War das Leben in der DDR einfacher als in der BRD?

... komplette Frage anzeigen

9 Antworten

Es war nicht alles schöner und besser. Aber vieles war einfacher und pragmatischer in der Umsetzung.

Diesen gruseligen Bürokratieterror, wie wir ihn heute erleiden, gab es z.B. damals nicht. Meinen ersten Ordner mußte ich mir privat erst 1990 kaufen. So gab es damals z.B. eine staatliche Krankenkasse und nicht hunderte. Und als Nachweis über die Versicherung gab es einen einheitlichen Sozialversicherungsausweis. Dieser galt aber nicht nur für die Krankenversicherung sondern auch für die Rentenversicherung. Ebenso gab es eine staatliche Vericherung und nicht hunderte, bei denen man Preise und Versicherungsbedingungen vergleichen muß und im Zweifel trotzdem über den Tisch gezogen wird.

Heute wird man mit irgendwelchen Schreiben zugeschüttet, daß man gar nicht mehr weiß, wo man den Blödsinn überall abheften soll.

Ebenso die Preisbildung. Alle Preise waren republikweit einheitlich. Ein paar Schuhe der Marke XY kostete in Rostock genauso viel wie in Dresden. Man mußte also keine Preise vergleichen, und braucht nicht befürchten, zu viel zu bezahlen.

Ebenso Berufsausbildung und Arbeitsleben. Man hat sich für eine Lehrstelle beworben und hat diese bekommen. Und wenn nicht diese, dann eine andere. Aber man bekam eine Lehrstelle. Die Unterbringung in Lehrlings- und Studentenwohnheimen war geregelt. Heute muß man sich als Student mit 30 anderen Bewerben um ein Zimmer prügeln und weiß zu Studienbeginn nicht, ob man überhaupt noch rechtzeitig unterkommen wird. Diese Zustände, wie ich sie zu Studienbeginn bei meinen Kindern erlebt habe, kenne ich so von früher nicht. Es war auch früher in der Regel kein Problem, einen Krippen/Kindergartenplatz zu finden. Versuch das heute mal in den alten Bundesländern.

Während seinerzeit vieles klar geregelt war, man sich darauf einstellen konnte und wußte, was die Zukunft bringt, ist heute vieles unklar und ungewiß. Hochqualifizierte Menschen, die sich von Praktikum zu Praktikum oder Zeitarbeitsvertrag zu Zeitarbeitsvertrag hangeln müssen, Zukunfts- und Existenzangst... Diese Unsicherheiten tragen dazu bei, daß die Zahlen der psychischen Erkrankungen (Depressionen, Burnout) immer mehr steigen. Wenn ich sehe, wie diese Erkrankungen in meinem Umfeld zugenommen haben, wird mir ganz anders.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Es gibt Leute die der einen Ansicht sind und andere haben eben die andere Ansicht. Ich denke, dass es auch eine Frage ist, wie man aufwuchs.

Ich kann als Wessi,  vieles nicht nachvollziehen, was in der DDR normal war und umgekehrt. 

Es gibt aber auch Ex-DDR Bürger, denen umgeehrt ebenso geht.

Eventuell wäre ich ganz ander Ansicht, wenn ich dort 1960 in die Schule gekommen wäre. hätte meine Zeit bei den Pionieren und in der FDJ verbracht, anstatt beim CVJM. Eventuell hätte ich einen anderen Beruf erlernt usw.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Irgendwie war es einfacher und schwieriger zugleich. Einfacher war es, weil es offiziell keine Arbeitslosigkeit gab, jeder hatte Arbeit (auch wenn er manchmal mehrere Stunden lang nichts zu tun hatte) und man konnte auch nicht obdachlos werden oder ohne Krankenversicherung da stehen.  Aber man hatte auch nicht die vielen tollen Annehmlichkeiten, die es heute gibt: riesiges Warenangebot, freie Medien, Reisefreiheit , Recht auf freie Meinungsäusserung.  Es konnte einem eben passieren, das man wegen einem politischen Witz für ein paar Jahre ins Gefängnis wanderte.  Und es war  frustrierend, das das Warenangebot so schlecht war. Es gab Zeiten, da gab es bei uns in der Kaufhalle (heute nennt man sowas Supermarkt) noch nicht mal Apfelmus oder ein Glas Kirschen zu kaufen. Ketchup war damals schon sowas wie Luxus, wenn es den gab, dann stand da ein Schild: Bitte nur eine Flasche nehmen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von voayager
28.01.2016, 17:41

 Politische Witze reißen zu können oder nicht, ist nicht so wichtig, - das redet man uns hier nur ein - ein anständiges Warenangebot allerdings schon.

1
Kommentar von Huckebein3
14.02.2017, 11:33


Einfacher war es, weil es offiziell keine Arbeitslosigkeit gab, jeder hatte Arbeit (auch wenn er manchmal mehrere Stunden lang nichts zu tun hatte)

Wenn das bei dir so war, ist das sehr schade und wäre ein Grund für dich gewesen, dich um eine andere Arbeit zu bemühen, wo du nicht herumsitzen musstest. Solche Arbeitsplätze gab es genug...

Du hast ganz gewiss keinen Einblick gehabt in die vielen Tätigkeiten, die im DDR-Maßstab anfielen und, angefangen vom Hilfarbeiter bis zu denen mit Hochschulabschluss, mit vollem Einsatz ausgeführt wurden, wobei zweifellos auch solche Arbeiten anfielen, wo man sich mit Materialknappheit und den damit verbundenen Erscheinungen auseinanderzusetzen hatte. Aber Däumchen zu drehen und zu warten, bis Engpässe überwunden waren, brauchte keiner. Es gab in jeder Situation genug zu tun, was durchaus mit der regulären Tätigkeit zu tu n hatte. Alles andere ist übernommener unreflektierter Unsinn von Leuten, die es nicht besser wussten oder wissen wollten.


Es konnte einem eben passieren, das man wegen einem politischen Witz für ein paar Jahre ins Gefängnis wanderte.

Manchmal frage ich mich, in welcher DDR du gelebt hast.

NIEMAND ist allein wegen eines politischen Witzes in den Knast gegangen. Dazu gehörte schon etwas mehr. Wenn allerdings politische Witze die Ergänzung zu sonstiger zersetzender Tätigkeit, zu offensiver Hetze oder DDR-schädigenden Aktivitäten waren, dann lag Knast schon mal drin. (Das zu bewerten lasse ich zu dieser Frage aus)

Selbst unter Parteimitgliedern auf Beratungen und Versammlungen grassierten ständig Witze über Honnecker, Mielke und Mittag und waren durchaus als Kritik zu werten.

Das ging sogar so weit, dass seit etwa 1986 auf den immer öfter stattfindenden Betriebsversammlungen keine Rücksicht mehr darauf genommen wurde, ob eventuell jemand anwesend war, der die Debatten zur Weitergabe verfolgt.

Wenn ich deine sich ständig wiederholenden Bemerkungen über fehlende Kirschen, Ketchup, Apfelmus etc. lese, frage ich mich, ob das wirklich dein Horizont ist...

0

Ja und Nein! Ja..das waren die Verhältnisse im Arbeitsmarkt,Kündigungen wurden nur selten ausgesprochen. Nein.. das war die allgemeine Versorgungslage im Alltag die manchen Menschen beizeiten graue Haare brachte weil es hier und dort zu Lieferschwierigkeiten kam in der Wohnungsausstattung und im Servicebereich der Fahrzeuge . Ausweg war die zweite Währung- die Deutsche Mark die öffnete fast alle Türen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Viele Arbeitsplätze waren doppelt besetzt, dazu kamen Parteisekretäre, Gewerkschaftssekretäre ,,,

Meine neuen Freunde - ab 1990 - in Mecklenburg konnten nicht verstehen.  daß ich sie nicht "einfach mal für eine Woche" aus HH besuchen konnte,,,, Es gab keine "Vertretung"!!!

Es gab zwar in der DDR keine "Not", aber viele Schlangen für "Bückware" und Baumaterial,,,, man stellte sich stundenang an . irgendetwas würde es schon geben - das konnte man eintauschen,,,

Wer "blaue Kacheln" (100-DM-Scheine) besaß oder gar Handwerker war, der war im Vorteil....

Während ihres Häuslebaues 1980 streckte der Trabbi meiner Freunde alle Viere von sich - unter der Zementlast....

Es folgte kein "Knöllchen",  sondern die NVA schickte einen Lastwagen für die Gattin des ABV,,,,,

Die Nachbarschaftshilfe ist seit 1990 leider ziemlich verkümmert....

PS: 1990 baute die NVA der Gemeinde zum Abschied  einen Anlegesteg im Hafen....

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Huckebein3
14.02.2017, 11:43


Viele Arbeitsplätze waren doppelt besetzt, dazu kamen Parteisekretäre, Gewerkschaftssekretäre ,,,

Parteisekretäre und "Gewerkschaftssekretäre", wie du es nennst,  waren keine Berufe, sondern beinhalteten organisatorische Tätigkeiten neben dem eigentlichen Beruf.
Unser Parteisekretär war Bauingenieur und hat diesen Beruf auch ausgeübt, und der "Gerwerkschaftssekretär" (bei uns der Vorsitzende der BGL - Betriebsgewerkschaftsleitung), hatte einen Hochschulabschluss als Ökonom, den er beruflich auch wahrnahm.

Ansonsten sind deine launigen Bemerkungen über gewisse Vorkommnisse durchaus akzeptabel, aber eben nur Beiwerk.

0

Ich denke, in gewisser Weise schon. Viele Freiheiten hatte man gar nicht erst, um darüber nachzudenken, welcher Weg nun wohl der richtige sein mag. In Ausbildung, Schule etc. wurde einem vieles abgenommen, mit der Absicht, eine gewisse Kontrolle über die Personen zu haben. Staatliche Muster wurden einem übergestülpt. Man wurde kategorisiert, geplant. Es gab nicht wenige, die sich im Schoß des Staates ausruhten. Offiziell gab es weder wohnungslose noch arbeitslose Personen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich glaube, du musst die Frage präzisieren. Was ist denn ein leichtes Leben? Ist ein  leichtes Leben, wenn einem viele Entscheidungen durch den Staat abgenommen werden? Dann ja. Ist ein leichtes Leben, wenn man sein Leben selbstbestimmt leben kann? Dann nein.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

in einigen Dingen ja, in einigen nein, das kann man so nicht beantworten. Das Leben was anders

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Beim Einkaufen ja. Man hörte selten Klagen über "die Qual der Wahl".

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Miramar1234
29.01.2016, 11:48

Das Wörtchen nur hätte es perfekt gemacht.Oder man war zufällig) ohnehin überzeugter Sozialist/ Kommunist.Das dürften so  7% gewesen sein.

0

Was möchtest Du wissen?