War Goethes Faust auch schon zu Goethes Lebzeiten berühmt?

4 Antworten

Goethe wurde schon durch den Werther (1774) international bekannt, Napoleon hat ihn gelesen und mit Goethe darüber gesprochen und nicht über den Faust, von dem der erste Teil erst 1808 veröffentlicht wurde. Goethe war da schon 59 Jahre alt. Bis dahin war vom Faust nur das Fragment bekannt (seit 1790), das als unvollendet gebliebenes Jugendwerk aufgefasst werden konnte. Der zweite Teil, der zwar nie volkstümlich geworden ist, aber ohne den die Gesamtkonzeption des Werks nicht verstanden werden konnte, wurde erst Monate nach Goethes Tod veröffentlicht. 

Also zu Goethes Lebzeiten gründete sein Ruf nicht auf dem Faust, sondern zunächst auf dem Werther und nach Erscheinen von Wilhelm Meisters Lehrjahren bei den literarischen Kennern nicht zuletzt auf diesem Roman (vgl. Friedrich Schlegel).

Genaueres erfährst du, wie du wissen solltest, im Wikipediaartikel zu Goethe im Abschnitt "Rezeption".

Faust  I fand  schon unmittelbar  nach  seiner Veröffentlichung  1808 große Resonanz unter Goethes zahllosen  Verehrern. Es  gab aber  auch   viele  Kritiker.  Die  Kirche monierte  Fausts  unmoralisches und  blasphemisches  Verhalten, die  Vertreter  der Aufklärung  dagegen  Goethes Mystizismus.  Ein  paar Romantiker  sahen  in Faust  einen  Vertreter der hochmütigen Wissenschaftsgläubigkeit.

Auch im Ausland stieß Faust I auf großes Interesse. Madame de Stael, die durch ihr Deutschlandbuch De l’Allemagne in Frankreich für ein positives Deutschlandbild sorgte, ja sogar Begeisterung für das Land der Dichter und Denker auslöste, widmete dem Stück 1810 ein eigenes Kapitel.

Der schottische Historiker und Essayist Thomas Carlyle verfasste sogar zwei richtungsweisende Studien über Faust (1822 und 1828). Nur die Bühnen reagierten zögerlich, wegen der zuletzt unruhigen politischen Verhältnisse (Napoleon, ständige Änderung der Landkarte Europas).

Man kann also sagen: Goethe war schon zu Lebzeiten nicht nur der berühmte Autor des „Werther“ und des Wilhelm-Meister-Romans, sondern auch der berühmte Verfasser des Fausts (I) [Der zweite Teil wurde erst nach seinem Tode (1832) veröffentlicht].

Siehe Theo Buck, Goethes theatralische Sendung, Vom Urgötz zu Faust II -  bei Wikipedia!

Goethe war schon zu Lebzeiten ein hochgeachteter Mann, sozusagen eine "Institution" der deutschen Literatur. Er war Minister in Weimar, wohlhabend und mindestens deutschlandweit berühmt. Seine Werke wurden unter "Bildungsbürgern" landauf, landab gelesen.

Das unterscheidet ihn von vielen anderen Künstlern seiner Zeit.

War aber damals der Hype um Goethes Faust so groß wie heute oder war es im Vergleich zu seinen anderen Werken gleich?

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@nel253

Das müsstest du denn doch einen Literaturwissenschaftler fragen - oder vielleicht eine Goethe-Biographie lesen?

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