War der Liberalismus an der Wirtschaftskrise schuld?

4 Antworten

Der Liberalismus gehört, neben dem Konservatismus und dem Sozialismus, zu den drei pominentesten politischen Philosophien (bezw. Theorien). Das Wort "Liberalismus" stammt vom lateinschen Libertas (Freiheit und liberalis (freiheitlich) ab. Der Liberalismus an sich vertritt die These, dass die Freiheit das wichtigste Gut der Gesellschaft ist. Er beführwortet somit, dass die politische, ökonomische und soziale Freiheit die Grundpfeiler einer Gesellschaft darstellen.

An sich ist der Liberalismus nicht als geschlossene Theorie anzusehen. Die bekanntesten Interpretationen sind der Links-Liberalismus der Sozialdemokraten und der Neoliberalismus vieler bürgerlichen Parteien. Da der Liberalismus das politische Denken der westlichen Welt prägt kann man behaupten, er sei Schuld an der Krise. Dies ist dennoch sehr ungenau und undeifferenziert. Nicht desto trotz sollte man sich gewisser Fakten bewusst werden und den Kreis der "Schuldigen" einzugrenzen.

Als erstes gilt zu erwähnen, dass der Liberalismus ist seiner reinen Form ebenso gescheitert ist wie alle anderen Theorien. Die Freiheit begrenzt sich heute mehr oder weniger auf die Freiheit der Wirschaft und deren Profits. Die Freiheit der Bevölkerung hingegen ist vorwiegend die Freiheit des Konsumes. Politiker, welche von Firmen bezw. deren Lobbys bezahlt werden regieren uns, Medien die ebenfalls Grosskonzerne sind und auch deren Interessen vertreten informieren uns und die westliche Welt lebt trotz ihres gigantischen Reichtums mehr oder weniger in Angst und Panik vor dem sozialen Abstieg. Hinzu kommt, dass Mensch und Umwelt für die liberale Wirschaftspolitik entschieden zweitrangig sind.

Der Links-Liberalismus scheiterte an der Profitlogik des freien Marktes fast schon zwangsweise. Der heute dominierende Neoliberalismus kann man tatsächlich für die Krise verantwortlich machen. Das unersättliche streben nach maximalem Profit hat die Welt wirschaftlich an den Abgrund ihrer Existenz gebracht. Für den Profit nimmt man weder rücksicht auf Mensch, noch auf Natur. Mehr noch, der (Neo-)Liberalismus verletet die Unternehmen immer riskantere Investitionen zu tätigen, denn je riskanter desto grösser der Proft (oder eben verlusst). Das Ganze hat eher etwas von Casino als von dem erwischaften eines Gutes.

Die akutelle Krise wurde durch die Vergabe von "surprime-credits" in den USA ausgelöst. Surprime-Credits sind Hypothekarkredite, welche an Personen vergeben werden, die sich diese Kredite eigendlich nicht leisten können. Als Gegenleistung verlangten die Banken Zinsen von bis zu 33%. Da Immobilien auch Spekulationsgüter sind, gingen die Banken damit an die Börse. Die halbe Welt wettete auf diese Kredite. Als eine Bank (Goldman Sachs) Milliarden auf den Zusammenbruch des Hypothekarmarktes wettete, forderte sie ihre Kredite zurück, was logischerweise zum Zusammenbruch des Ganzen Sytems führte. Die Welt bezahlt die Zeche, Goldman Sachs und ein paar andere scheffelten Milliarden. Goldman Sachs ist übrigens auch jene Bank, welche die Buchhaltung Griechenlands fälschte, damit diese in der EU aufgenommen wurden. Heute sitzt die gleiche Bank in just jenem Gremium, welche für die Bekämpfung der Eurokrise zuständig ist.

Bilde dir deine eigene Meinung ;-) ...

Es gibt mehrere Formen des Liberalismus. Die Richtung des Liberalismus, um die es in der Finanzkrise geht, nennt man "Neoliberalismus". Hierzu mal googeln nach folgenden Personen: Milton Friedman, Margaret Thatcher, Ronald Reagan. Dort liegen die Ursprünge dieser Ideologie des Neoliberalismus, deren Kernaussage ist: der Staat hat sich aus allem rauszuhalten und am besten keine Steuern zu erheben, dann geht es allen gut. Das Ergebnis sehen wir jetzt.

Reagan und Thatcher haben in den 80-er Jahren mit der Liberalisierung des Finanzsektors angefangen, George W. Bush hat diese Politik fortgesetzt. Um die US-Wirtschaft künstlich anzukurbeln, wurde von den Banken mit Niedrigzinssätzen billiges Geld in den Immobiliensektor gepumpt, was zu einer hemmungslosen Spekulationsblase geführt hat. Es wurden massenweise faule Kredite an Kreditnehmer mit schlechter Bonität vergeben, "abgesichert" wurden diese Kredite mit faulen Derivatpapieren ("Swaps" u.s.w.). Durch die Liberalisierung des Finanzsektors entstand ein Gestrüpp aus fauler Spekulation, durch das niemand mehr durchblickt.

Das Thema ist relativ komplex, aber die Antwort einfach: Nein. Der Liberalismus hat damit gar nichts zu tun, sehr viele Liberale haben sogar vor der Finanzkrise gewarnt (siehe das Buch "Geld, Gold und Gottspieler" von Roland Baader).

Die Krise entstand nicht durch die "entfesselten Märkte des kaltherzigen Neoliberalismus" sondern durch wiederholte staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, von denen Liberale seit Jahrzehnten abraten (und worauf keiner hört). Buch, dass ich oben vorgeschlagen habe, sei da stark ans Herz gelegt, da es viel von dem Irrsinn aufzeigt, der da getrieben wurde (und weil ich ein bisschen zu Faul bin um die ganze Geschichte hier zu rezitieren)

Ja sicher, nur haben amerikanische Politologen, Sozialwissenschaftler und sonstige fähige Leute schon lange nachgewiesen, das der große Teil der amerikanischen Industrie direkt bis indirekt von Staatsförderung fast komplett abhängig ist (Nanny State) also ohne die Zuwendungen (aus Steuergeldern, etc.) kaum "überlebensfähig" wäre, etwa die Militär und Rüstungsindustrie (als größter Industriezweig überhaupt, weltweit ist bis zu 90% von Subventionen und Aufträgen der diversen Staaten abhängig, um weiter zu existieren,... etc.

Das Gerede über den "hinderlichen Staat - der aber brav Industrie und Wirtschaft extrem und massiv subventioniert, ist zynisch.(Steuergeschenke und -Erleichterungen in jeder Form siehe Schröders Regierungsjahre) Das Problem, das du andeutest ist (imho) reine Schaumschlägerei und Ablenkungstaktik.

Ausserdem benötigen aktuelle Industrien und Verwertungsabsichten der Besitzenden den Staat explizit, um überhaupt ihre Verwertung im national-Staatlichen und weltweiten Rahmen aufrecht zu erhalten, das ihnen dadurch garantiert, ihre Gewinne darin zu machen , und auszubauen.. überhaupt

1
@Gardenia69

Und wessen Schuld ist dann die abhängigkeit der Wirtschaft vom Staat? Die der Wirtschaft, deren Unternehmer das tun was sie immer tun, nämlich versuchen besser als die Konkurrenz zu sein, oder die des Staates, der durch Förderung, Subventionen u.ä. seinen Spezln unter die Arme greift und dadurch dafür sorgt, dass es Lohnenswerter ist beim Staat anzubandeln als sein Produkt zu verbessern? Dass die Wirtschaft ohne Staat nicht durchhalten wird, ist allein dem staatlichen Eingriffen zu verdanken und kann nicht durch noch mehr Eingriffe gerettet werden. Wo ist da Schaumschlägerei?

Dazu ist jede Art von staatlicher Subvention eh rausgeschmissenes Geld, da so das Geld der Bürger, die es so oder so angelegt oder ausgegeben hätten, für einen Zweck verwendet wird, der so niemals Lohnenswert währe und damit Industrie entsteht, die keiner braucht. Und die ist dann vom Staat abhängig.

Außerdem habe ich mich ja nicht gegen Staaten geäußert, sondern gegen Eingriffe in die Wirtschaft. Das ist etwas Grundsätzlich anderes.

0

Was möchtest Du wissen?