem dabei ist, das man weiß, das viele dieser Schriften verfälscht wurden...durch zudichten und weglassen..

Die Christen gehen allgemein davon aus, das Jesus die Wahrheit sagte...

...und er also der Gute war, der für "unser " Tun um Vergebung bat...

...und Judas für ( lausige) 30 Silberlinge Verrat beging.

Das es nur 30 Silberlinge waren, macht die Sache kaum besser - oder ?

Es gibt EIN Zitat, an dem man alles festmachen kann.

"An ihren Taten sollt Ihr sie messen"

Allein daran messe ich zb "unsere" Politiker und Kirchen...

...und niemand von Denen schneidet derzeit gut ab !

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Kommentar von Transposon
17.03.2016, 03:00

Naja wie gesagt, das Geld brauchte er nicht - ganz und gar nicht. Und im Großteil seines Lebens hat er ja gute Taten vollbracht. Er hat Jesus Jünger beschafft, ihn unterstützt und begleitet, die Finanzen geregelt, Thomas vom Glauben überzeugt usw, wenn man mal absieht, dass er seinen Vater getötet hat und seine Mutter geheiratet (wofür er nichts konnte^^), dann war er im allegemeinen eigentlich mehr gut. Nicht umsonst hat er das Geld danach weggeschmissen und bettelte für seine Freilassung.

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er war ein werkzeug des satan, wofür er nichts konnte

Joh 13,27
27 Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!

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"Es fuhr aber der Satan in Judas." Lukas 22,3

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Kommentar von Transposon
17.03.2016, 12:21

Das passierte laut Quelle zur Zeit des letzen Abendmahles richtig? Aber es gibt schon vor dem Einzug in Jerusalem Anzeichen der Angst bei Jesus und Judas, wobei Thomas denkt er weiß weniger als die beiden.

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Er wird Sohn der Vernichtung genannt

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