War Athen die stärkste Polis?

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4 Antworten

Athen war in der Zeit der Perserkriege auf jeden Fall eine der stärksten griechischen Poleis.

Militärisch war Sparta wahrscheinlich noch etwas stärker, Athen die zweitstärkste griechische Polis. Den Oberbefehl der griechischen Truppen hatte ein Spartiate.

Sparta (Σπάρτα) ist genaugenommen der Name der Stadt, der Name des Staatsgebietes und der Polis, die der Gesamtstaat darstellte, ist Lakedaimon (Λακεδαίμων). Die Bürger sind die Lakedaimonier (ὁι Λακεδαιμόνιοι). Vollbürger waren die Spartiaten (Σπαρτιᾶται [Spartiatai]).

Eine Frage ist, wonach Stärke bestimmt wird: Welche Faktoren werden mit welcher Gewichtung herangezogen: Fläche des Gebietes, Einwohnerzahl, Bürgerzahl, Anzahl der Soldaten, militärische Schlagkraft, Wirtschaftskraft?

Die Macht Athens ist nach den Perserkriegen noch gestiegen, mit der führenden Rolle im Seebund.

Zu Sparta (in der Bedeutung von Lakedaimon) gehörten damals die Landschaften Lakonien und Messenien. Es hatte deutlich mehr Fläche als die Polis Athen, die aber auch ein unter den griechischen Staaten dieser Zeit herausragend großes Gebiet hatte.

Der Staat (die Polis) der Lakedaimonier (Λακεδαιμόνιοι) hatte zur Zeit seiner größten Ausdehnung (in der er sowohl Lakonien als auch Messenien umfaßte) etwa ein Gebiet von 8400 Quadratkilometern. Die Anzahl der Vollbürger, der Spartiaten (Σπαρτιᾶται), betrug wohl auch in der Blütezeit nicht mehr als 8000 – 10000. Die antike Stadt Sparta (Σπάρτα) hatte wohl in ihrer Blütezeit nicht mehr als höchstens 20000 – 30000 Einwohner. Am zweitgrößten war im griechischen Mutterland der Staat (die Polis) der Athener (Ἀθηναῖοι [Athenaioi]) mit etwa 2600 Quadratkilometern. Die Anzahl der athenischen Bürger könnte in der Blütezeit (kurz vor dem 431 v. Chr. ausgebrochenen Peloponnesischen Krieg) maximal 50000 – 60000 erreicht haben, die Anzahl der Einwohner 200000 – 250000.

Stefan Rebenich, Die 101 wichtigsten Fragen – Antike, Originalausgabe. 1. Auflage. München : Beck, 2006 (Beck'sche Reihe ; 1689), S. 14:

„Das geographisch zerklüftete Griechenland war übersät von einer Vielzahl kleinräumiger Gemeinwesen. Um 500 v. Chr. gab es etwa 700 Poleis. Ihr Gebiet war in der Regel sehr überschaubar. Es umfaßte 50 – 100 km². Sparta (ca. 8400 km²) und Athen (ca. 2600 km²), aber auch Korinth (ca. 880 km²) sind Ausnahmen. Entsprechend gering war die durchschnittliche Bevölkerungszahl einer Polis; sie belief sich nach Schätzungen auf etwa 400 – 900 Bürger; Athen hingegen hatte Mitte des 5. Jh.s um die 40000, Sparta 8000 – 10000 Bürger.“

Das spartanische Gebiet war an vielen Stellen gebirgig. In der Einwohnerzahl und der Wirtschaftskraft waren Sparta (in der Bedeutung von Lakedaimon) und Athen vielleicht damals ungefähr gleich (es mangelt an Informationen für eine sichere Aussage).

Es gibt nicht genaue, auf statistischen Angaben beruhende Zahlen.

Während der Perserkriege war Sparta die stärkste griechische Landmacht, Athen die stärkste griechische Seemacht.

In der Schlacht bei Salamis (480 v. Chr.) stellte Athen 200 Schiffe (20 davon bekam Chalkis, eine Polis auf der Insel Euboai), mehr als die Hälfte der griechischen Flotte (Herodot 8, 1, - 2; 8, 14; 8, 43 – 48; 8, 61; Demosthenes, Rede 18 (Für Ktesiphon/Kranzrede) 238; Diodor 15, 78, 4; Cornelius Nepos, Themistokles 3, 2). Sparta stellte nur 16 Schiffe.

Herodot 7, 184, 1 setzt als eine Berechung durchschnittlich 200 Mann als Besatzung (wohl im wesentlichen Ruderer) an.

Nach Herodot 5, 97, 2 hatte Athen zur Zeit der Perserkriege 30000 Bürger.

Nach Herodot 7, 234 gab es außer den den 300 Spartiaten, die in der Schlacht bei den Thermopylen kämpften (480 v. Chr.), damals weitere 8000 Spartiaten.

In der Schlacht bei Plataia (479 v. Chr.) kämpften 10000 Lakedaimonier, darunter 5000 Spartiaten, die von 35000 leichtbewaffneten Heloten (Verhältnis; 1 Spartiate : 7 Heloten) begleitet waren, und neben weiteren griechischen Truppen 8000 Athener (Herodot 9, 28).

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Das kann schon sein. Genaue Zahlen über das militärische Potential der großen Stadtstaaten wie Athen und Sparta sind nicht überliefert. Jedenfalls war Athen es, nachdem es den "Attischen Seebund" gegründet hatte, in wirtschaftlicher Hinsicht und als Seemacht für eine geraume Zeit.

MfG

Arnold

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Kommentar von pontios94
09.12.2015, 22:34

wobei ich sparta oder makedonien die medallie fürs militär im allgemeinen oder zumindest heeresführung geben würde :)

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Die größte Seemacht war Athen,auf dem Lande waren ihnen die Spartaner überlegen!

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Sie hatten aber keine Chance gegen die Perser und haben trotzdem verloren

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Kommentar von pontios94
11.12.2015, 15:47

ist das so?

denn soweit ich weiß war die flotte der athener letztendlich auch ausschlaggebend für den sieg

Die Schlachten bei Platää und Mykale (479 v. Chr.)

Im Frühjahr 479 v. Chr. rückten die Perser erneut gegen Athen vor und verwüsten die zerstörte Stadt weiter. Wenig später errangen die Griechen aber unter Führung eines Spartaners den entscheidenden Sieg. Bei Platää vernichtete das bis zu diesem Zeitpunkt größte griechische Heer die persischen Eindringlinge. Die Kriegsbeute, die nach dem Sieg verteilt wurde, war der größte Schatz, den die Griechen je gesehen hatten.
Im Herbst des gleichen Jahres war das zur führenden Seemacht aufgestiegene Athen noch einmal auf dem Meer erfolgreich. Die Reste der beim Mykale-Gebirge vor der kleinasiatischen Küste liegenden persischen Flotte wurden vernichtend geschlagen.

Die Seeschlacht bei Salamis (480 v. Chr.)

THEMISTOKLES hatte den Ausbau des Hafens von Athen, Piräus, zum Kriegshafen betrieben. Vor dem Einfall der Perser hatte er darüber hinaus den Bau einer Kriegsflotte durchgesetzt. Athen verfügte damit über eine starke Flotte aus mehr als 200 Trieren.
Um die mit über 600 Schiffen weit überlegene persische Flotte zu schlagen, bediente sich THEMISTOKLES einer List:
Er lockte die Perser in die Meerenge zwischen dem griechischen Festland und der Insel Salamis (Bild 1). Dort blockierten sich die Schiffe der Perser gegenseitig und konnten nicht ihre Kampfkraft entfalten. Die zahlenmäßig unterlegenen, aber wendigen Kriegsschiffe der Griechen versenkten ein Schiff der Perser nach dem anderen.
Ein Augenzeuge, der berühmte Dichter AISCHYLOS, berichtet:

„Ich sah das ägäische Meer über und über mit Leichen bedeckt; man schlug auf Menschen wie auf Thunfische ein, mit zerbrochenen Rudern und mit Stücken vom Schiffsholz.“

Nach der Niederlage in der Seeschlacht bei Salamis zogen sich Heer und Flotte von XERXES, der das Massaker von einem an der Küste extra errichteten Thron aus ansehen musste, im Herbst 480 v. Chr. nach Kleinasien zurück.

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