War das vereinte Deutschland noch unsozialer?

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7 Antworten

Da geht es nicht um ein vereintes Deutschland, sondern um die Revolution von 1918. Und was sie den Arbeitern gebracht hat.  Such mal nach "Pakt mit den alten Mächten" und überlege, was denn diese Revolution für die Arbeiter gebracht  hat.

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Man muss diese sozialen Fragen auch unter dem wirtschaftlichen Kontext sehen.

Mit der Industrialisierung ging die Schere binnen weniger Jahre extrem auseinander. Die Gewinne der Unternehmer waren im Vergleich zu heute gemessen an Umsatz und gemessen an den Löhnen der Arbeiter gigantisch.

Verantwortungsvolle Unternehmer wie Krupp haben dann von sich aus Sozialleistungen eingeführt, die aber natürlich mit dem heutigen Standard und auch dem Standard der 20er Jahre noch gering waren.

Lies mal Bücher aus der Zeit. Da hatten bürgerliche Haushalte wie Ärzte, Bankdirektoren z. B. immer mindestens eine Hausangestellte. könnte sich heute kaum einer leisten. Die Einkommensunterschiede waren viel höher als heute.

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Kommentar von liquorcabinet
19.12.2015, 17:37

Im geeinten Deutschland kam es dann mehr zu den Auswirkungen oder generell zur Industrialisierung?!

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Zwangsläufig mußte das Deutschl. nach 1918 unsozials sein, da den Reichen ihr Reichtum unangetastet verblieb, dazu der Knebelvertrag von Versaille, der D. große Bürden auferlegte.

Tucholsky schreibt verbittert und spöttisch über die junge Republik, die im Grund keine Verbesserungen für die Lohnabhängigen erbrachte. Da die Novemberrevolution scheiterte, haben auch Richter gegen Revolutionäre gewütet, kein Wunder dass der Schriftsteller sie nochmal extra erwähnte.

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Was meinst Du mit "vereintes Deutschland"? Die Wiedervereinigung war 1990. Tucholsky schrieb das Gedicht aber 1928 und bezog sich auf die Novemberrevolution von 1918. Ein vereintes oder geteiltes Deutschland kommt in diesem Zusammenhang nicht vor.

Was Tucholsky ausdrückt, ist, daß sich durch die gescheiterte Revolution nichts geändert hat. Nichts ist besser geworden, weil die alten Macht- und Eigentumsverhältnisse de facto bestehen geblieben sind. Lediglich die Sonderrechte des Adels waren abgeschafft. Ansonsten waren die alten Eliten auch die neuen.

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Kommentar von liquorcabinet
19.12.2015, 21:10

Ich meine damit einen einheitlichen Nationalstaat - also eine Republik. Habe das einfach mal als geeintes Deutschland bezeichnet.

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Kommentar von liquorcabinet
19.12.2015, 21:11

Und er bezieht sich doch darauf, dass sich nichts durch die neu entstandene Republik geändert hat, sondern die Verhältnisse die gleichen wie unter Kaiser Wilhelm sind - nur, dass sie sogar noch schlechter sind (wieso auch immer).

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Deutschland wurde 1871 geeint. Der Kanzler hieß Bismarck und der Kaiser Wilhelm. Deine Frage ist also zeitlich durcheinander 

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Kommentar von liquorcabinet
19.12.2015, 17:08

Okay, also als es das vereinte Deutschlang gab, hieß der Kaiser Wilhelm. Und war das vereinte Deutschland denn nun unsozialer, als die Kleinstaaterei zuvor?

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hi liquorcabinet - ich glaub, dass die herrschende Klasse damals wie heute gleich asozial, egozentrisch und profitgeierig ist.

Der Unterschied: damals waren die Leute, also Arbeiter und so, viel viel besser organisiert und deswegen mächtiger und einflussreicher als heute.

Vergleich doch bloss mal die SPD heute und im Kaiserreich, wo Bismark ne vorbildliche Sozialgesetzgebung machen musste, so stark war die spd, auch noch in der illegalität.

Heute fühlt sich die spd an bloss noch wie n warmer pups, die grünen leben geistig in nem paralleluniversum und die linke ist so staatsmännisch und staatstragend dass se kaum noch loofen kann.

Also kann die herrschende Klasse echt machen was sie will, du kannst deine drei Kreuze hinmachen wo de willst, nach der Wahl machen die einfach ihren Stiefel weiter.

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Kommentar von suziesext04
19.12.2015, 17:09

Richter. er meint Richter und Gerichte, die Klassenjustiz betrieben haben. In der Weimarer Zeit.

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Kommentar von liquorcabinet
19.12.2015, 17:10

Ich kann alles von dir unterstreichen, nur hat das jetzt nicht meine Frage beantwortet :( Ich verstehe nämlich nicht, wieso es in dem Gedicht quasi heißt, dass das vereinte Deutschland noch schlimmer war, als die Situation davor. Was genau war im vereinten Deutschland politisch noch schlimmer?!   Zu deinem Punkt, dass die Arbeiter damals viel viel besser organisiert waren; Würde man das heute nicht mehr so hinbekommen? 

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Das Gedicht scheint mir etwas ungerecht, aber es ist sicher so zu verstehen, dass Tucholsky und viele eher links bis kommunistisch orientierten Demokraten von der Weimarer Republik enttäuscht waren.

Man muss sich bewusst sein, dass viele Eliten nach 1918 nicht ausgetauscht wurden - gerade die Richter beispielsweise.

Eine sehr interessante Frage, die ich auch hier reinstelle: 

http://geschichte-forum.forums.ag/t781-gedichtinterpretation-kurt-tucholsky-1928-zehn-jahre-deutsche-revolution#8359

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