War es möglich über die Ostsee aus der DDR zu flüchten mit einem Boot?

12 Antworten

Theoretisch ja, aber praktisch fast unmöglich, weil überall Wachen aufgestellt waren.

Solche Fluchten gab es - mit Booten, Surfbrettern oder sogar Luftmatratzen. Manche sind gelungen, andere sind gescheitert und etliche sind auch bei solchen Fluchtversuchen ertrunken.

Auch die DDR hatte eine Küstenwache, und wenn die einen Flüchtling erwischte, bedeute das Haft. Und wenn man ein Schiff sah, wusste man ja aus der Ferne nie, ob es aus einem freien oder aus einem sozialistischen Staat kam. Letztere haben die Flüchtlinge stets der DDR-Küstenwache übergeben.

  1. Die DDR zu verlassen war nicht verboten. Verboten war nur, sie ungesetzlich zu verlassen. Eine Staatsgrenze ist nunmal eine Staatsgrenze. Und wer sie o h n e staatliche Genehmigung, also illigal durchbrechen oder überwinden wollte, der beging eine Straftat. Er erfüllte den Straftatbestand des "ungesetzlichen Grenzübertritts" nach § 213 STGB der DDR. Die aus westlicher Sicht "Flüchtlinge" genannten DDR-Bürger waren aus DDR-Sicht Straftäter und waren dadurch zu verfolgen. Politisch waren sie Verräter an ihrem Vaterland, der DDR. Und weil diese Straftat im 1968 erlassenen STGB der DDR unter der Rubrik "Verbrechen gegen die DDR" einklassifiziert war, nannte man sie richtigerweise "Verbrecher". Um die Staatsgrenze zu schützen, die DDR hatte das Recht dazu wie alle Staaten der Welt, errichtete sie "Sperrgebiete", wo Miliärrecht galt. Auch an der Ostsee gab es "Militäraufklärer". Die hießen "Grenzaufklärer", die im sogenannten Grenzvorfeld gedeckt observierten. Dann gab es die "Freiwilligen Grenzhelfer der Grenztruppen", die im Sperrgebiet wohnten und die Sicherheit im Grenzgebiet in ihrer Freizeit unterstützten. Nach der Verfassung der DDR hatte jeder Bürger der DDR das verfassungsmäßig verbriefte Recht, die DDR - sein Heimatland - aktiv zu beschützen, also Straftaten im Vorfeld aufzuklären und v o r b e u g e n d zu verhindern. Das stand außerdem im Grenzgesetz der DDR. Jeder konnte also die DDR-Sicherheitsorgane in ihrer Tätigkeit nach entsprechender Verpflichtung unterstützen. Heute wird die gesellschaftliche Tätigkeit verächtlich gemacht, herabgewürdigt, als moralisch verwerflich gebrandmarkt. Ein Land, daß keine Patrioten hat, ist aber verloren. Heute wäre es schön, wenn solche Menschen sich für Deutschland aktiv einsetzen würden, nur hat man mit der dämonisierten Politik jede Lust daran erstickt. Natürlich gab es auch IM/GMS, die im Vorfeld Aufklärungsarbeit leisteten und auch die "IMs im kriminellen Milieu" (IMKR), die für die Abt K I (Politische Polizei) der VPKÄ in der DDR arbeiteten. Die Hausbuchverantwortlichen arbeiteten als sogenannte "Kontaktpersonen", die von ABVs (Abschnittsbevollmächtigten der Deutschen Volkspolizei) angelaufen wurden. Übrigens heißen diese Bürger heute V-Leute bzw. die bei der Bundespolizei"Kontaktbeamte".
  2. Es gab dann noch die IMs, die für die normale Polizei arbeiteten und diese Varaiante der Sicherung nannte man schon immer im Volksmund "Polizeispitzel".
  3. Die v o r b e u g e n d e Verhinderung der Verletzung der Staatgrenze, also die Ergreifung des Straftäter schon im Bereich der Vorbereitung und Planung und bei den "ersten Schritten" stand also im Vordergrund. Deshalb griffen die Sicherheitsorgane bereits zu, bevor der DDR-Bürger überhaupt ans Wasser der Ostesee gelangte. Flüchtlinge hatten meist mit der DDR innerlich und auch politisch-moralisch gebrochen. Dadurch wurden die meisten "größenwahnsinnig" und damit leichtsinning. Hinzukommt, das diese Sicherung g e h e i m war. Die DDR-Bürger war ja naiv erzogen worden, sie waenr praktiv so dämlich, daß sie sich die Wirksamkeit nachrichtendienstlicher Überwachung und die Zugriffsmöglichkeiten überhaupt nicht vorstellen konnten und wenn sie davon erfahren hätten, hielten sie dies für Spinnerei, übertriebene Panikmache, einen Witz oder ein Märchen. Was wir heute als Grundwissen über die Sicherheitsorgane im gesellschaftlichen Bewußtsein haben, war damals konspirativ gesichert. Die sogenannten "nachrichtendienstlichen Mittel und Methoden" waren von allen Mitwissern aktiv zu schützen und das klappte auch, weil man sich aus ideologischen Gründen, aus patriotischen Gründen, aus politischen Gründen an die Geheimhaltung hielt. Man bezeichnte dies damals als "revolutionäre Wachsamkeit". Daß damals viele naive "Flüchtlinge" beim Fluchtversuch ins Gras bissen, weil sie sich schlauer wähnten als die Sicherheitsorgane ist nur natürlich und erklärbar. Natürlich ist das damals wie heute zu bedauern, nur wirklich absolut war dies nicht zu verhindern, es sei denn, die DDR hätte sich schutzlos stellen sollen und die Grenztruppen hätten mit Pfeil und Bogen die Grenze schützen müssen. Am Ende muß man die Frage stellen, ob die DDR bereits am Beginn ihrer Gründung sich selber die Legitimität der Existenz stellen hätte müssen. Diese Frage wurde - was viele nicht wissen oder nicht wahr haben wollen - gestellt: 1949, 1968 und 1974 gab es Volksentscheide zur Verfassung der DDR. Im Westen gab es nur die "Auferlegung des Grundgesetzes f ü r die Bundesrepublik Deutschland durch die 3 Westalliierten". Wer über mehr, wer über weniger demokratische Legitimation verfügte, sollte man daher wohl lieber nicht in die Diskussion einwerfen ...

Man muss doch irgendwann einmal erkennen, dass es die sogenannte "DDR" nicht mehr gibt. Wenn du meinst, das war das bessere Deutschland, werde ich das aber auch nicht ändern können.

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@lesterb42

Ich werde es auch nicht ändern können, wenn du Jauche über die DDR ausgießt. Nur soviel Verstand traue ich dir zu, einmal die Sichtweise aus der DDR kennenzulernen.Wir DDR-Bürger haben nämlich während des Grundwehrdienstes in den Grenztruppen, in der NVA und im MfS bis zu 3 Jahren Dienst geschoben. Es kotzt uns an, wenn Wessis über uns richten, selber aber keine Ahnung von der Materie haben.

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@matzevalentin

Wenn du meinst, dass ich Wessi bin und keine Ahnung von der Materie habe, ist das auch nur deine Meinung, die ich nicht teile.

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@lesterb42

Leider konnte man die DDR in den meisten Fällen nicht auf gesetzlichem Wege verlassen. In den 70er Jahren (nach dem Abkommen von Helsinki) stellten Bekannte von uns einen Ausreiseantrag, und dieser wurde überhaupt nicht angenommen. Sie schickten ihn dann per Einschreiben an die Behörde. Es folgte: Berufliche Degradierung des Familienvaters, persönliche Befragung aller Familienmitglieder, bis hin zur 6-jährigen Tochter, ob sie wirklich ausreisen wollten und immer wieder Versuche, die Familie zur Rücknahme ihres Antrages zu bewegen. Nach einigen Jahren ließ man sie dann ausreisen (danach gab es immer mehr Ausreiseanträge von DDR-Bürgern, die irgendwann bewilligt wurden, aber zuvor wurden diese Leute noch schikaniert und hingehalten).

"Verräter am Vaterland"? Wie kann man Menschen, die sich dieses Vaterland nicht aussuchen konnten, derart knebeln?

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@Claud18

Aus DDR-Sicht gehörte dem Sozialismus die Zukunft. Man bezeichnete sie als "wissenschaftliche " Weltanschauung. Leute, die abhauen wollten, die outeten sich entweder als Dummköpfe, die keine staatsbürgerliche Erziehung genossen und verinnerlicht hatten oder sie waren aufgrund der vom Westen über das BRD-Fernsehen wirkenden "politisch-idiologischen Diversion" irregeleitet, waren vom rechten Wege abgekommen. Man erlebte sie in den Abt. Inneres im Rat des Kreises oftmals als entschlossen, haßerfüllt gegen die DDR, bereit, zur Ezwingung der Ausreise, die nie gesetzlich erlaubt oder geregelt war, Strattaten zu begehen. Erst dann wurde die Staatssicherheit aktiv, denn sie hatte den gesetzlichen Auftrag, diese Strataten bereits im Vorfeld, also bei der Planung und Vorbereitung, also vorbeugend zu verhindern. Die DDR war zahlenmäßig gering aufgestellt. Wir konnten es uns wirtschaftlich nicht erlauben, daß irgendwelche verführten oder durchgeknallten DDR-Bürger uns verließen und ihre Arbeitskraft im Westen dann dem Kapitalisten zur Verfügung stellten. Deshalb forderte die DDR vom Westen für "verlorene Mitglieder der sozialistsichen Gesellschaft" die Ausbildungskosten zu erstatten und zu ersetzen. Dies nannte man dann Freikäufe. Die DDR war der Meinung, daß für alle gesorgt sei und jeder sollte zufrieden sein. Aber irgendwelche bösartigen Menschen, verführt von westlicher Propaganda, ließen sich mißbrauchen gegen ihre eigenen grundlegenden Interessen, liefen zum Feind über, begingen dabei Strataten zur Erzwingung und Durchsetzung ihres Ausreisebegehrens. gegen diese Personen wurden Zersetzungsmaßnahmen eingeleitet, IMs angesetzt, eine OPK eröffnet oder ein OV eingeleitet. Ihre innerstaatliche Vernetzung unter Gleichgesinnten, ihr Öffentlichkeitswirksamwerden sollte vorbeugend unterbunden werden. Dies war Aufgabe des Geheimdienstes. Es sollte verhindert werden, daß sie in der DDR Plattformen bilden oder in den politisch-ideologischen Untergrund abgleiten. Die Eigeninteressen dieser DDR-Bürger wurde nicht gesehen, da die gesellschaftlichen Interessen über den Eigeninteressen standen. In keinem Land der Welt wird oppositionellen Kräften das Recht eingeräumt, Straftaten zu begehen, um ihre andersartigen politischen Vorstellungen zu verwirklichen. So dachte man in der DDR. Dabei hatte Lenin bereits 1924 gesagt, daß niemand zum Sozialismus geprügelt werden kann. Durch die Drangsalierung dieser DDR-Bürger sollten sie zur Einsicht gelangen, sollten erleben, dwas der sozialistsiche Staat für sie bereit hält und daß die DDR jeden braucht. Man hat mit geeigneten Mitteln und auch mit ungeeigneten Mitteln um jeden DDR-Bürger gekämpft, nur die hassenden DDR-Bürger, die bereits für unser Land verloren waren, wo quasi Hopfen und Malz verloren war, die durften dann aus humanitären Gründen ausreisen. Sie wurden an der DDR-Staatsgrenze rausgeschmissen und abgekippt, wie man bei der Stasi sagte. Sie sollten dann im kapitalistsichen Westen in der erlebten Realität der BRD verrecken, man wollte ihnen keine Träne nachweinen. Verräter, die zum Feind überliefen.

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@Claud18

Ich bin da ganz auf deiner Seite. Geschichten wie diese habe ich schon oft gehört.

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@matzevalentin

Wir haben auch 1989 im eigenen Interesse gehandelt, als wir Reise- und Meinungsfreiheit forderten. Und auch die Ausreisewilligen haben im eigenen Interesse gehandelt. Schließlich waren wir alle erwachsen und brauchten keine staatliche Bevormundung, die uns erklärte, was unsere Interessen wären. Gerade diese staatliche Bevormundung stand uns bis obenhin.

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Die ganze Küste galt als Grenzgebiet und wurde streng überwacht. Nachts durfte man sich nicht am Strand aufhalten, und Scheinwerfer leuchteten die Deiche ab. Es gab auch nächtliche Kontrollen am Strand, und manche Jugendlichen, die dort zu übernachten versuchten, wurden gleich verscheucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Boot von der Küstenwache aufgebracht wurde und du im Knast gelandet bist, war größer als die, dass du es mit einem Boot nach Dänemark geschafft hättest.

Ich habe selbst ein Jahr lang an der Ostsee gelebt und gearbeitet. Im Sommer durfte man keinen Besuch bekommen, der nicht ein halbes Jahr zuvor genehmigt worden war. Der Sommer war allerdings auch Saison für FDGB-Urlauber, zudem gab es zahlreiche Betriebsferienheime bzw. -bungalows. Es gab auch Zeltplätze und Jugendherbergen, wo man evtl. übernachten konnte (ob man sich dafür auch ein halbes Jahr vorher anmelden musste, weiss ich nicht). Aber privat bzw. spontan lief da gar nichts. Es hieß immer, hier ist Grenzgebiet, da kann nicht jeder machen, was er will.

Mein Arbeitskollege erzählt mir jedoch von einem Bekannten, der es schwimmend über die Lübecker Bucht nach Westdeutschland geschafft hätte (dieser musste ein guter Schwimmer sein). Vermutlich hat in diesem Fall die Küstenwache den Kopf, der da aus dem Wasser ragte, übersehen, was bei einem Boot nicht der Fall gewesen wäre.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Glaub mir, das haben viele versucht... und so mancher hat dadurch sein Leben gelassen.

So einfach, wie du es dir vorstellst, war es garantiert nicht. Denn auch der Küstenabschnitt wurde überwacht und Grenzschutz via Boote gab es sicherlich auch. DDR bedeutet nicht das sie dort keine technischen Errungenschaften hatten.

Google mal nach "ddr flucht über die Ostsee".

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