Wann wäre der richtige Zeitpunkt für einen Zweithund?

Das Ergebnis basiert auf 17 Abstimmungen

Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, weil... 76%
Der richtige Zeitpunkt wäre in 6-7 Jahren, weil... 17%
Der richtige Zeitpunkt wäre in 2-3 Jahren, weil... 5%

8 Antworten

Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, weil...

Eigentlich würde ich auch für "in 2-3 Jahren" stimmen, aber ich kann nur eines auswählen.

Also es ist keine Entscheidung, die man von der Ferne treffen kann. Das kommt immer auf die Rasse und vor allem dem Charakter vom Hund an. Du kennst deinen Hund am besten und kannst besser abschätzen, wann der richtige Zeitpunkt für sie ist.

Wir hatten einen Sheltie namens Elvis, der einen Zweithund bekommen hat, als er 10 Jahre alt war. Er war fast blind und konnten nicht mehr allzu viel hören, außerdem ist er bei Spaziergängen ziemlich träge geworden. Nicht weil er es körperlich nicht mehr konnte, wir wissen nicht genau warum. Wir haben uns dann ebenfalls einen Sheltie angeschafft, ein Welpe namens Bounty. Zuerst hätte Elvis ihn am liebsten wahrscheinlich bis zum Mond geschossen. Es hat aber nicht lange gedauert und das Eis war bei ihm gebrochen. Er hat immer mehr die Nähe zu Bounty gesucht. Er hat sich total an ihm orientiert, als seine Sinne nicht mehr so funktioniert haben. Bei Spaziergängen ist er immer dem Geruch der Spur von ihm gefolgt. So ein junger Hund läuft natürlich nicht nur stur gerade aus und macht auch mal abstecher zum Feld. Witzigerweise ist Elvis auch dieser Spur gefolgt. Er hatte einfach vollstes Vertrauen. Es war sehr schön mitanzusehen. Elvis hatte seinen zweiten Frühling dadurch erlebt und ist mit ihm zum Teil durch den Garten und den Wald geflitzt. In einem Alter von 13 Jahren war er sogar noch mit uns in den Dolomiten wandern. Also auch wenn er viele Medikamente bekommen musste, er war total gut eingestellt und körperlich hat er noch viel geschafft. Bounty war ein Geschenk für ihn.

Jetzt kann ich natürlich nur von unseren Hunden sprechen, das kann auch total ins Auge gehen, dass der Ersthund den zweiten beispielsweise nicht akzeptiert, wenn er schon älter ist, vielleicht weil das Rudel schon so eingeschweißt ist.

Als Elvis mit 14 Jahren plötzlich verstorben ist, wollten wir eigentlich erstmal keinen zweiten Hund mehr. Wir haben Bounty extra mitgenommen, damit er sich von Elvis verabschieden kann. Er hat ihn einmal kurz beschnüffelt und wusste sofort, was los war. Es war OK für ihn und er hatte verstanden, dass es Elvis nicht mehr geben wird. Ich glaube, dass dieser Schritt sehr wichtig war, damit er ihn nicht überall zu Hause zu suchen beginnt.

Bounty kannte es natürlich überhaupt nicht, wie es als Einzelhund ist. Weil wir wussten, dass Elvis vor ihm gehen würde, haben wir natürlich fleißig trainiert, dass er auch ohne Elvis keinen Stress hat und alleine bleiben kann. Das klappte natürlich sehr gut. Nur die Theorie einzuproben ist etwas anderes, als wenn es dann wirklich soweit ist.

Bounty ist sehr träge geworden und das im Alter von 4 Jahren. Er ist geschlichen beim Spazierengehen und seine Lebensfreude schien teilweise verschwunden. Dann haben wir uns letztes Jahr entschlossen, dass wir wieder einen Welpen haben wollen, damit Bounty nicht mehr so alleine ist. Zumindest ich habe gesagt, dass ich nicht unbedingt nochmal einen Zweithund zu einem sehr alten Hund dazuholen würde, auch wenn es bei uns wirklich super funktioniert hat. Ich finde, dass man einen genauen Zeitpunkt nicht bestimmen kann. Ich finde es vielmehr wichtig, dass der erste Hund gut erzogen ist und zuverlässig hört. Man muss aber auch abschätzen, ob dein Hund für einen zweiten geeignet ist oder ob es ihn viel mehr stressen würde.

Im März war es bei uns soweit und ein neuer Welpe, Benji, ist bei uns eingezogen. Es war für uns ein guter Zeitpunkt, Bounty ist 4 Jahre alt und wir fanden es ein gutes Alter. Außerdem ist er gut erzogen und ich habe mit ihm die Begleithundeprüfung gemacht. Er ist also ein gutes Vorbild für den Kleinen.

Vor allem haben wir gesagt, dass Bounty unbedingt einen neuen Kumpel braucht, weil er echt nicht mehr so agil war. Auch für ihn war Benji ein Geschenk, auch wenn er teilweise wirklich extrem genervt ist von ihm. Aber das gehört dazu und sie haben auch viel Spaß zusammen. Bounty wirkt nun endlich wieder lebensfroher.

Zu deinen Bedenken mit der Rangordnung, wenn der Hund schon älter ist. Ich bin der Ansicht, dass der ältere Hund nicht immer gleich der Ranghöhere sein muss. Elvis und Bounty waren eher schon fast auf einer Ebene. Elvis fande das auch in Ordnung, er hat es sich selbst so ausgesucht. In manchen Situationen hat er zwar gezeigt, dass er der Chef ist, aber das war eher selten. Es war insgesamt sehr harmonisch. Die Hunde machen es sich schon passend die Rangordnung, wie sie es für richtig halten. Wenn die Hunde entspannt zusammen sind, ist es doch das wichtigste. Ich hoffe, dass man die Erklärung zu der Rangordnung verstehen kann. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll.

Bei uns ist bisher keiner der Hunde wirklich eifersüchtig gewesen, wenn es beispielsweise ums Training ging. Sie wussten, dass jeder dran kommt. Wir handhaben es aber so, dass der Ersthund immer als erster dran ist, damit Neid erst gar nicht aufkommen kann.

Das war jetzt viel Text und ich hoffe, dass ich dir damit helfen konnte :)

Danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Das war sehr hilfreich für mich!👍

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Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, weil...

Ich habe zu meiner gut ausgebildeten Labradorhündin im Alter von 3Jahren auch einen Sheltie- Mix dazugeholt, weil meine Dicke doch schon recht träge war, wenn wir allein mit ihr Gassi gingen. Und es war genau das Richtige. Innerhalb kürzester Zeit erlernte der Jungspund alle Kommandos, weil er asich einfach an der Großen orientierte. Er war viel leichter auszubilden. Und unsere Große war dadurch auch bis ins hohe Alter aktiv, weil der Kleine sie stets forderte. Das Glück der beiden hat mir damals selbst so viel gegeben, dass ich mir zu meinem jetzigen auf alle Fälle wieder einen zweiten dazuholen werde. Viel Freude wünsche auch ich dir mit deinen, ja sicher bald 2, Vierbeinern.

Vielen lieben Dank für deinen Erfahrungsbericht! 👍

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Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, weil...

Entscheidend ist diese Feststellung:

Wenn der zweite Hund jetzt zu uns käme, wäre meine Hündin selbst noch jung und hätte einen Spielkameraden. Andererseits übe ich zwischen den Einsätzen immer noch viel mit ihr (obwohl sie ein sehr gelassenes Wesen hat und Erlerntes mühelos abrufen und einsetzen kann) und wäre dann damit, mit den Therapieeinsätzen und mit der aufwändigen Ausbildung des neuen Welpen doch sehr beschäftigt.

Wir haben jahrelang Collies gezüchtet und diese auch gut für den Alltag ausgebildet. Als wir aus einem Wurf einen Welpen behielten, waren die Eltern rund 3 Jahre alt. Dann haben wir festgestellt, dass die Ausbildung des Welpens enorm leicht fiel, weil er sich schlichtweg vieles von den Alten abgeguckt hat. Könnte mir daher vorstellen, dass wenn du den Welpen erstmal nur zugucken lässt, wie deine jetzige Hündin weiter ausgebildet wird und ihre Einsätze macht und ihn dann langsam integrierst, dass er dann ganz schnell vom großen "Vorbild" lernt.

Für eine etwas spätere Dazunahme des Welpens würde allerdings die Kontinuität deiner Arbeit sprechen, sodass dann, wenn deine jetztige Hündin in Rente geht, der Welpe die Arbeit noch einige Jahre weiterführen könnte und dann erneut einen Welpen gut anlernen könnte, wenn deine jetzige Hündin den Weg allen Irdischen geht.

Danke! 😀

Leider dürfen unausgebildete Hunde beim Einsatz ausgebildeter Hunde nicht einfach so "zugucken" (rechtlich)! Aber ich weiß genau, was du meinst, und beim Üben könnte sich der neue Hund trotzdem vieles abschauen.

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