Wann kamen die Menschen auf die Idee einander zu "Siezen"?(42)

4 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Eine großangelegte Untersuchung hätte viele Sprachen einzubeziehen, weil die Verhältnisse in den einzelnen Sprachen verschieden sind. In der hebräischen, altgriechischen, lateinischen und gotischen Sprache war ausschließlich Duzen bekannt.

Das Siezen ist eine Höflichkeitsform.

Im frühen Mittealter entstand aus dem Pluralis Majestatis römischer Kaiser in der Spätantike das „Ihr“ (Ihrzen). Diese pronominale Anredeform ging von einem Hierarchieverhältnis in den sozialen Beziehungen aus. Sie war Ehrerbietung gegenüber Höhergestellten und respektvolle Anerkennung anderer Menschen. Auch schon im Frühmittelalter (mittelhochdeutsche Sprache) ist das „Sie“ als Respekt ausdrückende Anrede belegt, es wurde aber zunächst anscheinend wenig verwendet.

Anreden wie „Ihro Liebden“, "Euer Gnaden/Majestät", waren gebräuchlich.

Das „Ihr“ verbreitete sich auch unter Bürgern in der höfischen Gesellschaft Ende des 17. Jahrhunderts. Adlige suchten sich neue Anredeformen, um sich von niedrigen Schichten abzugrenzen. Das „Er/Sie“ (3. Person Singular) galt aber nur kurze Zeit als fein, dann wurde es als unpassend empfunden, so über Anwesende zu reden, und es drückte Geringschätzung aus.

Beim Übergang von der Ständegesellschaft zur bürgerlichen Gesellschaft (Ende des 18. Jahrhunderts – 19 Jahrhundert) wurde wegen der Wertschätzung einer formalen Gleichheit die Funktion der Anredeform, eine Rangordnung auszudrücken, allmählich beendet. Weil den Vornehmen auch kein allgemeines Du (eine radikale Forderung in der Französischen Revolution) gefiel und auch einfache Leute das moderne „Sie“ (3. Person Plural) zunehmend wünschten, wenn die Beziehung eher durch Abstand/Ferne als Nähe geprägt war, setzte sich als höfliche Anrede das „Sie“ durch. Das „Du“ hat die Funktion der Vertrautheit und Nähe, der Privatsphäre und der Sprache des Herzens.

Ein zum Thema interessantes Buch:

Werner Besch, Duzen, Siezen, Titulieren. Zur Anrede im Deutschen heute und gestern. 2. ergänzte Auflage. Göttingen : Vandenhoeck und Ruprecht, 1998, ISBN 3-525-34009-5 (Kleine Reihe V & R ; 4009)

Noch im 18. Jhd. sprach mal höher gestellte Personen in der dritten Person an, wobei allgemein Familienmitglieder gesiezt wurden. Ebenso Freunde und Bekannte. Später, im auslaufenden 18. und beginnenden 19. Jhrd. siezte man im allgemeinen Fremde und Personen höheren Standes.

Das ist zwar richtig- aber eine Frage: gab es im Lateinischen oder Altgriechischen nur eine Version, - nämlich das Du? Dann ist es wohl erst mit der Entstehung der französischen Sprache als Abgrenzung des Adels gegen die niedrigen Stände entstanden.

0

das stammt aus der Zeit, wo es noch Untermenschen gab, die mussten die Respektspersonen unterwürfig ansprechen.

Was möchtest Du wissen?